Schmale Pfade, ein romantisch gelegener Karsee, ein imposanter Wasserfall und die schmucke Michaelskirche finde ich auf dem Weg zur Glasmännlehütte. Der Genießerpfad Sankenbachsteig in Baiersbronn treibt Wander/innen im stetigen auf und ab über die schönsten Pfade der Region. Wer traumhaft wandern will, ist hier richtig.

Kaum habe ich mein Auto verlassen stehe ich schon staunend vor dem attraktiv gestalteten Eingangsportal. Wasser, das Thema des Genießerpfad Sankensteig, fließt auch hier. Eine wunderbar gestaltete Wasserfalllandschaft begrüßt den motivierten Wanderer und nur wenig weiter ertönt das muntere plätschern des Sankenbach. Es dauert eine geschlagene Viertelstunde, bis ich mich endlich auf den Wanderweg begebe. Zu schön ist dieser Platz, der in der frühen Morgensonne noch still und unberührt da liegt.

Genießerpfad Sankenbachsteig
Wasser am Startportal

Genießerpfad Sankenbachsteig

  • Start/ Ziel: Parkplatz Sesselbahn Sankenbachstraße in Baiersbronn
  • Streckenlänge: 14,5 km
  • Höhenmeter: 605 m
  • Einkehr: Glasmännlehütte im Verlaufe des Weges zum Ende hin
  • Informationen und Track bei Schwarzwald Tourismus
Brücken der Über den Sankenbach
Über den Sankenbach
Genießerpfad Sankenbachsteig
Breiter Weg neben dem Sankenbach

Über die Brücke hinter dem Eingangsportal wende ich mich nach links und folge einem Weg entlang des Baches.

In den Wiesen auf der gegenüberliegenden Seite tummeln sich offensichtlich große Ansammlungen sangesfreudiger Grillen. Das Konzert mag ich und es erinnert mich an meinen Besuch in Bad Rippoldsau-Schapbach vor zwei Jahren.

An den Bäumen hängen nicht nur die Wandersymbole des Genießerpfad Sankenbachsteig sondern auch eines für den Baiersbronner Himmelsweg 2 Seen Tour, zudem finde ich hier die blaue Raute.

Rinder im Hang
Recht trittsicher sind sie

Auf der Hangwiese tummeln sich einige Rinder. Es ist toll anzuschauen wir geschickt sie sich auch an sehr steilen Stellen hinunter bewegen. Unter zwischendrin hektischem Schwanzwedeln hausen sich die großen Gefleckten das frische Gras rein.

Nutznießer der Belagerung durch zahlreiche Bremsen und Fliegen sind die Vögel, die sich unbekümmert zwischen den Rinderhufen bewegen, um dort nach dem begehrten Proteinfutter zu picken.

Es ist inzwischen 10 Uhr und der Weg füllt sich jetzt schon sichtbar. Offenbar ist dieser Genießerpfad Sankenbachsteig recht beliebt. Später höre ich, es verläuft hier eine Kurzversion des Weges, die Ausflügler zum Sankenbachsee und Wasserfall führen. Den gesamten Genießerpfad gehen scheinbar nur wenige.

Genießerpfad Sankenbachsteig am Wasser

Für die ersten hat 1,8 km brauche ich gefühlt eine Stunde. Mich fasziniert das Spiel des Wassers, das leise Wiegen der Farne und das unendliche Singen der Vögel. Immer wieder begebe ich mich auf kleine Pfade zum Uferbereich des Sankenbach um die dortige Atmosphäre zu genießen.

Genießerpfad Sankenbachsteig
Ganz besonderes Licht, kaum mit der Kamera einzufangen
Sankenbach
Lebendiger Sankenbach

Dann kommt die erste kleine Steigung und ich verlasse die Nähe des Sankenbach. Nun höre ich ihn nur noch von Ferne, er dominiert nicht mehr den Gesang der Natur.

Sankenbach
Hier biege ich vom Sankenbach ab

Im Wildgehege kann ich nicht ein Tier entdecken, sie haben sich heute gut versteckt. Eine kurze Auszeit gönne ich mir auf einer der zahlreichen Bänke, lausche den Stimmen des Waldes und dem entfernten lachen irgendwelcher Kinder. Nur wenig weiter, auf einem kleinen Spielplatz, sitzen Menschen. Das Kinderlachen muss von anderen herkommen, denn hier sind keine zu sehen.

Entlang des Sankenbachs zum Sankenbachsee

Der Sankenbach rückt wieder näher, bzw. ich rücke auf meiner Wanderoute dem Fießgewässer wieder näher. Über und zwischen dicke, grün bemooste Steine drückt sich der Bach. Das typische Bild im Schwarzwald, ein Anblick der jedesmal mein Herz berührt.

Die Brücke über den Sankenbach
Alles aus Holz und damit super in die Landschaft eingefügt

Wenn Kinder wandern lernen (müssen?)

Vor mir bewegt sich eine größere Gruppe mit Kindern. Erstaunlich flott und gut gelaunt stiefelt ein etwa 2-3 Jähriger über die unebenen Wege, während ein etwas älteres, ca. 4 jähriges Mädchen weint. So ein wenig macht mir der Anblick das Herz schwer, den einer der Mitwanderer erklärt sie würde schon seit Tagen auf Wanderungen so schlecht gelaunt sein. Sind Omas da empfindlicher und wollen kleine Beinchen mehr schützen?

Am Sankenbachsee schlendern

Ich lasse mich zurück fallen, möchte ich doch den Genießerpfad auch seinem Namen entsprechend genießen. Am Sankenbachsee verliert sich der Kontakt zu dieser Wandergruppe endgültig. Der Anblick auf das still liegende Gewässer ist ein Traum. Wieder Ein Karsee, wieder einer den man hoch wandernd erreicht. Fünf Karseen gibt es im Einzugsgebiet Baiersbronn. Entstanden sind sie während der letzten und vorletzten Eiszeit.

Sankenbachsee
Da schmiegt er sich adrett in die Landschaft, der Sankenbachsee

Der See wird umringt von Bänken und attraktiven Rastplätzen. Beinahe alle sind inzwischen belegt und alle Besucher genießen Sie die Idylle dieses Gewässers. Vereinzelt taumeln Kohlweißlinge durch die Luft und lassen sich auf den hoch wachsenden Disteln nieder. Beim Fotografieren aus der Hocke entdecke ich ein paar Orchideen, die dicht am Uferrand wachsen. Hier hätte ich sie nicht vermutet.

Ein letzter Blick auf den Sankenbachsee
Ein letzter Blick auf den Sankenbachsee

Im Schneckentempo den Sankenbachsee umrunden macht Sinn, denn er bietet sehr viel zum schauen. Die frühen Morgenstunden oder der Abend eignen sich für stille Beobachter allerdings sicher besser.

Hinauf zum Sankenbach Wasserfall

Informationstafel SankenbachwasserfallDie vorläufig letzte touristische Station erreiche ich über schmale Pfade aufwärts. Das Geräusch der Wassermassen, die sich den Weg von der 40 Meter hohen Karwand stürzen, ist schon früh zu hören.

Nun wird es auch voller auf den steil hinauf führenden Wegen. Nicht alle sind geübte Wanderer und Kletterer, aber alle treibt der Wunsch sich das Naturschauspiel anzusehen.

Wurzelweg
Wurzel durchzogene Waldwege führen hinauf zum Wasserfall
Hinauf zum Sankenbach Wasserfall
Hinauf zum Sankenbach Wasserfall
Hütte am Hinauf zum Sankenbach Wasserfall
Ruheplatz auf dem Weg zum Wasserfall
Hinauf zum Sankenbach Wasserfall
Immer schön Abstand halten – Auch auf dem Genießerpfad Sankenbachsteig

Schnell weiter in die Ruhe

Es ist schwer hier ein Foto vom Wasserfall zu machen, ohne gleich ein paar Menschen mit einzufangen. Viel Wasser führt er meiner Meinung nach nicht. Oberhalb des Wasserfall ist eine Barriere angebracht, die das herab fließende Wasser staut. Diese kann händisch gelöst werden und verursacht dann einen riesen Schwall Wassers, das den Wasserfall herunter stürzt. Leider kann ich nach Lösen der Sperre nicht so schnell rennen, dass ich das eindrucksvoll fotografieren kann.

Hoch zum Beginn des SAnkenbachwasserfall
Natürlich wieder Berg hoch auf dem Genießerpfad Sankenbachsteig

 

Über ein paar Brücken muss ich gehen

Nach einem weiteren urigen Pfad (gefühlt geht es auf diesem Wanderweg nur bergan) lande ich an der wunderschönen Wasserfallhütte. Die Hütte habe ich vor lauter Begeisterung mehrfach fotografiert. Manchmal haben Wegebauer einfach ein Händchen für schöne Deko ;-)

Wasserfallhütte
Wasserfallhütte auf dem Genießerpfad Sankenbachsteig

Auf einem ersten Teerweg wandere ich eine Weile, dankbar für entspanntes dahin schlendern. Ja Pfade, vor allem wenn sie stetig hinauf führen, sind anstrengend. Es dauert jedoch nicht lange und ein weiterer pfadiger Abschnitt findet sich unter meinen Wanderschuhen ein.

Auffallen ist, dass hier keine Menschen mehr zu sehen sind. Später treffe ich wieder auf die beiden Frauen, die ich vorher am Wasserfall kennen lernte, sonst bleibt es einsam.

Genießerpfad Sankenbachsteig
Einmal ein Stück Teerweg
Genießerpfad Sankenbachsteig
Dicke Felsen, typisch Schwarzwald

Nicht nur für euch, sondern auch für mich zur Erinnerung werden jetzt ein paar Bilder kommen. Es war so unfassbar schön und dieser Rückblick lässt mich sehnsuchtsvoll aufschnaufen.

Genießerpfad Sankenbachsteig
Herrliche Waldatmosphäre

Zitat Schwarzwald Tourismus: Der Genießerpfad folgt nun bergab bis nach Friedrichstal einem alten Handelsweg, der Grubersteig. Über Jahrhunderte war dieser Weg ein wichtiger Handelsweg vorbei an der Pass- und Zollstation am Kloster Kniebis. Aber auch Holz und Holzkohle für die Hochöfen in Friedrichstal wurden auf diesem Weg transportiert. Eindrucksvoll zeugt heute davon noch der tief eingeschnittene Hohlweg. Auch wenn Friedrichstal auf den ersten Blick eher unscheinbar wirken mag, dieser kleine Teilort der Gemeinde Baiersbronn hat eine große Geschichte. Die Geschichte des Bergbaus und der Erzverarbeitung, vor allem aber die Geschichte der „Königlichen“, heute „Schwäbischen Hüttenwerke“.

Weiter geht es also durch einen schönen Mischwald bis ich an dem Hofacker Schleifsteinwerkplatz.
Auf einer großen Tafel steht geschrieben, dass mit diesem großen Sandsteinen die Sensen scharf gemacht wurden. Weiter steht dort, dass die Schleifsteine die die Schwäbischen Hüttenwerke für den Sensen Schliff benötigten aus besonders fein gekörnten Sandstein hergestellt wurden.

Michaelskirche im Friedrichstal – Genießerpfad Sankenbachsteig

An der kleinen, erhaben stehenden Kapelle mache ich eine kleine Pause. Der Teich mit Springbrunnen und Blick auf das heilige Gebäude geben Entspannung.

Michaelskirche
Michaelskirche

Nach nur wenigen Minuten fühle ich mich ausgeruht und setzte meinen Weg zunächst mit einem Abstecher hoch zum Kirchlein fort. Noch einen Blick in die kleine Kirche gönne ich mir und über das unter der Kapelle liegende Friedrichstal.

 

Im Anschluss wandert es sich geradezu beglückend über einen schmalen Pfad parallel zur Straße fort. Erstmals am heutigen Tage dringend Zivilisationsgeräusche zu mir hoch. Dieser Tatsache werde ich mir allerdings erst nach einer ganzen Weile bewusst, da dieser schmale Pfad mich wirklich gefangen nimmt.

Genießerpfad Sankenbachsteig

Aufstieg zum Stöckerkopf und  Glasmännlehütte

Dann heißt es noch mal tief Luft holen. Der kommende Aufstieg ist Schweiß treibend. Auf den hohen Farnwedeln sitzen hunderte hungrige Zecken. Ich spüre wie sie gucken und abschätzen wir weit der Weg bis zu meinem Nacken ist (ok, da geht die Fantasie mit mir durch)

 

Nach dem ersten steilen Anstiegs wartet leider keine Bank. An Stelle dessen wartet ein weiterer Aufstieg. Höhenmeter um Höhenmeter schraube ich mich nach oben. Die Wurzeln im Boden verzaubern den Weg in einer Art Hobbitwelt. Wieder sind es Heidelbeeren die den Weg säumen. Einige der kugelrunden, dunkelblauen Früchte finden den Weg dorthin wo die meisten Heidelbeeren irgendwann verschwinden. Achtsamkeit ist auf diesen Wegen gefragt, wer hier nicht aufpasst hat schnell mal großflächigen Bodenkontakt. Leider hat meine Kamera diese Erfahrung machen müssen. Sie löst sich vom Clip, den ich vergaß zu sichern, und purzelt und kullert über den Waldboden.

Das hat jetzt noch einmal so richtig Kraft gekostet, auch nervlich. Auf einem relativ breiten aber wunderschönen Balkonweg geht es jetzt Richtung Einkehr, zum Glasmännlehaus. Dort oben gibt es Kaffee und Kuchen unter Beachtung der Hygieneregeln. Sehr beruhigende Atmosphäre, kann ich nur empfehlen den Aufstieg vom Wanderweg hier hoch. Der raubt mir nämlich auch nochmal Kräfte.

Auf steilem Pfad nach Baiersbronn – Genießerpfad Sankenbachsteig

Kaum wieder auf dem Wanderweg sehe ich auf einem Holz einen Schmetterling sitzen und stürme los, um ihn zu fotografieren. Platsch liege ich auf der Nase und mit mir ein zweites Mal heute die Kamera.
Sie funktioniert noch, und das erstaunt mich schon sehr. Das Objektiv dürfte jedoch Schaden genommen haben. Ich sollte darüber nachdenken eine leichtere Kamera zu kaufen.

Sitzmöbel in der schwarwälder Landschaft
Hier saß der Schmetterling

Das was ich vorhin hochgeklettert bin muss ich jetzt wieder runter. Ich kann euch sagen, das ist anstrengender als rauf. Dicke Felsbrocken und Wurzeln schmücken den schmalen Pfad und veranlassen mich immer wieder neue Trittstellen zu suchen. Es ist wie ein Ruf „Küss mich, leg Dich zu mir“.  Da ich für heute genug Fallsucht erlebt habe, spare ich mir dieser Aufforderung zu folgen.

Irgendwann ist auch dieser steile Pfad am Ende. Dankbar erblicke ich einen breiten Weg. Der Rest des Weges verläuft auf relativ breiten Wegen, so schleicht sich ein Wanderweg angenehmen und gelassen aus. Schon von oben sehe ich den Parkplatz und mein Auto sowie den wunderschönen Rastplatz auf dem ich mich gleich gerne noch einmal nieder lassen werde.

Rampe für sportliche Radfahrer
Rampe für sportliche Radfahrer – Genießerpfad Sankenbachsteig
Weg oberhalb des Parkplatz Sankenbachsteig
Weg oberhalb des Parkplatz Sankenbachsteig

Nette Begegnungen auf dem Genießerpfad Sankenbachsteig

Bevor ich da unten lande kommt mir eine kleine Herrengruppe entgegen. Eine kurze, erfrischende Unterhaltung entwickelt sich. So müde meine Beine sind, solche Gespräche beflügeln wieder ein wenig.

Warum gesperrt?
Hier ist alles abgesperrt

Auf der Bank dort unten am Parkplatz findet das Bütterchen noch den Weg in meinen Magen. Es ist herrlich hier unten noch eine Weile zu sitzen und die Natur einzusaugen, die Aussichten zu genießen.

Blick zurück auf den Wanderweg
Noch einmal in die Hügel schauen

Der Weg zur Ferienwohnung nimmt nur wenige Minuten in Anspruch, sodass ich sehr bald meinen Kaffee in der Tasse habe und die Füße hoch legen kann. Köstliche Erinnerungen begleiten das schwarze Getränk und das Gefühl ziemlich gut was für die Fitness getan zu haben. Mein Resume´ist ausschließlich ein positives. Das war ein sehr bunter, abwechslungsreicher und bereichernder Weg, eben ein Weg für´s Herz.

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4 Kommentare

  1. Ich bin am Sankenbach schon öfter gewandert. Eine tolle Gegend. Leider hat die Schönheit ihren Preis in Form von vielen Höhenmetern. Dafür wird man aber mit einer zünftigen Einkehr auf der Glasmännlehütte belohnt. Übrigens wurde die altehrwürdige Sesselbahn dauerhaft eingestellt werden. Für einen Weiterbetrieb wären größere Umbauten erforderlich, sodass sich der Betreiber für die Aufgabe des Sesselbahnbetriebs entschieden hat.

    1. Ich gebe ganz ehrlich zu, nach dieser Tour war ich vollkommen erledigt und deshalb auch der am folgenden Tag reduzierte Laufumfang am darauf folgenden Tag in Klosterreichenbach. Mein Rücken mag keine langen Abstiege mehr. Trotzdem würde ich diesen Weg gerne wiederholen wollen. Der ist einfach nur schön!!!
      Ach und ich dachte die Sesselbahn wird im Winter eingesetzt ;(

    1. Ja der hatte schon Anspruch, vor allem ja oft über Wurzelpfade, also auch nicht so leicht zu gehen. Die Genießerpfade sind schon sehr sehr schön geworden

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