Ein beklemmendes Gefühl überspült mich wie eine Welle, als ich die kleinen Kreuze erblicke. Mein Abstecher in die Vergangenheit führt mich zur Gedenkstätte KZ Hinzert. Sie liegt auf dem Weg zum Startpunkt meiner nächsten Wanderung. Spontan biege ich auf den kleinen Teerweg ab, der mich zum Parkplatz der Gedenkstätte führt.

Für heute habe ich mir die Traumschleife Rockeburger Urwaldpfad vorgenommen. Der Beitrag kommt separat. Viele Wanderungen im Hunsrück sammeln sich inzwischen in meinem Blog. Zeit auch tiefer in den Hunsrück einzutauchen.

Abstecher in die Vergangenheit

Auf dem Weg zum Start in Beuren fällt mir das braune Hinweisschild in die Augen Gedenkstätte KZ Hinzert, steht darauf geschrieben.  Der erste Blick fällt auf das große, in rostbraun gehaltene Gebäude.

  • Anfahrt: Gedenkstätte SS-Sonderlager/KZ Hinzert, An der Gedenkstätte, Hinzert-Pölert, L 148

Das SS-Sonderlager Hinzert

Im Oktober 1939 wurde hier ein Polizeihaftlager für straffällig gewordene Westwallarbeiter eingerichtet. Es trug den Namen SS-Sonderlager Hinzert. Im Juli 1949 wurde das Polizeihaftlager aufgelöst, von da an hieß es hier „Durchgangslager“. Das Lager diente als Zwischenstation für die Inspektion der Konzentrationslager (IKL). Die Häftlinge aus angrenzenden Ländern: Luxemburg, Belgien, Frankreich und Niederlande wurden von hier aus weiter nach Buchenwald, Natzweiler oder Dachau verschickt. Wer mehr lesen mag, der informiere sich z.B. auf der Homepage Landeszentrale Politische Bildung Rheinland Pfalz.

Das Dokumentationshaus hat etliche Architekturpreise errungen, auch hierzu findet ihr Informationen unter der o.a. Homepage. Es bildet aus meiner Sicht eine merkwürdigen Kontrast zur Umgebung. Die weiche Welle des Gebäudes, dazu der Farbton dürften im Herbst besonders wirken.

Abstecher in die Vergangenheit - Gedenkstätte KZ Hinzert
Das SS-Sonderlager Hinzert – Gedenkstätte KZ Hinzert

Ehrenfriedhof mit Sühnekapelle und Mahnmal

Ich durchschreite das offen stehende Tor und betrete die Park ähnliche Anlage. Spontan drückt es in meinem Magen, spüre ich Druck auf den Schultern. Es ist ein merkwürdiges und im wahrsten Sinn des Wortes bedrückendes Gefühl auf die 217 Kreuze zu schauen. Eines sieht aus wie das andere und doch verbergen sich unter ihnen 217 vollkommen unterschiedliche, hierher umgebettete Menschen. Sie konnten häufig nicht identifiziert werden und entstammten aus fast allen Staaten Europas. Sie wurden aus den bis 1946 gefundenen Massengräbern hier in der Umgebung hierher überführt.

Die Gleichheit der Kreuze fühlt sich an wie ein Reduzieren dieser Getöteten auf die Geschichte ihres Todes. Alles was vorher war, ob sie jung oder alt, gesund oder krank waren, spielt keine Rolle mehr. Jugendliche waren darunter, was mich besonders berührt.  Am Ende sind wir alle gleich, so wie die Kreuze.

Ehrenfriedhof
Ehrenfriedhof mit 217 Kreuzen
Kreuz auf dem Ehrenfriedhof Hinzert
Wie kleine Kreuze wirken auf mich die Vertiefungen im Stein
Steine auf den Kreuzen
Auf manchen Kreuzen liegen die nach jüdischem Brauch oft hinterlassenen Steine

Mahnmal an die Menschlichkeit

Das Denkmal hier von einem ehemaligen luxemburgischen Häftling ruft Besucher zur Bewahrung der Grundwerte: Menschlichkeit, Frieden und Gerechtigkeit auf. Während ihrer Haftzeit hinterließen die Inhaftierten zahlreiche Zeichnungen. Sie geben einen Eindruck in die emotionale Lage der Menschen in dieser Situation. Mitgefangene haben künstlerische Zeichnungen von Arthur Michel und Jean Daligault  versteckt und aus dem Lager gebracht.

Das Mahnmal Lucien Wercolliers
Das Mahnmal Lucien Wercolliers

Die Sühnekapelle

Als im Jahr 1948 der Friedhof neu angelegt wurde (Die Holzkreuze wurden gegen langlebige Steinkreuze eingetauscht) hat man auch die Sühnekapelle erbaut. Unter Beisein hochrangiger luxemburgischer Vertreter und zahlreicher ehemaliger Häftlinge wurde sie am 4. November 1948 durch den Militärgouverneur Claude Hettier de Boislembert eingeweiht.

Abstecher in die Vergangenheit - Sühnekapelle Hinzert
Sühnekapelle auf dem Ehrenfriedhof Hinzert
Abstecher in die Vergangenheit
Namenenlich benannt oder als „unbekannt“, 217 von so vielen die in Massengräbern liegen

Abstecher in die Vergangenheit – Orte des Grauens

Infotafel Gedenkstätte KZ Hinzert
Infotafel Gedenkstätte KZ Hinzert

Auf einer Übersichtskarte sehe ich die verschiedenen Stationen wie z.b. „Marterpfahl für Bestrafungen“ oder „Löschteich für Wasserfolter“ Nur diese wenigen Stationen lassen erahnen welches Leid Menschen hier erlitten haben.

Wer gerne Erklärungen lauscht, der lade sich die App der Gedenkstätte KZ Hinzert runter. Leider habe ich diese Möglichkeit mangels Wissen nicht nutzen können.

Ich hatte zunächst vermutet das die Kennzeichnung Hz1 weise auf einen Themenwanderweg. Gefunden habe ich hierzu nichts. Vielleicht kann mir da jemand auf die Sprünge helfen.

Abschließend stelle ich fest: Es ist gut, dass ich diesen Besuch VOR meine Wanderung gelegt habe. So hat meine Seele, meine Psyche Zeit sich von diesen Eindrücken zu erholen. Das funktioniert auch an diesem Tag zuverlässig.

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