Grüne Glücksorte im Ruhrgebiet, so lautet der Titel des Buches, das ich auf meinem Wohnzimmertisch griffbereit vorhalte. Immer wieder stöbere ich darin herum, Ausschau haltend nach einem kleinen Ausflug. Heute finde ich „Grüne Oasen in Mülheim an der Ruhr“

Nach einer mit sehr wenig Schlaf verbrachten Nacht fühle ich mich zum wandern nicht so bereit, zumal die Tagestemperaturen an der 30° Marke kratzen sollen. Ich suche aus dem o.g. Buch die….

Grüne Oasen in Mülheim an der Ruhr

  • Start/ Ziel: Mülheim an der Ruhr, B 223/ Fährstraße großer Parkplatz
  • Streckenlänge: 9 km
  • Höhenmeter: ..ha ha ha
  • GPS Track
  • Wanderungen „Mülheimer RuhrPerlen

Eine kleine Weile spaziere ich an der belebten B 223 entlang und erreiche bald das

Schloss Broich

Grüne Oasen in Mülheim an der Ruhr
Schloss Broich

Da wird fleißig saniert und fleißige Menschen wieseln über das Gelände, heute wird nämlich eine Hochzeit ausgerichtet.

Die älteste spätkarolingische Burganlage im deutschsprachigen Raum dient nicht nur als Kulisse für würdevolle Eheschließungen. Sie schenkt dem feierfreudigen Publikum im Rahmen des Pfingst-Spektakulum Ritterspiele, Gaukler und Märchenerzähler und reichlich kulinarische Genüsse.

Ich spaziere, in Erwartung eines nur kurzen Besuches hier, ziemlich gemütlich im Burggelände herum. So früh haben Gastronomie und auch das Museum noch geschlossen.

Durch die Parkanlage, die sich schon jetzt langsam mit Eltern und Kindern füllt, strebe ich dem Ringlokschuppen entgegen. Spiegel stehen hier herum. die allerdings keine sehr adretten Abbilder präsentieren.

Ringlokschuppen

Der Ringlokschuppen entstand im Rahmen der Entstehung des Reichsbahnausbesserungswerkes Speldorf. Im Jahr 1943 wurde die dem Gebäude vorgelagerte Drehscheibe bei einem Bombenangriff zerstört. Heute finden hier kulturelle Veranstaltungen unterschiedlichster Couleur Raum,

Ringlokschuppen
Ehemalige Drehscheibe
Wer Lust hat in Nostalgie zu schwelgen, dem empfehle ich das Eisenbahnmuseum Bochum. Neben Lokschuppen und Drehscheibe findet man dort auch die technischen Einrichtungen und sehr viele herrliche Eisenbahnen und Dampfloks.

Parkanlagen mit Wohlfühlfaktor

Kaum zu glauben, dass nur drei Stunden später hier das muntere Treiben vieler Menschen zu beobachten sein wird. Noch ist es ruhig. Menschen sitzen still auf Parkbänken, lesend, einige mit Kaffeebechern oder Thermoskannen im Gepäck. Andere Besucher spazieren still durch die schönen Gänge, schnuppern an den Rosen, stehen beobachtend, um den Insekten bei ihrer Suche nach dem süßen Nektar zuzusehen.

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Camera obscura

Ein alter Wasserturm taucht vor mir auf. Früher hat er die Dampfloks versorgt, heute ist er umgebaut zu einem Museum zur Vorgeschichte des Films. Ausgestattet wurde er im Rahmen der Landesgartenschau 1992 mit einer Camera obscura. Dem will ich auf den Grund gehen.

Camera obscura

OK ein Bild noch von außen, dann gehe ich rein

Was ist eine camera obscura

Ich trete ein, zahle den Eintrittspreis und schließe mich gleich mal der Vorführung an, die mir nahe bringen wird, worum es in diesem Museum geht. Einige grundlegende Informationen zum Aufbau unserer gesehenen Bilder vermittelt der Leiter der camera obscura, Dr. Schmitz,  bevor die praktische Vorführung eines technischen Wunders beginnt.

Ich wusste bis dahin nicht, dass Säuglinge uns und alles in ihrer Umwelt zunächst auf dem Kopf stehend wahrnehmen. Sie lernen innerhalb von vier Wochen das Fokussieren und haben bis dahin eine Sichtgrenze, die bei 20 cm beginnt. Das Gehirn beginnt zu arbeiten und dreht Gegenstände und Menschen um, damit sie nicht mehr auf dem Kopf stehen. Ein komplizierter Vorgang, den Herr Schmitz hier beschreibt. Hieraus resultieren auch die Funktionsweisen der Foto- und Filmtechnik.

Die Kamera (eigentliche Bedeutung „Dunkle Kammer“) ist ein Hohlkörper mit einem Loch in das Licht fällt. Auf die rückwärtige Wand, wird bei günstiger Lichteinstrahlung und sehr kleiner Öffnung, ein Abbild der Außenwelt dargestellt.

Die camera obscura in Mülheim ist weltweit die größte, begehbare Lochkamera ihrer Art. Im Dach des ehemaligen Wasserturms ist ein Loch für den Lichteinfall, ein Spiegel, der die Umgebung in den richtigen Winkel bringt. Im Innenraum befindet sich eine große weiße Platte und auf diese werden die Abbilder projiziert. Unfassbar detailliert sind die Bilder dank sorgfältig angeordneter Zeiss Linsen. Genau genommen könnte man den Menschen in ihre Wohnzimmer schauen.

Übrigens die Akustik in dem Wasserturm ist ausgesprochen irritierend. Der Hall ist an manchen Stellen so extrem, dass es sich empfiehlt genau zu wissen, wo man günstig stehen kann damit die Ohren keiner Extrembeschallung ausgesetzt sind.

Raus aus dem Wasserturm und rein in den MüGa Park

Inzwischen zeugen zahlreiche vor dem Wasserturm abgestellte Fahrräder von der zunehmenden Besucheranzahl des MüGa Parks. Ein paar Fotos mache ich noch und ziehe weiter meine Runden über das weitläufige Gelände mit dem Ziel das Ruhrufer aufzusuchen.

Herrliche Elemente stehen hier herum, sicher noch aus der Zeit, als das Gelände Raum für das Ausbesserungswerk bot?
BLick zurück auf den Ringlokschuppen

Wie war das? „Wege entstehen beim gehen?“ So ist das heute.

Ich laufe einfach weiter und erreiche eine Art Wasserpark des MüGa. Herrlich sage ich euch.

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Nächste Etappe Stadthalle

Die steinernen Säulen der Stadthalle Mülheim geraten in mein Blickfeld. Ein Grund sich das Gebäude näher anzuschauen.

Stadthalle Mülheim an der Ruhr

So weit südlich wollte ich eigentlich nicht gehen, aber dann sehe ich die große Wasserfontaine in der Ruhr. Mit dem Plan auf der gegenüberliegenden Seite zurück zu laufen überquere ich die Schloßbrücke.

Wasserfontaine auf der Ruhr
Wasserfontaine auf der Ruhr, am Ufer der Stadthalle
Schloßbrücke
Lebensfreude (Im Volksmund „Die drei Grazien“
Säulengang Stadthalle Mülheim
Säulengang Stadthalle Mülheim

Wieder plane ich um, denn ich sehe ein Hinweisschild:

„Wasserbahnhof“

Wieder entdecke ich Neues, niedliche Cafe´s eine Schleuseninsel und Schleusenkanal. Gerade wird der Wasserspiegel gesenkt. Schiffe liegen am Ruhrufer. Hier kann man Hausboote mieten und offensichtlich sind die für diese Saison schon restlos ausgebucht. Auch hier sitzen, sehen und schlendern die Menschen, strahlen eine freundliche Ruhe aus. Ich bin wahrlich entzückt.

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Merkwürdige Maschine

Eine merkwürdige, von mir nicht identifizirete Vorrichtung angelt Grünzeug, Äste und Abfall aus der Ruhr und befördert den Unrat in einen Container. Faszinierend, was mir auf meinen Entdeckungstouren alles vor die Kamera kommt.

Wasserkraftwerk Kahlenberg
Wasserkraftwerk Kahlenberg – Rechenreinigungsmaschine
Container mit dem Grünzeug aus der Ruhr

Über die Kassenbergbrücke

Ein Blick über die Ruhr bis zur Stadthalle ist mir gestattet. Welch ein herrlicher Blick. Über die Kassenbergbrücke erreiche ich das andere Ufer und wandere zurück zur Schlossbrücke.

Rheinisch-Westfälische Wasserwerksgesellschaft

Rheinisch-Westfälische Wasserwerksgesellschaft – Hauptverwaltung

Das Gebäude der RWW erinnert ein wenig an Venedig. Ich kann mich nicht satt sehen, aber den Gebäuden hier, aber auch an den Wasservögeln, dort unten.

Ein Haubentaucher-Elternpaar versucht den Nachwuchs an Fische zu gewöhnen. Noch sind sie erfolglos, den Kleinen fällt der große Fisch immer wieder aus dem Schnabel.

Haubentaucher mit Nachwuchs

Wieder über die Schlossbrücke wandere ich nun auf der anderen Seite der Ruhr Richtung Süden.  Am neuen Hafen vorbei (gut eine Kaffeerast war drin) ziehe ich Richtung Bahnbrücke, die aber eine Möglichkeit der Querung Richtung MüGa nicht hergibt.

So muss ich noch ein Weilchen weniger attraktivere Strecke absolvieren, wenn auch hier immer wieder Spannendes zu entdecken gibt.

Brücke B 223 über die Ruhr

Die Brücke über die Ruhr ist laut, durch den Verkehr der B 223. Rechts neben mir Fabrikgebäude, dann wieder Wiesen. Ein Bussard stürzt sich herab, verfehlt sein Ziel und hebt sich wieder hinauf. Träge ist er, bei der Hitze kein Wunder.

Mäusebussard

Und dann erreiche ich endlich wieder Grünanlagen. Herrliche Sumpfgebiete breiten sich hier unten aus.

An die Tümpel komme ich nur selten nahe heran, aber wo es möglich ist, halte ich meine Kamera drauf. Ist doch klar 😉

Unter der Eisenbahnbrücke, die mich vorhin nicht direkt zur MüGa führen wollte, finde ich Schlafplätze von Obdachlosen. Die Brücke gefällt mir insgesamt sehr gut. Mein Weg führt nun um den Park herum, aus dem laute Kinderstimmen vernehmbar sind. Wasser platschen und ganz viel Fröhlichkeit klingt zu mir herüber. Welch eine Wonne.

Für heute ist meine kleine Tour am Ende, aber ich schätze das war nicht mein letzter Besuch. Zu viel blieb noch unentdeckt.

5 Kommentare

  1. Ich habe das Buch meinen Eltern aus Dortmund geschenkt und sie haben mir auch schon positiv berichtet, was sie nach 50 Jahren Leben im Ruhrgebiet noch Neues entdeckt haben. Eine tolle Empfehlung!

    1. Hach das freut mich und den Autor mit Sicherheit auch. Ich werde dran bleiben und immer wieder auf die Suche gehen. Die Anfahrt ist ja meist nicht so erheblich.
      Toll, dass Deine Eltern Spaß an dem Buch haben!!!!

    1. Ich hatte schon mitbekommen, dass Du auch dort unterwegs warst. Deine Heimat ist so schön, die mausern sich extrem zu Erholungsorten. 😉

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