Mein letzter Artikel zum Thema Wolf wurde zigfach gelesen. Kontrovers wird diskutiert und von vielen Menschen mit einer deutlichen Haltung „Der Mensch ist Herrscher der Wälder“ unterstrichen. Der Mensch und die Natur, ein immerwährender „Kampf“ nicht nur gegen den Wolf.

Viele Gedanken streichen seitdem durch meinen Kopf. Sie lenken mich ab, von meinen eigentlichen Vorhaben diesen Blog betreffend. Die Liste der Unvollendeten ist lang, die Herbstwanderungen noch nicht alle beschrieben.

„Fotografische Reisen und Wanderungen“ im Titel deutet nichts auf meine Verbundenheit zur Natur. Auch die Sorge um Tierwohl und das Bemühen um Nachhaltigkeit im Umgang mit unserer Ressourcen, dürfen sie hier Thema sein?

Für mich beschließe ich: „Ja, das dürfen sie“ Ich kann nicht anders, als meine Gedanken hier zu teilen, es ist ein Bedürfnis, das ich nur schwer unterdrücken könnte. Deshalb findet ihr in der Kategorie „Natur erhalten“ und „Tierische Begegnungen“ immer wieder einmal Beiträge zu diesen Themen.

Mensch und Natur – Sind wir fair?

Was machen wir da eigentlich mit unserer Natur, die wir so selbstherrlich für uns beanspruchen? Wie gehen wir mit dem Raum um, in dem wir am liebsten von Wolf, Wildschwein und anderen „gefährlichen“ Wesen verschont bleiben?

Mutter und Kind – Fliegenpilz

Hegen und pflegen wir diesen für uns so lebenswichtigen Platz, während wir zum waldbaden, wandern, spazieren und Pilze sammeln dort hin gehen? Schauen wir sorgsam auf das, was zu unseren Füßen herum flitzt, um so wenig Tiere wie möglich zu zertreten?  Lassen wir Pilze stehen, die sich uns in den Weg stellen? Nehmen wir unsere Abfälle wieder mit heim, die sich aus unserer Rast ergeben?

Sind wir uns überhaupt noch bewusst, dass wir uns in einem sensiblen Lebensraum bewegen, der durch Störungen empfindlich aus dem Gleichgewicht geraten kann? Kennen wir die Vorgänge unter unseren Füßen, in den Büschen und Bäumen? Wissen wir, dass sich unter jedem Stein, unter jeder Baumwurzel etwas Lebendes befindet?

Ich nicht, zumindest nicht in all ihrer Komplexität. Mehr als Ahnung und Respekt vor dem Leben braucht es auch nicht, um mit dem Herzen zu fühlen, achtsam zu sein.

Mensch und Natur im häuslichen Umfeld

Ich möchte von den so tiefen-reinigenden Methoden Insekten zu vernichten gar nicht sprechen, auch nicht von den Folgen für die nachfolgende Futterkette (Insektenfresser).  Mir geht es um den Umgang des einzelnen Menschen mit der Natur, mit den Wesen die darin leben. Bereits in unserem häuslichen Umfeld beginnt für viele Menschen der Kampf gegen die Natur.

Die Fliege an der Wand

Der Käfer in der Wanne, eine Schnake an der Wand, die Spinne am Fenster, eine brummende Hummel in unserer Küche. Was tun wir damit? Welche Gefühle lösen diese Tiere in uns aus? Da gibt es so vielfältige Reaktionen, die meist ohne weiteres Nachdenken zu endgültigen Ergebnissen, wie den Tod, führen können.

  • Ich ekele mich
  • Ich bekomme Angst
  • Es nervt mich
  • Mir egal, stört mich nicht
  • Ich liebe alle Lebewesen

Spontane Reaktionen sind die Folge dieser Wahrnehmung. Nur selten nehmen wir uns die Zeit darüber nachzudenken, warum wir die Fliegenklatsche bemühen. Weshalb treten wir die Ameise tot, aus welchem Grund entsorgen wir eine Schnake in den Staubsauger, auch noch in der Hoffnung sie möge ja nicht entkommen. Unser Reinlichkeits- und Ordnungsbedürfnis nimmt Leben, ohne Sinn! Die Panik vor einer vollkommen wehrlosen Spinne, einer langbeinigen Schnake treibt uns zum töten.

Viel mehr Zeit und Überlegen kostet es oft, ein solches Tier überleben zu lassen.

Ich gehöre selber zu jenen, die in der Jugend vor allem was kreucht und fleucht eine gewisse Panik hatte. Zu meinem kindlichen Ausbildungsprogramm gehörte nicht das Anfassen von Regenwürmern, das Betrachten der seinerzeit noch zahlreich fliegenden Insekten, die Beobachtung irgendwelche Tiere überhaupt. Ich gebe zu, dass ich selbst unsere Hamster nicht interessiert wahrgenommen habe.

Vertrautheit und Interesse lässt Ängste schrumpfen

Erste intensive Erfahrung durfte ich im Zusammensein mit meinen Kindern machen. Berührungsängste kannten sie nämlich weit weniger. Eines Tages schleppt mein Sohn eine Ratte an, die er in inniger Vertrautheit auf der Schulter sitzend vorstellte. Sie sollte einige Tage bei uns gastieren, da der Besitzer in Urlaub sei.

Betrug war das, denn der dauerhafte Verbleib in unserem Haushalt war für meinen Sohnemann schon glasklar. DAS hat er mir aber klugerweise verschwiegen.

Entsetzt verwies ich Käfig samt Ratte in den Keller. Die darauf folgende Nacht verbrachte ich mit schrecklichen Albträumen von der über meine Füße rennenden Ratte. Fix und fertig, aber mit dem Thema durch, wache ich morgens auf, dachte ich.

Mensch und Natur – Unsere erste Ratte

Nur wenige Minuten nach dem ersten Kaffee wurde mir klar, die Ratte darf dort unten nicht einsam dahin vegetieren. Das ist gemein, das ist unmenschlich und auch sehr kalt. Also genehmigte ich meinem Sohn den Käfig in seinem Zimmer zu deponieren mit der Order das weiße Tier mit dem langen Schwanz ja nicht frei laufen zu lassen.

„HA HA….“ Jugendliche wären keine richtigen Jugendlichen, wenn sie auf ihre Mütter hören würden. Natürlich huschte das Vieh durch das Zimmer, knabberte Bleistifte an, trug Schokoriegel in den Käfig, baute ein Nest in die Matratze. Kinners, wie habe ich diese Zeit eigentlich überlebt?

Ich habe keine der Ratten, die in unserem Haushalt lebten je angefasst. Intensiv damit beschäftigt habe ich mich mit ihnen auch nicht. Es fiel mir mit der Zeit aber immer leichter zu akzeptieren, dass meine Söhne eine enge Bindung zu diesen Tieren aufbauten. Die beiden jüngeren Söhne trugen sie im Pulloverärmel oder auf der Schulter und es waren für sie wichtige Gefährten, die natürlich auch Beachtung auslösten.

OK, das war nun höchst privat

Bienen, Hummeln, Hornissen und Wespen

Meine Erfahrungen mit den fliegenden Stacheltieren habe ich ja bereits kürzlich hier im Blog erwähnt. Auch das ist eine lange Entwicklungsgeschichte, die nicht vom Himmel fiel, sondern durch Erfahrung geprägt ist. Heute nehme ich Hummeln auf den Finger, rette sie aus Wasser, fange Wespen und Hornissen mit einem Glas und verfrachte sie nach draußen. Respekt ja, Angst nein, trotz Allergie.

https://fotografischereisenundwanderungen.com/2018/08/14/statement-fuer-bienen-hummeln-wespen-und-hornissen/

Regenwürmer und Schnecken

Niemals hätte ich vor einigen Jahren irgend eine Schnecke, einen Käfer berührt oder einen Regenwurm. Seit meine Enkelin neugierig alles betrachtet, fasse ich mir ein Herz und lebe vor, was ich für wichtig erachte. Leben und leben lassen. Nicht drauf treten, sondern retten oder links liegen lassen.

Die Achtung vor dem Leben wachst in mir unaufhörlich, beschränkt sich nicht auf die größeren Lebewesen, sondern schließt auch die ganz kleinen mit ein und Pflanzen. Überflüssig? Übertrieben?

Ich finde es wichtig, dass wir uns wieder des Lebens bewusst werden. Wir sind umgeben von so vielen Schönheiten, die wir (mich eingeschlossen) nicht wahrnehmen. Für mich eine der positiven Beispiele in seiner Art der Wahrnehmung ist Wald-Pauli, dem ich bei Facebook begeistert folge. Gottlieb, so sein Klarname, beobachtet und fotografiert die kleinsten Lebewesen, Pilze, Flechten in der Natur. Ich liebe seine Art der Wahrnehmung und beneide ihn, um seine unendliche Geduld.

Mutwillige Zerstörung wahrnehmen und unterbinden

Im Großen und Kleinen empfinde ich den Umgang mit der Natur oft als ausgesprochen problematisch. Wir dringen in den Lebensraum Wald und Wiese ein, trampeln dort herum, werfen Abfälle fort, die jahre- oft jahrzehntelanglang für den Zersetzungsprozess benötigen. Schaut gerne diesen Beitrag: „Es liegt nicht nur Natur am Wegesrand“ FÜNF Jahre braucht ein Tempotaschentuch bis zur vollständigen Auflösung. Dabei hinterlässt es zusätzlich Schadstoffe im Erdreich.

Achtlos Tiere töten oder Pflanzen vernichten ist für mich inakzeptabel. Dazu gehört auch das gedankenlose zertreten von Pilzen, die wir als giftig, nutzlos und überflüssig erachten. Es gibt so vieles, das mir aufstößt.

Wir laufen über die Viehweiden und sind entsetzt, wenn die Tiere dort eventuell verstört oder aggressiv reagieren. Wir erwarten, dass Wanderwege stets frei geräumt und frei geschnitten sind, andernfalls schreien wir nach Haftung? Aus meiner Sicht ist da einiges aus dem Ruder geraten. Wir betreten den Lebensraum der Tiere und Pflanzen. Wir beschneiden rücksichtslos und ausbeuterisch deren Freiräume.

Die Welt zu verändern, das wird mir nicht gelingen. Mein eigenes Tun verändert sich ständig mit den gewonnenen Erkenntnissen. Dieser Blog hier kann dem ein oder anderen Gedankenanstoß sein, muss aber nicht.

Demnächst in diesem Theater

Für heute fällt mir nüscht mehr ein und der nächste Beitrag, das verspreche ich, widmet sich wieder einer Wanderbeschreibung. Bis dahin grüßen euch

Elke und der etwas zerstreute, vierbeinige Professor Spike

 

2 Kommentare

  1. OHA, daran habe ich gar nicht gedacht, dass diese Änderung ja auch die Buchautoren zu Änderungen veranlasst. Ich bin so gespannt auf Dein Buch. Das mit den Helfern ist natürlich doof, ich ändere da mal schnell den Text etwas ab.

    Lieben Dank auch Dir
    Austausch ist wichtig für uns.

    Herbstliche Grüße
    Elke

  2. Ich kann dem nichts mehr hinzufügen. Eine gute Zusammenfassung.

    Vielen Dank auch noch für den Bericht zu den neuen Eifelspuren. Ich hatte schon von der Neumarkierung bei Instagram gehört, aber wusste nicht, dass damit auch die Demarkierung und Veränderung bestehender Wege einhergeht.
    Heute habe ich mich als Markierungshelferin in Bad Münstereifel gemeldet, jedoch war meine Hilfe nicht (mehr) erwünscht, weil es keine weitere Einführung „nur für mich“ geben wird. Wenn ich in Bad Münstereifel wohnen würde, hätte ich vielleicht jemandem über die Schulter gucken und lernen können…..
    Was aber an deinem Beitrag viel ‚gewichtiger‘ für mich war, ist die Auskunft, dass bestimmte örtliche Wanderwege um Bad Münstereifel, die ich in meinen Buch „Wanderungen für die Seele. Rhein, Ahr, Erft“ nutze und im Text benenne, schon sehr bald nicht mehr existieren! Das habe ich heute auch am Telefon erfahren müssen. Oh, nein!! Da musste ich schon den Abstecher zur Hexenbuche bei Hilberath streichen, weil sie in diesem Winter wegen starkem Pilzbefall gefällt wird und jetzt auch noch das! Grr! – Ist aber noch früh genug, denn ich korrigiere gerade den ersten Umbruch. 🙂
    Also: Herzlichen Dank für deinen Beitrag, der gerade zur rechten Zeit kam!

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