Beim stöbern in meiner To-Do-Liste fällt mir auf , dass es da noch eine kleine Runde in Wuppertal-Beyenburg gibt, die ich unbedingt noch wandern möchte.  Tippgeber, wie so häufig, Wanderfreund Rainer. Anständiges Wanderwetter ist für den 12.10. vorausgesagt. Der Track ist schon auf meinem Garmin, der Kamera Akku voll geladen. Also kann es was werden, mit meinem Plan.

Am nächsten Morgen spielt mir mein verrückter Rücken wieder mal einen Streich. In gebückter Haltung schleiche ich durch die Wohnung, reibe mich mit wärmender Salbe ein und trinke ordentlich Ingwertee. Die Shiatsu Massage Matte tut gut und so gerate ich langsam wieder in den aufrechten Gang. Einen steilen Anstieg zu bewältigen, schließe ich aber dann doch aus und begebe mich auf meine morgendliche, ganz normale, flache Gassi-Runde mit Jana. Einkäufe erledigen, check, Wäsche waschen und aufhängen, check. 

Gegen Mittag habe ich die Nase voll den blauen Himmel aus der Wohnung heraus zu betrachten. Ich beschließe meine Bedenken in den Wind zu schießen und mich nach Wuppertal zu begeben. Vorab gesagt, das war eine tolle Idee und Ingwertee hilft tatsächlich.

Meine Runde in Beyenburg

  • Start: Parkplatz Beyenburger Stausee, kurz hinter der Wupperbrücke auf Porta Westfalica, 42399 Wuppertal Beyenburg
  • Streckenlänge: 6,8 km und 183 Höhenmeter
  • GPS Track, so wie ich gelaufen bin
  • Einkehr in Beyenburg Ortsmitte
  • Eine sehr schöne Wanderung (18 km) wanderten Tanja und ich in 2018. Blogbeitrag
  • Eine weitere Runde in der Region ist die Wupperwanderung im Jahr 2017. Blogbeitrag

Hinweis
Der GPS Track meiner heutigen Wanderung kann nur als Orientierung dienen, nicht unbedingt zum nachwandern. Leider ist die Brücke Beyenburg Schemm wegen Sanierungsarbeiten gesperrt. Wenn sie wieder offen ist, lohnt es sich dort die Wupper zu überqueren und durch Beyenburg Richtung Bilstein Brücke zu laufen. So kommt ihr nämlich in den Genuss die Fischtreppe zu sehen und die kleine Kapelle kurz vor dem „Schemm Steg“ Ich wähle heute  den Weg zurück, und wandere meinen Track einfach in entgegen gesetzte Richtung weiter. Vorab gesagt, es war sehr anstrengend für mich, aber diese optischen Eindrücke lassen das schnell vergessen.

Meine Beyenburg Runde
Der schon sehr bekannte Blick auf Beyenburg

Der etwas eintönige Weg an der Straße entlang endet ja bald und als ich die Treppe an der Wupperbrücke hinunter laufe, habe ich Blick auf die s.g. Fischbauchbrücke. 

Fischbauchbrücke Beyenburg - Meine Runde in Beyenburg
Diese Brücke wurde 1890 für die Fahrten der Wuppertalbahn gebaut und steht sein 23.11.1994 unter Denkmalschutz

Die Fischtreppe Beyenburg

Wir wenden uns nach rechts ab und schlendern Richtung Fischtreppe. Diese soll den wandernden Fischen die Möglichkeit bieten, den durch die Staumauer und Wehranlage unüberwindbaren Hindernissen zu ihren Laichplätzen zu gelangen. Heute sind die Landschaftspfleger mit Rasentrimmer am Werk, sodass ich mir nicht genügend Zeit für Fotos nehmen konnte. Das aufgewirbelte Grünzeug fliegt nämlich gerne auch mal Richtung Kamera. 

Kleine Wasserlauf an der Fischtreppe - Meine Runde in Beyenburg
Kleine Wasserlauf an der Fischtreppe
Fischtreppe - fotografiert 2012
Fischtreppe – fotografiert 2012

Maria Schnee Kapelle

Wenig weiter fällt mein Blick auf die kleine Kapelle „Maria Schnee“. Einst ein Stall, später ein Waschhaus und dann Kapelle, so wird ihr Werdegang beschrieben. Es ist kaum zu glauben, aber am 2. Februar 2008 (Maria Lichtmess) soll auf der zugeschneiten Wiese an der Klosterkirche ein Kreuzzeichen erschienen sein. Das war die Motivation den Ziegenstall in eine Kapelle umzubauen.

Kapelle am Schemm Steg -Meine Runde in Beyenburg
Kapelle am Schemm Steg

Tja und gleich hinter dem nächsten Haus befindet sich der Schemm Steg. Eingehüllt in Plastik, mit Hinweis Schildern “ Instandhaltungsmaßnahmen“. Bedeutet für mich, wieder zurück, fast bis zum Ausgangspunkt. Ich habe mir vorgenommen, trotz jetzt wieder schmerzendem Rücken, diese klitzekleine Runde zu vollenden. 

Durch Beyenburg zur Bilsteinbrücke

Es gibt jetzt nicht sooo viel zu erzählen, denn die Geschichte Beyenburgs lässt sich an vielen Stellen im Internet erlesen. Ein alter Ort mit wenigen tausend Einwohnern, der noch sehr viel Idylle ausstrahlt. Wer Wuppertal kennt (ich habe dort mal einige Monate gewohnt) weiß um die dichte Bebauung, Haus an Haus und die Schwebebahn, die dort streckenweise täglich mehrmals vorbei scheppert. Damals gab es keine ruhigen Stunden in Sonnborn, wo ich bei meinem Onkel lebte. Und schwupps kommen Erinnerungen hoch, an ein Haus mit dunklen Fluren und der Toilette eine Etage tiefer. OK, wir sind aber hier in Beyenburg, also zeige ich euch ein paar Fotos, bis ich am Landhaus Bilstein lande.

Landhaus Bilstein

DAS Ausflugsziel nach Wanderungen oder einfach so, als Ort für Familienfeiern… Das war einmal, bis im Juli 2021. Die Flut in diesem Sommer, die so viele Tote beklagen ließ, zerstörte auch dieses Gasthaus aus dem Jahr 1883. Die Schäden von geschätzt 1 Millionen Euro konnten die Inhaber, trotz des Versuchs reduziert weiter zu machen, nicht stemmen und gaben im März 2024 bekannt, dass das Restaurant von ihnen nicht mehr betrieben werden kann. Schade um den Standort, der nach meinem Wissen auch weiterhin ungenutzt bleibt. 

Landhaus Bilstein - Meine Runde in Beyenburg
Landhaus Bilstein

Bilsteinbrücke

Die Bilsteinbrücke werden wir überqueren, um dann den steilen Anstieg zum Bilsteiner Kopf in Angriff zu nehmen. Diese Brücke hat, anders als das Landhaus, die Flut mit geringen Schäden (Unterspülung des Fundaments) überstanden. Auf dem Foto ist sichtbar, vor der Brücke ist eine Art Krake, die einiges an Schwemmgut aufgefangen hat. Die Arbeiten waren im September 2021 abgeschlossen und die Brücke wurde wieder frei gegeben.

Bilsteinbrücke
Bilsteinbrücke über die Wupper, mit Metallkrake

Vor der Brücke informiert ein Schild über die Tatsache, dass die Wupper seit 1324 Grenzfluss zwischen Rheinland und Westfalen ist, damals „Grafschaft Mark und dem Herzogtum Berg“. Toll, was man beim wandern alles lernen kann.

Von nun an geht´s bergauf

Hier unten ist alles ganz einfach. Gingen wir rechts herum, würden wir eine ganze Weile an der Wupper entlang schlendern. Erstmal keine Steigung. Glücklicherweise wähle ich aber den Anstieg, der sich links auf der Seite so verführerisch anbietet. Aus leidvoller Erfahrung auf dem Räuberweg kürzlich, bin ich dankbar diese steile Passage bergauf zu wandern. 

Meine Runde in Beyenburg
Ich mag solche Bäume, sie sind so individuell wie wir Menschen
Meine Runde in Beyenburg
Naturpfade, aber auch Treppen führen hinauf zum Bilsteiner Kopf
Bilsteiner Kopf
Endlich Platz nehmen, denn die Bänke hier herauf sind alle demontiert
Hinauf zum Bilsteiner Kopf
Blick auf Beyenburg

Ab jetzt geht es noch immer leicht bergan, aber bei weitem nicht mehr so steil. 

Hinauf zum Bilsteiner Kopf
Nur mal zur Anschauung, meine Schnappatmung war berechtigt, finde ich

Ein wenig offen wandern

Ab jetzt gibt es auch landschaftliche Eindrücke, die dem Auge mehr Raum geben. Andererseits, dieser unfassbar schöne Waldweg nach oben war schon ein Knaller, wenn ich das mal so ausdrücken darf.

Zwischen Bilstein Kopf und Hölzerner Klinke
Weit schauen

Oben angekommen dürfen wir gemütlich schlendern. Auch wenn der Klippenweg Achtsamkeit erfordert, die Lunge darf in den Normalbetrieb gehen.

Hölzerne Klinke
Jana übt sich wieder als Rennsemmel. Hoch und runter rennt sie und hat ihre Freude

Einige kleine Waldeindrücke bekommt ihr noch aufs Auge.

Runter zum Klippenweg
Und eine Einladung zur Fangosuhle, ganz natural

Auf dem Klippenpfad zurück zur Bilstein Brücke

jetzt wird es wieder spannend und wir genießen es. Jana ist geschickt geworden, nicht mehr so leichtsinnig wie zu Beginn unserer Zweisamkeit. Scheinbar gefallen ihr solche Wege, ähnlich wie früher Spike seinen Spaß hatte.

Auf den Klippenpfad
Der Herbst mal schon bunte Bilder über die Wupper

Viel zu schnell ist der kleine Pfad zu Ende. Wir sind alsbald wieder an der Bilstein Brücke. Dort treffe ich auch eine junge Frau mit ihren Kindern und Hund. Eine Weile kommen wir ins Gespräch, sie ist häufig hier mit den Kindern. Die klettern geschickt in die Hänge, nicht einmal langsam, sondern richtig fix. Kindergartenalter und doch so sicher unterwegs. Das macht richtig Spaß zuzusehen, auch wenn bei manchen Aktionen mein Herz aussetzt. 

Über die Wupper mittels Bilstein Brücke
Über die Wupper mittels Bilstein Brücke

Der Endspurt durch Beyenburg

Ein letztes Grußwort und wir schlendern weiter, während Mama Hund und Kinder hütet. Nur eine kurze Strecke noch, dann erblicke ich das Fabrikgelände, nahe meines Parkplatzes.

WGF - Wuppertaler Garnfärberei
Füher WGF – Wuppertaler Garnfärberei

Tja und das war es dann auch, die Runde ist am Ende.

 

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