Eine Überraschung bot mir der nur knapp 13 km lange Genießerpfad Heidelbeerweg Enzklösterle. Ein bunter Strauß unterschiedlichster Landschaftsformen begegnen mir im sommerlich warmen Schwarzwald. Dunkel grüne, mit Moos überzogene Felsbrocken, frisch grüne Wiesenlandschaften und Unmengen an Heidelbeerplantagen lassen Wanderherzen höher schlagen.

Genießerpfad Heidelbeerweg Enzklösterle

  • Start/Ziel: Friedenstraße 16, 75337 Enzklösterle
  • Streckenlänge: 13,8 km (eigene Aufzeichnung)
  • Höhenmeter: 520 m (eigene Aufzeichnung)
  • Einkehrmöglichkeiten: Mehrere im Ort Enzklösterle
  • GPS Track und weitere Informationen
  • Noch mehr Genießerpfade hier im Blog
Schau-Floß
Schau-Floß

Der Genießerpfad Heidelbeerweg Enzklösterle startet im gleichnamigen Ort und führt zunächst 500m durch den Ortskern hinauf auf einem Balkonweg. Ein Schau Floß soll das Handwerk des Wiededrehens veranschaulichen. Eine Technik dünne Stämme bestimmter Baumarten zu erhitzen so zu drehen, dass sie als Seile zum Floßbau verwendet werden können.

Auf dem ca. 23 km langen „Jockeles Flößerweg“  können interessierte Wanderer/innen noch mehr über den Ort Enzklösterle erfahren und kennen lernen.

Waldfrüchte – Waldvögel – Waldbaden

in den Hängen leuchten mir kräftig rote Walderdbeeren entgegen, denen ich mich nicht verweigere. Tafeln informieren über die hier so reichlich verwendeten Heidelbeeren. Ich hoffe, während des Weges oder im Anschluss an deine Wanderung einen Heidelbeer- Pfannkuchen essen zu können. Am Ende muss ich aber feststellen, es ist noch nicht die reguläre Zeit für diese Gerichte. Die Heidelbeeren reifen gerade erst heran.

Der Abzweig kurze Zeit nach dem Aussichtspunkt auf Enzklösterle führt mich wieder etwas bergan. Die Steigung ist sanft, also ein moderater Einstieg in die Wanderung, der sich aber etwas in die Länge zieht.
War ich die vergangenen Tage im dichten Wald und reichlich Schwarzwaldtannen unterwegs, begleiten mich hier viele Kahlschläge. Die Vogelwelt interessiert dieser Unterschied nicht. Die Lieder klingen fröhlich und sie tun gut.

Genießerpfad Heidelbeerweg Enzklösterle (23)
Tief grüne Welt

Schritt für Schritt nach oben. Eine Bank stellt sich mir in den Weg und nach nur zwei Kilometern Wegstrecke sitze ich und lausche auf meine Umgebung. Der Duft des Waldes ist unbeschreiblich, lässt bei geschlossenen Augen ein Gefühl von Geborgenheit aufkommen. Selbst jetzt beim schreiben taucht dieses Gefühl wieder auf. Als ein knacken mich auf das Pärchen mit Kind in der Kraxe aufmerksam macht, öffne ich die Augen wieder, brauche eine Weile um wieder zum Weg zurück zu finden.

In diesem Jahr ist alles anders

Dieses Jahr sollte mein Jahr werden. Rente ab März und viele schöne Reisen waren geplant. Corona hat mich mitten im Lauf gestoppt, die geplanten Kooperationen habe ich für mich abgehakt. In diesem Jahr heißt es umdenken, Dinge hinter mir lassen. Merkwürdig, aber es fühlt sich richtig an. In Ruhe in der Rente ankommen, aber auch ein paar gesundheitliche Einschränkungen mit Umsicht und Geduld wieder auffangen, das steht in meinem diesjährigen Fokus. Also alles anders, aber auch alles gut!

SChmaler Waldpfad im Nordschwarzwald
Ein Traum
Genießerpfad Heidelbeerweg Enzklösterle
Genußvoll unterwegs zwischen moosigen Felsen

Und zum Thema Gesundheit und was die Heidelbeere hierzu beiträgt, erklären schlaue Menschen hier auf dem Schild. Denn die Heidelbeere wirkt sich positiv z.B. auf den Blutzucker aus.

Ein Schnäpsken in Ehren…..

Durch ein Felsenmeer arbeitet sich’s nur schnaufend bergan. Hinter mir eine lärmende Wandergruppe, die der wohltuenden Stille zunächst ein Ende setzt. Ich lasse sie vorbei ziehen, die sind sowieso schneller als ich aber……. Oben angekommen höre sie erneut. „Ein Schnäpschen am Morgen vertreibt Kummer und Sorgen.“ Frei nach diesem Motto steht die Gruppe im Wald und trinkt sich ein Heidelbeer-Schnäpschen. So wie man es  auch außerhalb von Pandemiezeiten nicht machen sollte, die gesamte Wegbreite in Anspruch nehmend. Ich ziehe still aber mürrisch guckend, durch Heidelbeerbüsche an der Gruppe vorbei.

Felsen und Heidelbeeren

Der nun folgende Wegabschnitt ist einfach nur fantastisch. Mitten durch Heidelbeerplantagen schlängelt sich der Weg, auf dem gigantische Felsbrocken liegen. Die Natur holt sich ihren Lebensraum immer und überall, denn auch auf diesen Moos besetzen dicken Brocken wachsen Bäumchen und Sträucher und hin und wieder sogar die Heidelbeeren.

Felsenwege auf dem Genießerpfad Heidelbeerweg Enzklösterle
Dicke Dinger

Achtsamkeit ist hier erforderlich, vorsichtig die Füße setzen zwischen Felsbrocken und dicke über den Waldboden sich dahin schlängelnde Wurzeln. Eine Bank am Ende des Pfades lädt dazu ein das Erlebte sacken zu lassen. Und wenn wir Lust haben, können wir uns noch einmal in dieses außergewöhnliche Felsen Meer begeben.

Ruheplätze mit Aussicht

Der weiche Waldboden auf der gegenüberliegenden Seite der Bank lädt zum gemütlichen schlendern ein. Am Hochstand vorbei Bietet sich ein Blick auf das Tal.

Hochstand
Ziemlich hoch, der Hochstand

Nur wenig weiter bleibt das Herz stehen beim Anblick einer schön gestalteten Plattform. Schnell hin geeilt, bevor die Wandergruppe hinter mir die Ruhe stört. Ich habe gut daran getan mich zu sputen, denn nur kurze Zeit später erscheint ein Ehepaar, das sich gemütlich auf eine der Bänke platziert. Die Fotos habe ich auf dem Chip, also kann ich wieder von dannen ziehen.

Genießerpfad Heidelbeerweg Enzklösterle
Herrliche Aussichten

Unterhalb der Plattform stehen Steinmännchen und ebenso viel Roter Fingerhut. Der Kontrast lädt natürlich wieder meine Kamera ein „uuuund action please“

Roter Fingerhut
Roter Fingerhut
Steinmännchen mit Fingerhut
Steinmännchen mit Fingerhut

Gemütlich schlendernd, an riesigen Heidelbeerbüschen vorbei, die schon kräftig Früchte tragen, wandert man hier auf schmalen Pfad. Der Untergrund ändert sich und wird sandig. Heidekraut gedeiht hier ähnlich gut wie die eifrigen Heidelbeeren. Überrascht stehe ich vor einem voll in Blüte stehenden Ginster, eigentlich ist seine Blütezeit schon lange vorbei.

Viele Pausen vergrößern das Vergnügen

Zwischen Wacholder stehen hier unendlich viele Ginster, im Frühjahr dürfte es hier ein wunderschön gelbes Blütenmeer geben. Die lebendig, fröhliche Gruppe überholt mich. Um deren Vorsprung zu sichern pflanze ich mich auf die nächste, wunderschön gelegene Bank. Inzwischen hat die Sonne ein wenig mehr den Himmel für sich eingenommen. Zwischen fluffig schneeweißen Wolken blitzt der blaue Himmel.

Bank auf dem Genießerpfad
Wieder einmal Pause

Ich sitze hier, umgeben von unendlich viel Grün, gelegentlich geschmückt mit einzelnen Fingerhutbüschen. Akustisch wird dieser Eindruck begleitet vom Summen der Bienen, Hummeln und anderen Insekten. Lautlos taumeln die bunten Schmetterlinge durch die Lüfte, nervös von Blüte zu Blüte und immer wieder gestört durch Hummeln.

Augen zu und genießen und beinahe unter diesen Eindrücken weg duseln. Es ist so unendlich schwer den Entschluss zu fassen weiter zu wandern. Das Herz ist so voll mit dieser wunderbaren Stille, dem Duft der Atmosphäre. Das leise vor sich hin schimpfende Paar, dass gerade mit Fahrrädern den Berg hinauf schnauft, holt mich wieder in die Gegenwart.

Sommer auf dem Genießerpfad Heidelbeerweg Enzklösterle

Langsam bewege ich mich abwärts. Hier war jemand fleißig. Bemalte Steine zieren die Wege.
Während ich die Asseln betrachte, die um den Stein herum krabbeln, kommt in mir die Frage auf, ob diese Bund bemalen Steine nicht wieder eine zusätzliche Belastung für unsere Umwelt darstellen. Langsam gehe ich mir mit solchen Gedanken schon selber auf die Nerven ;-)

Im ständigen auf und ab führen mich kleine Waldpfade durch Mischwald. Die Sonne malt zauberhafte Spuren auf den braunen, mit Nadeln bedecken Boden. Schritte werden gedämpft, ich möchte unendlich so weiter wandern. Dann öffnet sich die Landschaft und ein hell geschotterter Weg führt entlang von blühenden Wiesen, Bald steigt der Weg erneut an, wieder wechselt die Vegetationsform. Farne und Brennnesseln stehen links und rechts Spalier.

So wechselvoll zeigt sich dieser schöne Genießerpfad, es kommt nicht eine Sekunde Gewöhnung auf. Meine Langsamkeit ist nicht nur dem Schmerz in der Hüfte geschuldet. Genuss lässt mich langsam sein und die Sehnsucht noch weitere Urlaubstage hier verbringen zu können.

Blick auf Lappach
Blick auf Lappach

Geschichten auf dem Genießerpfad Heidelbeerweg Enzklösterle

Oberhalb von Lappach verläuft ein schöner Pfad. Auf Tafeln erzählt die Heidelbeer Oma Geschichten. Sie weiß zu berichten, dass früher die Heidelbeerernte eine wichtige Einkommens Quelle war. Heute werden die süßen Früchte mit einem Heidelbeerkamm (Reff) geerntet. Früher erledigte man diese Arbeit per Hand und konnte trotzdem bis zu 25 kg an einem Tag ernten. Umgerechnet 20 Cent wurden damals dafür bezahlt. Oft bekamen die Kinder von dem Erlös ihre Winterschuhe.

Genießerpfad Heidelbeerweg Enzklösterle
Wunderschöne Wege
Ich liebe sie

In regelmäßigen Abständen stehen hier Bänke mit Blick auf das Mittelenztal. Ich kann mir gut vorstellen dass viele Menschen die abendlicher Stille auf einer dieser Bänke genießen. Leider muss ich diesen schönen Balkonweg nun verlassen. Eine kleine Weile leiten mich die Symbole des Genießerpfad Heidelbeerweg Enzklösterle durch den kleinen Ort.

Genießerpfad Heidelbeerweg Enzklösterle
Alte Bäume mit Gesichtern

Entlang der Enz führt mich der Genießerpfad Heidelbeerweg Enzklösterle auf die Enz Promenade. Das braune Wasser sucht sich seinen Weg auf geräuschvolle Art und Weise zwischen den vielen mit Moos besetzten Felsbrocken.

Kulturdenkmal Rußhütte

Im folgenden zitiere ich aus dem Webseite von Enzklösterle

Steinerner Zeuge eines ausgestorbenen Waldgewerbes und ein Denkmal der deutschen Chemiegeschichte – so könnte man mit wenigen Worten die Rußhütte Enzklösterle umschreiben. Dieses alte Gebäude wurde 1829 erbaut, 1982 wiederentdeckt und von 1992 bis 1994 vollständig restauriert.

Noch gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde hier Kienruß für die Herstellung schwarzer Färbemittel gewonnen. Die Rußhütte Enzklösterle ist eine Rarität. Nach heutigem Kenntnisstand gibt es in Deutschland keine ähnlich gut erhaltene Rußhütte. Dies führte zur Einstufung der Hütte als Kulturdenkmal nach § 2 Denkmalschutzgesetz.

Kurz nehme ich die Gebäude in Augenschein, wandere jedoch dann zügig weiter.

An der Rußhütte
Eine ganz besondere Leiter

Die Sonne bleibt mir tatsächlich heute treu , nachdem die Wolken sich in Nichts aufgelöst haben. Eine Bank schenkt mir noch einmal eine Viertelstunde Rast. Ich lausche den Kinderstimmen aus der Ferne spüre den Wind, während in Wanderrichtung die Glocken der Kirche erklingen. Das schenkt tiefen inneren Frieden. Auch hier muss ich mich irgendwann lösen und weiter wandern.

Trödeln und genießen

Ein ausgedehnter Anstieg steht mir noch bevor und so stemme ich mein nicht so niedriges Lebendgewicht mal wieder Berg hoch. Welch eine Erleichterung empfindet die erschöpfte Wanderomi, als sie erneut auf einem Balkonweg oberhalb des Ortes spazieren darf. Eine wunderschöne Sitzgruppe und einige Bänke schmücken den Hang. Etwas weiter oberhalb steht eine wunderschöne Heidelbeer-Schaukel. Die ist leider besetzt, so dass ich nicht einmal ein Foto machen kann. Ein paar Fotos aus der Wegstrecke folgen nun.

So langsam nähert sich der wunderschöne Genießerpfad dem Ende zu. Mein Urlaub nimmt damit auch sein Ende schniiiief Ein letztes Highlight ist das Wildgehege. Hier ist mein Wandertempo mal wieder unter allem Durchschnitt, so schön sind die Anblicke des munteren Völkchens da unten.

Mutter und Kind im Wildgehege

Wildgehege… Rotwild mit Kälbern und auch ein Hirsch tummeln sich auf den Wiesen.

Ricke mit Kitz
Mama kümmert sich ums Kind

Ein schmaler Feldweg schlängelt sich durch die Wiesenhänge. Unter mir das schmale Bachtal. Und noch einmal Wald. Wieder einmal haben die Wegebauer es geschafft den Wanderweg bis vor die städtische Haustür zu legen. Vom Gesang der Grillen begleitet lege ich das letzte Stück weg hinunter in den Ort zurück. Ein glückliches Wanderherz kehrt zum Auto zurück.

Fazit zum Genießerpfad Heidelbeerweg Enzklösterle

Ein Weg mit überraschend großer Vielfalt. Unterschiedlichste Untergründe sind zu gehen, vom schmalen Pfad, über lauschige Wald- und Feldwege, bis zum geteerten Wegabschnitt. Ebenso abwechslungsreich zeigt sich die Vegetation. Mir hat er gefallen und gerne werde ich ihn bei erneutem Besuch der Region, noch einmal wandern.

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