„Lebendiges Ruhrgebiet“ Für mich ist es DIE Aussage  nach den letzten Besuchen, und insbesondere heute im Landschaftspark Duisburg-Nord. Rund um ein stillgelegtes Hüttenwerk ist eine Freizeitfläche für jung und alt entstanden. Die Natur hat sich mit ihrer unwiderstehlichen Dominanz  durchgesetzt und jeden auch nur einigermaßen freien Raum zu einer grünen Oase umgestaltet.

Landschaftspark Duisburg-Nord

Dieser Landschaftspark, genau genommen ein Stadtpark, hat Ausmaße (180 Hektar) die mir so nicht bewusst waren. Wer oben vom Hochofen 5 in diese faszinierende Fläche unter sich blickt, Industriekultur mit grünen Rahmen, der kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus.

Der Landschaftspark liegt auf den Streckenführungen der  Europäischen Route der Industriekultur und  der Route der Industriekultur im Ruhrgebiet. Das 1901 gebildete Hüttenwerk tat 84 Jahre lang seinen Dienst, viele Jahre davon für die Thyssen Gruppe. 1985 war dann endgültig Schluss und von 1994 an dürfen Normalsterbliche Einblick in das Industriegelände nehmen.

Parken am LaPaDu

Die Parkfläche an der Emscherstraße (gegenüber Hausnummer 71) in Duisburg ist riesig und staubig. Kameras muss man sehr in Schutz nehmen, weil so mancher Kavalier es lustig findet, wenn sein Auto in einer  Staubwolken den Platz verlässt. OK, das dazu. Aber Parkraum ist tatsächlich reichlich vorhanden.

  • GPS Track  mit Hochofenbesteigung
  • Mehr Information auf: https://www.landschaftspark.de/
  • Die Jugendherberge Duisburg Landschaftspark, untergebracht im ehemaligen Verwaltungsgebäude der Thyssen Hüttenwerke. DAS muss genial sein, und dann nachts die beleuchtete Industrielandschaft bestaunen.
  • Buch: Grüne Glücksorte im Ruhrgebiet

Ich starte also vom Parkplatz aus und folge den Massen. Die dunklen Mauern der ersten Gebäude ragen vor mir auf, Kranen und Industriebauten, unverkennbar.

Picknick-Stimmung rund um den Parkplatz

So ein wenig ereilt mich Nervosität. Selten wage ich mich in solche Publikumsmagneten. Doch oh Wunder, die meisten Menschen sind plötzlich verschwunden, beinahe friedlich liegt der Park vor mir.

Still gelegte Gleise

Wassersammler

Überall im Gelände wird Regenwasser abgefangen und einem Klarwasserkanal zugeführt. Dazu dient auch der auf dem folgenden Fotos zu sehende Trichter. Das Wasser wird aufbereitet und in Notzeiten (Sommer, Trockenperioden) als Wasserreserve genutzt.

Wassersammler

Klettergarten in den Möllerbunkern

Einmal um die Ecke und der Klettergarten mit hohen Betonsäulen erscheint in meinem Blickfeld. Oben das Foto zeigt auch schon einen Teilbereich davon. Der Deutsche Alpenverein hat hier Kletterrouten installiert und sogar einen 530 Meter langen Klettersteig „Via Ferrata Monte Thysso“ . Hier schleppen die Kletterfreudigen den halben Hausrat mir, um sich hier auszutoben.

Herrlich der Anblick der Gruppen, die unter Anleitung Gleichgewichtsübungen machen, bevor sie irgendwo ernsthaft ans Üben kommen.

Und dann biege ich um die nächste Ecke und sehe dies. An kleinen Teichen vorbei erreiche ich die Alte Emscher, ein 7,8km langer Altarm der Emscher.

Welch eine Idylle und es sind kaum Menschen hier unterwegs. Klar ist der Verkehrslärm nicht ganz auszublenden, aber er verliert sich gegen die betörenden Vogelstimmen in den Bäumen.

Alte Emscher

Glücklicherweise habe ich mir einen Track bei Outdooractive runter geladen, der mir als grobe Orientierung dient. So verpasse ich die auf ansteigenden Wegen erreichbaren Aussichtspunkte nicht.

Stufen zählen lassen

Mir ist es ganz recht, dass die junge niederländische Dame die Stufen laut und vernehmlich zählt. So bleibt mir nur, um mich zu erinnern, die Zahl auf den sandigen Boden zu schreiben und zu fotografieren. (So macht Frau das!)

64 Stufen

Die Wildnis

Dieses kleine Biotop ist bewusst unzugänglich gehalten, damit die vielen Vogelarten ungestört leben und brüten können. Nicht jeder hält sich daran und wie dort Autoreifen hinein gelangen konnten, ist mir ein Rätsel. Trotzdem strahlt diese Ruhezone eine gewisse Idylle aus. Dort wo ich einigermaßen fotografieren konnte, habe ich das natürlich getan.

Dicke Bäume
Landschaftspark Duisburg-Nord - Autoreifen in der Wildnis
Autoreifen? Wie sind die herher gelangt?
Landschaftspark Duisburg-Nord
Spannende Einblicke

Der Garten

Links Garten – Rechts Wildnis
Vermooste Steine erinnern mich an Wege in der Eifel und im Hunsrück

Zurück in der Industriewelt

Nun gibt es, mangels näherer Kenntnisse über den Ursprung und den Nutzen der fotografisch erfassten Gebäude und Bauteile, Fotos zum anschauen.

Und dazwischen gab es einzelne, wunderschön gewachsene Rosen

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Über den Steg nach unten schauen

Hoch über dem Landschaftspark zieht sich ein Steg. Von hier oben habe ich wunderbare Aussichten auf die umliegenden Industrieanlagen. Übrigens, Hunde mögen den Gitterrost nicht, über den wir hier über lange Strecken laufen müssen.

Herrliche Aussichten

Wieder unten angekommen gelange ich wieder in eine Mischung aus Grünanlagen und Industriebauten. Ruhezonen bieten sich zum rasten an und davon mache ich hier Gebrauch. Einfach mal die Seele baumeln lassen und dem Treiben zuschauen.

Grinsend beobachte ich eine Gruppe, die verzweifelt versucht dem Vierbeiner Wasser einzutrichtern. Der treue Bursche hatte aber mehr damit zu tun alle seine Rudelmitglieder im Auge zu halten, also keine Zeit für Anderes.

Gasreinigungsanlage mit Kühlung

In diesem Kühlwerk wurde das Waschwasser der Gasreinigungsanlage gekühlt, nachdem es von Schlamm und Kleinstpartikeln gereinigt wurde.  So ganz habe ich das Prinzip und den Sinn nicht verstanden, aber interessant ist es allemal.

Kühlwerk (Die Windräder drehen sich auch heute noch)

Rundklärbecken

Hier wurde das Waschwasser gereinigt. Heute dient die Anlage der Reinigung des Oberflächenwassers, dass man hier sammelt.

Rundklärbecken

Auf dem Weg zum Hochofen 5

Hoch hinauf, möchte ich heute noch. Also suche ich mir an etlichen Stollen und Bauwerken vorbei den Weg zum Hochofen 5.

Hochofen 5

Vor mir eine Gruppe junger Männer, denen ich den Vortritt lasse, da sie „normalerweise“ schneller nach oben gelangen als ich. Der spöttische Ton einer der Jungs „Na, da wäre ich mir nicht sicher, dass Sie langsamer sind“ lässt mich das Aufstiegsverhalten der Vorausgehenden betrachten.

Was soll ich sagen, eine Herzlungenmaschine wäre wohl das richtige Gepäck für das Jungvolk gewesen. Von Sport wurde gesprochen, und einem Jahrespensum… Hi hi, wat tut dat jut!

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Der Anblick vieler Details und der Aussicht von ganz oben, auf rd. 70 Metern Höhe, ist faszinierend. Der Nachmittag hat sich für mich tatsächlich sehr gelohnt. Gut, ich bin keine Fachfrau in technischen Dingen, aber ich liebe den Anblick der alten rostigen Dinger, ich liebe diese unwiderstehliche Natur, die Kraft die ihr innewohnt. Das Zusammenspiel dieser beiden Phänomene ist es, die den Reiz ausmachen.

Auf dem großen Platz in der Nähe des Besucherzentrums ist eine Menge los. Stände mit Getränken und ausgefallenen Speisen stehen in großer Anzahl hier, ebenso wie Tische und Bänke für die Besucher vorgehalten sind. Eine Kleinigkeit kaufe ich mir, denn der Magen meldet inzwischen Ansprüche. Dann verdrücke ich mich schleunigst.

Mit ein paar letzten Eindrücken verabschiede ich mich für heute. Das wird sicher nicht mein letzter Besuch gewesen sein. Evtl. folge ich einmal einer Führung.

11 Kommentare

  1. Großartige Bilder. Ich bin selbst schon mehrfach dort gewesen und erlebe hier völlig neue Perspektiven. Es ist so spannend zu sehen, wie unterschiedlich der Blick auf so ein Objekt ist.
    Vielen Dank für die tollen Bilder und viele Grüße
    Heike

    1. Ja das erstaunt mich auch immer wieder, wie unterschiedlich wir alle die Welt sehen, ob in der Kommunikation oder auch visuell. Spannungsgeladen, zwischendurch ;-)
      Liebe Grüße
      Elke

    1. Völklinger Hütte, da muss ich auch hin. Die Liste der Begehrlichkeiten wird immer länger. ☺

      1. Ich wollts anhand dieses zitierten Satzes „ich liebe den Anblick der alten rostigen Dinger“ grad kommentieren:
        das kenne ich, das mag ich bei der Völklinger Hütte auch so! Die ist unbedingt empfehlenswert, nicht umsonst heißt der Slogan „Weltkulturerbe Völklinger Hütte – einer der spannendsten Orte der Welt“.
        Ich habs bei meinen mehrmaligen Besuchen dort zwar noch nie übers komplette Gelände geschafft, aber selbst wenn man nur wegen einer der Ausstellungen hinfährt, ist es sehenswert. :-)

  2. Die Kumpel, die beim Niedergang der deutschen Stahlindustrie mit ihren Familien um ihre Existenz bangten, wären sicher nie auf die Idee, gekommen, dass dieser Standort mal zu einem Freizeitpark und einer genialen Foto-Location wird! Dieser Beitrag mit den tollen Bildern macht jedenfalls Appetit. Man muss die Technik nicht verstehen, um sie faszinierend zu finden ;-)!
    Gerhard

    1. DAS ist die traurige Kehrseite der Medaille, dass so viele ihren Arbeitsplatz verloren und damit Existenzen mit nieder gingen

  3. Ich bin teilweise im Ruhrgebiet aufgewachsen, anfangs haben wir selber noch dort geholtgewohn, später dann die Besuche und Ferien bei meinen Großeltern. Ich habe immer gefunden, dass zwischen den einzelnen Orten immer grüne Übergänge gab. Ich bin auch heute noch fasziniert, wenn ich auf der A 42 insbesondere an den hell erleuchteten Industrieanlagen vorbeifahre.

    1. Oh ja, wenn man nachts, auch von uns aus auf der A 3, an den Industrieanlagen vorbei fährt, plane ich jedesmal dort hinzufahren. Tja, planen und tun, das sind aber immer zwei ;-)

  4. Liebe Elke,
    wie ich sehe und auch lesen kann, hat sich der Besuch für Dich gelohnt. Hättest Du schon viel früher haben können… ;) Aber gut. Ein toller Beitrag und klasse Fotos.
    Eine Empfehlung meinerseits: Besuch den Park, natürlich in passender Begleitung, bei Nacht…. ;)

    Auf bald…
    Micha

    1. JAHAAAA, das ist die Crux bei meinem sch… Krankheitsbild. Ich könnte vieles viel früher erleben ;-) Duisburg bei Nacht, da ist mir gerade eine Möglichkeit in den Sinn gekommen, die sich in der dunklen Jahreszeit gut umsetzen lässt. Wenn ich das tatsächlich tue, kriegst Du eine Meldung von mir ;-)
      Knutscher
      Elke

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