Die Zeit steht in vielen Bereichen, vor allem in der Wirtschaft, still. Andernorts, z.B. in Familien mit Kindern, ist es lebendiger denn je. Gibt es das überhaupt „Das Gute dieser Zeit“? Habt ihr für euch bereits Vorteile entdecken können oder bringt euch diese kontaktarme Zeit, der wirtschaftliche Shutdown nur Nachteile und Mühsal? Vielleicht ist es vermessen gerade jetzt von „DEM GUTEN“ zu schreiben?

Das Gute dieser Zeit gilt nicht für jede/n

Ich finde ja, auch diese entbehrungsreiche Zeit hat unzweifelhaft für mich auch positive Seiten. Ich betone aber im Vorfeld, das gilt für mich ganz persönlich. Als frische Rentnerin befinde ich mich in geradezu bevorzugter Lage, da mir derzeit keine besonderen Einkommensverluste drohen. Damit bin ich auch schon beim allerersten wirklich Vorteil in dieser Zeit. Mein Rente sichert meine Grundversorgung. Das zusätzliche Einkommen aus dem Blog schmerzt, ist aber nicht existenziell bedrohend. 

Jene, die ihren Lebensunterhalt als Reise- oder Outdoorblogger beziehen, stehen jetzt auf dem Trockenen. Von jetzt auf gleich brechen Aufträge weg und hinterlassen riesige Löcher. Das ist mir bewusst, auch dass Arbeitnehmer an Kurzarbeit oder wegfallenden Arbeitsplätzen leiden. Also kann meine Vorteilseinschätzung wirklich nur Menschen ansprechen, die sich in ähnlicher Lage wie ich es bin befinden.

Der alltägliche Wahnsinn

Es ist still geworden. Nur wenig Verkehr rollt über die Straßen. Nahezu ausgestorben sind die Flugrouten der Airlines. Die Innenstädte präsentieren sich wie leer gefegt. Die übliche Hast und Eile hat einer fast gespenstischen Ruhe Platz gemacht. In Leverkusen hat sich nach meinem Empfinden die Luftqualität erheblich verbessert. Aufgrund dieser Tatsache fällt es mir leicht in unmittelbarer Umgebung meines Wohnumfeldes spazieren zu gehen.

Ruhe hatte für mich schon immer einen hohen Stellenwert. Die Aufgeregtheit einer Stadtmitte, der starke Autoverkehr, streitende Menschen…. Das alles übertönt so oft die fröhlichen Stimmungen, wie Kinderstimmen, Vogelgezwitscher und Liebesgeflüster. Unsere Sucht nach höher, weiter und noch mehr war im stetigen Anstieg. Wie oft habe ich mir im stillen gewünscht, dass die Welt einfach mal zur Ruhe kommt, kein Flieger mehr startet.

Und ja, auch meine Wünsche nach „mehr wandern, mehr Deutschland kennen lernen, um noch mehr tolle Bilder mit heim zu bringen, gehören zu dieser Rastlosigkeit.

Das Gute dieser Zeit – Bescheidenheit?

Ein jeder muss in dieser Zeit, oft heftig Zähne knirschend, Einschränkungen hinnehmen. Arbeitnehmer wechseln ins Homeoffice oder müssen gar Kurzarbeit hinnehmen. Eltern müssen von einem Tag zum anderen ihre Tage mit ihrem Nachwuchs verbringen. Gebuchte Urlaube weltweit werden storniert, auch die Urlaubsunterkünfte im eigenen Land stehen leer. Rückzug auf ein Minimum wird verordnet. Wir werden gewaltsam auf uns selber zurück gestoßen.

Bescheidenheit auch im Aktionsradius

Ich werde am 2. Mai 64 Jahre alt. Seit gerade mal einem Monat beziehe ich Rente und alle Pläne für diese Zeit sind mit einem Federstrich verschwunden. Mal davon abgesehen, dass es etwas dauert, bis man in der Rente angekommen ist, werden mir mit der augenblicklichen Situation zusätzliche Herausforderungen geboten.

Ich habe Angst vor einer Erkrankung. Sorge macht sich breit, dass die Isolation noch sehr lange andauert und ich meine Enkel nicht sehen und fühlen kann. Ich habe Bedenken meine kostbare Restlebenszeit zu verschenken, nicht wirklich leben zu können. Ich vermute, dass bald das Leben für die jungen, arbeitsfähigen Menschen einfach weiter geht und uns „Alte“ mit ihrem unbekümmerten und wenig rücksichtsvollen Aktionismus noch weiter in die Isolation drängen.

Das Gute dieser Zeit – Veränderte Gewohnheiten

Für mich persönlich entdecke ich noch mehr als zuvor den Vorteil des Einzelhandels. Die stärker ausgebaute Gewohnheit die Artikel für den täglichen Gebrauch bei kleinen Anbietern zu kaufen, möchte ich beibehalten. Die Zeit habe ich jetzt dafür.

Momentan punkten diese nämlich mit einem sehr sorgfältigen Umgang mit ihren Kunden. Schon immer habe ich die Milchprodukte vom Thomashof geliebt. Bisher habe ich diese im örtlichen Edeka gekauft, jetzt fahre ich selber zum Hof in Burscheid um mich mit dem Nötigen einzudecken. Ganz neu entdeckt habe ich z.B. den AS-Der Unverpacktladen in Leichlingen. Der bietet seinen Kunden übrigens einen Abholservice an.

Alle von mir angesteuerten Kleinunternehmer liegen so günstig, dass ich mindestens einen ausgedehnten Spaziergang mit dem Einkauf verbinden kann. Zudem bieten mir diese Ausflüge in die nahe Region ein Zeitfenster der Beschäftigung, des tätig seins.

Das Gute dieser Zeit
AS-Der Unverpacktladen – Ganz nahe am Wersbachtal
Eingang Thomashof Burscheid
Eingang Thomashof Burscheid – Stundenlang wandern möglich

Ein Herz für Kinder

Kinder, die bisher in Tagesbetreuung untergebracht waren, sind jetzt tagtäglich mit ihren Eltern zusammen. Und ja, je nach Haushalt gibt es da erhebliche Schwierigkeiten und auch Gewalt. Hier kann ich leider so gar nichts ausrichten, es sei denn ich werde Zeuge einer solchen Situation. Ich kann nur „bitte bitte“ sagen, kümmert euch um Nachbarn, wenn ihr den Eindruck habt, dass es Kindern dort nicht gut geht. Gerade in dieser Zeit haben wir Zeit zum hinschauen.

Das Gute dieser Zeit – Krise als Chance

Hier möchte ich aber die Familien nennen, die sich bisher nicht bewusst waren, was sie im normalen Alltag nicht mitbekommen. Oft genug erleben Eltern ihre Kinder eher Ausschnittweise nach dem Aufstehen morgens und kurz vor dem Zubettgehen abends.

In den sozialen Netzwerken zeigen sich nun Eltern die richtig kreativ werden, um mit Ihren Kindern Alltag zu leben. Schaut doch mal bei Ingrid Retterath von Fernwehkinder, da gibt es nicht nur reichlich Kinder und einen Hund, sondern auch eine Menge Wanderbücher zu schauen.

Auch sehr empfehlenswert die Bleiberger Fabrik unter dem Motto #bleibergerzuhause. Axel Jansen, mir mehr bekannt von der Outdoorseite, hat in der Bleiberger Fabrik die Leitung Jugendkunstschule & Koordination Werkwochen inne. Auf der Webseite gibt es reichlich Tipps für Eltern und Kind.

Insgesamt stelle ich fest, die Eltern schaffen es recht gut mit dieser ungewohnten Kindbespaßung klar zu kommen. Das vernehme ich auch aus meiner eigenen Familie, zu der ich leider schon seit mehr als drei Wochen keinen physischen Kontakt mehr habe.

Rücksichten in Krisenzeiten

Ich erwische mich selber dabei wütend zu sein, wütend über Uneinsichtige und von Egoismus geplagten Menschen. Wandern ist manchmal eher ein Slalom laufen. Entgegenkommende Wandergruppen lösen sich nicht auf, drängen ihre Mitmenschen in die Botanik. Paare schlendern fast provokativ nebeneinander. Wenn auf 10 km Wanderstrecke nur zwei Begegnungen dieser Art stattfinden, reicht das für ein deutliches Unbehagen. Meine daraus entstehende Wut findet keinen Ausdruck, weil ich eine körperliche Nähe mit solchen Menschen nicht riskieren will. Treibende Kraft für mein Verhalten ist ein starker Wille weiter zu leben. Der Virus soll mich gefälligst in Ruhe lassen.

Insgesamt ist es für mich schon deshalb selbstverständlich einsame Wanderwege zu wählen. Meinen Vorteil in der Woche unterwegs sein zu können nutze ich fleißig. Am Wochenende bleibe ich daheim.

Warum ich weiter wandere?

Ich bin, wie ich oben schrieb, 64 Jahre alt. Wenn ich meine Immunkraft erhalten und stärken will, muss ich an die frische Luft und mich bewegen. Zudem ist mein Körpergewicht schon hoch genug, mehr brauche ich nicht auf den Rippen. Depressionen sind Thema in meinem Leben. Seit ich wandere sind diese Depressionen deutlich reduziert. Momentan schliddere ich ständig am Abgrund und das fühlt sich verdammt bedrohlich an.

Doch selbst nach zwei Stunden gemächlichen spazierens weichen die Schatten und machen einer tiefen Zufriedenheit Platz. Genuss, ohne Kamera und Rucksack und in der eigenen Region, es funktioniert.

Mein dringendster Wunsch ist es, meine Rente noch eine Weile zu genießen.

Wo Freiwilligkeit nicht hilft….

Ich schrieb die Tage über die Sperrungen der Wanderparkplätze in touristisch stark angefahrenen Regionen. Diese Sperrungen nehmen zu, täglich gibt es Nachrichten dieser Art und das Unverständnis der gelangweilten Menschen ist groß.

Der Satz „Das lasse ich mir nicht auch noch nehmen“ ist so oft zu lesen. Da reisen Menschen aus dem Hunsrück mit seinen 111 Traumschleifen in die Eifel zum wandern auf Traumpfaden. Das verstehe wer will.

In der Eifel leben Menschen, die wollen auch vor die Tür. Die haben auch Angst sich zu infizieren. An den Hotspots der Premiumwege, an Burgen und Schlössern und in den Weinorten der Mosel tummeln sich an Sonntagen und an Feiertagen sowieso schon immer reichlich Touristen. Wenn wir Wanderschnecken wandern tun wir das grundsätzlich an Samstagen und wir wählen, sollten wir Sonntags wandern, selten Premiumwege.

In diesem Frühjahr ist der Andrang auf diese touristischen Regionen viel höher. Die still gelegte Wirtschaft und fehlende Flugreisen lösen einen unfassbaren Andrang auf die Wanderwegen aus. Selbst hier im Bergischen Land fallen die Menschen über die Wanderwege her. Ausweichen, 1,5 Meter Abstand halten, wie soll das bitte funktionieren?

Das Gute dieser Zeit ist…..

Der egoistische Mensch und dazu zähle ich meine Person auch, wird gezwungen nachzudenken, zurück zu weichen. Wir werden lernen müssen, und darüber freue ich mich sehr, wieder mehr wahrzunehmen was rund um uns geschieht. Was ist der unglaublichen Geschwindigkeit des wirtschaftlichen Lebens verloren ging, hat die Chance zurück zu kehren.

Das war mein ganz persönlicher, höchst individueller Eindruck zu dieser Zeit. Ein Beitrag, der ganz wenig mit dem Thema meines Blogs zu tun hat. Welch ein Glück, dass es mein Blog ist und das mir die Freiheit der eigenen Meinung nach wie vor erhalten bleibt.

Übrigens, als letzter Punkt meines Beitrages. Wenn ich in die USA schaue oder nach Indien, Syrien oder oder oder, dann bin ich glücklich hier in Deutschland zu leben. Bleibt gesund, damit wir uns noch ganz viel sagen können.

Der Gute Laune Baum
Der Gute Laune Baum

Die liebe Kerstin hat in ihrem Blog: „Sonnenfernweh“ hat genau zu diesem Thema eine Blogparade gestartet. Vielleicht habt ihr Lust hier einen Beitrag zuzusteuern? Hier geht es zum Beitrag „Corona – Chance für Wandel“

Das Gute in dieser Zeit

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