Es ist August im Jahr 2020, der Herbst streckt bereits seine bunten Finger aus. Greifbar nahe ist er. Das Obst ist reif auf dem Streuobstwiesenweg in Mülheim Kärlich. Ein Grund mehr diesen kleinen Wanderweg noch einmal unter die Wanderstiefel zu nehmen. Wie wohl Apfel- und Zwetschgenbäume, Walnuss- und Kastanienbäume aussehen? Kommt ihr mit?

Das Obst ist reif – Oder doch nicht?

Walnussbäume auf dem StreuobstwiesenwegDas sehe ich schon bei der Anfahrt. Dicke Zwetschgen hängen an den Bäumen, Äpfel leuchten kräftig rot. Doch nicht alles was dort so verlockend zu winken scheint, ist jetzt schon essbar.

Die meisten Äpfel brauchen noch eine Zeit, warten darauf von den Obstbauern geplündert zu werden. Sie gehören nicht den Wander/innen, sie wurden angepflanzt, gepflegt und sollen auch nach diesem Aufwand in den Kellern der Besitzer wandern.  Und die Walnüsse, die haben noch eine ganze Weile Zeit bis sie als braune Nussfrüchte aus ihren Schalen fallen.

Das Obst ist reif auf dem Streuobstwiesenweg
Start am Wanderparkplatz am Sportplatz

Einsam liegt der Wander-Parkplatz am Sportplatz Dalfter und gleichzeitig Start des Streuobstwiesenweg. Etwas irritierend findet mein Navigationsgerät die Anschrift, die als auf den Seiten angegeben wird. Boschwingerten finde ich in der Straßenliste nicht. Wer also ähnliche Probleme hat, der gebe Blütenstraße ein, vor dort aus ist ausgeschildert.

Wissen ist Macht – Informationen zum Streuobstwiesenweg

  • Start/Ziel: Sportplatz Dalfter, 56218 Mülheim-Kärlich (Boschwingerten oder Blütenstraße eingeben)
  • Streckenlänge: 10 km
  • Höhenmeter: 246 m
  • Einkehr: Cafe Tante Miesche
  • Schaut mal wie bunt das Frühjahr auf dem Streuobstwiesenweg ist.

An den Startpunkten aller Traumpfade sind Informationstäfelchen angebracht, die noch einmal an die Corona-Regeln erinnern. Dazu gehört auch, sich an die vorgeschlagene Wanderrichtung zu halten und an engen Stellen Raum für andere Wanderer zu lassen. Das wird mir heute recht gut gelingen, denn die Wege sind angenehm leer. Also jetzt aber mal los.

Streuobstwiesenweg
Ruhige Waldwege

Entgegen dem Uhrzeigersinn wandere ich einmal um den Sportplatz herum. Wer übrigens früher  ins Neuwieder Becken schaute, der sah noch das Kraftwerk Mülheim-Kärlich. Wir können heute unseren  Blick weiter schweifen lassen. Der große Turm wurde nämlich inzwischen abgerissen.

Es ist kühl

Heute habe ich das erste mal seit vielen Wochen wieder eine Jacke an. Die Entscheidung sie doch auszuziehen fällt erst nach fast 2 km.

Streuobstwiesenweg
Ananasbaum?

Die Pause, um die Jacke in meinen Rucksack zu verstauen nutze ich gleichzeitig, um Distanz zu einer Wanderin mit dem typischen strengen Geruch von Seife zu erlangen. Dieser Geruch fällt mir in letzter Zeit sehr häufig auf und ich empfinde ihn im Zusammenhang mit einer Wanderung durch die Natur als ausgesprochen störend.

Das Leiden der Bäume

Haselnusssträucher säumen meinen Weg und auf dem Boden liegen die unreifen Früchte die der Trockenheit zum Opfer gefallen sind. Noch fast grüne Blätter segeln vorzeitig von den Ästen, die Zeiten sind schwer.

Das Obst ist reif auf dem Streuobstwiesenweg
Eingerollte Blätter – Zeichen der Trockenheit

Das Bild der Natur lässt  häufig Trauer aufkommen. Die Kirschbäume tragen vertrocknete, eingerollte  Blätter und wie mir scheint wurden sie auch nicht abgeerntet. Überall hängen die eingetrockneten Früchte an den Bäumen.  Ein Apfelbaum ist unter der Last der Äpfel und unter Einwirkung der Trockenheit abgebrochen.

Jeder Baum und jeder Strauch scheint hier nach Wasser zu schreien und der Boden ist so trocken, dass es bei jedem Schritt staubt. Es fällt mir gerade schwer beschwingt durch diese gequälte Natur zu laufen.

Das Obst ist reif auf dem Streuobstwiesenweg
Ob diese Äpfel noch reifen?

Obstlehrgarten Kettig

Auf 10 km Wanderweg muss Frau natürlich auch eine Pause einlegen. Der schnuckelige Obstlehrgarten von Kettig wirft sich mir sozusagen verheißungsvoll vor die Wanderfüße.

Eingang zum Obstlehrgarten Ketting
Eingang zum Obstlehrgarten Ketting

Mit Blick auf die locker platzierten Obstbäume und die wunderschöne Sinnesbank lasse ich mich nieder, genieße mein Käffchen und einen Apfel. Hier im Obslehrgarten versammeln sich die Obstbäume der Region. Auch ein paar Rebstöcke mit verführerisch grünen dicken Trauben stehen hier herum. Der spätere, sehr vorsichtige Test offenbart aber auch hier „Die sind noch unreif“ Die Wespen jedoch denken sich: „Das Obst ist reif“ und nagen an den festen Trauben

Obstregion Kettig

Mitte des 19 Jahrhunderts, so steht es auf einer Tafel geschrieben, verdrängte der Obstanbau den Weinbau. Aha, damit habe ich die Erklärung für die Reben die dort hinten stehen.  Kirschbäume waren die ersten Kandidaten für die neue Besiedlung, es folgten Anpflanzungen von Äpfeln, Steinobst und Erdbeeren. Holunder rundet das gesunde Angebot ab. Übrigens stehen hier im weiteren Verlauf der Wanderung tatsächlich ganze Plantagen von Holunder.

Ebenfalls geschrieben steht hier dass zehn Obstbauern im Haupterwerb, die Naturfreunde, Pfadfinder und viele andere einiges dafür tun dass dieses als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesene Kleinod gepflegt und erhalten wird. Es werden weiterhin alte Apfelsorten angepflanzt und auch der Obstlehrgarten ist ein Beispiel für die Aktivitäten dieser Gruppe.

Versteigerung von Streuobstbäumen

Die Obstbäume in der Bassenheimer Gemarkung können ersteigert werden. Für kleines Geld ersteigern sich Interessenten das noch am Baum hängende Obst. Dafür muss man sich natürlich vorher anmelden. Bis zum 7. September 2020 kann gesteigert werden.

Also flotti ihr Lieben, schaut auf der Seite von Kettig oder ihr nehmt Kontakt hier auf: Weitere Informationen gibt es bei Dagmar Wißner, Tel. 02625/9696-9727, E-Mail: dagmar.wissner@kvmyk.de oder Paula Voß, Tel. 0261/108-480, E-Mail: paula.voss@kvmyk.de.

So, nachdem ihr nun wisst was ihr tun müsst, um euch die Bäuche mit Obst vollzuschlagen, die Einmachgläser mit Marmelade zu füllen oder den Entsafter ankurbelt, wandere ich dann mal weiter.

Heute mal wieder mit lahmem Motor

In diesem Jahr will mein Körpermotor nicht so recht. Gerade in den letzten Wochen schmerzen die Glieder immer wieder. Seit Februar immer wieder Fieber und Abgeschlagenheit. Leider auch heute. So dampfen die Füße bei der kleinen Treppe hinauf. Ungebrochen ist aber die Freude an der Natur.

Kurz vor der Elmar-Hillesheim-Wiese entdecke ich ein Eichhörnchen, das so mit Sammeln irgendwelcher Samen beschäftigt ist, dass es sich auch von mir nicht groß beeindrucken lässt.

Lustiges Wesen- Das Eichhörnchen
Lustiges Wesen- Das Eichhörnchen
Eichhörnchen auf dem Streuobstwiesenweg
Guck Kuck

Elmar-Hillesheim Wiese

Obstbäume aber vor allem Weiden werden hier gepflegt. Die Elmar-Hillesheim Wiese bietet daneben aber auch reichlich Plätze zu Entspannen oder gemeinsamen klönen an. Regelmäßig finden Kräuterwanderungen in der Region statt, die diese Wiese mit tangieren.

Die Förder- und Wohnstätten GmbH fertigte zudem einen überdimensionalen (Durchmesser: 4,50 m, Höhe 4,15 m),aus Weiden geflochtenen Obstkorb an.  Der Gute hat ein wenig gelitten, ich hatte ihn etwas robuster in Erinnerung.

Elmar-Hillesheim Wiese - Weidenkorb
Der große Weidenkorb

Gemütlich schlendernd verlasse ich die Elmar-Hillesheim Wiese wieder, um das kleine Reststück meiner heutigen Mini-Wanderung zu vollenden.

Das Obst ist reif – Zwetschgen wollen dringend in meinen Mund

Das Obst ist reif, zumindest das was jetzt kommt. Holunder und Zwetschgen bieten sich feil, aber bis auf ganz vereinzelte greife ich nicht zu. Wie schon oben beschrieben, sie gehören nicht uns Wanderer/innen. Der Anblick ist dennoch die Verführung in ärgster Form. Der Endspurt kündigt sich an, als ich die kleine  St. Joseph Kapelle erblicke. Nur noch wenige hundert-meter trennen mich vom Auto.

 

Leider ist die kleine Schlinge, die an der Tongrube vorbei führt, gesperrt. Bei meiner ersten Wanderung im Jahr 2014 war sie noch Bestandteil des Streuobstwiesenweges. Schade, denn der Blick in die Grube war schon sehenswert. Einen Grund dafür finde ich leider auch nicht. Aber auch ohne die Schleife hat mir der kleine Wanderweg sehr gut gefallen. Nun habe ich neben der Blütezeit auch die Erntezeit erlebt. Sehr schön! Habt eine schöne Zeit und bis bald auf weiteren Wanderwegen.

4 Kommentare

  1. Liebe Frau Bitzer, immer wieder hole ich mir auf Ihren Seiten Ausflugstipps und die Einstimmung mit Ihren Kommentaren und Bildern ist immer lohnenswert. Ich habe vor 4 Jahren meine Lebensliebe beerdigen müssen, umso wichtiger sind dieWanderungen. Nun hoffe ich sehr, das Sie sich bald körperlich erholen können. Möglichkeiten zur Unterstützung haben Sie sicher?
    Alles Gute für Sie!!
    Mit besten Grüßen
    Sigrid himmel

    1. Guten Morgen Frau Himmel

      Ja bei Herzeleid ist die Natur besonders heilsam. Das erfahre ich, auch wenn es mir körperlich öfter schwer fällt, doch immer wieder. Und gerade in diesen Zeiten empfinde ich große Dankbarkeit für jede einzelne Wanderung. Ebenso heilsam sind aber auch Kommentare wie Ihrer heute morgen. Es fällt mir sehr schwer zuzugeben, dass eben nicht immer alles so funktioniert. Ich hoffe, dass der Ursprung für meine diesjährigen Einschränkungen bald gefunden wird und sonst muss ich eben ein paar Gänge zurück schrauben. Ich bin aber zuversichtlich, denn der Wille ist ungebrochen.

      Ich wünsche Ihnen alles Liebe, Zufriedenheit und viele glückliche Momente und natürlich Gesundheit
      Elke Bitzer

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