Schon lange steht mir der Sinn nach dem Wald-Wasser-Wolle-Wander-Weg.
Leider schaffe  ich im Moment keine längere Wanderung und so entscheide ich mich für  den Bergischen Streifzug Nr. 1 – Tuchmacherweg, der die nördliche Hälfte des „Wald-Wasser-Wolle-Wander-Wegs“ (früher „Rundweg Radevormwald“) abdeckt. Hier handelt es sich um eine der wenigen Streckenwanderungen unter den Bergischen Streifzügen.

Informationen zur Strecke

Die GPS Daten, die ich mir vorsichtshalber herunter lade und eine kurze Streckenbeschreibung finde ich auf der Webseite und so habe ich schon einen kleinen Vorgeschmack auf das, was mich erwartet erhalten. Um 9:30 Uhr starte ich in der Nähe des Rathauses Radevormwald, genauer:

  • Hohenfuhrstraße 13, 42477 Radevormwald.
  • Den GPS Track mit allen Abstechern finden Sie hier: GPS Track.
  • Streckenlänge: 13 km
  • Höhenmeter: ⇑ 291 m; ⇓ 407 m
  • Das Fotoalbum bei Picasa hier: Album

Tuchmacherweg_RAW (134)Ich sage es vorneweg, dieser Weg hat sehr hohe Asphaltanteile und Landstraßen wandern gehört auch dazu.

Ich habe mich darauf eingelassen, weil ich die historischen, industriellen Bauten sehen und fotografieren wollte und diesen Zweck hat diese Tour wahrhaftig erfüllt.
……

Radevormwald

Tuchmacherweg_RAW (7)Ich starte also am Rathaus Radevormwald, leider habe ich bisher die schönen Fachwerkhäuser diese kleinen und sehr schönen Ortes noch nicht fotografiert, hole ich sicher einmal nach. Schon bald erreiche ich diese schöne Telefonzelle, ab auf den Chip mit dir.

Radevormwald ist die Stadt im Bergischen Land, die den höchsten Punkt der Region für sich beansprucht. Als Stadt an der Wupper hat sie natürlich sehr von der Wasserkraft profitiert.

In einer kleinen Seitenstraße entdecke ich eine Doppelhaushälfte, die ein wenig aus dem üblichen Rahmen springt.

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Uelfebad

Nach rd. 1.8 km durch den Ortskern, auf dem Weg in das Uelfetal habe ich Gelegenheit Natur pur zu genießen. Das tut gut. Schon bald erreiche ich das ehemalige Freibad Uelfe aus dem Jahr 1927 und errichtet um Menschen an die frische Luft zu locken und damit Krankheiten wie Tuberkulose vorzubeugen.

Rund 30 Jahre später hatte diese Einrichtung ausgedient, weil die Gewohnheit der ansässigen Fabriken, Abwasser in die Uelfe zu leiten, auch diese Flussbadeanstalt zu einem Sammelbecken schlechten Wassers machte.

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Restaurant Uelfebad

Heute wird das Uelfebad und seine Umgebung von Anglern, Modellbootfahrern und Spaziergängern zur Entspannung genutzt. Hat sich im Winter auf dem Uelfebad eine ausreichende Eisdicke bildet, wird es von der Stadt Radevormwald offiziell als Eisbahn betrieben.

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Diese Brücke wurde 2009 eingeweiht. Die alte musste einige Jahre zuvor wegen Sicherheitsmängeln gesperrt werden. Schön sieht sie aus.

Unterste Mühle

Zu  den früher betriebenen fünf Hammerwerken und Mühlen an der Uelfe zählt auch die Unterste Mühle. Bis ins 20ste Jahrhundert dreht sich hier ein Mühlrad. Dafür dass die Uelfe gerade mal 8 Kilometer Wegstrecke zwischen Quelle und Mündung absolviert, ist die Anzahl der betriebenen Mühlen tatsächlich hoch 😉

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Hees Mühle – Unterste Mühle  Den Namen Hees Mühle hat sie erst durch einen Besitzerwechsel erhalten

Endlich im Grünen

Tuchmacherweg_RAW (51)Nach dieser ersten Berührung mit der Geschichte dieses Gebietes gelange ich erstmal so richtig im Grünen und das tut guuuuuut.

Wer weiß wie lange die Sonnenstrahlen noch unsere Seele und Haut erwärmen. Die Farben des Herbstes kündigen sich ja schon an.

Deshalb nutze ich auch die erste erreichte Bank für eine kleine Rast, einfach um die Seele baumeln zu lassen und die Aussichten zu genießen.
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Dahlerau

An Wiesen und Weiden vorbei, durch eine helles Waldstück erreiche ich einen weiteren historischen Punkt meiner Route.
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Tuchfabrik und Wülfing Museum

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70m hoch ist dieser Industrieschornstein

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Die alten Häuser der Tuchfabrik säumen meinen weiteren Weg bis zur Textilstadt Wülfing. Das Wülfing-Museum befindet sich auf dem Werksgelände der früheren Tuchfabrik Johann Wölfing und Sohn. Die Dampfmaschine BJ 1891 ist noch voll funktionsfähig. Für den Besuch des Museums werde ich mich zu einem weiteren Besuch der Stadt Radevormwald verleiten lassen. Weitere Fotos finden Sie im Album.

Tuchmacher (123) Tuchmacher (206) Tuchmacherweg_RAW (199)Tuchmacherweg_RAW (204)Vorbei an ein paar netten Briefkästen gelange ich an die still gelegte Bahntrasse und bald auch zum Bahnhof Dahlhausen.

Bahnhof Dahlerau

Unweit des Bahnhofes Dahlerau, auch Radevormwald, sind am 27. Mai 1971 zwei Züge zusammen gestoßen. Dabei starben 46 Menschen, davon 41 Schüler der Radevormwalder Geschwister-Scholl-Schule. Es war der Eisenbahnunfall mit den meisten Todesopfern der Deutschen Bundesbahn. Zusammenfassung aus Wikipedia.

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Was sich wohl hinter dieser Tür verbirgt? Das Schloß war dran, die Tür trotzdem auf. Ich habe mich nicht getraut nachzuschauen, was sich dahinter verbirgt.

Dahlhausen

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Am Bahnhof Dahlhausen gibt es für Begeisterte der Eisenbahnindustrie einiges zu entdecken. Leider scheint sich hier niemand mehr wirklich für die hier stehenden alten Wagons und Lokomotiven zu interessieren.

Tuchmacher (337)Hinter dem Bahnhof führt ein Weg durch Wald an der Wupper und weiteren durch den Wald kaum noch zu erkennenden Industriegebäuden vorbei Richtung Dammkrone der Wuppertalsperre, an der ich für ein paar Minuten die Aussicht genießend auf den Bus warte, der mich zurück in die Stadtmitte bringt.

Für heute war das wirklich ausreichend Information und Strecke. Die so plötzlich wieder zurück gekehrte Hitze (28 Grad) nach einigen Tagen mit Temperaturen um die 20 Grad, macht mir doch ziemlich zu schaffen.

Diese Wanderung ist inbesondere für Wanderer mit Interesse an Industriegeschichte geeignet. Es gibt unendlich viel zu entdecken. Den Abzweig zum Wupper- Cafe können Sie getrost ignorieren, das gibt es seit 2012 schon nicht mehr, auch wenn etliche Schilder noch dort hin verweisen. Die Ausschilderung ist teilweise äußerst mager, nehmen Sie sich also den auf der Webseite angebotenen Kartenausschnitt mit. Ich habe die Initiatoren bereits verständigt.

Ich wünsche Ihnen, falls Sie die Tour gehen, auf jeden Fall viel Vergnügen.

Wer sich für die Eisenbahngeschichte interessiert hat vielleicht Lust mal in Bochum Dahlhausen zu schauen. Da befindet sich ein riesige Eisenbahnmuseum mit Ringlokschuppen.

 

5 Kommentare

  1. Wie immer bei dir – tolle Fotos. Der Kamin hat es mir angetan. Und das, obwohl ich marode Technik, die von der Natur instandbesetzt wird, eigentlich noch mehr mag. Was mir aber zu denke gab war der Angler der seinen Köder in eine verseuchte Badeanstalt schmeißt. Hoffentlich fängt er nichts.

    Jürgen

  2. Ich bin ja nicht so ein Fan des Bergischen, aber wenn ich bei dir weiter so schöne Berichte lese, wer weiß 😉 Ich mag diesen Wechsel von Natur, Kultur und Industrie. Herrlich und sehr interessant klingt das.
    Es ist wunderschön gerade, aber die Hitze kam doch wieder ein bisschen plötzlich. Trotzdem: ein herrlicher Spätsommer.
    LG, ‚Franka‘

    1. Ja das war auch interessant, es gibt dort in der Umgebung sehr viel zu sehen.
      Das Bergische ist nur anders und an manchen Tagen, wenn einem danach ist, fährt man hin 🙂
      Der Spätsommer ist einfach schön 🙂
      LG Elke

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