Die Traumschleife Kasteler Felsenpfad und die Frage: Wo ist beim Baum hinten?

P1060340Nach unserer großen Tour am Samstag wollen wir uns heute bei eher suboptimalen Wetter eine kleinere Tour von nur knapp 9km vornehmen. Der Kasteler Felsenpfad, einer von derzeit 74 Traumschleifen in der Gegend des Saar Hunsrück Steigs.

Der Weg startet in Kastel Staadt, eigentlich am Parkplatz an der Klause, aber in der Unwissenheit darüber, dass dort ein derart großer Parkplatz ist, parken wir ein Stück unterhalb auf König Johann Str. und wie fast immer, wenn ich auf Tour gehe, wandern wir entgegen der vorgesehenen Wanderrichtung. Diese meine Eigenart hat uns dieses Mal an der spannendsten Stelle der Wanderung trockenes Wetter mit blauem Himmel beschert. Dazu kommen wir aber später.

Kasteler Felsenpfad  (7)Wir sind in fast übermütiger Laune, denn die gestrige Eifelsteigetappe hat uns Wanderleben eingehaucht. Keine von uns rechnet damit, dass dieser gestrige Tag zu toppen sein könnte. Also ziehen wir los, sind schnell mitten im Urwald verschwunden.Es geht zunächst recht steil und sehr rutschig bergab. Grummel, muss das sein? Ja klar, muss…bei uns immer!

Kasteler Felsenpfad  (15)Der Wald in seinem hellen Grün mit so rauschend dichtem Blätterkleid entlockt uns immer wieder zustimmende Worte. Die roten Buntsandsteinfelsen die immer wieder auftauchen sind so gewaltig, dass einem die Worte weg bleiben.  Conny, die bevorzugt im Elbsandsteingebirge Urlaub macht, fragt sich immer wieder, warum sie so weit reisen soll, wenn sie ähnliches hier erleben kann.

Auch Tanja und Iris, die in diesem Frühjahr einen Urlaub auf Gomera verlebt haben, vergleichen so manchen Weg mit dieser Gegend. So kam dann auch Erinnerung an eine Frage zum Thema Wald in Tanjas Gedanken. „Wo ist beim Baum hinten?““Ist bestimmt die Wetterseite“ mutmaßt Conny
„Ja“ bestätige ich „kann ich mir auch vorstellen. Oder dort wo das Moos ist, ist hinten“
Pruuust  die Antwort bekommt ihr am Ende des Artikels.

Hier waren wir kurz baden, denn der Schmutz von gestern klebte doch irgendwie etwas.
Hier waren wir kurz baden, denn der Schmutz von gestern klebte doch irgendwie etwas.
Wenn man ganz genau hin schaut, entdeckt man ein Gesicht in der Höhle.
Wenn man ganz genau hin schaut, entdeckt man ein Gesicht in der Höhle.

WanderschneckeWir begegnen Wanderschnecken, die mit ihren Häusern auf dem Rücken unterwegs sind. Iris, dachte an ihren Kochtopf und sie dachte laut. Mir war so als wäre die Schnecke schneller geworden.

Aber sie musste keine Sorge haben, ich hätte mich rettend über sie geworfen.

Kasteler-Felsenpfad--(21)Wir überqueren Brücken und fühlen uns wie in eine andere Welt versetzt. Die Atmosphäre erinnert uns ein wenig an die Wohngegend der Hobbits.

Diese Pilze hier veranlassen zu der Frage, ob die um diese Jahreszeit überhaupt hier wachsen dürfen
Diese Pilze hier veranlassen zu der Frage, ob die um diese Jahreszeit überhaupt hier wachsen dürfen
Moosige Steinbrocken von riesigen Ausmaßen liegen zwischen den schmalen Baumstämmen herum
Moosige Steinbrocken von riesigen Ausmaßen liegen zwischen den schmalen Baumstämmen herum
Felsige schmale Wege verzücken
Felsige schmale Wege verzücken

AltfelsenUnd dann sehen wir dieses herrliche Felsmassiv. Beim näheren Hinschauen sehen wir ungläubig, dass die Möglichkeit besteht dort hinauf zu klettern. Wagemutig geht Tanja auf den Fels zu, steigt ein Stück hinauf, schaut und kehrt ebenso entschlossen wieder um “ Nee neee, das mach ich nicht“

Meiner Meinung nach ist das gar nicht so schlimm. Ich packe die Nikon in meinen Rucksack, gehe ein Stück hinauf, schaue, kehre wieder um “ Neee, neee das mache ich nicht“ (gestern war mir eine 2 m hohe Leiter schon zu hoch). Während ich noch auf dem Abstieg war erklärt ein Wanderer in Begleitung zweier Frauen, dass dieser Fels nur von erfahrenen Kletterern erklommen werden sollte. DAS war zuviel. DAS glaube ich nun nicht! Entschlossen nehme ich den Rucksack ab, packe die kleine Kompakte in die Hosentasche und verkünde „Ich gehe“

Kasteler Felsenpfad  (44)Iris schaut zum Himmel, sichtlich mit der Frage beschäftigt ob sie mit soll oder nicht. Ihre Frage an den Himmelshüter scheint mit „Ja“ beantwortet zu werden, auf jeden Fall zieht sie ebenfalls den Rucksack aus und wir  machen uns entschlossen auf den Weg nach oben. Leider habe ich es versäumt Tanja und Conny den Gebrauch der zurück gebliebenen Nikon zu erklären, deshalb sind die Fotos nicht soooo nah.

Unterwegs haben wir das ein oder andere Foto selber geschossen.

Auf halber Höhe vom Felsen
Auf halber Höhe vom Felsen
Tanja versucht es mit meiner Nikon, man sieht was :-)
Tanja versucht es mit meiner Nikon, man sieht was :-), noch sind wir nicht oben
Wir sind oben jaaaaaaa
Es ist beinahe geschafft
Von unseren Jubelschreien zum NAchmachen motiviert, hat sich Conny ganz allein auf den Weg gemacht und sie hat es genauso geschafft!
Von unseren Jubelschreien zum Nachmachen motiviert, hat sich Conny ganz allein auf den Weg gemacht und sie hat es genauso geschafft!
Unter den Kommandos von Tanja, die eifrig mit der Kamera knipselt, klettern wir in der von ihr gewünschten Anordnung wieder hinunter
Unter den Kommandos von Tanja, die eifrig mit der Kamera knipselt, klettern wir in der von ihr gewünschten Anordnung wieder hinunter

Unten angekommen machen wir uns erstmal über die Knoppers und Müsliplätzchen her, die im Rucksack von Conny auf uns warten. Die Nerven müssen beruhigt werden.
Da ertönt etwas kummervoll. „Ich will auch da hoch, wer geht noch mal mit?“ Uiuiuiuiui, Tanja!  Ich warte mal ab, ob sich vielleicht freiwillig jemand meldet? Mmmh alle warten anscheinden.

„Ok, sage ich, noch ein Knoppers und dann mach ich es“

Tanja erstaunt über ihren eigenen Mut sinniert: „Es sind nur fünf Minuten Angst“ Wieso meine Antwort „Sie solle sich nicht unter Streß setzen, es könnten ja auch 6 Minuten werden“ so zu einer Lachsalve führte schreibe ich unseren überspannten Nerven zu.

Mit Tanja erneut auf dem Weg nach oben
Mit Tanja erneut auf dem Weg nach oben
Und schon wieder auf dem Weg nach unten
Und schon wieder auf dem Weg nach unten

Kasteler Felsenpfad  (84)Da zieht richtig fies was auf. Es war schon sehr windig da oben und wir waren übereinstimmend sehr froh nicht so federleichten Körpergewichtes zu sein.

Diese Kletterei hat uns irgendwie sehr bewegt. Jede von uns ist ein Stück über sich hinaus gewachsen. Eine ganze Zeit war die Begeisterung darüber das einzige Thema.

Für mich persönlich ist es unbegreiflich, dass ich am gestrigen Tag nicht mal über eine kurze  Leiter in eine Höhle klettern konnte und heute solch ein Wagnis eingehe.

Kasteler Felsenpfad  (90)Wir wandern weiter und genießen die Aussichten, entscheiden nicht jeden Aussichtspunkt mitzunehmen, sondern zeitig nach Saarburg aufzubrechen, um noch die letzte gemeinsame Tasse Kaffee zu trinken, bevor die drei mich verlassen. Mein Kurzurlaub endet erst Montag.

Unbeschreiblich wie die Felsen durch Verwitterung solche seltsamen Formen annehmen. Und kurios ist auch, dass die härteren Schichten oben sind.
Unbeschreiblich wie die Felsen durch Verwitterung solche seltsamen Formen annehmen. Und kurios ist auch, dass die härteren Schichten oben sind.

Kasteler Felsenpfad  (106)Kasteler Felsenpfad  (126) Kasteler Felsenpfad  (129)

Dann landen wir am Parkplatz und fahren nach einer Umkleideaktion nach Saarburg

Saarburg_Sonntag Saarburg_Sonntag (2)

Eis

Nach köstlichem Eis und leckeren Kaffee verabschieden sich die drei und ich erkunde noch ein wenig die Umgebung von Saarburg.

P1060381Am nächsten Morgen verschaffe ich mir einen Überblick über den ausgelassenen Teil unserer Wanderung und fahre erneut nach Kastel Staadt. Es tut mir schon leid, dass meine Mitstreiterinnen diese herrlichen Anblicke nicht mehr geniessen konnten, so müssen sie sich mit den Fotos zufrieden geben. Leider ist Montags weder die Klause noch die Kapelle zu besichtigen. Vielleicht ergibt sich das noch einmal bei einem erneuten Besuch dieser Gegend.

Das Wetter ist heute für eine weitere Wanderung nicht geeignet, bzw. meine Lust ist nicht so groß allein durch Wälder zu stromern.

Ist schon eigenartig nach ein paar Tagen einer Gemeinschaft, fühlt es sich blöd an allein weiter zu wandern.

Die Klause Kastel ist ein von Mönchen in die Felswand aus Sandstein geschlagenes Refugium auf einem Plateau über dem Tal und bietet einen weiten Blick über das Saartal. Wikipedia
Die Klause Kastel ist ein von Mönchen in die Felswand aus Sandstein geschlagenes Refugium auf einem Plateau über dem Tal und bietet einen weiten Blick über das Saartal. Wikipedia
Die kleine Kapelle
Die alte Kapelle
Ehrenfriedhof
Ehrenfriedhof
Bleistiftmikado, ein kulturelles und geografisches Orientierungssystem. Jeder dieser Bleistifte zeigt in die Richtung eines kulturhistorischen Denkmals oder eines Naurdenkmals.
Bleistiftmikado, ein kulturelles und geografisches Orientierungssystem. Jeder dieser Bleistifte zeigt in die Richtung eines kulturhistorischen Denkmals oder eines Naturdenkmals.

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Übrigens, natürlich ist beim Baum hinten dort, wo die ganzen Tempotaschentücher liegen.

Foto von Ideemedia
Foto von Ideemedia

Passend zu den Traumschleifen  gibt es beim Ideemedia Shop Bücher mit zusätzlichen Informationen zum Weg und Tipps zu Einkehr- und Übernachtungsmöglichkeiten, sowie nahe am Weg befindliche Sehenswürdigkeiten.

24 Kommentare

  1. Schade dass so tolle Frauen so weit weg wohnen. Ich lebe in Taunusstein und hätte bestimmt Spaß mit Euch zu wandern.
    Weiterhin tolle Touren, die Berichte und Bilder sind super
    Ursula Schmidt

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  2. Mir gehts wie dir, ich komme mit Lesen und Kommentieren kaum hinterher. Schön, dass ich nun endlich deinen super schönen Bericht entdeckt und gelesen habe. Wirklich klasse, möchte da gleich hin. War schon 2-mal am Saar-Hunsrück-Steig unterwegs, und es hat sich immer gelohnt, jede Tour war total schön. Mit euch hätte ich mir vielleicht das Klettern auch getraut… ähäm… aber nur vielleicht! 😀
    Hut ab, du hast es gleich 2-mal geschafft!!!
    Freu mich auf deine nächsten Berichte. Den Eifelsteig lese ich gleich noch in der Mittagspause. 🙂
    Ganz liebe Grüße an dich
    Katrin

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  3. Wow Elke,
    der Aufstieg alle Achtung 🙂 !!!
    Die Gegend und die Felsen erinnern mich an den Pfälzer Wald, da sah es ja auch ähnlich aus.
    Wunderschöne Bilder und ein toller Bericht – vielen Dank – für die Eindrücke !
    Liebe Grüsse
    Angelika

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  4. Hallo, Elke,
    Eure gute Lach- Laune kam voll durch bei diesem Mädelsbericht, es hat richtig Spaß gemacht, ihn zu lesen und quasi dabei gewesen zu sein! Sehr schöne Bilder, die sehr einladend wirken! jetzt haben wir wieder ein Ziel mehr, das auf unserer „100 hikes before you die“ – Liste steht; die Zeit wird knapp…
    Liebe Grüße Ursula

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    • Diese Gegend lohnt sich absolut 🙂 Ursula
      Ich hoffe dort bald wieder unterwegs sein zu können.
      Die Zeit wird knapp, das stimmt leider 🙂
      Wir tun was wir können um unser Wanderkonto weiter zu füllen.
      Liebe Grüße
      Elke

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  5. Hallo Elke, tolle Bilder, erinnern mich ein bißchen ans Müllerthal in Luxemburg! Auch ich habe mit Höhenangst zu tun und kann aus Erfahrung sagen, das es immer tagesform abhängig ist, ob man über seinen Schatten bzw seine Angst springen kann! Respekt, sieht sehr hoch und steil aus, weiß ich nicht, ob ich mich getraut hätte!

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    • In Luxemburg möchte ich auch noch wandern. Die Zeit und natürlich auch der teuere Sprit hindern oft am Wandern. Ja, es ist bei mir auch stark Tagesform abhängig, in vielerlei Hinsicht. Ich bin sehr froh, dass ich den Tag so fit war 🙂
      Die Gemeinschaft macht sehr stark, ohne die Anderen hätte ich mich nicht gewagt 🙂

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  6. Hallo Elke,
    das muss ja eine tolle Tour gewesen sein, toll ist die Landschaft und toll war die Wandergruppe.
    Die Pilze sind doch Stockschwämmchen. Die dürfen auch jetzt schon aus der Erde lugen.
    Übrigens, ich hatte mir meinen Beitrag noch mal angschaut, da hat die Elke schon den ersten Kommentar geschrieben. 🙂
    Danke Elke.

    Viele liebe Grüße
    von Frieder

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  7. Herrlich zu lesen und vor allem zu schauen 🙂 Wenn diese Traumschleife einen kleinen Vorgeschmack ist auf den Steig, dann kann ich es kaum abwarten, dort zu wandern. – Diesen Felsen zu erklettern: Respekt! LG Guido (schon gespannt auf den Eifelsteigbericht)

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  8. Hallo Elke! Trotz der Kürze des Pfades scheint das eine tolle Tour zu sein 🙂 Kommt auf meine Liste! Danke für die unterhaltsame Beschreibung 🙂 Beste Grüße aus Krefeld

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  9. Das hast du nun davon. Ich weiß jetzt wo beim Baum hinten ist. Aber ich habe diesmal keine Ahnung was in deinem Bericht steht. 😀

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Ich liebe Schwätzchen mit euch, drum kommentiert gerne ;-)

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