Warum bekommt diese Wanderung den Zusatz „wild“? Rund um Heupenmühle – Wilde Eifel eignet sich für jene Wanderinnen und Wanderer, die sich nicht davor scheuen auch mal im hohen Gras zu wandern, dafür aber auch die Abgeschiedenheit der Region erleben dürfen.

Erneut folge ich mit dieser Wanderung einem Vorschlag meines Gastgebers Volker. Herrje, der kennt sich wirklich aus. Seine Vorliebe für wilde Wege kenne ich ja nun und auch heute werde ich nicht enttäuscht. Die Streckenführung erweist sich zwar als überwiegend moderat, aber auf Teilen auch ziemlich zugewachsen. Also Obacht an alle, die dem nicht zugeneigt sind.

Rund um Heupenmühle – Wilde Eifel

  • Start/Ziel: Müllenbach Ahrweiler, Hauptstr. (B257) an der Kapelle zu den 14 Nothelfern
  • Streckenlänge: 15 km
  • Höhenmeter: 404 m
  • GPS Track
  • Einkehrmöglichkeiten: Nicht unmittelbar am Weg möglich

Im vorigen Jahr startete meine Wanderung „Panoramawege Meisenthal“ ebenfalls hier am Parkplatz der Kapelle (war damals nur nicht anfahrbar) und auch diese Runde entwarf Volker. Die Meisenthalrunde gehört zu den „normalen“ Wanderwegen, ohne Wildnistrail, allerdings gleichwertig vom Erleben her.

Rund um Heupenmühle - Wilde Eifel
Der Senf blüht, wie immer im Oktober. Angrenzend an die Kapelle hat man kräftig davon angebaut
Brücke über den Rothenbach

Das Wetter ist ausnahmsweise mal eher mies gelaunt. Es regnet nicht, aber die Sonne zeigt sich nur verhalten, gerade genug, um Licht für die Fotos zu spenden. Ich strebe aus Müllenbach heraus Richtung Meisenthal, immer schön durch Offenlandschaft, über Feld- und Wirtschaftswege. Trierbach und Rothenbach kreuzen meinen Weg.

Eine schöne Sitzgruppe steht hinter der Brücke und lädt, trotz des Usselwetters doch zum anhalten ein, nur um es sich einmal vorzustellen, wie es wäre bei Sonne hier zu sitzen und in die ländliche Umgebung zu schauen. Stille, frische Luft und ein zarter Wind, ideal zum träumen.

Bunte Laubteppiche haben sich auf den Wiesen ausgebreitet, tauchen die Umgebung in ein zart gelbes Farbenspiel. Das alte Bauernhaus mit dem etwas schief stehenden Vogelhaus davor gefällt mir so gut. Ein typischer Bauerngarten verbirgt sich hinter dem Holzzaun. Die grüne Regentonne dürfte inzwischen trocken sein. Wie lange hat es schon nicht mehr ausgiebig geregnet.

Uriges Bauernhaus zwischen Müllenbach und Meisenthal am Rande von Rothenbach

Strahlende Landschaft

Sehe ich jetzt, mehr als vier Wochen später, diese Farben, kann ich kaum an mich halten nicht sofort wieder loszufahren. Immer wieder reißt die Wolkendecke auf und die Sonne lässt noch einmal ihre Muskeln spielen. Nur kurze Zeit später, wie ausgelöscht und hinter Wolken verborgen, schafft sie nicht einmal einen Sonnenstrahl hindurch zu schicken. Ich nehme nur die guten Zeiten, kann es mir ja erlauben, die Kamera zur rechten Zeit zu zücken.

Herrliche Kontraste der Herbstfarben gegen den blauen Himmel
Weiche Wiesenwege, die der Trockenheit schon lange anheim gefallen sind – Rund um Heupenmühle – Wilde Eifel

Wilde Eifel

Der mit Abstand wildeste Teil des heutigen Weges steht mir nun bevor. Einige Dornenranken stellen sich mir in den Weg, ebenso hohe Gräser. Natürlich hätte ich das wissen müssen, Volker hatte mich gewarnt. Weder meine Stiefel, deren dichten Zeiten wohl vorüber sind, noch meine Jeans sind geeignet die ersten Tau benetzten Wiesen zu durchwandern.

Sehr schnell bin ich sowohl an den Füßen, als auch an den Beinen, gut durchnässt. Gut, dass es so warm ist, außer dem klammen Gefühl droht mir kein Ungemach.

Trotzdem bemühe ich mich um ein höheres Tempo, um alsbald wieder auf „normalen“ Wegen zu landen. In einem Jahr mit mehr Regenfall, dürfte diese Wegstrecke noch um einiges mehr bewachsen sein, aber sehr attraktiv für Kleinsttierliebhaber. 😉

Ziemlich nass geworden

Eine ausgesprochen rustikale und sehr praktisch eingerichtete Grillhütte lässt vermuten, dass die Ortsbewohner von Meisenthal fleißige Grillfans sind.

Grillhütte hinter Meisenthal - Rund um Heupenmühle - Wilde Eifel
Eine tolle Grillhütte – Rund um Heupenmühle – Wilde Eifel

Gleichzeitig kann man geradezu in Euphorie geraten, wenn man von hier oben einen Blick in die Region wirft. Himmel ist das schön. Meisenthal schummelt sich verlegen mit ins Bild.

Blick auf Meisenthal – Rund um Heupenmühle – Wilde Eifel

Im Grunde ist Sonne nicht nötig, um einer Wanderung die nötige Würze zu geben. Den Farben des Herbstes gelingt es bei bedecktem Himmel eigentlich viel besser, sich ins Szene zu setzen.

Und wenn es dann in den Wald hinein geht

dann enthüllt der Herbst, was er jährlich so mit den verschiedenen Bäumen tut. So viel Farbe, auf dem Boden, an den Bäumen und wenn der Wind auflebt, auch in der Luft.

Bunte Herbstwelt

Viele Wege führen…….

zu einem Dachs im Bau. Ein wenig abseits vom Weg lockt mich das merkwürdige Aussehen eines Hügels. Durchlöchert wie ein Schweizer Käse lässt dieser Hügel vermuten, dass hier mehrere Familien eingezogen sind. Dicke Kugeln Erdreiches liegen unterhalb des Baues, beinahe kunstvoll. Ich würde ja auf „Dachse“ tippen, aber sicher bin ich mir nicht. Spannend ist diese Burganlage allemal und so bin ich froh dem Impuls zu spinxen nachgegangen zu sein.

Auf dem Weg nach Rothenbach

Rothenbacher Drees

Mit dem kleinen Ort Rothenbach im Blick wandert es sich leicht und plötzlich stehe ich vor einem Bohlenweg, der mich zu einem „Drees“ führt. In seiner Chronik, so ist es auf der Eifelseite Kelberg-Rothenbach vermerkt, schreibt der Bürgermeister von Kelberg 1819 über die Mineralquelle vor dem Dorf.

Da diese Quelle und auch der daraus entstehende Bach eine rote Färbung hat, wurde dem Ort der Name „Rothenbach“ gegeben. Das muss vor 1377 gewesen sein.

Rothenbacher Drees – Seit Jahrzehnten eingefasst und mit Hilfe des Naturparks Vulkaneifel im Jahr 2015 erneuert.

In diesem kreisrunden „Topf“ gluggert es. Tief aus der Erde befinden sich Gesteinsschichten des Unterdevon, um die 400 Millionen Jahre jung. Die Zeit der Vulkane hat in der Eifel einiger dieser Mineralquellen hervor gebracht. Das Wasser ist trotz der komischen Färbung sogar trinkbar, schmeckt aber eigenartig, da der Kohlendioxyd- und Eisengehalt sehr hoch ist.

Mehr spannende Details findet ihr auf KuLaDig

Der Bildung folgt wieder Wald

Nach diesem netten Zwischenstopp wird mir der Wald gegönnt und wieder ein dicker Teppich aus frischem Laub unter meinen Füßen. Das Rascheln übertönt sämtliche Geräusche der Tierwelt in den Büschen links und rechts.

Nur die Amseln können es noch besser als ich, wenn sie geradezu rabiat die Laubschicht nach Nahrung absuchen. In diesem Waldstück liegt einiges an Totholz, dazwischen stehen die gesund aussehenden Buchen mit ihren dicken, gemoosten Füßen. Ein Waldabschnitt, den ich nur zögerlich verlassen, hat er mir doch nur zu gut gefallen.

Frisch geschottert

Nicht so schön ist die lang gezogene Schotterpiste, die offensichtlich nach intensiver Forstarbeit angelegt wurde. Die Steine sind grob und rollen unter meinen Füßen weg. Eher ein Eiertanz als wandern! Damit hat ein ehemals schöner Feldweg sein Dasein ausgehaucht und gegen die harte Realität getauscht, die sich zudem über eine verflixt lange Strecke zieht.

Schotterweg nach Zermüllen

In Windungen nähert sich mein Weg Zermüllen. Kurz vor dem Ort treffen meine Füße dann wieder auf weiche Wiesenwege, wenn auch nur kurz. Ein Teerweg schließt sich an, der erst nach einer längeren Weile wieder in weiche Wege übergeht.

Lasst uns nach Müllenbach wandern

Auf jetzt naturnahen Wegen, auf einem Waldlehrpfad, wendet sich der Wanderweg langsam wieder Richtung Müllenbach.  Viel zu erzählen gibt es hierzu auch nicht mehr. Schaut die Fotos und entscheidet selber, ob euch diese Wegeführung zusagt.

Bunte Herbstwaldwege

Die Waldwege sind licht und schön, gefallen mir außerordentlich und der ein oder andere Baum muss einfach fotografiert werden. Diese hochgereckten, belaubten Hünen sind so oft extravagant geformt.

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Barfußpfad Müllenbach

Wenn es denn noch etwas fröhlicher am Himmel wäre, nach kurzer Episode zieht sich der Himmel nämlich wieder zu, wäre ich ja vielleicht barfußgewandert. Anstelle dessen schaue ich mr z.B. die Malerei auf einer Garage an. Solche Bilder gefallen mir sehr gut!

Sauber gespurt, die Felder an der Nothelfer Kapelle

Am Parkplatz angekommen entdecke ich ein schwarzen Sportwagen, dessen Beschriftung mir bekannt vorkommt. Just vor einigen Tagen erreichte das gleiche Fahrzeug den Parkplatz am Traumpfädchen Eifelturmpfad, als ich von meiner kleinen Wanderung zurück kehre. Ein Blick in das Fahrzeug bestätigt mir, das grinsende Männergesicht hat mich ebenfalls erkannt. Nette Begegnungen ohne ein Wort gesprochen zu haben.

Fazit zu „Rund um Heupenmühle – Wilde Eifel“

So wild war diese Runde gar nicht, ein wenig mühsam auf dem Schotterabschnitt, aber ansonsten wunderbar zu laufen mit vielen schönen Weitsichten und lichten Waldabschnitten. Ein Weg, der sich auch im Winter wunderbar gehen lässt. Wenigen Menschen bin ich begegnet, sodass Ruhe und Entspannung das Tagesprogramm waren.

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