Die Reisefreude der Deutschen ist groß und wenn sie nicht fliegen können, dann fahren sie in die Eifel. So erscheint es den von Ausflüglern geplagten Eifelbewohnern momentan. Die Wanderparkplätze voll gestellt mit Autos aus weiter entlegenen Orten. Die Eifel boomt, auch jetzt! Was zu anderer Zeit erwünscht ist, wird jetzt zur Bedrohung.

Die Eifel boomt – Wenn Städter in die Stille fliehen

So kenne ich die Eifel

Die Eifel ist eigentlich mein bevorzugtest Wandergebiet, hier finde ich Landschaften zum weit schauen mit sanften Hügeln. Die Stille dort ist für mich Balsam auf die Seele. Eifel ist meine zweite Heimat, in der ich viele Wochen des Jahres verbringe. Diese Eifel habe ich, im Rahmen meiner Eifelsteigwanderung, im Jahr 2019 noch intensiver kennen gelernt und auch die Menschen.

In der schönen Nordeifel startet der Eifelsteig. Damals hatte ich so viele Begegnungen mit freundlichen, aufgeschlossenen Eiflern. Viele Unterhaltungen, viele nette Gastgeber haben mir die Eifel nicht nur landschaftlich, sondern auch menschlich nahe gebracht. Im Oktober durfte ich bei einem kleinen Imagevideo mitwirken, eine Selbstüberwindung ohnegleichen mich so öffentlich zu machen. Deshalb habe ich bisher auch dieses Video nicht gezeigt.

Doch heute möchte ich das nachholen. Ich bin so stolz ein Teil dieser Region zu sein, obwohl ich Städterin bin. Mein Herz schlägt so intensiv und sehnsuchtsvoll für dieses große Wandergebiet, dass es mir schwer fällt ihr im Moment fern zu bleiben. Im Interesse aller setze ich jedoch mit meinen Besuchen dort aus.

Die Eifel heute

Das vergangene Wochenende war geprägt von vollen Wanderparkplätze dort, wo der Ausflügler besondere Schätze vermutet. Besondere Schätze sind z.B. die Traumpfade, aber auch bestimmte Plätze in der Nordeifel. In Scharen rauschen sie aus allen Himmelsrichtungen an, die „Städter“. Sie parken die Plätze zu, die in der jetzigen Zeit den Einwohnern vorbehalten sein sollten. Auch der Eifler hat das Bedürfnis nach Entspannung am Wochenende. Und auch der Eifler hat Angst vor einer Infektion.

Plötzlich ist das alljährliche Bild der einfallenden Ausflügler mit einem Angst einflößenden Gefühl verbunden. Sie kommen, nach Schilderung der Einheimischen, in Gruppen. Sie ziehen schwatzend und lärmend über die Wanderwege, sie halten oft genug nicht den angeordneten Abstand. Die Eifel boomt und sie hält das jetzt nicht aus.

Traumpfade punkten mit Pfaden

Die attraktivsten Traumpfade waren am vergangenen Wochenende besonders betroffen. Hier verlaufen die Rundwege auf besonders schmalen Pfaden und das oft über lange Strecken. Ein Ausweichen ist häufig nicht oder nur durch betrampeln der Botanik möglich und selbst dann sind 1,5 Meter Abstand unmöglich. Leider zeigen sich die angesprochenen Wanderer/innen zu einem großen Teil als resistent gegen jegliche Erklärung und Belehrung. „Ich will aber…..“ “ Das lasse ich mir nicht auch noch nehmen“ So klingt es in den sozialen Medien.

Die Eifel boomt
1,5 Meter Abstand? Dahinter und davor sind eben solche schmalen Pfade. Nein, der Abstand kann nicht gewahrt werden

Die Nordeifel blüht

Ganz besonders betroffen sind auch die Wanderwege in der Nordeifel. Wenn bestimmt Blüten die Köpfe heben und Freunde dieser Zeichen explodierender Natur die Wiesen bevölkern, dann wird es auch dort eng. Hier war der Einfall der Ausflügler und die Rücksichtslosigkeit so deutlich, dass ein sehr großer Teil der Zufahrtsstraßen und Wanderparkplätze gesperrt wurden. Leider sind hiervon auch die dort wohnenden Menschen betroffen. Die Eifel boomt und verdrängt die Menschen die dort leben in die Häuser.

Wenn Angst das Verhalten bestimmt

Ich treibe mich ja gerne in den sozialen Netzwerken herum, dort teile ich meine Beiträge und Bilder normalerweise. So ein bisschen Werbung für diesen Blog machen. Doch momentan ist mir nicht danach. Jede Werbung für attraktive Regionen schickt die gelangweilten, von Kontaktsperren und Arbeitslosigkeit geplagten Menschen dort hin. Also beschränke ich mich auf die wanderisch nicht so arg interessanten Naturwege rund um Leverkusen und im Bergischen Land.

Leider sind verschiedene Zeitungen und touristische Institutionen nicht so schlau. Sie werben weiter, sie weisen auf die augenblicklichen Hotspots ihrer Destinationen hin. Ich hoffe das hört bald auf. Der Graben zwischen den Menschen aus nah und fern wird sonst immer größer.

Trotzdem ist das Verhalten mancher Menschen inakzeptabel. Für gewöhnlich profitieren Gastgeber davon wenn die Eifel boomt. Es macht Sinn das nicht aus den Augen zu verlieren. Wenn dann Sprüche kommen wie „Die Städter sollen sich vom Acker machen“ dann ist das wenig förderlich für das Verhältnis zwischen Gastgeber und Urlauber. Jetzt dürfen wir keine Urlaube machen, die Ferienunterkünfte stehen leer. Schwer zu ertragen für alle Beteiligten.

Zwischen denen, die jetzt ohne nachzudenken eure Regionen bevölkern sind unzählige Gäste, die jährlich wiederkommen. Sie lieben die Eifel und möchten wieder kommen. Verscheucht sie nicht. All jene, die ebenfalls jährlich wiederkommen und die Verbotsschilder missachten, damit kostbare und seltene Pflanzen zerstören, die dürfen gerne aus meiner geliebten Eifel fern bleiben.

Mir fällt auf, Corona greift nicht nur unsere physische Gesundheit an, Corona macht Angst und diese Angst lässt ungeahnte Gefühle aufsteigen. Diese Gefühle machen wütend. Tun wir als Wanderer alles, damit die Situation nicht eskaliert. Tun wir als Blogger/innen alles, damit die Regionen gerne lesen was wir zu sagen haben. Rücksicht ist ein Zeichen von Menschlichkeit.

Für mich gilt, auch wenn die Eifel boomt…..

ungern aber widerstandslos für eine Zeit Verzicht zu üben . Damit kann auch Veränderung geschehen, die diese Zeit ohnehin nach sich ziehen wird. Nach Corona wird es in diesem Jahr nach meiner Einschätzung nicht geben, also leben wir mit Corona. Die Eifel läuft nicht weg und ich freue mich, wenn meine Sehnsucht wieder gestillt wird. Wer weiß, vielleicht sind bald wieder entspannte Wanderungen in stilleren Ecken dieser geliebten Region möglich. Hotspots sind für mich tabu.

Die Eifel boomt
Farben wohin das Auge schaut, in Leverkusen
Die Eifel boomt
Leverkusen

Der nun folgende Film zeigt, was die Natur kann. Nicht nur die Eifel hat solche Plätze. Ganz nahe unserer Wohnorte gibt es hohe Bäume, sich öffnende Eichensprößlinge und fließende Gewässer. Gerade jetzt bietet es sich an der Natur beim wachsen zuzuschauen.

Nicht nur die Eifel boomt – Nachtrag am 28.03.2020

Neben der Nordeifel hat auf das Elbsandsteingebirge die Parkplätze dicht gemacht. Es werden ganz sicher weitere folgen.

 

2 Kommentare

  1. Ja, es gibt sie, die Eifler, die jetzt gegen die (teils vermeintlichen) Städter hetzen, die ihre geliebten Wanderwege in Scharen heimsuchen. Aber die Mehrheit denkt nicht so. Ja, Corona macht erstaunlich viele Menschen aggressiv. Und gibt den Meckerern eine unglaubliche Plattform in den Sozialen Medien.
    Die Angst ist präsent. Besonders Menschen, die zur Risikogruppe gehören oder Angehörige haben, die dazu zählen, reagieren sehr empfindlich. Wer sich selbst seit Wochen einsperrt, bekommt zwangsläufig früher oder später einen Lagerkoller.
    Und dann gibt es noch die notorisch Obrigskeitshörigen, die eine Empfehlung der Kanzlerin als Gesetz einordnen und platzen, wenn sich jemand nicht daran hält.
    Bedauerlich dabei ist der schroffe Umgangston, der im persönlichen Umgang hier zwar durchaus richtig einzuordnen ist, aber als Post im Netz, direkt als Beleidigung ankommt.
    Die Mehrheit hat aber durchaus Verständnis, wenn Menschen, die im Vergleich zu uns kleineren Wohnungen ohne Garten sitzen, die mit Sicherheit total überlaufenden Grünflächen lieber nicht nutzen und ein Mal in die Eifel fahren, um der Enge zu entfliehen. Lasst euch nicht abschrecken. Wir lieben die Abwechslung, die ihr in unsere Landschaft und Städtchen bringt.

    1. Bisher habe ich nie einen Eindruck von abgelehnt sein gehabt. In den letzten Wochen jedoch, empfinde ich die Menschen insgesamt als dünnhäutiger. Es wird noch so viele Gelegenheiten geben die Hotsports der Eifel zu besuchen, es muss ja nicht JETZT sein. Ich bin schon dafür, dass die Einheimischen sich erst einmal mit den erweiterten Einkaufsmöglichkeiten vertraut machen, bevor wieder die Schwemmen der Touristen einfallen. In ein-zwei Wochen entspannt sich das Ganze dann, oder die Höhe der Infekte veranlasst wieder zur Schließung. Das wäre sicher schlimmer, als jetzt ein wenig zu warten.

      Wenn ich das Gefühl habe, dass alles gut verläuft, dann reise ich auch wieder in die Eifel, schreibe darüber und locke so sicher auch den ein oder anderen in eure einzigartige Region.

      Ganz liebe Grüße und bleibt alle fit und gesund für die „bekloppten“ Städter ;-)
      Elke

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.