Fasten, für mich ein Wort das mir die Gänsehaut auf die Arme treibt. Verzicht, wie grausam! Menschen fasten heute anders und verbinden diese Zeit mit der Sehnsucht nach mehr Gesundheit oder Vernunft. Fasten mal anders also! Wir nutzen die Fastenzeit, indem wir in dieser Zeit nicht rauchen, auf Zucker verzichten, dem Alkohol entsagen oder das Auto stehen lassen. Fasten ist also längst nicht mehr nur Nahrungsentzug.

Fasten mal anders……

Ja, auch ich greife das vermaledeite Thema auf, weil es auch für mich einen deutlichen Einschnitt in mein Leben bedeutet. Schon weit vor den von Amtswegen verordneten Einschränkungen hat mein ältester Sohn Bedenken geäußert Kontakt zur Enkelin zu haben. Damals habe ich seine „Panikmache“ verflucht, heute muss ich mich für mein Verherrlichen entschuldigen.

Ich werde also auch die Osterferien nicht mit meiner Enkelin verbringen und das ist ein schmerzlicher Verlust. Doch wenn ich diesen „Verlust“ mit dem Begriff „Fasten“ versehe, dann bekommt dieser Verzicht eine ganz andere Note. Wir können auf diese Weise als Familie dazu beitragen den unwillkommenen Gast in der Welt das Leben schwer zu machen. Wir können als Familie dazu beitragen, dass das Gesundheitssystem nicht völlig zum erliegen kommt. Das ist doch mal eine ganz andere Sichtweise auf das Versammlungsverbot, oder?

Wir sind Gewohnheitstiere

Gestern komme ich heim und begrüße eine Nachbarin, die ihre Arme weit öffnet….. Ihr könnt euch nicht vorstellen wie furchtbar ich es empfinde, dass ich nicht eine Sekunde an Corona dachte und mich umärmeln ließ. Die gesamte Dauer meines Kurzurlaubes habe ich solche Kontakte gemieden, wir waren uns als Trio auch einig vernünftig zu sein. Eine Sekunde unaufmerksam und schon verpennt man die eigenen Vorsätze. Für mich ist jetzt Schluss. Isolation erscheint mir die einzige Chance solchen Situationen nicht mehr zu begegnen.

Alleine in der Natur

Gestern war ich noch der Auffassung: „Ach, gemeinsam wandern, das geht noch“ Heute weiß ich: Nein, das lasse ich lieber. Draußen sein ist mir wichtig. Damit stärke ich sicher mehr meine Abwehrkräfte, als mutterseelenallein in der Wohnung zu bleiben. Der Winterblues hat sich noch nicht in Gänze verzogen. Bewegung und frische Luft, außerhalb der Städte, fernab aller Touristenattraktionen, das sollte doch möglich sein.

Verlust tut weh – Fasten tut gut

So einfach ist es sicher nicht. Auch fasten tut den Fastenden irgendwie weh, denn sie vermissen den Stoff, die Nahrung, das Auto ohne jeden Zweifel. Doch gefastet wird freiwillig und damit ist der ganze Prozess doch positiver. Für mich bedeutet das Fasten 2020

  • Leider kein Sport, ich habe mich gerade erst im Fitnessstudio angemeldet und zahle schon den ersten Beitrag ohne Leistung dafür zu erhalten. Mit Blick auf die vielen Freiberufler und Kurzarbeiter mit teilweise derben Einkommenseinbußen kann ich das gut verkraften.
  • Keine persönlichen familiären Kontakte (besteht schon seit gut zwei Wochen) das tut richtig weh
  • Keine freundschaftlichen Kontakte und auch Nachbarn sind tabu. Das ist krass, aber ich bin der Auffassung jeder der es kann und sich dran hält, verzögert die Verbreitung des dummen Virus.

Gibt es positive Aspekte?

Zweifellos, denn die Einkäufe in Richtung Nahrung werden deutlich gesünder ausfallen. Ingwer, Kurkuma, Gemüse, Obst stehen auf meinem heutigen Einkaufszettel in noch höherem Prozentsatz als sowieso schon.

Fasten mal anders
Fasten mal anders

Der Verzicht auf Gemeinschaftsaktivitäten fällt mir persönlich nicht so schwer, da meine Ausflüge sowieso schon eher im Singlemodus stattfinden. Doch Genuss wird noch höher im Kurs stehen, denn mir steht viel mehr Zeit zur Verfügung, wenn alle anderen Aktivitäten herunter gefahren werden.

Ich lerne mein eigenes Gedanken-Karussell zu unterbrechen. Immerhin beobachte ich jetzt jedes Niesen und Husten argwöhnisch und spüre Druck auf der Brust. Lenke ich mich aber, sind alle Symptome verschwunden.

Ansonsten sehe ich nicht so viel positive Aspekte. Vielleicht fallen euch ja welche ein.

Informationsquellen sorgfältig wählen

Für mich ist es wichtig sachliche Informationen mit möglichst hohem Wahrheitsgehalt zu bekommen. Für mich fängt das bei der Wahl des Fernsehsenders an. Was die Privaten da teilweise bringen lässt mich erschauern. Meine Informationsquelle ist überwiegend n-tv mit Einschätzungen zur weltweiten Verbreitung und Beiträgen des Robert-Koch-Institutes.

Lesen kann ich beim Bundesministerium für Gesundheit aber auch den lokalen Informationsdienst für die Stadt Leverkusen. Den gibt es sicher in allen Gemeinden inzwischen. Hier erfahre ich auch über die wesentlichen Einschränkungen, die die Bevölkerung hinnehmen muss.

Sachliche Informationen aufmerksam konsumiert verhindern auch unsinnige Aktivitäten, die zwar gut gemeint, aber schädlich sein können. Verstand einschalten und Panik ausschalten. Es ist sehr schwer, aber machbar.

Mir ist bewusst, dass ich mit meinem frisch erworbenen Renterinnendasein eine ausgesprochen einfache Ausgangslage habe, sofern ich gesund bleibe.

Wie fastet ihr in diesen Zeiten. Was fällt euch im Augenblick besonders schwer und wie löst ihr Engpässe in eurem Leben mit dieser Pandemie?

2 Kommentare

  1. Lieber Herbert

    vielen Dank für Deine Bestätigung. Ja ich hoffe auch, dass wir gut dadurch kommen. Für alle ist es eine erhebliche psychische Belastung, auch ohne aktive Infektion. Am Ende werden wir hoffentlich gestärkt sein.

    Ganz liebe Grüße und bis zu einem nächsten, zufälligen Treffen in der Natur.
    An Deine Freundin „Ich drücke alle Daumen, gerade in diesem Fall“

    Elke

  2. Liebe Elke,

    Du hast es mal wieder auf den Punkt gebracht!

    Mein „Fasten“ sieht so aus, dass ein dieser Tage geplantes Treffen mit meiner geliebten Patentochter samt Mann, die in Luxemburg als Projektleitern eines Krankenhausneubaues arbeitet, in beiderseitigem Einvernehmen gestrichen worden ist.
    Meine sauerstoffpflichtige (24/7) Freundin ist auf meine Betreuung angewiesen, daher muss ich besonders aufpassen…

    Ich wandere ja auch meist alleine, gerade für heute war aber ein gemeinsamer Ausflug mit einer langjährigen Freundin in die Pfalz geplant. Sie arbeitet in der Altenpflege, daher lassen wir es…

    Aber ich fahre gleich alleine, gehe eine sicher nicht stark frequentierte Runde ohne Hütteneinkehr und brauche ja keine Angst zu haben, Dich zufällig zu treffen und zu umärmeln, da Du schon zuhause bist.

    Hoffentlich kommen wir alle gut durch diese schwierige Zeit!

    Liebe Grüße

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