Heimat, ein Begriff der Bilder hervorruft, vor allem aber Gefühle. Für mich ist Heimat ein Gefühl, aber was denken Andere darüber. Die vielfältigen Interpretationen des Begriff „Heimat“ möchte Andreas in seinem Blog „Wanderflaneur“ zusammen tragen, ruft hierfür zu einer Blogparade mit dem Thema „Mein Bild von Heimat“ auf.

Daneben, nein eigentlich vorrangig, arbeitet er an diesem Thema in seiner Heimatstadt Neuwied.

Blogparade zum Thema Heimat

Ich bin ein wenig spät dran, denn eigentlich hat diese Blogparade ihr Ende bereits am 31.08. gefunden. Gedanken zur Heimat sind aber doch immer erlaubt und ich bin dann halt ein spätes Mädchen……ähem.

Bevor ich hier loslege widme ich mich den Gedanken anderer Blogger/innen, lese mir deren Blogbeiträge durch. Eine trifft mein eigenes Empfinden in Teilen sehr und das ist Audrey im Wanderland, das wandernde Schreibwunder! Sie erklärt direkt und relativiert es aber im Laufe ihres Beitrages wieder „Ich habe kein ausgeprägtes Heimatgefühl“ Doch sie hat Heimatgefühl, aber eben ein gänzlich anderes, aber nicht weniger intensives, als sie zu Beginn ihres Beitrages dachte.

Heimat, was ist das. Wie sieht es aus ……

Mein Bild von Heimat

Ein kleiner Leitfaden hilft Antworten zu finden

Ich hangele mich nun einfach mal an den Stichpunkten lang, die Andreas in seinem Beitrag anbietet.

Was bedeutet für euch  „Heimat“- wie definiert ihr sie?

Ganz eindeutig ist mein häusliches Umfeld ein starker Auslöser für Heimatgefühl. Ich lebe in dieser Wohnung seit 36 Jahren und möchte sie eigentlich auch nicht verlassen. Über die Jahre sind die Alten verstorben, haben jungen Menschen Platz gemacht. Nun bin ich die Ältere, erlebe all die vielfältigen Situationen aus der Sicht der „Älteren“. Ich fühle mich, trotz der unterschiedlichen Lebensweisen meiner nahen Umgebung, pudelwohl und zu Hause.

My Home is my castle

Und innerhalb meiner vier Wände hat sich in den 36 Jahren etliche Male das unterste zu oberst gedreht. Familienmitglieder wurden geboren, sind ausgezogen ihr eigenes Leben zu leben und immer erforderte das eine andere räumliche Nutzung, ein Umstellen in der Lebensweise und das immer hier. Hier in meiner Wohnung fühle ich mich heimatlich, heimelig, zuhause. Inzwischen arbeite ich sogar hier und es wird mir nicht leid. Das liegt nicht an besonderen Möbeln, sondern eher an der farblichen Gestaltung der Wände, dem Gefühl dass die Gesamtkomposition in mir auslöst und das Wissen, dass alles an seinem Platz ist.

Ganz anders sieht das mit der Stadt aus, in der ich wohne. Leverkusen ist für mich nicht attraktiv. Natürlich gibt es hier schöne Ecken, aber die Autobahnen quer durch die Stadt, der andauernde Lärm, auch von der Eisenbahn, nerven mich schon sehr. Dabei lebe ich hier, so nahe an der Grünzone: „Friedhof“, noch mit relativ sauberer Luft.

Sucht ihr  noch nach „Heimat, wenn ja wie? Habt ihr sie  gefunden- woran wird das festgemacht?

Mit meiner Antwort oben, habe ich die Frage zu einem Teil schon beantwortet. Ich kenne Heimatgefühl, aber bisher nur bedingt für einen Wohnort. Eine Region, die in mir ein sehr starkes Heimatgefühl auslöst ist die Eifel, hier besonders der Raum Mayen, noch genauer „Arft“ und der Raßberg. Meine Urlaube dort beginnen im Regelfall mit einer unfassbaren Vertrautheit.

Hier stimmt so vieles.

Die Ferienwohnung ist so wie ich sie auch als eigene Wohnung haben wollen würde. Die nahe Umgebung mit dieser himmlischen Natur und dem irre großen Garten sind die Geschenke oben drauf. Ja, hier ist ein deutliches Heimatgefühl zu spüren, dass den Ort mit einschließt.

Mein Bild von Heimat
Haus Am Raßberg

Auch die Tatsache, dass Einkaufen mit extrem langen Fahrten mit dem Auto verbunden sind, kann ich gut akzeptieren.

Wie aber ist das im Alter? Auf´m Berg, etwas abseits von Nachbarn ist doch alles ganz anders und ich werde älter. Liegt die Eifel im Winter unter einer dicken Schneedecke, wird eine Autofahrt zum Abenteuer.

Das erfährt dann noch Steigerung, wenn ich erstmal die 70 überschritten habe (sind nur noch acht Jahre)

Also ein Teil meiner Heimatsuche ist wohl noch nicht abgeschlossen. Wobei sich das auch nicht zwingend erfüllen muss, um glücklich zu sein. So lange es möglich ist, genieße ich das Heimatgefühl in den Urlaubswochen, genieße das Heimatgefühl, wenn ich daheim meinen Arbeitsplatz in Beschlag nehme und mich einfach nur wohl fühle. Ich genieße auch das Heimatgefühl, nach der Rückkehr aus einem Urlaub, den vertrauten Geruch, die vertrauten Handlungen zu Hause.

Machen spezielle natürliche/virtuelle  Räume, soziale und  politische Systeme die Definition aus?

JA eindeutig. Vielleicht ist das auch eine Sache des Alters, sich gerne in einem gewohnten, wenn auch nicht optimalen politischen und sozialen System zu bewegen. Selbst die virtuellen Räume werden mit den Jahren so vertraut, dass es nur wenige selbst initiierte und mit geringen Konsequenzen verbundenen Verlagerungen gibt.

Gibt es für Euch Unterschiede zwischen „Heimat“ , „Zweite Heimat“und „Zu Hause“?

Nein, solch einen Unterschied spüre ich nicht.

Habt ihr Symbole oder Sinneseindrücke (Geruch, Töne, Bilder) die einen „Stellvertreter “ darstellen der unmittelbar  Heimat vermittelt?

Gerüche können mir „fremd sein“ aber auch vertraute oder sogar heimatliche Gefühle auslösen. Töne, die der Natur entstammen, wie Vogelgezwitscher sind für mich ein stark bindendes Geräusch, es vermittelt mir das Gefühl bleiben zu wollen. Das wiederum gehört für mich zum Gefühl der „Heimat“

Bilder erinnern mich an Orte, lösen aber kein Heimatgefühl aus. Ich muss da sein, wo ich Heimat empfinden kann.

Beschäftigt ihr euch mit anderen „Heimaten“ ?

Konkret beschäftigen tue ich mich nicht. Heimatgefühl entsteht oft unmittelbar und unvorhersehbar, auch an restlos fremden Orten. Heimatgefühl erlebe ich auch im Zusammensein mit Menschen. Harmonisches Zusammensein kann dieses Gefühl auslösen.

Ebenso oft entsteht ein ganz tiefes und glückseliges Heimatgefühl, wenn ich irgendwo bin, wo es besonders schön ist. Nicht Extravaganz ist hierfür nötig, sondern eher die hörbare Stille der  Natur, die Geräusche darin. Manchmal sind es die leichten Schritte auf dem Waldboden, die eine tiefe Verbundenheit auslösen. DANN empfinde ich eine unglaublich starke Liebe zu meinem Heimatland Deutschland, zu der Erde auf der ich gehe. Mich durchfließt in diesen Augenblicken Dankbarkeit über das Glück hier in Deutschland zu Hause zu sein. Es ist ein Land mit einer so großen Vielfalt, die ich in diesem einen Leben wohl kaum restlos erkunden kann.

Der eigene Körper als Heimat

Einen Gedankenanstoß gibt mir Andreas mit den Worten “ ja sogar der eigene Körper sollte zuallererst „Heimat“ sein, bevor man über die geographische Heimat reflektiert“ so schreibt er in einer Nachricht.

Damit lande ich dann bei einem Heimatgefühl, das ich oft abends habe. Unmittelbar vor dem Einschlafen, wenn Ruhe in Geist und Körper einkehrt, wird mir bewusst wie wohl ich mich in meinem Körper fühle. Er ist objektiv gesehen (oder vielleicht ist gerade das subjektiv) nicht perfekt aber ich fühle mich in ihm wohl. Das ist ein Grundgefühl, dass ich seit einiger Zeit spüre.

Heimatliche Gedanken

Auch in meiner Psyche, in meinen Gedanken möchte ich mich wohlfühlen. Das ist, so glaube ich, die Königsdisziplin der Heimatgefühle.  Gestehe ich mir ein fehlerhaft zu sein, hin und wieder wütend, hilflos oder auch ungerecht, dann kann ich lernen mich in meinem Wesen beheimatet zu fühlen. Das ist aber sehr schwierig für Menschen, die sich ständig hinterfragen und bei Kritik leicht mal aus dem Gleichgewicht geraten.

Inzwischen gelingt es mir aber recht schnell wieder in ein Gleichgewicht zu kommen und damit ein heimatliches Gefühl zu mir und meinem Wesen zu behalten.

Das Wort zum Mittwoch

Tja meine Lieben, das war mein Wort zum Mittwoch oder besser, Mein Bild von Heimat. Sicher nicht in allen Teilen für jeden nachvollziehbar, aber Interpretationen sind ja auch sehr individuell. Auffällig ist, außer dem Beitragsbild habe ich kein weiteres eingefügt, für mich eine Premiere 😉

 

12 Kommentare

  1. Heimat mal anders „Wenn ein Heimartobjekt „ver-rückt“.. erlebte ein Bekannter, der jetzt von einer Reise inm seine Heimatstadt im Schwarzwald zurückkam. Er erzählte, dass es sehr viele neu Uhrengeschäfte dort gab, wurde neugierig und fragte in einem Geschäft nach, wie denn der Geschäftezuwachs zu erklären sei.
    Der Uhrmachermeister antwortete: Am Tag verkaufe ich 3 000 Kuckucksuhren.. anderen Geschäften geht es genau so.. Die Kunden sind Chinesen und Japaner. 😉

  2. Hallo Elke.. Danke für deinen Tipp, da schau ich mal geograpgisch „näher hin“- tja , sobald man nun den ÖPNV Kreis Neuwieds verlässt, fängt richtiges #Neuland an, heimelig, hihi.. ja klar, Wettergarantie gibts nie, wenn ein nettes kleines Städtchen in der Nähe ist, kann man das ja auch erkunden.. Freitag soll es losgehen hab ich im Visier, ein bisschen RechercheZeit ist noch..))

    1. Mayen samt Burg und Bad Münstereifel sind sehr nett anzuschauen, in einer anderen Ecke das einmalig schöne Monreal

  3. Elke!! Toll – du hast es gemacht! Aber wie konnte es nur passieren, dass mir dein Beitrag durchgerutscht ist und es auch keinen Ping gab? Hätte mich sonst viel früher gemeldet und dir gesagt, wie schön es ist, dass du dich des Themas angenommen hast.

    Ich finde deinen Gedankenanstoß, sich in seinem Wesen beheimatet zu fühlen, übrigens sehr schön. Danke dafür!

    Das „wandernde Schreibwunder“ (dessen Ego beim Lesen dieser Zeile mal kurz an der Decke hing 😉)

    1. Hi hi, ich werde das nächste Mal anrufen und „ping“ sagen 😉 aber komisch ist das schön, ja!

  4. Hier meldet sich „Heimat – die Zweite“ 🙂

    Ein wunderbarer Bericht der „Heimat“ aus Deiner ganz persönlichen Sicht aufzeigt. Und ehrlich? Als ich da plötzlich laß, dass unser kleines Urlaubsdomizil bei Dir in Sachen Heimat einen ganz eigenen Stellenwert eingenommen hat, da hat’s mir die Kehle zugeschnürt.

    Ich finde mich in Deinem Beitrag an vielen Ecken selbst wieder und erinnere mich in diesem Zusammenhang an die Worte meines Vaters zurück. Ich war gerade dabei „flügge“ zu werden und hatte nur diesen einen Gedanken: RAUS AUS DIESEM NEST! Die große, weite Welt wartet auf mich! Da sprach mein Vater diesen einen Satz, der sich mir ins Gedächtnis eingebrannt hat, den ich aber erst viele Jahre später verstanden habe. Er sagte: „Ach was brauch ich Urlaub? Mal die Berge sehen, das reicht mir, aber die Eifel ist mir Urlaub genug!“
    Wie konnte er nur? Dachte ich damals. Was hat die Eifel, dass sie ihm so viel bedeutete? Ich schüttelte den Kopf – ich verstand seine Worte nicht.

    Jahre später wurde ich Hundebesitzer und durch meine Hunde lernte ich das Wandern kennen – und damit lernte ich erstmals meine „Heimat“ wirklich zu entdecken. Hier ein verwilderter Weg, dort eine hübsche Lichtung oder ein verwunschener Wald. Ich entdeckte die Eifel völlig neu, erforschte meine Heimat und eines schönen Tages stand ich an einer Stelle im Wald, da erinnerte ich mich wieder an die Worte meines Vaters, der inzwischen verstorben war. Ich schaute in den Himmel und murmelte in mich hinein die Worte: „JETZT verstehe ich!“

    Heute fühle ich mich meiner Heimat eng verbunden, ein Leben in der Stadt kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Die vielen Menschen, der Lärm, der Dreck…….für mich keine Option. Auch wenn ich die Vorteile klar sehe, dass die Versorgung auf kurzen Wegen möglich wäre, was besonders im Hinblick aufs Alter ein wichtiger Aspekt werden wird – trotzdem werde ich in meiner abgeschiedenen Heimat alt werden. Was mich später einmal erwartet? Ich weiss es nicht, ich lasse es auf mich zukommen. Im Alter werde ich mein Haus wohl verlassen (müssen) und mich anderweitig niederlassen, aber das wird mit Sicherheit ländlich bleiben und so nah an „meinem“ Arft, wie es irgenwie nur geht.

    Denn was brauch ich schon Urlaub, wo mir die Eifel doch Urlaub genug ist?

    Danke liebe Elke, dass wir Dir ein zweites Stück Heimat sein dürfen.

    1. Hach lieber Volker,

      Du bist und bleibst ein Herzensmensch und das ist sehr sehr schön. Mit jedem Lebensjahr verändern wir uns, so wie Du bereits nach Deiner aufmüpfigen Jugendzeit erkannt hast, wie wertvoll „Heimat“ ist, kommen im Alter noch andere Aspekte dazu.
      Ich lasse die Zukunft auf mich zukommen, sie bleibt offen, bis mir etwas vor die Füße fällt, wo ich nur zugreifen muss. So war es immer.

      Ganz ganz lieben Dank für Deinen Kommentar. Ich freue mich schon so sehr auf meinen nächsten Urlaub bei euch!

      Liebe Grüße
      Elke

  5. Ein schöner Beitrag Elke, und eine „gelungene Premiere“ 😉 Ein sehr persönlicher Beitrag mit grossem Facettenreichtum, der wie ich finde zeigt, „Heimat “ lässt sich zwar festmachen, aber nicht in Schubladen stecken, gell? Er bringt auf jeden Fall neuen „Input“..))
    Eine Frage: Du beschreibst „Vögelzwitschern“ und Natuergeräusche als „Heimat-akkustik“. Wie ist es mit „urbanen“ /städtischen Geräuschen(wenn auch manchmal nicht positiv..) gibt es da auch besondere?

    1. Puh Andreas, die urbane Geräuschkulisse…. Ich glaube sie würde ich nicht vermissen. Ich erfreue mich an Kinderlachen und auch die Geräusche der sich unterhaltenden Menschen, aber sie lösen kein Heimatgefühl aus. Wegen mir könnten all diese Geräusche verstummen und nur das knacken von Ästen unter den Schritten irgendwelcher Tiere zu hören sein, und deren Laute.
      Auf Menschen kann ich bei Bedarf zugehen, mich unterhalten. Merkwürdig oder spüre ich da vielleicht etwas nicht so? Keine Ahnung.
      Ich danke Dir für diese Frage, die mir sicher hi und dort in den Sinn kommen wird und vielleicht löst sich da noch etwas. 😉
      Liebe Grüße
      Elke

      1. Interessant eventuell grade die Szene bei Babylon berlin Staffel 2 Folge 1(Mediathek).. die Frau aus Köln kommtnach Berlin, steht vor dem Hotelzimmer Fenster, ruft ihren Göttergatten neben sich.. der >Blick auf die untergehende rote Sonne, Berlins Silhoutte.. und sie sagt: „Hörst Du, es klingt ganz anders als zuHause..“– wie Wahrnehmung mit den Sinnen da im Kopf doch „angedockt“ ist, gell?
        Hach und auf die Eifel werd ich mehr und mehr neugieriger– habt ihr einen guten Einstiegsort-Tipp für „Anfänger“?- Wie ist es im November dort?

        1. Also die Gegend, in der ich 2-3 Mal im Jahr urlaube, eignet sich prima als Einstieg. Dort sind mega gut ausgeschilderte Wanderwege zu finden.
          Gib in der Blogsuche mal Traumpfade ein, bzw. gehe in die Kategorie und Du wirst überschwemmt von gut zu wandernden Wegen zwischen 5 und 15 km.
          Ich war im vergangenen November dort. Wettergarantie gibt es keine, kann Schnee liegen oder auch nicht. Wandern kann man dort aber bei jeder Wetterlage, würde ich behaupten

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