Am heutigen Samstag steht die Besichtigung der Ordensburg Vogelsang mit einer anschließenden Wanderung zur Talsperre an. Gestartet wird, nach einem opulenten Frühstück, erst um 10 Uhr
Vor uns geben sich aber die zeitgleich mit uns im Hotel gastierenden Biker die Ehre mit lautem Getöse den Parkplatz zu verlassen. Ein imposantes Bild bot sich uns.

Fahren möchte ich diese Höllenmaschinen nicht, aber es kribbelt schon etwas, die Rotte abfahren zu sehen.

Ordensburg Vogelsang

Die Fahrt nach Vogelsang ist kurz, der Parkplatz dort noch sehr leer und so wählen wir schattige Bereiche für unsere Autos aus (der frühe Vogel usw.)

Ordensburg Vogelsang

Wir  wählen eine 100 Minuten dauernde Hangführung, klar wer sind wir denn :-)
Ich habe selten erlebt, dass eine solche Zeit so rasant schnell vergeht. Der Referent hat sehr kurzweilig und interessant diese Führung kommentiert.

Vogelsang ist eine s.g. Ordensburg, derer gab es drei insgesamt. Die Anlagen Crössingsee(Pommern) und Vogelsang wurden vom Kölner Architekten Clemens Klotz geplant.

Es war schon eigenartig zu hören, dass der damalige, offensichtlich völlig durchgeknallte Reichsorganisationsleiter Robert Ley (1890-1945) aus Waldbröl, beim Leverkusener Chemiekonzern Bayer angestellt war. Dieser Mann soll gesagt haben „Ich töte Mücken, warum sollte ich nicht auch Juden töten“

Der Bau einer Ordensburg

Zurück zur Ordensburg. Sie wurde 1934-1936 in großen Teilen gebaut, fertig gestellt wurde sie nie. Noch nie in der Geschichte wurde in so kurzer Zeit eine Arbeitslosenquote von nahezu 100% auf 0 % reduziert. Alles was Beine hatte, wurde zum Bau dieser Anlage herbei geholt.

Ab 1936 sollten hier s.g. Junker ausgebildet werden „Anwärter auf NSDAP-Parteiführungsämter“. Robert Ley stellte hierzu Männer Mitte 20 ein. Sie mussten verheiratet sein, ihre „arische“ Abstammung nachweisen, körperlich vollkommen gesund sein (Brillenträger wurden ausgeschlossen). Die schulischen Leistungen waren indes vollkommen uninteressant,

Bei Kriegsanfang hat man die Bauarbeiten eingestellt. Die US Streitkräfte übernahmen zunächst die Anlage und wollten sie komplett zerstören. Die später einziehenden Briten hingegen ließen 42 qkm rund um die Ordensburg als Truppenübungsplatz sperren. Schlimm betroffen von dieser Maßnahme waren die Wollseifener. Die  hatten gerade erst das völlig zerbombte Dorf  Wollseifen wieder aufgebaut. Nun sollten sie innerhalb von 2 Wochen aus ihrer Heimat verschwinden, wenn sie nicht von den Briten erschossen werden wollten.

Der alte Kinosaal der Ordensburg Vogelsang

Später werden wir diese gruselige tote Gegend auch noch besuchen.
Die Führung beginnt im ursprünglich als „Haus des Wissens“ geplanten Gebäudeteil.

1951 begann die belgische Armee mit dem Bau eines Kinos. Dort stattfindende Spielfilmabende sollten als Freizeitvergnügen für die auf Vogelsang stationierten Soldaten dienen.
Heute finden hier Aufführungen statt, wie z.B.  Carl Orffs Carmina Burana am 14. Oktober 2006 oder dem Konzert der Big-Band des WDR am 16. Januar 2009.

Der alte Kinosaal in der Ordensburg Vogelsang
Der alte Kinosaal in der Ordensburg Vogelsang

Nur Frauen erlaubt

Das Haus der weiblichen Angestellten (nein kein Bordell), es diente der Unterkunft sämtlicher weiblichen Angestellten. So sollte wohl auch verhindert werden, dass unbemerkte Kontakte zu den Junkern entstehen konnten.

Das Haus der weiblichen Angestellten
Das Haus der weiblichen Angestellten in der Ordensburg Vogelsang

Der Fackelträger und seine Inschrift lautet:  Ihr seid die Fackelträger der Nation. Ihr tragt das Licht des Geistes voran im Kampfe für Adolf Hitler. Willy Meller hat dieses und einige andere Plastiken hier hergestellt.
Idyllisch gelegen und über Jahrzehnte kaum von irgend jemandem wahrgenommen, ein Areal von gigantischem Ausmaß.

Dunkle Mauern in der Ordensburg Vogelsang

Ich will mich aber jetzt wieder den heiteren Seiten des Lebens zuwenden. Denn nach der kurzweiligen Führung geht es weiter durch die Natur. Wir sind ja hier unter dem Motto KulturWANDERwochenende. Also werden nach einem Kaffee am Informationsgebäude (dort gibt es auch Unmengen an Informationsmaterial für lesefreudige) die Wanderschuhe geschnürt.

Wüstung Wollseifen – Das verlassene Dorf

Nur noch Rohbauten

Wollseifen, das verlassene Dorf. Schon gruselig, keine Fensterscheiben, keine Türen, nichts lässt darauf schließen, dass es sich hier um eine verlassene Siedlung und nicht um unvollendete Neubauten (aus früheren Zeiten) handelt.

Dieser Ort ist, bis auf das Vorhandensein der Kapelle, völlig unpersönlich.

Kapelle in der Wüstung Wollseifen
Kapelle in Wollseifen
Innenansichten der Kapelle in Wollseifen
Innenansichten der Kapelle in Wollseifen

In der Kapelle empfinde ich die Stimmung angenehm. Das Licht fällt durch jede Öffnung und macht diesen Ort zu etwas mystischem.

Und nun wird ein wenig gewandert

Das Auge hat Platz zum schauen, das Wetter ist prima und so ziehen wir Richtung Urftsee.
Ich sollte sehr schnell spüren, dass es schwierig werden würde in Ruhe Fotos zu machen. Dieser Trupp hatte eine durchschnittliche Geschwindigkeit von knapp 5 km/Std. Bei meinen Trödeltouren sind solche Tempi nicht drin. Also immer wieder sputen, um nicht irgendwann in der Pampa verloren zu gehen.

Da auch dieses Grüppchen nicht ganz ohne schwarzen Humor ist, musste ich nicht lange warten bis die Drohung kam, man würde mich auch gerne ohne Navi hier aussetzen (bööööse Kolleginnen)

Beste Wege ever

Diese Passage veranlasste die ersten Meuterer zu frommen Wünschen.

Victor Neels

Der Grund für die Wanderung dieser Strecke ist die Besichtigung, wie soll es auch anders sein, der Victor-Neels-Brücke. Victor Neels war 1970–1980 Kommandant der belgischen Streitkräfte im Camp Vogelsang. Die Bevölkerung und Vogelsang waren nie Freunde. Neels bemühte sich nach Ende seiner Dienstzeit um eine Annäherung.

Die Brücke wurde 2010 mit dem Preis des Deutschen Stahlbaus u.a. für ihre Landschaft schonende Bauweise und umweltgerechte Ästhetik ausgezeichnet

Victor Neels Brücke
Victor Neels Brücke

Nahe der Brücke gab es eine Bank, die zu einer Pause genutzt wurde. Und wie schon so oft auf dieser Wanderung, gab die organisierende Kollegin eine Eifler Geschichte zum Besten.

Aber wer wird denn bei solchen Aussichten meckern? Ernsthaft ja sowieso nicht.

Der nun folgende, aber nicht mehr allzu lange Anstieg nach Vogelsang wurde nun mit Kommentaren wie: „Da könnte jetzt doch ein Shuttlebus kommen oder ein netter Motorradfahrer“ gewürzt.

Zurück an den Futternapf

Es war ein informativer und unterhaltsamer Tag und auch der endet mit einem guten Essen im Hotel. Es wird gegrillt und die Portionen sind so riesig, dass irgendwann die Mägen wegen Überfüllung geschlossen werden.

Und wenn Menschen satt und zufrieden sind, dann kommen ihnen blöde Gedanken. Das ist übrigens so typisch für diese Truppe. Sodass es nicht besonders verwundert, dass die Idee aufkommt doch die Namen der ersten großen Liebe jedes einzelnen zu raten.

Weiteres wird natürlich nicht verraten.
Irgendwann siegt die Erschöpfung und die Gruppe verzieht sich in ihre Gemächer. Am morgigen Tag wird nur gewandert.

Unsere Freitagstour
Unsere Sonntagstour

12 Kommentare

  1. Hallo Elke, schön wieder einen Bericht von Dir zu lesen, und zwar über eine Gegend, die ich mittlerweile in allen Richtungen erwandert hab und wohin wir jedes Jahr ein paar mal zurückkehren. A propos, war das Hotel in Einruhr oder doch in Erkensruhr?

    1. Hallo Guido,
      den Eifelsteig habe ich bisher sehr vernachlässigt, weil mir Streckentouren so kompliziert erscheinen. Aber so langsam will ich da auch heran gehen. Es wäre zu schade diese Gegend unbewandert zu lassen. Wir waren in Erkensruhr, hab´s korrigiert.

  2. Schöne Aufnahmen, danke für den Bericht. Wir haben uns knapp verpasst: auf der Rückfahrt vom Hohen Venn haben wir einen Abstecher zur Rothirsch-Aussichtsempore bei Dreiborn eingelegt, da ist Vogelsang nicht weit. In den nächsten Wochen wird man von dort aus abends die Hirschbrunft erleben können, gute Gelegenheit, tagesüber eine Wanderung in der Gegend einzuplanen.

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