Jährlich geht in meinem Vogelschutz-Herzen etwas kaputt, wenn das „Hecken schneiden im Sommer“ beginnt. In der Zeit 1. März bis 30. September ist lediglich ein schonender Pflegeschnitt erlaubt und trotzdem säbeln manche Grundstückseigentümer in der Schonzeit massiv an den Hecken herum. Die Folgen für die Natur und deren Bewohner sind leider oft tödlich.

Das geschieht im Frühjahr

Büsche, Bäume und Hecken, sowie Totholzgebiete sind der natürliche Lebens- und Schutzraum unzähliger Gartenbewohner. Im Frühjahr beginnt die Natur neue Zweige und das von uns so geliebte Grün zu entwickeln. Auch Vögel, Igel, Mäuschen und Co freuen sich über die bunte und gleichzeitig schützende Decke, die diese Jahreszeit ihnen baut. Ab März steht deshalb die Natur unter einem besonderen Schutz. Siehe auch: Bundesnaturschutzgesetz § 39 

Sobald das neue Blattwerk die Sicht auf das Innere der Hecken und Büsche versperrt, startet das gefiederte Volk mit dem Nestbau, legt Eier hinein und brütet oft 2-3- Mal in der Saison die kleinen Flieger aus. Meisen sind Federbällchen, wenn sie ihren ersten Flug wagen. Sie fliegen ein paar Meter und landen dann im nächst gelegenen Blumenkasten oder Gebüsch. Die schwachen und ungünstig geparkten Ästlinge werden ganz schnell von Eichelhäher & Co weg getragen, um deren Brut zu versorgen. So ist die Natur. Unten im Video hört man sie, nur wenige Tage später sind sie ausgeflogen, die kleinen Kohlmeisen.

Naturschutz
Frau Igel

Die Igelmutter baut sich ab ca. Mai aus Gras, Blättern und anderem organischem Material ebenfalls ein Nest. Zwischen Juni und August werden die Jungtiere geboren. Voriges Jahr habe ich im Mai eine Igelmutter am Morgen Nistmaterial sammeln sehen. Normalerweise sind Igel jedoch nachtaktiv. Sind sie spät dran, mit dem Nestbau, dann sieht man sie auch am frühen Morgen.

Hecken schneiden im Sommer – Bitte nicht

Um es vorweg zu nehmen, wenn Meisen & Co eine späte Brut haben, sitzen die Jungvögel in den schützenden Hecken, vor größeren Artgenossen wie Elster und Rabenvögel verborgen. Sie sind noch nicht wirklich flugtauglich und landen von höher gelegenen Nestern manchmal in niedrigen Büschen und Hecken.

Alljährlich nisten Kohl- bzw. Blaumeisen in meinem aufgestellten Brutkasten. Wie klein diese s.g. Ästlinge sind, das weiß ich daher sehr genau. Wer aufmerksam durch die Natur geht, hört das Bettelrufen der Jungvögel, deren Töne immer lauter und fordernder werden, je größer sie werden. Und wenn sie ausgeflogen sind, kehren sie nicht ins Nest zurück, sondern werden im Geäst der Büsche und Hecken von den Eltern gefüttert. Deshalb nennt man sie „Ästlinge“.

Home-Hecken schneiden im Sommer
Vor dem Schnitt. Hier bleiben die kleinen Federbällchen gut verborgen

Sommer ist Brut- und Flugzeit

Dann kommt, wie in vielen Wohnungssiedlungen, die Motor- oder Akkuschere zum Einsatz. Im ungünstigsten Fall werden die Jungvögel (verzeiht die rohen Worte) geschreddert. Mit Glück schaffen sie es in den nächsten Busch, bis der Mann mit der lauten Maschine auch dort anrückt.

Was ist ein Ästling
Was ist ein Ästling

Oben sieht man ein jüngst ausgeflogenes Vogelkind. Es wird von den Eltern dort gefüttert, wo es sich hinfallen lässt. Dieses Amselkind ist zwar recht groß, aber eben noch nicht selbstständig. Amselkinder sitzen in den ersten Tagen eher bodennah in Büschen. Hier sind sie, wenn die Hecken und Büsche jetzt geschnitten werden, leichte Beute, vor allem für Katzen.

So sieht es nach dem Schnitt aus. Der Sichtschutz für die Vögel ist weg und der Nutzen für den Menschen ist gleich NULL. Nur 6 Wochen später, oder einfach warten bis das Laub unten ist und dann fachgerecht schneiden, sodass unten der Sichtschutz wieder wachsen kann. Das hier sieht nach dem Schnitt nicht mal schön aus.

KI und einige Seiten zu diesem Thema werfen folgende Informationen aus :

Eine Hecke wird unten breiter und oben schmaler geschnitten, um das Verkahlen der unteren Bereiche zu verhindern und sicherzustellen, dass alle Pflanzenteile ausreichend Licht und Luft erhalten. Diese konische oder trapezförmige Schnittform, auch pyramidale Form genannt, sorgt dafür, dass die unteren Blätter genug Sonne abbekommen und die Hecke insgesamt dichter und gesünder bleibt. aus

Leider ist diese Methode hier ebenfalls nicht angewandt worden. Wie gut zu sehen ist, ist die Hecke unten schmal und licht und oben breit. Nach dem Schnitt eine Katastrophe für Jungvögel.

Meine Heimatstadt informiert auf ihrem Facebook Account und mittels Pressemitteilungen über die Schonzeit. Sie verbietet Mähroboterbesitzern die Inbetriebnahme der Geräte in der Nacht und zeigt auch darüber hinaus Interesse an Natur- und Artenschutz. Nur kümmert es einige Privatbesitzer, aber auch für öffentliche Einrichtungen beschäftigte Betriebe nicht.

Was Igel tötet

In Leverkusen ist es verboten nachts die Mähroboter laufen zu lassen. Das ist schon mal eine gute Idee, weil Igel für gewöhnlich nachtaktiv sind. Tagsüber verstecken sie sich unter Büschen und in Hecken. Dort droht ihnen jedoch ebenfalls Gefahr. Rasentrimmer sind eine tödliche Gefahr für Igel, die nicht weglaufen, sondern sich zusammenrollen, wenn ihnen Gefahr droht. Mindestens schwere Verletzungen drohen ihnen. Jungvögel insbesondere Amseln, sogenannte Ästlinge, sitzen häufig ebenfalls unter Hecken und warten darauf, dass die Vogeleltern Nahrung herbeischaffen. Leider gibt es nur wenige fleißige Gärtner, die vorher gründlich die Büsche absuchen, bevor Sie mit diesen tödlichen Geräten hantieren.

Hecken schneiden im Sommer

Igel gehen in der kalten Jahreszeit schlafen

Spätestens ab November gehen Igel für gewöhnlich in den Winterschlaf. Sie suchen hierfür Ast-und Laubhaufen und kuscheln sich darunter ein. Und wieder ist es der fleißige Gärtner, der akribisch unter Büschen und Bäumen jegliches Laub entfernt. Die Igel, die nicht nur geweckt werden, sondern auch ihrer Behausung beraubt werden, haben praktisch keine Überlebenschance.

Hecken schneiden im Sommer – Bitte nicht

Ich würde mir wünschen, dass hier eine deutliche Veränderung in der Handlungsweise aller erfolgt, die mit der Pflege von Außenanlagen betraut sind. Es sind doch nur ganz kleine Veränderungen, die niemanden Geld kosten. Das Bundesnaturschutzgesetz, das den Schutzraum 1. März bis 30. September anordnet, macht Sinn und ist nicht dazu gedacht Grundstückseigentümer zu quälen.

Natürlich müssen öffentliche Wege frei geschnitten werden, aber eben vorsichtig und vielleicht auch mal per Hand. Meistens ist es aber ausreichend, wenn im Februar ein ordentlicher und nicht zu zaghaft vorgenommener Rückschnitt erfolgt. Wir hier in Leverkusen haben viel Grün. Wenn wir es klug anstellen, dann geben wir der Natur genug Raum lebendig zu bleiben.

 

Ich freue mich über ein paar nette Worte....

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