Die heutige Runde nennt sich „Seifens Bahngeschichte – I Klasse“. Sie erzählt die Geschichte der Eisenbahnstrecken in dieser Region, immerhin drei an der Zahl. Während wir uns vorwärts bewegen, gehen wir geschichtlich rückwärts. Wir wandern in Gedanken in eine Zeit, in der die Bahnstrecken wichtige Errungenschaften für den Transport des Eisenerzes aus den Gruben Luise und Georg darstellten.
Wer sich ein wenig mehr einlesen möchte, dem empfehle ich den Blick auf die beachtlich schön gestaltete Webseite des Ortes Seifen. Im Laufe dieser wunderschönen Wanderung gibt es noch einiges mehr zu erzählen, als die fünf Informationstafeln an Auskünften geben können. An original Gleisstücken befestigt, sind sie in ihrer Buntheit schon ein Hingucker.
Seifens Bahngeschichte – I Klasse
Ich habe das Gefühl, ich stehe mir selber im Weg, was die Länge meiner Wanderungen angeht. Die heutige Wanderung sollte eigentlich 7,3 km kurz, mit ca. 150 Hm sein. Am Ende sagt mein Garmin: 9 km und 196 Hm. Also geht da noch mehr und das gilt es, trotz immer wieder schmerzenden Gelenken, auszutesten. Aber jetzt erstmal Informationen zum Weg. Es erwartet und die bunte Pracht des Frühjahrs.

- Start: Hauptstraße 3, 57632 Seifen
- Streckenlänge ohne Irrwege und mit Abstecher zur Schaukelbank und zum
Bahnhof ca. 8 km und 180 Hm - GPX Track auf der Webseite des Örtchens Seifen
- Einkehrmöglichkeit am Start (Öffnungszeiten beachten)
- Sitzmöglichkeiten gibt es reichlich auf der Strecke, also Humpelbeine & Co, nur Mut das schafft ihr auch.
Achtung: Mein Navigationsgerät hat mich veräppelt, bzw. ich bin zu oberflächlich an die Adresseingabe gegangen. Unter der Postleitzahl 57632 gibt es Minimum 5 x die Hauptstraße und stets in anderen Dörfern. Also genau schauen, dass ihr „Seifen“ anklickt.
Jetzt aber los.

Recht schnell landen wir mitten in der Natur und das gefällt mir ausnehmend gut. Der Wald breitet sein Blätterdach über uns aus, sodass wir schattig wandern können.

Grün, gelb und blau dominieren
Und wieder wechselt die Landschaft. Frei unter der Sonne, die Getreidefelder stehen schon recht hoch, mitten drin die ersten Mohnblüten. Anders als bei uns im Flachland, steht der Raps noch in voller Blüte. Sitzmöbel und Informationstafeln gibt es offenbar mehr als nur fünf, denn bald schon können wir etwas lesen und uns ausruhen. Wir laufen an einem kleinen Friedhof vorbei, mit gegenüber stehender Informationstafel und einer weiteren Sitzgruppe für früh Ermüdete.
Der Weg nimmt mich sehr gut mit. Es ist eine Wohltat die Sonne zu spüren, den Duft des späten Frühjahrs einzuatmen und den vielen Vogelarten zu lauschen.

Sobald im Frühjahr die ersten Gräser sprießen beginnt bei Jana die Zeit des Weidegangs. Die steht so oft irgendwo und rupft Gras. Sie ist jeck auf vegetarische Kost, wie Salatgurke, Möhren, aber auch sämtliche Obstsorten, insbesondere Beeren.
Brandgraben nicht gesehen – Seifens Bahngeschichte
Jetzt beim schreiben ärgere ich mich über meine Unachtsamkeit. Hätte ich das Schild gründlicher gelesen, hätte ich den Brandgraben am Holzbach fotografiert. Da die Länge meiner Wanderung aber auch ein wenig Stress im Kopf machte, bin ich vermutlich öfter man an wichtigen Punkten vorbei gelaufen.
So ein Brandgraben soll verhindern, dass durch Funkenflug Waldbrände entstehen. Zuletzt gab es 1947 einen großen Waldbrand, eben aus diesem Grund. Heute werden diese Brandgräben nicht mehr, wie früher üblich, von brennbarem Material geräumt. Bei Sonderfahrten kommt es daher, so aus der Infotafel ersichtlich, zu Böschungsbränden.

Wunderschöne Felswände
Der nun folgende Wegabschnitt fasziniert mich besonders. Die steil aufragenden Felswände hatte ich hier nicht vermutet. Hier drosseln wir das Tempo sehr, denn im schattigen Wald mit diesen Anblicken zu wandern, das ist Genuss pur.



Solche Felswände werde ich weiterhin zu sehen bekommen. Herrlich und bald unterwandern wir die ersten Eisenbahnbrücke, noch immer an der Wied entlang laufend.


„Aus dem Wald – in den Wald“
Die Coronazeit hat so manche Initiativen auf den Plan gerufen, so auch diese rührige Dorfgemeinde. Unter dem Motto „Aus dem Wald – in den Wald“ entstand diese schöne, gemütliche Schaukelbank. Sie ersetzt den Unterstand aus dem Jahr 1970 und ist aus aufgrund Sturmschäden gefallenen Lärchen gefertigt.

Auf der Tafel steht die Entstehungsgeschichte dieser Bank und der Dorf eigene Wällermäänsong. Herrlich kreativ diese Menschen.

Eine ausgiebige Pause gibt uns die Kraft weiter zu laufen. Jana bekommt ein paar Futterbröckchen und Wasser und ich meinen Nussriegel und ebenfalls Wasser. So lässt es sich leben.


Ahnungslos zum letzten Anstieg – Seifens Bahngeschichte
Der Bahnhof Seifen schimmert durch die Bäume, den Abstecher dorthin schenke ich mir.

Wir schlendern an Döttesfeld vorbei, queren die Brücke dort über den Holzbach und landen schnell wieder im Wald. Ich ahnte nicht, dass es noch einmal so bergan gehen würde. Egal, ich habe es, trotz der hohen Temperaturen, geschafft und „Jana die Tapfere“ ebenfalls.





Noch ein kleines Stück und wir haben es geschafft. Die kleine Runde war spannend, abwechslungsreich und auch bei den höheren Temperaturen recht gut zu schaffen. Ich hoffe für die Zukunft noch auf weitere Runden um die 10km, die ich so motiviert wandern kann.
Den Westerwald werde ich sicher noch öfter besuchen, dieser kleine Ort zeigt, wie es geht, wundervolle Wanderwege zu schaffen. So, und bevor ich diesen Beitrag schließe, noch einen kleinen Tipp von der kochenden Elke….
Holunderblütensirup oder Holunderbütengelee
Ich liebe es aus gesammelten Früchten und Blüten Gelles, Marmeladen, Sirup und Honig herzustellen. Aus Löwenzahnblüten hergestellter veganen Honig hat meine Nachbarin mir geschenkt. Aus Rotklee hergestellten veganen Honig habe ich selber gezaubert und nun ist der Schwarze Holunder dran.

Einen Tag nach dieser schönen Runde „Seifens Bahngeschichte – I Klasse“ habe ich mich auf unsere Hausrunde begeben und Holunderblüten des „Schwarzen Holunder“ gesammelt. Unsere Hausstrecke prahlt geradezu mit unzähligen, von Straßenstaub & Co verschonten, Büschen und Bäumen.
Ich sammele nur die voll erblühten Dolden und das an einem Vormittag, wenn die Frühfeuchte von den Blüten abgetrocknet ist. Die dicken Stile bleiben an der Pflanze und daheim wird noch einmal durchgeguckt, die Stile weitest gehend entfernt.
Sirup
Am Ende habe ich 150 g Holunderblüten, die ich in 1,2 l Wasser ansetze und 24 Stunden ziehen lasse. Morgen Lasse ich den Sud durch ein feines Sieb laufen, füge zur Flüssigkeit 1 kg Rohrzucker zu, sowie 15-25 g Zitronensäure. Alles zusammen aufkochen lassen und anschließend in heiß ausgespülte Flaschen füllen.
Gelee
Für Gelee ebenfalls die Blüten 24 Stunden ziehen lassen und am nächsten Tag abseihen. Das Ganze mit 1 kg Gelierzucker 2:1 mischen, den Saft einer Zitrone zufügen und aufkochen lassen, drei Minuten ungefähr köcheln und anschließend in Marmeladengläser füllen.
Ich liebe den betörenden Duft von Holunder, der mich auf jeder meiner Hausrunden ab Mai bis spätestens Anfang Juli begleitet. Bei Wind trage ich diesen Duft als Blütenstaub auf meiner Kleidung und damit als natürliches Aroma in meine Wohnung.
Tipps für solche und ähnliche Rezepte finde ich auch immer mal wieder auf der Seite von Nicola aus Trier.
Liebe Elke,
diese, Deine „Seifener Bahngeschichte“ ist genau nach meinem Geschmack! Ich erlaube mir ganz ohne Gewissensbisse, mir die Runde in mein Lager aufzunehmen.
Herzliche Grüße von Sabine
Liebe Sabine, ich hoffe dir wird sie genauso viel Spaß machen, wie mir. Auf den Schildern sind gelbe Pfeile abgebildet, wenn man einen besonderen. betrachten sollte, immer etwas abseits vom Weg. Gilt auch für diese schöne Schaukel.
Ganz liebe Grüße Elke