Der Vermieter meiner ersten eigenen Wohnung war Imker. Die Bienenstöcke befanden sich direkt neben unserem Wohnzimmer. Diese Tatsache war ein Garant für regelmäßige Honiglieferungen, aber auch mit der Chance von den kleinen Blumenbesuchern gestochen zu werden. Ihr lest hier ein Statement für Bienen-Hummeln-Wespen und Hornissen, weil ich denke sie haben unsere Hilfe nötig.

Eine Königin wird geboren

Mein Horrorerlebnis mit der stechenden Gemeinde war ein Überfall eines ganzen Bienenvolkes in meiner Wohnung. So habe ich es damals empfunden.

Eine junge Bienenkönigin hatte sich in meine Küche verirrt. Wie das bei sich neu bildenden Völkern so ist, folgen die treuen Weggefährtinnen einer Königin geschlossen, um sich um sie herum zu versammeln, sie in ihrer Mitte zu halten. Stechen haben sie dabei so gar nicht im Sinn, das weiß ich heute.

Allergien sind eine hässliche Angelegenheit

Nachdem der Imker seine Königin und damit auch ihr Gefolge aus der Küche entfernt hatte, summten und brummten die aufgeregten Tiere noch eine ganze Weile vor meinen Fenstern herum. Sie mussten nun die Königin erneut aufsuchen und die typische Bienentraube um die herum bilden.

Meine Söhne waren zum Spielen mit Freunden unterwegs und konnten jeden Moment um die Ecke kommen. Also wagte ich mich todesmutig aus der Wohnung, um meine Kinder zu retten. Auf dem Weg zum Gartenausgang hatten sich drei der Honigsammler in meiner Haut verharkt und das war für meinen sowieso schon aufgeregten Organismus offensichtlich zu viel. Man muss nämlich wissen, Angstschweiß kann Insekten zum Angriff reizen und vermutlich (ich erinnere mich nicht mehr) habe ich auch um mich geschlagen.

In kürzester Zeit schwellen Arme und Hals an, sodass eine sehr flotte Versorgung durch einen Arzt nötig wurde. Ich glaube Calcium war der Helfer in dieser Notsituation. Schnell war ich wieder auf den Beinen, aber in der Zukunft geriet ich jedesmal in Panik, wenn ich ein Tier mit Stachel sah. Meine Mutter, schon lange hoch allergisch, hatte zu dieser Zeit schon immer eine Notampulle in ihrer Tasche. Meine extreme Panik vor Bienen, Hummeln, Hornissen und Wespen rührt vermutlich auch daher.

Statement für Bienen-Hummeln-Wespen und Hornissen

Panik ist ein schlechter Ratgeber

Meine panische Angst gestochen zu werden hat mir allerdings zu einem veränderten Verhalten verholfen. Es war immer schon meine Angewohnheit nach Lösungen zu suchen, die mir langfristig aus einer Misere halfen. Es mag jetzt lustig und unglaubwürdig klingen, aber ich habe mit den Stechtieren einen Vertrag geschlossen. Immer wenn eine Biene, Wespe etc vor meinem Fenster flog habe ich ihr gesagt, dass sie draußen bleiben sollen „Ich drinnen, ihr draußen“ So lautet der Deal.

Klar, die haben mich nicht gehört, aber sie fühlten sich durch meine angstfreie Reaktion auch nicht eingeladen mir nahe zu kommen. Seit 1980, seit dem Königinnenüberfall in meiner Küche, hatte ich nicht einen einzigen Stich der o.g. Tiere (Mücken gehen auf den Deal nicht ein)  Ich wünsche mir natürlich, dass es so bleibt, denn Allergien bauen sich wohl nicht ab.

Hotelzimmer mit Frühstück und Ablenkmanöver

Seit ein paar Jahren geht mein Verhältnis zu Bienen, Wespen und Hummeln deutlich in eine andere, eher einladende Richtung. Auf meinem Balkon stehen Insektenhotels, die sowohl von Bienen als auch von Wespen rege genutzt werden. Meine Geranien haben den Balkon verlassen und Platz für Schmetterlingsflieder und andere Insektenfreundliche Stauden gemacht.

Kleine Obststücke (überreife Weintrauben scheinen sie zu lieben) halten insbesondere die Wespen draußen auf einem für sie vorgesehenen Futterplatz und Teller mit ein wenig Wasser darin bilden Tränken für die Flieger. In diesem Jahr hatte ich ein Hornissennest oberhalb des Balkons im Dach. Abends verirrte sich hin und wieder eine dieser dicken Brummer in mein Wohnzimmer, vom Licht angelockt. Ein Glas und ein Stück Pappe und schwupps waren sie wieder draußen. Wir haben also Freundschaft geschlossen.

Hier eine Wespe beim Fressen

Diejenigen unter den Wespen, die sich an diesen Obststücken laben, sind ziemlich streitsüchtig. Sie kommen immer nur schwer zur Ruhe, denn sobald eine Konkurentin auftaucht, rempeln sie sich gegenseitig an. Für mich interessieren sie sich nicht die Bohne. Vor größeren Wespen habe ich allerdings mehr Respekt und fotografiere sie nur sehr selten.

Apfelstück und Wespe
Apfelstück und Wespe

So sieht das Apfelstück nach nur einer Stunde aus

Am Abend wird von diesem Apfelspalt kaum etwas übrig sein. Faszinierend oder?

Apfelstück von Wespen zerfressen

Was tun, um sie auf Abstand zu halten

Wir brauchen Insekten, sie bestäuben auf natürliche Weise unsere Obstbäume, vernichten Schädlinge auf unseren Pflanzen und sie sind auf das höchste interessant bei Beobachtungen. Angst habe ich jetzt vielleicht sogar zu wenig, wenn ich daran denke wie nahe ich einem Erdwespennest schon gekommen bin.

Mal davon abgesehen, dass Angst in den meisten Fällen unnötig ist, lassen sich Wespen mit Appetit auf Süßes oder Herzhaftes leicht ablenken, indem Futterplätze gezielt platziert werden, während wir grillen oder zu Kaffee, Limo und Kuchen im Garten sitzen.

Nicht töten, sondern einfach füttern, mit überreifem Obst z.B. oder einem winzigen Stück Schinken oder Speck (obwohl ich bei Fleisch nicht sicher bin, was passend ist. Fressen tun sie alles). Die sind so damit beschäftigt sich über die Leckereien herzumachen, dass sie uns Menschen auf dem Beobachtungsposten kaum mehr wahrnehmen, geschweige denn angreifen. Zumindest erlebe ich das so!

Garant für Insektenbesuch

Wer die stechende Insektenwelt (Hautflügler) in seine unmittelbare Nähe locken möchte, der benutze süßlich riechende Parfums und Körpercremes. Holzmöbelpolitur hat einen ähnlichen Effekt. Bunte Kleidung mögen nicht nur Frauen, auch Insekten fühlen sich hingezogen.

Auch die Hautflügler (Bienen, Wespen, Hornissen und Hummeln) brauchen Wasser!

Wer an besonders heißen Sommertagen sein Spül- oder Badewasser unbeobachtet lässt, kann damit rechnen dass Bienen, Wespen & Co auf der Suche nach Wasser darin untergehen. Fasse ich dann in das Wasser werden die Tiere in ihrer Panik ganz sicher stechen. Nichts geschieht, weil ein Tier böse ist, alles ist berechenbar und logisch.

Und wo „lauern“ die Tierchen unterwegs?

Neben Kuchen und anderen süßen Sachen, die im übrigen ohnehin nur wenige Wespenarten als Nahrung wählen, haben Wespen, Hummeln, Bienen und Hornissen ihre natürliche Nestumgebung auch oft auf unseren Wanderwegen, sogar sehr häufig zu unseren Füßen. Die folgenden Aufnahmen sind nicht gerade super scharf geworden. Die Annäherung an Bodennester sollte immer mit einem gesunden Respekt erfolgen und das Licht im Boden ist auch nicht so klasse. Die Nutzung des Kamerablitzes ist natürlich überhaupt keine Option, das ist wohl selbsterklärend!

Erdwespen bauen ihre Nester in die Böden von Streuobstwiesen oder auf die Wege daneben. Äcker sind die Heimat der Erdhummeln und Sandbienen bauen ebenfalls ihre Nester in den Boden. Sand- oder Erdbienen finden sich auch sehr gerne auf Rasenflächen in Gärten ein.

Nest der Erdhummel
Erhummeln
Wespennest

Hornissen siedeln gerne in Astlöchern und Bruthöhlen. Auch hier ist Panik nicht nötig, solange man sich umsichtig und ohne Hektik bewegt. Wer Angst hat und dabei sogar schwitzt, sollte die Nähe natürlich meiden. Hornissen interessieren sich NICHT für menschliche Nahrung.

Wenn Hornissen dann doch mal stechen (mir bisher noch nie passiert, trotz großer Nähe zu ihrem Wohnplatz), dann schmerzen diese Stiche mehr als die von Bienen oder Wespen. Das Gift hat jedoch eine ähnlich „schwache“ Wirkung wie bei anderen Hautflüglern. Allergiker sind natürlich immer stärker betroffen und sollten ggf. einen Arzt aufsuchen.

Hornissennest im Baum

In der Lüneburger Heide am Angelbecksteich hatten sich Hornissen in einer Schutzhütte eingenistet. Die Nester werden immer nur ein Jahr bewohnt, im Folgejahr wird ein neues Nest gebaut. Hier sind die Hornissen offensichtlich jedes Jahr in eine andere Nische verzogen, aber immer in der gleichen Schutzhütte geblieben. Die Nester sind Kunstwerke, die man sich wirklich ganz genau ansehen sollte.

Hornissenbauten in einer Schutzhütte

Hornissen stehen unter Artenschutz

Nester von Hornissen dürfen ohne behördliche Genehmigung weder umgesiedelt noch vernichtet werden. Empfindliche Geldbußen sollen für die Einhaltung der Bundesartenschutzverordnung sorgen. Übrigens, solange ein Hornissennest in eurer Nähe ist, werden Wespen wohl eher kein Problem sein, denn sie sind Nahrungslieferant für Hornissen.

Und wenn sie gestochen haben?

Der Nabu sagt: Nicht aussaugen, über die Zunge gerät das Gift noch schneller in den Körper. Eine aufgeschnittene Zwiebel soll helfen. Den Stachel von Bienen (alle anderen behalten ihren Stachel) sofort herausholen.

Quellen:

  • Die meisten Informationen, die ich mir zu meinem sowieso schon vorhandenem Wissen und eigenen Erfahrungen zusammen gesucht habe, stammen von der Webseite des NABU
  • Eine kleine Auslassung zum Thema hat Jens vom Hiking Blog vor Kurzem verfasst. Kein Grund zur Panik. Ich wollte schon auf meinen lange geplanten Beitrag verzichten, aber inhaltlich unterscheiden unsere Beiträge sich doch voneinander, sodass es sich lohnt Jens seinen Beitrag zu lesen, der beschreibt, wie wir uns draußen verhalten sollen.

Das war mein Statement für Bienen-Hummeln-Wespen und Hornissen!!!!

8 Kommentare

  1. Hallo Elke, stimme dir absolut zu: Bienen, Hummeln, Wespen und Hornissen sind sehr nützlich und brauchen unsere Hilfe. Danke für die Verlinkung!

    Viele Grüße,
    Jens

  2. Habe auch schon mal in einer Wanderhütte so ein Nest gesehen, aber unter der Bank! Und gestern in Freudenstadt sah ich ein bewohntes Nest in einer der gläsernen Laternen auf dem Marktplatz. In meinem Garten wohnen Erdwespen, die mich schon zweimal gezielt gestochen habe, als ich den Garten gewässert habe. Die aufgeschnittene Zwiebel auf dem Stich hilft mir am besten.
    Wespen mögen übrigens auch Spinnen. Ich nicht. Ich gestehe, dass ich neulich eine auf meiner Terrasse zertreten habe, eine ganz fette. Nach 20 Minuten war die Leiche spurlos verschwunden, aber die Wespen räumten gerade noch die letzten Reste weg.

    1. Ich mag Spinnen auch nicht so gerne, kann sie aber nicht töten. Eher fange ich auch die im Glas und setze sie irgendwo draußen aus. Erdwespen sind auch mit Vorsicht zu genießen und wenn die zusammen mit den Erderschütterungen das Wasser abgekommen, sind die vermutlich ernsthaft sauer.

        1. Och, die kenne ich nicht, ey da gucke ich doch gleich mal

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