Begleitet vom Zirpen der Grillen falle ich am ersten Abend in tiefen Schlaf. Dafür bin ich morgens um fünf Uhr schon quietschfidel und kann es kaum erwarten aus dem Fenster zu sehen. Aber was ist das?

Dichter Nebel hängt über dem Tal, die hohen Bäume sind nur schemenhaft zu sehen. Mit fortschreitender Stunde schafft es die Sonne jedoch kleine Löchlein zu reißen, der Augenblick für Spike und mich eine erste Runde zu gehen.

Machen die Grillen auch mal Pause? Wechseln die sich ab wie die Erdmännchen, einer hält Wache, der Rest pennt oder frisst? Unglaublich, dieses Durchhaltevermögen und vor allem die Lautstärke.

Spike schafft keine große Strecke, also sind wir fix wieder zurück. An der langen Leine erkundet er die Terrasse und den Garten weiter eigenständig, während ich mir mein Frühstückchen zubereite.

Urlaub im Schwarzwald. So ganz kann ich noch nicht glauben in dieser göttlichen Region gelandet zu sein. Mein spärliches Frühstück (mangels Lust zum Einkauf) ist schnell verputzt.

Spike muss in der Ferienwohnung in diesen Tagen ausharren, bis ich von meinen, meist kleinen Wanderrunden zurück kehre. Kompromisse auf beiden Seiten sind für solch einen Urlaub nötig.

Alde-Gott Panoramarunde

Schon die Anfahrt ist spannend, etwas unterhalb des Mummelsee lese ich den ersten Anhalter meines Lebens auf. Ein Wanderer, der die Entfernungen und Höhenmeter unterschätzt hatte, jedoch pünktlich einen Bus bekommen musste, fleht mit erhobenem Daumen um die Gnade mitfahren zu dürfen. Ein gutes Werk am Morgen, das ist doch ein gelungener Einstieg in den Wandertag.

Entsprechend dem Startpunkt am Kurhaus, fühlt sich auch die Umgebung an, nämlich nobel. Die gepflegte Umgebung lädt ein den Einstieg in die heutige Wanderung gemächlich und mit vielen Blicken nach links und rechts zu starten.

Alde Gott – Was oder wer ist das?

Der Sage nach, die im 30-jährigen Krieg ihren Ursprung fand, zog ein junger Mann durch die Gegend von Sasbachwalden, traf keinen Menschen in der vom Krieg heimgesuchten Region. Als er schlussendlich doch noch auf eine junge Frau traf soll er ausgerufen haben „Der alde Gott lebt noch“ ( der Gott der Liebe und des Lebens)  An der Stelle, wo sich die beiden getroffen haben sollen, steht heute ein Bildstock mit der Inschrift „Der alde Gott lebt noch“ Die Weinlagen in Sasbachwalden wurden nach „Alde Gott“ benannt und etliche bekannte Gebäude, unter anderem das Kurhaus, auch.

Naheliegend war, dem Genießerpfad den Namen „Alde-Gott Panoramarunde“ zu geben.  Nun wandere ich aber mal los, meine erste Tour im Schwarzwald und ich kann jetzt schon sagen, eine der schönsten.

Was Rosen mit Wein zu tun haben

Einen kleinen Abstecher in die Sparte „Das möchte ich wissen“ erlaube ich mir noch. Eher zufällig gerate ich auf den Wein- und Naturlehrpfad, den Jungwinzer 2017 angelegt haben.

Hier stehen vor den Reben Rosensträucher in verschiedenen Farben und unter den Schildern unterschiedlicher Länder. Rosen sind sehr anfällig für den schädlichen Mehltau, der auch die Reben befällt. So konnte man am Befall der Rosensträucher früher fix erkennen, wenn den Reben ein solcher Befall bevorstand und entsprechend handeln. Heute stehen hierfür natürlich moderne Methoden zur Verfügung.

Auf zur Badischen Bänkl

Der Zuweg lohnt sich, ihn würde ich auch in eine erneute Wanderung auf diesem Genießerpfad mit einschließen. Vorbei an einem kleinen Ziegengehege, mit äußerst neugierigen Insassen, strebe ich durch die Weinberge einem herrlichen Panoramablick entgegen.

An diesem neugierigen Schwarzwälder vorbei
Badisch Bänkl

Bei diesem Anblick bleibt mir keine Wahl, ich muss eine erste Rast einlegen. Durch den hoch gewachsenen Fingerhut habe ich einen traumhaften Blick auf Sasbachwalden. Kinners, ich möchte liebend gerne hier einen Urlaub zubringen.

Blick am Badisch Bänkl auf Sasbachwalden

Ihr ahnt es sicher schon, dieser Wanderbeitrag wird wieder ein klein wenig länger. Die Begeisterung erfasst mich schon auf den ersten Metern und lässt mich so schnell, das verrate ich gerne, nicht los.

Zwei junge Damen kommen schwätzend und lachend den Weg hinauf, ganz offensichtlich mit dem Wunsch ihre angeregte Unterhaltung an diesem Platz hier oben fortzusetzen. Also räume ich alsbald das Feld. Mir steht schon das Ergebnis körperlicher Erhitzung auf der Stirn, trotz moderater Temperaturen ist es drückend warm.

Blick auf die Weinberge unter NOCH verhangenem Himmel
und Sasbachwalden

Gaishöll-Wasserfälle

Unversehen habe ich den offiziellen Startpunkt meiner heutigen Wanderung erreicht, nämlich den unteren Einstieg zu den Gaishöll-Wasserfällen. Was mich nun erwartet ist umwerfend und wer auch nur einen Hauch von Begeisterung für solche Naturschauspiele empfinden kann, wird hier ein um das andere Mal stehen bleiben, lauschen und schauen und hingerissen sein.

Gaishöll-Wasserfälle
Die andauernde Feuchtigkeit sorgt für den saftig grünen Moosteppich auf den Felsen
Und „knips“ noch ein Bild….und noch weitere 20 😉

Der Schwarzwald hat zahlreiche Wasserfälle und alle sind sie wunderschön. Dieser hier, gespeist durch den Brandbach, der auf richtig langer Strecke seine Spiele über Felsen und Findlinge treibt, fasziniert mich auf besondere Weise.  Die Lichtspiele auf dem Waldboden der Schlucht versetzt ins Hobbitland.

Angeblich benötigt man 30 Minuten um die 600 m und 150 Höhenmeter zu bewandern. Meine Wanderzeit war ganz sicher deutlich länger und 60 Fotos reich. Einige stelle ich euch hier vor. Der jetzt sehr sonnige Junitag trägt zu den idyllischen Eindrücken sehr bei.

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Der erste Schnapsbrunnen und der besondere Ausblick

Unterhalb der Katharinen Kapelle treffe ich auf den ersten Schnapsbrunnen. Die meisten Schnäpsgen und Säfte in den Schnapsbrunnen werden mit Gebirgswasser gekühlt. Das garantiert tatsächlich durchgehend gut temperierte Getränke.

IST das eine geniale Idee, ich bin von dem Anblick des Turms am Spinner Hof  hin und weg
Gelungenes Bauwerk, finde ich!
Der Schnapsbrunnen

Die Sankt Katharina Kapelle

Die Friedenskapelle Sankt Katharina dient als Ort der Begegnung und der Stille, aber auch für Hochzeiten. Sie steht auf einer Anhöhe, ist gerahmt mit wunderschönen Skulpturen, die genau das ausdrücken (Schaf mit Hirte) was Kirche uns geben möchte. Auch dieser Anblick berührt, ich habe mir genau die richtige Wanderung für den ersten Tag heraus gepickt.

Friedenskapelle Sankt Katharina

Der Innenraum ist schlicht, hell und lädt mit seiner eindrücklichen Stille zum Verweilen ein. Die Geschichte der Sankt Katharina Kapelle, die eigentlich eine Josefs-Kapelle werden sollte, erfahrt ihr auf den Seiten des Spinner Hof

Innenraum der Friedenskapelle Sankt Katharina
Blick von der Friedenskapelle Sankt Katharina

Auf zur Straubenhöfmühle

Im Jahr 1789 gebaut war sie als Mahl- und Sägemühle mit einem großen Wasserrad angetrieben in Betrieb. Ein Kleinod mitten in der Wiese, mit schnuckeligen Rastplätzen verschönt. Besichtigen kann man sie an bestimmten Tagen auch.

Sanft hügelige Landschaft nahe der Mühle

Die kleine Rasthütte wurde von der Brauchtumsgruppe Sasbachwalden nach dem Vorbild der Waldhütten nachgebaut. In solchen Hütten haben die Waldarbeiter Zuflucht vor Unwettern gesucht und Vesper eingenommen.

Straubenhöfmühle
Straubenhöfmühle (1789)
Wasserrad der Straubenhöfmühle
Der Wander- Traum nimmt kein Ende

Auch wenn ich den kleinen Schritt vom Weg ab nicht getan habe. Ein weiterer Schnapsbrunnen befindet sich auf dem Maiers Hof, dort können müde Wandersleute auch einkehren.

Kirschen und noch mehr Kirschen – alles für Schnaps und Kuchen

Jetzt beginnt eine Wegstrecke, die nicht nur schön, sondern auch kulinarisch zu dieser Zeit eine Herausforderung darstellt. Ich hätte mir am liebsten Eimerchen unter die Kirschbäume gestellt und sie voll gesammelt. Herrje schmecken die lecker!!! „Psssst, nicht weiter erzählen, dass ich genascht habe.“

Schöne Maid……
Obstbäume wohin das Auge blickt
Nachbars Kirschen schmecken sehr sehr lecker
Die dürfen sitzen, ich muss laufen

Neugierde treibt mich abseits des Weges

Nachbars Garten ist so bunt, den musste ich mir ansehen.

Blick auf Grieseneck?

oder habe ich den Blick hinter Grieseneck geworfen oder ist es gar Sasbachwalden? Ein auffälliges Gebäude rutscht auf den Kamerachip, ohne dass ich bisher herausfinden konnte, was ich hier erwischt habe. (Nachtrag: Dank Lesersuche weiß ich nun, dass es sich hierbei um das Kloster Erlenbad handelt)

Kloster Erlenbad

Unendliche Weite – Weinberge und Co

Was nun folgt ist Weitblick genießen, scheinbar ohne Ende.  Immer wieder tauchen unvermutet kleine Stationen auf, die nur mit einem Spezialschlüssel geöffnet werden können.

Wein- Caching

Diese Stationen sind Teil einer Wanderung in deren Verlauf Weine getestet werden können. Mit einem GPS Gerät und einem Weinglas ausgestattet machen sich die Teilnehmer dieser Caching Touren auf die Socken. Sie bekommen Koordinaten für 19 Wegpunkte, darunter einige die diese Wein-Tressore ansteuern.

Und jetzt kegeln wir am Münsterblick

Ganz neu installiert ist dieser hohe Kegelbaum am Münsterblick. Ich schaffe es zwar einige dieser Kegel flach zu legen, aber in den aufrechten Stand bekomme ich sie nicht mehr so leicht. Übrigens, ich war am 2.6.2018 dort, eingeweiht wurde das neue Wanderspielzeug am 5.6.2018. Da war ich mal wieder schneller, hi hi

Münsterblick Sasbachwalden
Kegelbaum am Münsterblick Sasbachwalden – Blick bis zur Hornisgrinde
Blick aus Sasbachwalden

Zurück nach Sasbachwalden – Stopp am Bildstöckle

Durch die Weinberge und auf dem Wein- und Naturlehrpfad Achern nähere ich mich dem Bildstöckle, der oben beschriebenen „Gedenkstelle“ zur Geschichte des „Alde Gott“. An einem riesigen Bienenhaus wandere ich ohne Angst vorbei. Die sind so mit dem Sammeln des kostbaren Nektar beschäftigt, dass sie mich ignorieren.

Welch ein Anblick von oben auf die Wanderer/innen zu schauen

Bald lande ich wieder am offiziellen Startpunkt meiner heutigen Wanderunde, dem Genießerpfad – Alde Gott Panoramarunde. Welch eine Wonne durfte ich erleben, welch eine Vielzahl an Eindrücken.

Voll mit Erinnerungen und schönen Fotos fahre ich zurück nach Bad Rippoldsau in die Ferienwohnung und befreie meinen alten Vierbeiner aus seiner Einsamkeit. Ein winziger kleiner Rundgang direkt an der Wohnung bildet den Abschluss. So kann es weiter gehen…..

 

8 Kommentare

  1. Was für schöne bilder. Vielen dank. Wir sind schon oft in Sasbachwalden gewesen und es hat sich einiges geändert.

  2. Liebe Elke, da war der Kommentar gerade fertig und dann gab es beim Absenden eine Error-Meldung.
    Ich versuche es noch mal, weil ich deinen Bericht so inspirierend fand und am liebsten sogleich losdüsen würde. Vor allem die mossbewachsenen Steine haben es mir angetan, ganz abgesehen von den Ausblicken. Genau das richtige an einem grauen, kalten Junitag. Danke!

  3. Das große unbekannte Gebäude auf dem einen Foto hat meinen Spürsinn geweckt und ich habe mich ans Suchen auf Googlemaps und Outdooractive gemacht. Und ich bin fündig geworden. Es ist Kloster Erlenbad in Sasbach.
    Gibt man bei Google Maps den Namen des Klosters ein und wählt die Fotodraufsicht, erkennt man die Ähnlichkeiten des Gebäudes.

    1. Siehste, und ich habe gesucht und gesucht und nix gefunden. Lieben Dank, das trage ich mal nach 😉

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