Verführung findet sehr oft im Internet statt, für mich was Wandervariationen angeht, auf jeden Fall. Ursula und ihr Gatte waren vor kurzer Zeit bei Wershofen in der Ahreifel wandern. Die Bilder haben mich so angesprochen, dass der GPS Track schnell in einem meiner Vorrats Ordner landet.

Der Wechsel zwischen Wald und Wiese reizt mich besonders im Herbst, wenn die Wälder so schön bunt sind. Diese Voraussetzungen sind auf dieser Runde garantiert.

Ahreifel zwischen Fuchshofen und Wershofen

  • Start/ Ziel: 53520 Wershofen, LZ 74 Wanderparkplatz
  • Streckenlänge: 14,2 km
  • Höhenmeter: 347 m
  • GPS Track
  • Einkehrmöglichkeiten gibt es einige auf der Strecke, habe ich allerdings nicht getestet
  • Auf diesem Streckennetz treffe ich sowohl auf den Ahrsteig, als auch auf den Eifelsteig

Achtung:

Wer den GPS Track mit Open Street Map nutzt, wird viele Wege in der Eifel missen und an Wegekreuzungen ggf. unschlüssig sein, welchem ihr folgen müsst.

Symbol erstes Teilstück

Hier ist es an einer Stelle auf den ersten zwei Kilometern etwas knifflig. Folgt auf diesem Teilstück dem Zeichen der Blume (Fürstin-Margaretha-Weg ), sie führt euch zuverlässig.

Im Anschluss ist die Wegeführung zweifelsfrei und ich darf jetzt schon verraten, voll mit wunderbaren Eindrücken.

Die ersten drei Kilometer sind Wald-reich

Seit meine Kamera an diesem tierisch teuren, aber sehr praktischen Clip am Hüftgurt meines Rucksackes hängt, fotografiere ich nicht mehr ganz so oft. Ich habe es tatsächlich geschafft, auf den ersten drei Kilometern Waldwege lediglich sieben Aufnahmen zu fertigen. Das erleichtert ungemein die Auswahl.

Ahreifel Waldweg
Die Bäume tragen in diesem Herbst überwiegend gelbe Kleidung

Nur wenige Pilze quälen sich aus dem trockenen Waldböden. Die reiche Vielfalt des Vorjahres werden wir wohl kaum erreichen.

Während ich so dahin schreite, denke ich über viele Dinge nach, die in der Natur Veränderung erfahren haben. Mich erschrecken besonders jene, die mit zerstörerischen Handlungen unsere kostbare Natur schädigen.

Dazu gehört auch die Maßlosigkeit der Pilzsammler, aber auch jener, die dem Wald mit Blechdosen und Plastikabfällen zu Leibe rücken. Hier ist es angenehm sauber, nicht einmal ein Tempotaschentuch liegt auf dem Waldboden. Lärmende Geräusche der rasenden Motorradfahrer klingen von der nahen L74 herauf, verlieren sich jedoch bald und die rege Betriebsamkeit der Natur tritt in den Vordergrund.

Waldleben

Die heimische Vogelwelt scheint sich noch einmal in aller Deutlichkeit akustisch zeigen zu wollen. Es ist ein ungeheuer lebendiges Gezwitscher zu vernehmen, beinahe wie im Frühjahr. Dazwischen knackt und trommelt es im Wald. Die Eichen entlassen tonnenweise Eicheln von den Bäumen. Wohl kaum ein Waldtier mit Appetit auf diese Waldfrüchte, wird in diesem Winter darben müssen.

Gib mir Sonne

Just in dem Moment, da die Sehnsucht nach Sonne und viel Licht mein Gemüt überschwemmen, trete ich aus dem Wald heraus. Die Weite der Ahreifel breitet sich vor mir aus, überflutet mit dem warmen Licht der Herbstsonne.

Wonne pur und viele bunte Farben am Kottenborner Berg

Ungewöhnlich kommt der Bodenbelag daher, hell leuchtet das kiesartige Gestein. Jede paar Meter habe ich das Gefühl „Das muss ich fotografieren“ So geht es mir andauernd. Nicht immer können Außenstehende verstehen, was mich an der ein oder anderen Aussicht so sehr reizt. Das sind wohl ganz persönliche Vorlieben.

Die typischen Aussichtstürme für Wildbeobachtung und Abschuss
Helle, spartanisch anmutender Weg

Der ewig hungrige Borkenkäfer

Überall in den Wäldern werden neben Sturmschäden auch die jetzt schon erkennbaren Schäden durch den Borkenkäfer beseitigt. Die andauernde Trockenheit, aber auch die Hinterlassenschaften durch Sturmschäden schaffen ihm ideale Bedingungen zur Vermehrung. Erkennbar sind die unumkehrbaren Schädigungen an den Fichten, dass die Spitzen der Bäume nadellos, bzw braun gefärbt sind.  Wie rasant der Borkenkäfer riesige Fichtenbestände eliminieren kann ist sehr gut im Harz zu sehen.

Der Wiesenweg, den ich mir als Ausweichroute zur ursprünglichen Wegeführung erdacht hatte, ist heute nicht begehbar. Es wird großzügig gefällt, der freundliche Forstarbeiter verweist mich ein Stück oberhalb des Weges auf einen anderen Wiesenpfad.

Der Borkenkäfer lebt und zerstört

Ich schlendere an all den gefällten Fichten vorbei, denke über die Natur nach, die so oft selbst regulierend auf zu einseitige angelegte Wälder reagiert.

Die Kottenborner Kapelle – Tolles Fotomotiv

Sanft aufsteigend wandere ich Richtung Kottenborner Kapelle. Etwas einsam wirkt sie dort oben, oder erhaben? Rechts von ihr ragt der Aremberg aus der Landschaft, bleibt mir eine Weile als Blickfang erhalten.

Die Kottenborner Kapelle- Ahreifel
Die Kottenborner Kapelle (1892) in der Ahreifel – Über die Höhen der Ahreifel

Wie so oft, umkreise ich ein für mich interessantes Objekt, wie hier die Kapelle. Sie hat tatsächlich aus jeder Perspektive etwas für´s Auge zu bieten. Wenn die Sonne in die bunten Fenster scheint, hat diese Kapelle glänzende Augen.

Umrunden und fotografieren, eine Wonne bei dieser kleinen Kapelle – Über die Höhen der Ahreifel

Der junge Mann nimmt das unter die Linse, das mich ebenfalls reizt. Ihn zu stören wäre unfair, also darf er mit auf das Bild. 😉 Natürlich ohne erkennbare Merkmale, wg. DSGVO.

Noch viel viel schöner ist die Weite der umgebenden Landschaft. Das Auge hat so viel Raum zum schweifen, so wohltuend für einen Stadtmenschen wie mich.

Ein Geschenk der besonderen Art sind diese Aussichten – Über die Höhen der Ahreifel

Wie auf einer erhabenen Insel thront das Gut in der Ferne auf der Anhöhe. Umrandet von Vegetation gibt es ein Ziel ab, das ich gerne erreichen würde, um zu schauen.

Am Horizont eine Berginselt – Über die Höhen der Ahreifel

Um Wershofen herum und hindurch

In einem engen Bogen umwandere ich nun Wershofen. Die Felder sind abgeerntet und der Boden wieder eingeebnet. Andere weisen noch Stoppeln auf, zwischen ihnen ragen letzte Mohnblüten auf.

und da ist sie, wie zum greifen nah – Über die Höhen der Ahreifel

Ein besonders schönes Bild geben für mich die Rinderherden ab, die im Familienverband leben dürfen. Sie alle enden auf die gleiche Weise, nämlich auf dem Schlachthof. Davor sollte man, bei aller Idylle, die Augen nicht verschließen. Bis dahin haben sie aber ein Leben in relativer Freiheit, abseits von einengenden Ställen oder Bindestricken.

Wershofen zeigt sich in stiller Dorfidylle. Sanierte und im Ursprung gebliebene Bauernhäuser säumen die Straßen. Eine „Freie E-Tankstelle“ versorgt E-Fahrzeuge mit dem nötigen Strom, ein Prädikat für einen Ort wie diesen. Innerorts mit diesen herrlichen Anblicken belohnt zu werden, lässt den Asphalt unter den Stiefeln vergessen.

Blick zurück

Die alte Dreisbachmühle

Urige Wege durch ein Kerbtal, den Mutscheider Siefen, führen zur alten Dreisbachmühle, eine frühere Zwangsmühle. Dort mussten die Bauern ihr Getreide malen.

Wunderbar wanderbar, mystisch….

14 Nothelfer Kapelle Eichenbach

Die 14 Nothelfer Kapelle Eichenbach (gebaut 1937-1941) taucht auf. So still mitten im Wald, ein Ort der Ruhe und Besinnung. Auch die unmittelbare Umgebung zeigt sich als Stätte der Andacht. Unter dem Schatten eines alten Baumes halte ich eine kleine Rast ab.

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Zum Oswalter Platz

Weiter werden mir diese großzügigen Aussichten gewährt. Über den Wäldern am Mertesnück taucht immer wieder Wershofen auf. Meine heutige Wanderung nähert sich ihrem Ende. Eine kleine Rast könne ich mir noch am Oswalter Platz. Die Pferde auf der angrenzenden Koppel kommen neugierig heran. Sie lassen aber gleich wieder die Köpfe hängen, als sie merken, sie kriegen keine frischen Grasbüschel.

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Wandergruppe voraus

Bald drängt es mich wieder zum Aufbruch, Spike wartet auf mich. Auf dem Teerweg steht eine große Gruppe Wanderer/innen. Sie stehen, strahlen mich an, weichen aber nicht einen Zentimeter, um mich auf dem Weg durch zu lassen. Auch der Rest der Truppe, die mir entgegen wandert, scheint den Teerweg als ihr privates Terrain zu betrachten.  Mir bleibt nichts anderes, als auf die Wiese auszuweichen.  Merkwürdiges Verhalten gegenüber Einzelwanderern, resümiere ich für mich und ärgere mich ein wenig, gebe ich zu.

Ein wenig abseits vom Weg finde ich diesen Tunnel. Obwohl es mich graust, trete ich näher und fotografiere hinein. Liegt es am Konsum zu vieler Kriminalfilme, dass mir bei solchen Gelegenheiten der Schauer über den Rücken rinnt?  Es tauchen Fragen auf, was wohl in den Anhängern verborgen ist. Als ich Stimmen hinter mir höre, flüchte ich schnell wieder auf den Weg.

Die riesige Pfütze, die ihr unten seht, ist die erste dieser Dimension, die ich seit April diesen Jahres sah.

Fazit

Tja, und dann stehe ich wieder am Parkplatz. Glücklich über eine überaus reizvolle Wanderung. Kein Premium, keine Punkte im Verzeichnis der Schönsten Wanderwege und doch so herrlich!

3 Kommentare

  1. Sehr schön, den Weg muss ich mir merken.
    War ja gerade erst vor zwei Wochen dort auf dem Ahrsteig unterwegs. Vielleicht hast du es bei Instagram verfolgt.
    LG
    Aurora

    1. Ja klar, hier und da habe ich die Fotoserien bemerkt und mich verewigt 😉 Ich gebe aber zu, manche Rundwege an der Ahr gefallen mir besser als die Ahrsteig Etappen. Die Nr. 5 würde ich allerdings super gerne endlich mal gehen.

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