Heute wähle ich meine gestrige Spazierrunde in entgegengesetzter Richtung. Noch mehr als gestern fällt mir diese wunderbare Ruhe auf. Die Luft erscheint mir frischer als noch vor zwei Wochen, als die Autobahnen und Bundesstraßen rappelvoll mit Autos waren. Der Stille lauschen, das bedeutet die Natur deutlicher wahrzunehmen. Ich kann mich nicht daran erinnern in meiner Heimatstadt Leverkusen je solch eine Zeit erlebt zu haben.

Es wird ruhig im Innen und im Außen

Jeder empfindet diese Zeit anders. Ich bin gerade frisch in Rente, hatte mir vorgestellt meine Freiheiten auszuleben, zu reisen und darüber Blog zu schreiben. Ein Teil dieser Reisepläne, vor allem Kooperationen, sind inzwischen storniert. Niemand weiß, wann wir wieder frei durch Deutschland reisen dürfen. Mich erstaunt meine eigene Haltung und mein eigenes Gefühl in dieser Zeit. Anfänglich war da ein Sträuben gegen die Einschränkungen, die mir dort auferlegt wurden. Es kann doch nicht sein, dass meine neu gewonnene Freiheit in einem so starken Maße beschnitten wird.

Meine Enkelin habe ich nun schon seit ein paar Wochen nicht mehr gesehen. Ganz im Gegensatz zu mir hat mein Sohn schon sehr zeitig erkannt, wie wichtig es ist Abstand zu halten. Drei Wochen ist das her. Diese Kontaktsperre ist für mich besonders schlimm, zumal ich davon ausgehen muss auch in den Osterferien keinen Enkelbesuch zu bekommen.

Wenn keiner lärmt – Der Stille lauschen

Vor einigen Tagen geschah das, womit ich überhaupt nicht gerechnet habe. Mein Leben wird etwas neu eingerichtet. Ein Nachbar erledigt die Einkäufe für mich, ich halte nun absolute Kontaktsperre. Plötzlich ist dieser Zustand für mich erstaunlich leicht erträglich.

Der Stille lauschen
Schlehdornbüsche blühen

Der wesentliche Teil meines Lebens, nämlich draußen in der Natur zu sein, ist nicht eingeschränkt. Lediglich die Anfahrtswege sind minimiert. Wanderblogger haben ja den Anspruch an sich selber Wanderer/innen auf die vorgestellten Wanderwege zu locken. DAS möchte ich momentan erst einmal zu großen Teilen aussetzen. Vernünftiger erscheint es mir, mich im eigenen Wohnumfeld zu bewegen und dort die grünen Ecken zu erkunden.

Es gibt überall grüne Inseln – Dort könnt ihr der Stille lauschen

Merkwürdig, obwohl schon hundert Mal mit Spike begangen, zeigt sich die kleine, zweistündige Runde als ausgesprochen abwechslungsreich. Es gibt tatsächlich auch hier täglich Neues zu entdecken. Und dann…….

Ich fühle mich jetzt, da ich gerade hier draußen unterwegs bin, richtig glücklich. Ist das zu fassen? Muss ich ein schlechtes Gewissen haben? Ich bin glücklich, weil es keine wirklich schlimmen Ängste gibt, weil ich mich durch Kontaktsperre davon verschonen kann dass mir zumindestens Corona zu nah kommt.

Nein, das ist kein Garant für Unversehrtheit und Überleben, aber das ist doch eine Gefahr der wir ständig und täglich ausgesetzt sind auch ohne Corona. Ja, ich bin glücklich ob des Frühlings, der sich gerade von seiner besten Seite zeigt. Es ist ganz so als wolle das Wetter ein Pflaster auf die ängstlichen Seelen legen. Bei mir funktioniert es.

Es durchdringt mich eine hochgradige Zufriedenheit in der Stille der von Lärm befreiten Welt. Die Sonne gewinnt den Machtkampf gegen den Wind und wärmt ab mittags. Der Duft erster Blüten schwebt in der frischen Luft.

Aber das ist doch ein Wanderblog

Vielleicht fragt sich der ein oder andere, ob ich vielleicht dabei bin meinen Blog kaputt zu schreiben, indem ich so viel über meine Gedanken und Gefühle schreibe. Ganz ehrlich, dass mir ist mir im Moment tatsächlich vollkommen gleichgültig. Der Virus baut gerade unser aller Leben um, auch meins. Mein Blog wurde ursprünglich als Onlinetagebuch gestartet, gerade die richtige Plattform für Persönliches. Trotzdem wird es zwischendurch Blogbeiträge zu Wanderungen im nahen Umfeld geben.

Mir persönlich ist bisher nichts passiert, was mein Leben exorbitant einschränken würde. Da haben Freiberufler und überhaupt Selbstständige ganz andere Sorgen. Nicht jede/r kann seine Onlineplattformen so frei nutzen. Ich kann es, ich tue es und am Ende wird sich zeigen in wiefern sich auch mein Leben als „Bloggerin“ verändert hat.

Wir können für unser Land eine Menge tun

Am Ende möchte ich noch einen Tipp loswerden. Viele selbstständig Arbeitende und Freiberufler in unserem Land benötigen jetzt unser aller Hilfe. Das betrifft vor allen Dingen die kleinen Unternehmen. Ich selber favorisiere bei meinen Ferien Aufenthalten ohnehin schon unser eigenes Land. Wir haben jetzt die Chance nach dieser gewaltigen Krise in unserem eigenen Land für Investitionen zu sorgen. Urlaube in Deutschland, Einkauf regionaler Produkte und wer jetzt im Augenblick mehr Zeit zum Lesen hat der kann beim Buchhändler vor Ort die Bücher bestellen. Viele Buchhandel lassen ihre Kunden einzeln an oder in die Geschäftsräume, um die bestellten Bücher abholen zu können.

Da dies hier ein Wanderblog ist, kann ich die zahlreichen Wanderführer und Bildbände zu unserem Land nur empfehlen. Ich möchte hier ausnahmsweise nicht auf einzelne Verlage eingehen, wir haben jetzt alle Zeit der Welt um zu stöbern und auszusuchen.

Ich wünsche euch allen eine kontaktfreie Zeit des physischen Körpers, jedoch eine sehr kontaktintensive Zeit durch Nachbarschaftshilfen etc. Wir sind in der fantastischen Lage über WhatsApp, Skype und andere Messenger in Kontakt zu treten und am Leben unserer Familien und Freunde teilzuhaben. Das ist ein Vorteil der heutigen digitalen Welt.

Der Umwelt zuliebe

Mir fällt auf, dass momentan statt Papiertaschentücher vermehrt Hygienetücher und Desinfektionstücher in den Büschen und auf den Wegen liegen. Bitte, bitte nehmt eine Tüte mit und sammelt dort eure Reinigungstücher. Die Umwelt atmet gerade spürbar auf, gebt ihr eine Chance wie wir eine Chance haben möchten den Corona Virus zu überleben.

Am Ende noch einen kleinen Blick auf die Sandbienen, die momentan zu Hunderten über die am Mittag aufgewärmte Sandflächen fliegen.

5 Kommentare

  1. Liebe Elke, du schreibst fantastisch über deine Erlebnisse, Gedanken und Gefühle…. Der Artikel von gestern, dem 23. März 2020 spricht mir vollkommen aus der Seele. Da ich auch in Rente bin, gefällt mir zur Zeit auch besonders die Ruhe, die Entschleunigung und besonders natürlich die strahlende Sonne am blauen Himmel. Mach bitte weiter so mit deinem schönen Blog und bleib auch gesund und pass auf dich auf!…. mit herzlichen Grüßen Karin… aus der Nachbarschaft…

    1. Vielen Dank liebe Karin,
      das tut gerade gut. Irgendwie gerate ich mit meiner großen Schnüss immer wieder in Diskussionen, gerade zum Thema Corona.

      Noch ein paar Wochen, dann können wir vielleicht wieder ein wenig entspannter leben.

      Ganz liebe Grüße rüber in die Nachbarschaft und bleib ebenfalls gesund!

  2. Der Artikel spricht mir so ein bisschen aus dem Herzen…

    Ich bin schon 2017 in Teilzeit gegangen, damit wir mehr reisen können (meine Frau ist schon in Rente).

    2017 sind wir nicht viel gereist, weil wir vernünftig waren und erst mal den kleinen Renovierungsstau in unserer Wohnung abgebaut haben (warum eine Renovierung fast ein Jahr dauert, ist noch mal ein Thema für sich…).

    2018 und 2019 sind wir nicht viel gereist, weil wir vernünftig waren, weil bei mir eine zwar nicht schwerwiegende, aber doch langwierige Erkrankung diagnostiziert wurde, was sich aber dann, als ich mich endlich operieren lassen wollte, als Fehldiagnose herausgestellt hat.

    Jetzt haben wir 2020, es gibt Corona und jetzt müssen wir vernünftig sein.

    Aber war es vorher vernünftig, vernünftig zu sein?

    Alle haben gesagt, reise so lang Du kannst, vielleicht geht es irgendwann nicht mehr. Daher bin ich ja so früh in Teilzeit gegangen, weil ich es mir erlauben konnte und weil ich reisen wollte.

    Doch nicht früh genug?

    Ich glaube, im nächsten Leben bin ich weniger vernünftig…

    1. Tja die Vernunft, sie kann uns alle wohl noch am ehesten vom Leben fernhalten. Aber ist es wirklich immer die Vernunft? Kann es auch die Liebe zum eigenen Heim sein, zu renovieren? Alles hat so seine zwei Seiten. Manchmal fehlt auch einfach die Kraft, wenn wie bei Dir eine Erkrankung in das Leben rauscht. Dann sind es vielleicht die kleinen Dinge, die Genuss und Lebensfreude bringen.

      Die Frage ist, will ich wirklich reisen, muss ich reisen? Manchmal ist uns doch auch einfach mal nach faul sein, im Grünen sitzen und die Ruhe genießen. Wir haben viele Jahrzehnte gearbeitet und jetzt haben wir die Chance jeden Tag zu entscheiden, was uns wirklich wichtig ist. Alle haben gesagt……. ist es vielleicht gerade DAS, was uns zu Handlungen treibt, die nicht einmal unserem Wesen entsprechen.

      Vielleicht ist gerade jetzt die Zeit in uns hinein zu spüren und etwas mehr über unsere tiefsten Wünsche und Bedürfnisse zu erfahren, jeder für sich.

      Komisch, aber ich stelle gerade fest, wenn ich gestern und vorgestern die Tage für ausgiebige Spaziergänge oder eine Wanderung genutzt habe, ist mir heute evtl. nach herum sitzen, schreiben, lesen oder musizieren? Vielleicht habe ich auch Lust meine Fenster zu putzen.

      Welch ein Geschenk in der Rentenzeit, in der Teilzeit oder der gerade erzwungenen Freizeit, gerade das in jeder Sekunde neu entscheiden zu können.

      Lieber Manfred, ich wünsche alles Liebe und haufenweise Zeit für die Dinge, die wirklich Herzensangelegenheiten sind.

      Elke

      1. Danke, Elke, für Deine einfühlsamen Worte.

        Und es ist ja auch nicht so, dass wir gar nicht gereist wären in den letzten 3 Jahren. Aber halt bei weitem nicht so, wir uns das mal vorgestellt hatten. Eher so wie vorher auch schon. Vor allen Dingen hatte man aber immer einen „Hinderungsgrund im Hinterkopf“. Und das seit Jahren. Und immer der Gedanke, wenn DER Grund mal weg ist, DANN können wir aber…

        Kann man so ein Pech haben? Über 3 Jahre (und kein Ende in Sicht)? Oder ist das eher ein „Zeichen“? Ich glaube letzteres, aber wofür? Dass wir mit dem Hintern zuhause bleiben sollen? Das glaube ich eher nicht. Dafür haben wir viel zu lange – letztendlich Jahrzehnte – darauf hingearbeitet, durch eine vernünftige (andere würden sagen „sparsame“) Lebensweise, um uns das erlauben zu können.

        Ich verstehe es immer noch als Zeichen dafür, dass Vernunft manchmal fehl am Platz ist. Nicht jetzt! Aber vorher waren wir zu vernünftig und vielleicht schaffen wir es hinterher, es mal nicht soo sehr zu sein.

        Keiner kann wirklich raus aus seiner Haut. Aber man kann an sich arbeiten…

        So, und jetzt genießen wir die Essen-Vorbereitung und die Garten-Arbeiten bei dem schönen Wetter! Los geht’s…

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