Wer seinen Beinen mal so richtig Auslauf und Muskeltraining gönnen möchte, der wandere im Siebengebirge. Eine Gipfelwanderung im Siebengebirge, über den großen Breiberg, den kleinen Breiberg, Ruine Löwenburg,über Milchhäuschen und Wolkenburg zum Drachenfels. Das sind nur einige wenige spektakuläre Punkte dieser schönen Runde.

Gipfelwanderung im Siebengebirge

  • Start/Ziel: Bahnhof Rhöndorf, Löwenburgstraße
  • Streckenlänge: 17 km
  • Höhenmeter: 660 m
  • GPS Track
  • Einkehrmöglichkeiten: Im Milchhäuschen, Löwenburger Hof und am Drachenfels,  auch in Rhöndorf
  • Wanderwege: Rheinsteig und der Bergische Weg
  • Kloster Heisterbach lohnt einen Besuch

Erst einmal durch Rhöndorf

Rhöndorf hat neben einigen netten Einkehrmöglichkeiten auch visuell einiges zu bieten. Die Fachwerkhäuschen und Villen sind ein Traum.

Am Ortsrand liegt der Waldfriedhof Rhöndorf (1920). An dessen Rand wandere ich vorbei. Die Wege sind weich, aber überwiegend NOCH breiter angelegt. Der Wald spendet ordentlich Schatten und zeigt sich in den schönsten Grüntönen. Dazwischen wachsen die mit weißen Blüten übersäten Schlehen.

Das SiebenGEBIRGE treibt mich hinauf

Die kommenden sechs Kilometer treibt mich der Track, den ein Wanderfreund um einige Schikanen, aber auch Highlights ergänzt hat, immer schön bergan. Auf diese Strecke sind 394 Höhenmeter zu bewältigen, das Ergebnis spüre ich heute in meinen Beinen. Nun wird vielleicht langsam klar, wieso ich die Überschrift: Gipfelwanderung im Siebengebirge gewählt habe.

Die Wege werden schmaler, verlangen ein Schauen auf die Füße. Gleichzeitig der Anstieg, da wird schon etwas Kraft abverlangt. Es macht Spaß, es motiviert, es macht mich glücklich hier sein zu dürfen.

Die Gräser sind innerhalb von zwei Wochen rasant gewachsen
Solche Wege sind ein Traum

Aussicht Grosser Breiberg

Der Aufstieg über die schmalen Pfade, die teilweise auf dem Grat des Breibergs verlaufen, ist genau das, was ich am Siebengebirge so mag. Unvermutet tauchen diese Pfade auf und lassen ein wenig den Eindruck entstehen ein Wichtel guckt gleich hinter einem Baumstumpf hervor. Hat es tags zuvor geregnet, dann erweist sich der Aufstieg über diesen schmalen Pfad als Schwerstarbeit. Lehmiger, seifiger Boden erschwert das Vorankommen. In diesem Fall ist aber eine Umgehung über nordwestliche Wege, um den Berg herum, möglich.

Auf dem Gipfel, auf m ü. NHN, habe ich einen Ausblick auf Bonn, die Wolkenburg und den Drachenfels und ganz rechts den Petersberg. Ein kleines Video sende ich an diesem Platz an die Facebookfreunde. Immerhin ist es Donnerstag und die meisten Menschen arbeiten, während ich ein paar Stunden Gleitzeit abbaue.

Am Fuße des Großen Breiberg steht eine Schutzhütte, schon etliche Besuche hat sie von mir bekommen und sicher dann auch genug Aufmerksamkeit. Drum wende ich mich heute flott ab und ziehe weiter meines Weges.

Schutzhütte am Fuße des Breiberges

Löwenburger Hof und die Ruine Löwenburg

Breite und schmale Wege wechseln sich nun ab. Mir fällt auf, dass die Vögel nicht mehr ganz so eifrig ihre Lieder präsentieren. Die Balz scheint für die meisten momentan vorbei zu sein. Dafür klingt aus mancher Baumhöhle das zarte Gepiepse bettelnder Küken, während die Eltern mit vollen Schnäbeln die hungrigen Mäuler stopfen.

Der Löwenburger Hof gerät in mein Blickfeld und kurz kommt der Gedanke an eine Rast auf. Den verwerfe ich jedoch und ziehe weiter Richtung Löwenburgruine.

Ruine Löwenburg

Der Vorteil unter der Woche unterwegs zu sein, ist an den neuralgischen Punkten des Siebengebirges spürbar. Es sind nur wenige Menschen unterwegs. So auch hier an der Ruine. Ein Fotograf und ein Biker verteilen sich fast unsichtbar über das Gelände.

Einst quälte sich Tanja hier hinauf. Damals eine ihrer ersten Wanderungen

Auf dem Weg zurück zur Wanderroute sehe ich jemanden in der Hocke, mit der Knipse in den Händen. Langsam nähere ich mich, um das Objekt seiner Fotografenlust nicht zu verschrecken. Es ist eine Blindschleiche, die schon auf dem Weg ins nahegelegene Gebüsch ist. Der freundliche Herr erhebt sich und signalisiert „Der Platz zum fotografieren ist frei“ Etwas hektisch erhasche ich noch ein letztes Foto, dann ist die schlängelnde Schleiche verschwunden.

Blindschleiche
Blindschleiche

Kurze Zeit später, inzwischen zurück am Löwenburger Hof,  entdecke ich einen Milan über den Baumwipfeln, der sich offensichtlich in einer Auseinandersetzung mit einem Rabenvogel befindet. Im hohen Tempo und Haken schlagend liefern sich die beiden unterschiedlichen Vögel ein Gefecht, bis der Rabenvogel abzieht und der Rotmilan beginnt seine suchenden Kreise zu ziehen.

Rotmilan im Zweikampf
Der Rotmilan zieht seine Kreise

Trenkeberg und Erpelntalskopf

Auf schmalem Pfad verschwinde ich schnell wieder im Wald . Wie herrlich das Licht durch die Bäume fällt, wie still ist es hier, mal die Vogelkonzerte ausgenommen.

Ein Holzkreuz erinnert an jemanden, der an dieser Stelle sein Leben beendete. Wie oft sah ich schon solche Kreuze, die von Hinterbliebenen oder Wanderfreunden aufgestellt werden, oft mit einem persönlichen Grußwort versehen.

Auf dem Trenkeberg steht kein Unterstand mehr, wie in der Karte angegeben. Eine Möglichkeit etwas besonderes zu sehen gibt es auch nicht. Der kleine Anstieg war also nur für das Muskeltraining gut.

Erpelntalskopf

Dafür ist die Aussicht vom Erpelntalskopf besonders schön. Ein Pärchen sitzt dort zu einem netten Mittagsmahl dort oben und genießt die schöne Aussicht auf das Rheintal und das Siebengebirge mit dem Drachenfels.

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Weiter durch Wald, dann wieder etwas offener an üppigen Ginsterbüschen bekomme ich reichlich Gelegenheit frische, gesunde, gut riechende Luft einzusaugen. Welch ein Glück, sich mitten in der Woche solch eine Auszeit zu nehmen, die Seele voll zu tanken. So erreiche ich ziemlich froh gestimmt, den Löwenburgblick.

Ich glaube, ich schrieb es schon mehrfach „Ich liebe Bäume, auch die krummen, schiefen, verbeulten….“ Ich liebe die Füße der Bäume ganz besonders, mit ihren dicken, oft verschlungenen Wurzeln.

Walter Guillaume Hütte auf dem Geisberg

Oben an der Hütte sitze ich ein Weilchen, genieße den Blick in die Rheinebene mit den vielen unterschiedliche gefärbten Bäumen. Jedes Jahr im Frühjahr nehme ich neue Dinge wahr, wie hier die roten Bäume, diese erstaunliche Farbenvielfalt eines Waldes im Frühling.

Blick in das Rheintal

Walter Guillaume Hütte auf dem Geisberg

Auf zum Schallenberg und seinem Gipfelkreuz

Über traumhaft schöne Wege, die anscheinend wenig bewandert werden, schwebe ich mehr oder weniger dahin.  Kurz hinter dem Gipfelkreuz Schallenberg stoße ich überraschend auf eine Art Tempel mit einer tollen Aussicht auf den Drachenfels. In der Ferne wieder der große „Golfball“ des Frauenhofer Institut.

Gipfelkreuz Schallenberg
Blick auf den Drachenfels
Ein verlassen wirkender Platz mit einer Art Tempel

Und wieder sind es Bäume, die meinen Blick bannen. Wie ein kleines Kind mit Mutter, so sind meine Gedanken zu diesem außergewöhnlichen Verbund.

Der Wald ist eben mehr als nur Baum neben Baum mit ein wenig Unterholz und Mäuschen dazwischen.

Milchhäuschen

Wenig weiter steht das Milchhäuschen mit seinen Terrassen und angegliederten Gebäuden. Die freundliche Bedienung bringt mir meinen Milchkaffee, der mich für die nächsten Kilometer antreiben wird.

Nur kurze Zeit später bin ich wieder unterwegs, vorbei an einer fröhlichen Gruppe Halbwüchsiger, die ausgelassen über die Wege toben. Ein breiter, attraktiver Weg führt Richtung Wolkenburg.

Breiter Weg am Milchhäuschen

An der Wolkenburg auf schmalen Pfaden

Was nun folgt ist Vergnügen pur. Auf urigen Waldpfaden, über die Wurzeln eines alten Baumes hinweg, erklimme ich weitere Höhenmeter. Diese Wegeführung verdanke ich Rainer, einem Facebookfreund, der wiederum hat sich von einer ehemaligen Bloggerin. So werden Informationen weiter gereicht, die das Wandervergnügen um ein Vielfaches mehren können.

Erste Blicke auf den Rhein, die Inseln Nonnenwerth und Grafenwerth, werden mir gegönnt. Ich nähere mich nicht nur der Wolkenburg, sondern auch meinem letzten Highlight, dem Drachenfels.

Blick auf den Rhein und Nonnenwerth und Grafenwerth

Den Drachenfels

kennen die meisten Wanderer des Siebengebirges schon. Heute ist relativ wenig los hier oben, die Arbeiten an den bröckeligen Ruinen und Felsen sind im vollen Gang. Es staubt weithin sichtbar.

Hinunter über felsige Wege zum Ulanendenkmal

Noch einige wunderschöne Aussichten bekomme ich auf dem Weg hinunter nach Rhöndorf. Der nun folgende Abstieg geht in die Knie, aber ich habe ja noch reichlich Zeit. Schneller als ich dachte, liegt die heutige Wanderstrecke hinter mir

Ulanendenkmal

Eine Gedenkstätte für die im ersten Weltkrieg Gefallenen ist das Ulanendenkmal. Es wurde insbesondere im Gedenken an die Opfer des Ulanenregimentes unter Großherzog Friedrich von Baden erbaut.

Noch einmal durchwandere ich die Straßenzüge Rhöndorfs, erfreue mich an den Fachwerkhäusern, bewundere das Ziepchen, ein Brunnen aus dem in den Jahren 1844 bis 1949 die Drachenfelsquelle an die Erdoberfläche gelangte.

Ziepchen

Damit ist ein wundervoller Wandertag zu einem Ende gekommen. Meine Beine sind schwer, mein Gemüt leicht. Ein Erfolg, den ich nach so vielen, ja beinahe allen Wandertagen für mich verbuchen kann.

Nur zwei Tage später, auf dem Mittelrhein Klettersteig habe ich mit Ute, einer Wander- und Facebookbekanntschaft, über die heilende Wirkung des Wanderns gesprochen. Die Sinne auf Empfang gestellt, ist solch ein Tag wie eine Art Therapie für die Seele.

Habt es gut ihr lieben treuen Leserinnen und Leser. Bald mehr in diesem Theater 😉

3 Kommentare

  1. Liebe Elke!
    Ich habe vorgestern jemandem aus meiner kleinen Wandergruppe von dieser Wanderung berichtet, da kam die erstaunte und zugleich bewundernde Antwort: „Kann man mehrere Gipfel des Siebengebirges an einem Tag besteigen?“
    Ich musste schmunzeln und doch kenne ich das. Als ich anfing zu wandern, konnte ich mir das auch noch nicht vorstellen.

    Trotzdem Hut ab vor dieser Tour, die ich sehr gerne auch noch mal laufen möchte. Als ich den Rheinsteig gemacht habe, bin ich auch in Rhöndorf gestartet, aber als Rundtour bietet es sich wirklich an. Ich werde mir deine GPS-Daten mal abspeichern.
    LG
    Aurora

    1. Oh da gibt es Kandidaten, die noch einige Gipfel mehr in ihre Runden einbauen. Die Tour hat mich aber kräftig Körner gekostet und der Klettersteig nur zwei Tage später hat dann erstmal ein paar Tage Auszeit gefordert. Aber ich bin froh mit rd. 14 Kilo weniger doch leichter die Berge hoch zu kommen. 😉

      Liebe Grüße und „HACH, endlich wieder Kommentarre“ 😉

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