Heute, am 10. Oktober, ist der „Welttag für psychische Gesundheit“. Für viele Menschen, so auch für mich, ist die dunkle Jahreszeit schwieriger zu durchleben. Nicht nur, dass der Körper sich mit diversen Schmerzen mehr mitteilt, auch die Psyche leidet. Nach wie vor ist es in der von Leistung geprägten Gesellschaft ein Gefühl von Versagen, wenn Psyche und/oder Körper Grenzen aufzeigen. Möglicherweise grenzen wir Betroffenen uns auch selber aus, indem wir genau so empfinden.
Die von viel Licht und erheblich mehr Wärme beglückten Monate des Jahres täuschen leichter über Einschränkungen des Körpers und der Seele hinweg. Viele Baustellen im Menschen zeigen sich deutlicher, wenn es kühler und dunkler wird. Es gibt sie auch im Sommer, diese Tage, und das können besonders die sonnigen sein, die es einem depressiven Menschen schwer machen in die Pötte zu kommen. Ja, ich bin davon betroffen und an solchen Tagen verstehe ich mich selber nicht, Ich schrieb vor vielen Jahren einmal darüber in einem Blogbeitrag, der unerwartet viel Resonanz erzeugte.
Seit dem ist viel geschehen. Die Ereignisse der letzten Jahre haben mir über eine lange Zeit den Eindruck vermittelt, nie wieder Glück empfinden zu können. Diese Hoffnungslosigkeit und Trauer, gepaart mit einem permanent schmerzenden Körper, keine schöne Zeit. Die erfolgreich verlaufene Hüft Tep, die Wärme und das Licht des diesjährigen Sommers waren wohltuend. Kleine Wanderungen waren möglich, Blogbeiträge fanden wieder den Weg ins Licht des www. Was aber bleibt sind diese Tage der inneren Dunkelheit, aber auch unerklärliche Müdigkeit. Ich werde sie einfach nicht los.
Welch ein Glück, dass ich Jana in meinem Leben habe, die mich raus treibt, immer und regelmäßig. Welch ein Glück, dass ich in einem „warmen“ Umfeld lebe. Menschen, denen es phasenweise ähnlich geht, die es verstehen wenn die Gesichtszüge kein strahlendes Lächeln zeigen. Menschen die wissen, dass es morgen wieder hell sein kann/wird.
Die dunkle Jahreszeit
Nun stecken wir gerade in Beginn der dunklen Jahreszeit. Meine Hüfte schmerzt nicht mehr, aber Lendenwirbelsäule und Knie, inzwischen leider auch die rechte Hüfte, melden sehr wohl, dass feuchte Witterung die Beschwerden verschlimmert. Die Gelenke sind schwergängig, so dass man das Gefühl hat, ein Ölkännchen herausholen zu müssen. Heute brauchte es einige Überwindung den schmerzenden Rücken zu unserer morgendlichen Gassirunde zu bewegen. ABER, Bewegung hilft…..
Die Kombi Depri und Arthrose ist eine teuflische Partnerschaft. Beide Seiten dieser „Partnerschaft“ profitieren von Bewegung und beide bemühen sich täglich diese Bewegung zu verhindern. Gestern war so ein Tag, an dem nicht mal in meinem WhatsApp Status ein Bild zu sehen war und ich hab´s erst realisiert, als eine Freundin mich fragt, ob alles in Ordnung sei.
Ich schreibe darüber nicht, weil ich Mitleid möchte. Ich schreibe zum Thema, weil es ganz vielen Menschen ähnlich geht. Seit ich das weiß und wir im vorbeigehen in der Nachbarschaft lachend klagen, kann ich besser akzeptieren, was alles nicht mehr funktioniert. Darüber reden bedeutet erkennen zu dürfen, dass es ganz vielen Menschen ähnlich geht. Darüber reden bedeutet aber nicht ausschließlich darüber zu reden, es reicht das Wissen. Sich gegenseitig runter ziehen gehört nicht zum Programm, das möchte auch niemand.
Verbündete finden
Wir saßen daheim, versuchten mit uns und unseren Beschwerden und Kümmernissen irgendwie klar zu kommen. Die Welt um uns herum wurde immer dunkler, bis wir durch Zufall auf jemanden trafen und sprachen. Mit dem Augenblick, in dem wir erkennen, es gibt Menschen, die das verstehen und selber erleben, wird es leichter.
Hier im Blog habe ich das Thema ebenfalls möglichst vermieden, denn immerhin ist dieses ja ein Wanderblog. Es wird, so lange ich einigermaßen unterwegs sein kann, auch ein Wanderblog bleiben. Immerhin ist das Unterwegs sein in der Natur und die Fotografie das allerbeste Antidepressiva. So war es immer und es hat mir so sehr gefehlt. Diese positive Wirkung ist wissenschaftlich erforscht und bestätigt. „Max-Planck-Institut für Bildungsforschung“
Die Stadt kann krank machen
Ich erinnere mich an lange Phasen meines Leben, in denen die Geräusche der Stadt an meinen Nerven gekratzt haben, wie das quietschende Geräusch von Kreide auf einer Tafel. Damals habe ich begonnen Zuflucht in der Natur zu suchen. Die Ruhe, fernab von Autoverkehr und sprechenden Menschen hatte eine heilende, beruhigende Wirkung. Im Gespräch mit einer Nachbarin durfte ich nun erkennen, dass ich damit ebenfalls nicht alleine bin/war. Eingebunden in Beruf, Kinderbetreuung und anderen Erfordernissen sucht sie ebenfalls nach Ruhe. Abends, wenn alle schon schlafen, sitzt sie einfach da und genießt die Stille. Auch sie erzählt davon, dass ein Spaziergang in der Natur beruhigend und ausgleichend wirkt.
Die dunkle Jahreszeit sollte uns nicht daran hindern draußen unterwegs zu sein. Einmal unterwegs zeigen sich auch im Winter kleine bunte Dinge, weitet sich das Herz beim Anblick eines geschwungenen Weges. Wer sich nicht alleine wagt findet Gefährten, sobald drüber gesprochen wird. Redet miteinander, lasst euch helfen und unterstützen. Es gibt nach den depressiven Phasen immer Tage mit der nötigen Kraft, solche Unterstützung zu erbitten.
… gegen Depressionen und Arthrose gibt es ein Medikament, das leider nicht verschreibungs- und apothekenpflichtig ist. Demzufolge wird es auch nicht von der Krankenkasse erstattet: ein Glas halbtrockener Riesling am Abend vor dem Zubettgehen !!! Aber Achtung: bei der Größe des Glases und der Menge nicht übertreiben !!!
Das würde vielleicht ein paar Stunden helfen, aber ganz sicher nicht den Alltag erleichtern, ganz im Gegenteil. Sowohl Arthrose, als auch Depressionen, verstärken sich unter dieser Medikamentation. Ich denke, dem Tipp werde ich dann doch lieber nicht folgen. 🤔
Liebe Elke,
das hast du wieder sehr berührend geschrieben.
Liebe Grüße, ich drück‘ dich…
Herbert