Bunte Blätter tanzen durch die Herbstlüfte, einige Sonnenstrahlen blinzeln durch die kahler werdenden Äste. Der Hexenweg in Friesenhagen zeigt sich als idealer Wanderweg für Herbsttage. Viel Wald, bequem zu gehende Asphaltabschnitten aber auch schmale Pfade, ein Kreuzweg und einige Kapellen schenken dem Wandervolk Abwechslung.

Markiert ist er, der Hexenweg aus der Sammlung der Erlebniswege Sieg. Es fehlen aber noch die Informationstafeln zum Thema Hexen. Eigentlich sollen die Mitte November 2020 stehen, jedoch lassen erneute Lockdown Wochen vermuten, dass sich dieser Termin verschieben wird. Ein Grund mehr, diesen abwechslungsreichen Weg noch einmal zu wandern.

Herbst auf dem Hexenweg

  • Start/ Ziel: Krottorf 7, 51598 Friesenhagen – Wanderparkplatz am Landgasthof Wildenburger Hof
  • Streckenlänge mit Abstecher über den Kreuzweg zur Kreuzkapelle Crottdorf: 10 km
  • Höhenmeter: 340 m
  • Gastronomie am Start: Landgasthof Wildenburger Hof
  • Besichtigung des Wasserschloss Crottorf nahe am Wanderparkplatz
  • Meiner erste Runde in diesem wunderschönen Eckchen
  • Informationen zur Tour
Hexenweg
Das Zeichen des Erlebnisweg Sieg und des Pilgerweges

Vom großen Wanderparkplatz am Landgasthof habe ich bereits einen wunderschönen Blick auf den Weg, den ich gleich wandern werde. Das Laub an den Bäumen ist so quietsch bunt, das ist schon fast kitschig, aber soooo schön.

Mein Blick scannt die Bäume, an denen meist die Wegezeichen hängen und sehr bald ist das erste entdeckt. Das kleine rote Symbol mit dem geschwungenen, weißen „S“ wird mich von nun an zuverlässig in die richtige Wanderrichtung leiten.

Hexenweg
So viele Farben hat der Herbst

Nachdem der Wiesenweg an einer Brücke endet, lande ich auf der anderen Seite des Wildenburger Baches, der auch den Schlossgraben speist. Auf der Rückseite des Rückseite Wasserschloss Crottdorf bleibe ich erst einmal verzückt stehen. Wenn ich schon in den Sommermonaten von diesem kleinen Stück unterhalb der riesigen Höhle geschwärmt habe, dann verfalle ich jetzt in einen Fotorausch.

Hexenweg - Blick auf den Wildenbach
Blick auf den Wildenbach

Durch buntes Laub bergan

Immer parallel zum Schlossgelände schickt mich das Symbol des Erlebnisweg Sieg aufwärts. In der Wegebeschreibung nicht enthalten ist ein kleiner Abstecher über den Kreuzweg hoch zur Kreuzkapelle Crottdorf. Einen kleinen Friedhof lasse ich auf dem Weg hinauf rechts liegen. Die Kapelle aus dem Jahr 1701 punktet natürlich besonders bei sonnigem Wetter. Mir bleibt nur durch die bunten Blätter zu fotografieren, um ein wenig Kontrast ins Bild zu bekommen.

Kreuzkapelle Crottdorf
Kreuzkapelle Crottdorf auf dem Schnabelsberg

Auf gleichem Weg wandere ich wieder hinunter zum Wegweiser, der mich geradeaus schickt und erst einmal erholsam den Berg hinunter schlendern lässt. Diese unfassbar bunte Herbstwelt gibt noch einmal alles. Der Wind frischt immer wieder stark böig auf, lässt die herunter taumelnden Blätter tanzen, bevor sie zu Boden sinken. So intensiv bunt gefärbt sind die Wälder nur in diesen Tagen. Nun dauert es nicht mehr lange und die graue Winterwelt dominiert bis zum Frühjahr.

Tanzende Herbstblätter
Tanzende Herbstblätter
Herbstwald
So bunt sind die Wälder

Aus dem Wald in die Zivilisation

Die Wonne durch den Wald zu wandern endet an den Straßen Friesenhagens. Ein Blick in die bunten Wälder hinter den Häusern zeigt wie weit der Herbst fortgeschritten ist. Die Häuser sind in diesen Tagen eingebettet in ein Meer von unterschiedlichsten Farben. Neben diesen Eindrücken klingen die akustischen Geräusche der Laubbläser an mein Ohr.

Blick über Friesenhagen
Noch ist Farbe im Wald
Sankt Sebastianus Kirche in Friesenhagen
Blick zurück auf die Sankt Sebastianus Kirche in Friesenhagen

Der Hexenweg zeigt Plätze der Hexenverbrennung

Thema dieses Weges sind die Zeiten der Hexenverfolgung im Wildenburger Land.  Zwischen 1590 und 1652 wurden rund 200 Menschen unter dem Vorwurf Hexen oder Hexenmeister zu sein, verbrannt. Hoffen wir, dass wir solche Zeiten nicht mehr erleben müssen.

Mit diesen Gedanken wandere ich weiter und verpasse eines der Wegezeichen, sodass meine Streckenführung nicht mehr dem original Weg folgt. Aber letztendlich lande ich doch dort, wo der Hexenweg seine nächste wichtige Station erreicht. Auf dem Blumenberg (welch täuschend idyllischer Name) wurden die o.g. Menschen verbrannt. Heute steht hier kein Scheiterhaufen, ich kann den Blick auf Friesenhagen genießen. Der Ort wird gerade von der zaghaft sich durchsetzenden Sonne beschienen.

Eine Gedenkstätte mit Kreuz ist den gefallenen Soldaten des ersten Weltkrieges gewidmet.

St. Anna Kapelle
St. Anna Kapelle – Rote Kapelle – Ort der Hinrichtung von Hexen und Hexenmeister

Sammeln für eine Pilzsuppe

Nein, keine Sorge ich sammele keine Pilze. Mich faszinieren die verschiedenen Formen und Farben der augenblicklich reichlich aus dem Boden sprießenden Pilze, aber essen mag ich sie nicht so gerne. An einem privaten Grundstück vorbei (ich habe mich versichern müssen hier wirklich entlang laufen zu dürfen) erreiche ich über einen Wiesenweg wieder Wald. Hier tobt sich mein Fotografinnenherz mal wieder so richtig aus. Das Ergebnis ihr Lieben, müsst ihr nun ertragen oder weiter scrollen.

Aus dem Wald heraus werfe ich einen Blick zurück und entdecke die Burg Wildenburg. Sie ist leider über diesen Wanderweg leider nicht erreichbar. Wenig weiter lande ich an der Rochuskapelle, vermutlich 17. Jahrhundert von Franziskanern errichtet. Das Vorhandensein lässt darauf schließen, dass sie aufgrund eines Pestausbruches errichtet wurde.

Hier treffe ich auf eine Dreigruppe Wanderer/innen. Ein kurzer, herzlicher und vor allem fröhlicher Plausch lässt mich im Anschluss beschwingt weiter ziehen. Immer wieder stelle ich fest, welch eine positive Auswirkung solche Begegnungen haben.

Von nun an geht´s bergab

Nun wird es anstrengend, denn anders als beim bergan wandern, schmerzen Achilles und Hüfte beim hinunter wandern schlimmer. Alle verfügbaren Höhenmeter scheinen sich für den anstehenden Abstieg versammelt zu haben. Aber schön war es, wunderschön. Links und rechts stehen herrliche Pilze. Einige kann ich nicht zuordnen, vor allem der schleimige Geselle ist für mich nicht bestimmbar.

Eine weitere Begegnungen mit einer mir entgegen wandernden Dame lässt uns beiden ein wenig Raum für Erholung. Wie schön, immer und immer wieder, sind solche Menschen.

Am Ende erreiche ich mein Auto bei stahl blauem Himmel. Das Wasserschloss Crottdorf ist leider geschlossen. Ein Mitarbeiter des Landgasthof Wildenburger Hof räumt die Tische und Stühle der Außengastronomie in eine Garage. Morgen beginnt der Lockdown für den November 2020, keine Chancen mehr auf Einkehr. Mit diesem Eindruck setze ich mich in mein Auto und fahre heim.

Insgesamt war das ein sehr sehr schöner Weg mit dem kleinen Wehrmutstropfen einiger Asphaltwege.

Hier wird es bald den ein oder anderen Beitrag zu meinem Eifelurlaub geben. Bis dahin bleibt mir jetzt erst einmal euch alles Gute zu wünschen. Bleibt gesund und vor allem gut gelaunt.

 

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