Der heutige Morgen zeigt sich von der trüben Seite. Wolken hängen tief über der Schwarzwald Landschaft und es ist kühl. Gerade mal 8 Grad hat es am Mummelsee, der Wind unterstreicht dieses unangenehme Klima. Ich habe noch zwei Urlaubstage im Schwarzwald und gönne mir heute die lange Anfahrt nach Baden-Baden um die Ebersteinburg Runde zu erwandern.

Ich folge damit einem Wandertipp eines Ehepaars, dass ich auf dem Peterstaler Himmelssteig getroffen habe. Es wird mir schon warm werden, denn etliche Höhenmeter sind gleich zu Beginn zu bewältigen.

Ebersteinburg Runde

  • Start/Ziel: Auf dem Wanderparkplatz  Rotenbachtalstraße/ Ebersteinburger Straße, Baden-Baden
  • Streckenlänge: 12 km
  • Höhenmeter: 450 m
  • GPS Track
  • Einkehr neben dem Wanderparkplatz Hotel Wolfsschlucht oder Im Alten Schloss
  • Tipp: Besucht Gernsbach, zum wandern, zum Stadt anschauen

Den Einstieg in die Wanderung finde ich ein Stück unterhalb meines Parkplatzes, indem ich zunächst die Teufelskanzel auf der anderen Straßenseite aufsuche.

Teufelskanzel

Nach diesem kurzen Abstecher wechsele ich zurück auf die Straßenseite des Parkplatzes, biege aber links ab auf einen felsigen Waldweg. Dieser entlässt mich innerhalb kurzer Zeit auf einen weiteren Aussichtspunkt, die Engelskanzel.

Die Sage vom Satan und dem Engel

Die beiden, praktisch gegenüberliegenden Felsplatten boten dem Satan und ein Engel jeweils eine Möglichkeit aus erhabener Position Anhänger zu rekrutieren. Lautstark sollen sie ihre Argumente verkündet haben. Dort wo die Teufelskanzel ist, befindet sich ein Denkmal zur Erinnerung an einen Besuch von Kaiser Wilhelm I. An der Engelskanzel steht ein Steinkreuz.

Von hier hat man einen schönen Blick auf Baden-Baden. Leider hält sich das Wetter noch sehr bedeckt, die Sonne muss ich mir auf die Wege denken. Die wären dann nämlich hell und freundlich beleuchtet.

Engelskanzel Baden-Baden

Der Wald ist düster und gruselig

Der Wald ist dunkel und unheimlich. Meine Kreativität in Sachen „Dunkle Panik-Gedanken“ tobt sich wieder einmal aus.  Ich spüre eine Hand auf meinem Rücken, ganz sicher. Hin und wieder drehe ich mich um, aber da ist niemand….oder doch? Es klemmt in meiner Brust, die Atmung wird schwer.

Wenn ich mir heute die Fotos anschaue, verstehe ich meine Ängste nicht. Dem dichten Haarschopf des großen Felsen möchte ich JETZT gerne über den Kopf strubbeln

Unerklärlich wieso hin und wieder solche Angstgefühle durch meinen strubbeligen Kopf huschen. Ich bin damit nicht alleine, das zeigen die Reaktionen auf den Blogbeitrag: Von der Angst alleine zu wandern. Während dieses Schwarzwaldurlaubes tauchen diese Gefühle mal öfter auf.

Vielleicht ist es aber auch genau das, was mich immer wieder raus treibt. Herausforderungen sind gesund für die Psyche. Spannend ist es allemal. Hier erwische ich ein Baumpaar beim turteln, eng aneinander gedrückt stehen sie da.

Enge Verbindungen

Ja, es ist ein zauberhafter Wald

Die dunklen Bäume, dazwischen die noch dunkleren Felsen mit ihren Moosmäntelchen. Da könnten jetzt die Elfen und Gnome wohnen, die zwischen den Felsen und in Höhlen ihre Wohnungen haben. Kleine Bettchen, kleine Tischlein und ein winziger Kessel mit dem Abendessen über dem Feuer. Die knarzige Stimme der Mutter Gnom ruft zum Essen und die hellen Stimmen der Kinderchen……..

OK, wach werden Frau Bitzer und auf den Weg schauen…..

Bannwald und es wird noch spannender

Am Südhang des Battert führt ein Felsweg durch den Bannwald. Ein Bannwald wie dieser dient Forschungszwecken und bleibt weitgehend unberührt. Der Urwald von morgen soll hier entstehen. Aus diesem Grund gibt es Regel zu beachten, wie z.B. die Früchte des Waldes unangetastet zu lassen und die Pflanzen ebenso. Durch die fehlende Waldpflege ist in solchen Wäldern mit mehr herabstürzenden Ästen zu rechnen. Es wandert gerade hier, jeder auf eigenes Risiko.

Mir gefällt es recht gut, dass jetzt die Sonne ihr Glück versucht und Wege in das Waldgebiet findet.

Verhaltener Versuch der goldenen Scheibe, Einlass in den Bannwald zu finden

Bis zu 60 Meter hoch ragen die Felsen neben dem Wanderweg hinauf. Kletterer finden hier oft genug Raum für ihre sportlichen Aktivitäten. Hierfür ist die Falkenwand freigegeben.

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Mir gelingt es nicht, die Kamera still zu halten. Sie ist hier im Dauereinsatz und von der Gesamtstrecke sind 223 verwertbare Aufnahmen entstanden. Ihr könnt euch nicht vorstellen wie schwer es mir fällt, mich hier im Blog auf eine einigermaßen verträgliche Anzahl zu beschränken.

Alles grün, Bank,Felsen und Bäume
Mag ich sehr
Und solche Wege becircen meine Sinne extrem

An einer mächtigen Blockhalde vorbei, erreiche ich die Ruine der ehemalige Burg Hohenbaden. Blockhalden, so erklärt übrigens eine der Informationstafeln, sind Lebensraum für die unterschiedlichsten und empfindlichen Lebewesen. Deshalb wird auch darum gebeten auf das Herumklettern zu verzichten.

Ruine Burg Hohenbaden – Altes Schloss

Heute lasse ich mir sehr viel Zeit und die ist auch nötig, um die großräumige Ruine zu besichtigen. Dabei ist auch ein wenig Fitness erforderlich, denn es geht hoch hinauf auf einen Turm.

Einige Ruinenteile sind eingerüstet. Ganz offensichtlich wird hier dem weiteren Verfall entgegen gewirkt. Kein Wunder, denn die Anlage wurde im 11. Jahrhundert gebaut und über die Folgejahrhunderte immer mehr erweitert.

Schon die Ankunft unterhalb der mächtigen Mauern ist ein Erlebnis. Schaut, wenn ihr euch für die Geschichte interessiert, auf die Seite Burgenarchiv

Da ich auch nur die Informationen woanders erlesen kann, beschränke ich mich der Einfachheit halber auf das Bereitstellen der Fotos, die sind wenigstens von mir.

An der schönen Gartenterrasse laufe ich vorbei, denn der Kiosk hat nicht geöffnet.

Herrliche Terrasse am „Alten Schloss“ Baden-Baden
Eingangstor "Altes Schloss"
Eingangstor „Altes Schloss“
Sehr gut erhaltener Turm

Irgendwie tut es mir weh die schönen Eindrücke in eine Diashow oder Galerie zu verstecken, aber zu Gunsten der Übersicht bin ich gezwungen das zu tun.

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Mein Rundgang nimmt erheblich Zeit in Anspruch. Es ist zu spannend hier herum zu geistern, jeden Winkel zu erkunden, die alten Mauern zu fühlen. Vieles wurde saniert und wirkt frisch und sauber. Ganz ehrlich, so manche Wanderung würde von der Ausdehnung her wachsen, wenn da nicht der alte Spike wäre, der so sehnsuchtsvoll wartet. Hin und her gerissen mache ich mich schlussendlich auf den Weg.

Ausgiebige Rast auf der Ritterplatte

Ich habe nicht erwartet, so schnell wieder in Begeisterung zu verfallen. Kaum bin ich jedoch auf dem weiteren Weg, geht das Staunen weiter. Der eigentlich nur für einen kurzen Augenblick geplante Stopp an der Ritterplatte dehnt sich, aufgrund der phänomenalen Aussicht, um einen ziemlichen Zeitraum aus.

Mir wird die Aussicht auf das Alte Schloss gegönnt. Die hohen Felsentürme vermitteln ein Gefühl im Elbsandsteingebirge unterwegs zu sein. Welch ein unerwartetes Vergnügen.

Ausblick auf das Alte Schloss
Herzklopfen pur!!!!

Eine kleine Sammlung meiner Eindrücke

Insgesamt sind auf der Ritterplatte wohl an die 40 Aufnahmen entstanden, nicht alle kann ich euch hier einstellen. Doch einen kleinen Eindruck sollten die sechs Fotos vermitteln können.

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Wenn der Kolkrabe brütet ist die Felsenbrücke gesperrt

Moose auf Stein und Baum
Die Felsen mit ihren Grasmützen

Leicht bergan führend verläuft der nun folgende Wegabschnitt.

Batterteiche ca. 600 Jahre alt und damit die älteste Eiche in Baden-Baden

NAhe der Oberen Batterthütte befindet sich ein Zugang zur hölzernen Felsenbrücke. Leider ist dieser Weg abgesperrt, weil hier derzeit die Kolkraben in Ruhe brüten sollen. Auch ein Wanderfalkenpaar hat sich hier offensichtlich niedergelassen, so informiert eine Tafel. Im Sinne des Schutzes dieser Tiere verzichte ich, zähneknirschend und doch irgendwie gerne, auf diesen spannenden Eindruck.

Der Blick in die Tiefe – wunderbar!

Der höchste Punkt meiner heutigen Wanderung ist dann auch bald erreicht.  Das Felsplateau des Battert schenkt mir sowohl auf dem Weg dort hin, also auch am Plateau selber grandiose Ausblicke und Einblicke. Einige Möglichkeiten Abstecher in die tiefer gelegenen Bereiche zu gelangen spare ich mir heute. Wie oben schon beschrieben, bin ich wieder einmal etwas ängstlich unterwegs und permanent dagegen angehen mag ich nun auch nicht.

Heute kommt es mir ein wenig vor, wie die „Grüne Hölle“ und doch ist es so unglaublich schön
Heute schaue ich von oben, ein nächstes Mal sicher wieder mit allen Abstechern
Belohnt werde ich trotzdem, mit immer neuen Genussmomenten

Das Felsplateau und die Bergwachthütte

Einen ersten Eindruck soll euch dieses kleine Video geben, ich bin begeistert und wieder kommt der Vergleich zum Elbsandsteingebirge auf.

Und wieder einige Eindrücke von der Umgebung der Bergwachthütte oberhalb der Falkenwand. Oft wird man hier, in die Tiefe blickend, den Kletterern zuschauen können. Ich bin fast glücklich über die Tatsache, dass heute niemand in der Wald hängt.

Ebersteinsteinburg – Ort und Burg

Eine Weile werde ich nun genötigt auf Straßen zu wandern.

Steiler führt eine Straße hinauf zur Burg, deren Besichtigung am heutigen Tage nicht möglich ist. Auch die Gaststätte ist geschlossen. Schade, aber nicht zu ändern.

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Aussicht auf das Murgtal und Weg zur Wolfsschlucht

An einer schönen Aussicht wandere ich mit nur kurzem Fotostopp vorbei. Langsam rücken die Zeiger der Uhr in die Nachmittagsstunden, also Zeit den Vierbeiner zu betöttern.

Aber vorher möchte ich noch die von dem Ehepaar so hoch gelobte Wolfsschlucht kennen lernen. An hohen Felsen vorbei, mit einem Engel der die herabfallenden Steine auffängt, ziehe ich zügig zur Lukashütte, die wieder eine fantastische Aussicht bietet.

Der helfende Engel
Wenn da etwas runter fällt……, aber der Engel passt schon auf

Die Lukashütte – Ausblicke

Hier trinke ich mein restliches Wasser, esse noch einen Apfel und ziehe anschließend zügig weiter zur Wolfsschlucht

Die Wolfsschlucht

Der Sage nach fiel ein Geiger nach durchgezechter Nacht in eine Grube. Gleich ihm gegenüber saß mit glühenden Augen ein Wolf. Der Geiger begann auf seiner Geige zu spielen und solange er damit fortfuhr, war der Wolf friedlich, bzw. geradezu zufrieden. Sobald er sein Spiel unterbrach, drohte der Wolf mit seinen scharfen Zähnen. Gegen Morgen erlöst der Jäger den vollkommen ermüdeten Geiger, indem er den Wolf erschoss. Der Geiger, wieder daheim bei seinem Weib angekommen, soll geschworen haben nie wieder zu viel zu trinken.

Die kleine Wolfsschlucht ist schnell durchquert und auf kurzem Wege erreiche ich wieder den Parkplatz.

Ein Blick auf die Uhr versichert mir, es ist noch Zeit für eine kleine Einkehr. Unmittelbar neben dem Parkplatz setze ich mich auf die Außenterrasse und genieße einen großen Kaffee und Lachs mit einem Kräutersalat.

Gepflegte Außenterrasse des Hotel Wolfsschlucht
Köstliche Kräuter zum Lachs im Hotel Wolfsschlucht

Fazit der heutigen Runde:

Eine Runde, die ich ganz sicher noch einmal erwandern werde. So viele Highlights, die diese Umgebung aus ganz natürlichen Begebenheiten dem Wanderer schenkt, das ist schon ungewöhnlich. Mein herzlicher Dank geht an das Ehepaar, das mir diese Runde empfohlen hat.

Wolfgang von Wobis Wanderseite kennt diese Wanderstrecke auch, so ist im Blog zu erlesen

5 Kommentare

  1. Was ich noch sagen wollte: Mir ist aufgefallen, dass du in deiner zweiten Diashow ein Bild mit dem Hinweis auf die Hornisgrinde zeigst. Tatsächlich ist das aber der Merkur.

    1. Ooooooh, autsch, vielen Dank für den Hinweis. Da habe ich ja kräftig gewürfelt. ;-) korrigiere ich gleich!

  2. Hallo Elke,

    wieder ein sehr schöner Beitrag. Die Gegend um Baden-Baden ist auch ein lohnendes Wanderziel. Auch Baden-Baden selbst ist einen Besuch wert.

    Die Battertfelsen sind auch ein beliebtes Klettergebiet. Oft werden sie unterschätzt. Es sind auch schon Kletterer abgestürzt und gestorben.

    Liebe Grüße und einen schönen Sonntag
    Harald

  3. Das ist ja ein wirklicher Zauberwald. Unglaublich schöne Bilder hast du da mitgebracht, da möchte man ja sofort losstarten. Danke für die Inspiration!

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