Ein noch relativ warmer Herbsttag, das Laub zeigt sich noch in leuchtenden Farben. Wer weiß wie lange das noch andauert. Die bereits angekündigten Herbststürme werden wohl die bunte Pracht von den Bäumen fegen. Mein heutiges Ziel soll also waldreich sein und so wähle sich die Müngstener Brücke an der Wupper, die ich schon so lange nicht in Augenschein nahm.
Mein Plan war, ein wenig im Brückenpark herum schlendern, ein paar Meter in den Wald hinein gehen, Fotos mit heim nehmen. Eine moderate Strecke sollte es sein. Hier lässt es sich ganz vortrefflich wandern und in früheren Jahren habe ich das auch immer wieder mal getan. Inzwischen ist der nahe des Brückenparks gelegene Parkplatz nur noch für einige wenige Personengruppen nutzbar. Ein größerer und kostenlos nutzbarer Parkplatz steht in wenigen hundert Metern Entfernung zur Verfügung.
- Start: L74, 42349 Wuppertal
- Streckenlänge: 7,7 km
- GPS Track
Müngstener Brücke
Eine Brücke, die in der Zeit von 1894 – 1897 unter dem Namen „Kaiser-Wilhelm-Brücke“ erbaut wurde und erst seit 1918 „Müngstener Brücke“ heißt. Die höchste Eisenbahnbrücke Deutschlands verläuft zweigleisig zwischen Solingen und Remscheid. Während ich dort unterwegs war hörte ich einige Bahnen über die Gleise fahren.
Brückensteig
Der Brückensteig ist eine seit dem Jahr 2021 angebotene, geführte, etwa zweieinhalbstündige Gruppen-Tour über den mit Treppen und Geländern ausgestatteten Brückenbogen der Müngstener Brücke bis zum höchsten Punkt des Bogens in 100 Meter Höhe unterhalb der Gleisebene. Der Abstieg erfolgt auf der flussabwärts liegenden Bogenseite an dasselbe Ufer. Die bis zu 15 Teilnehmenden sind dabei durchgängig mit Klettergurten und speziellen nur von den Führerinnen und Führern zu lösenden Karabinern gesichert. Ein Klettern ist an keiner Stelle erforderlich. Strenge Sicherheitsvorschriften sollen Besuchende des darunter liegenden Brückenparkes vor herabfallenden Gegenständen schützen. Außerhalb der Öffnungszeiten werden die Anlagen von einer Alarmanlage gegen unberechtigten Zutritt gesichert. „Wikipedia“
Über die Wupper gehen – Napoleonsbrücke
So und damit geht es jetzt aber mal los auf die Strecke, die sich auf wundersame Weise ganz anders entwickeln wird, als ich es zunächst vorsah. Vom Parkplatz aus schlendern wir, gemeinsam mit einem Ehepaar in meinem Alter, Richtung Brückenpark. Als sich die Gelegenheit ergibt das Baudenkmal Napoleonsbrücke vom Ufer der Wupper aus zu fotografieren, kann ich natürlich nicht widerstehen. Diese alte Steinbrücke wurde 1846-1849 erbaut und wenn keine Flutkatastrophe sie zerstört, wie das im Ahrtal so grausam zu sehen war, dann halten sie verflixt lang, sofern sie regelmäßig gepflegt und gelegentlich saniert werden.

Und hier von der Brücke aus habe ich einen Blick auf die bunte Herbstwelt der Wupperhänge und auf den Dietrichstempel. Den kleinen Tempel werde ich nachher noch aus der Nähe betrachten und auch etwas zu ihm erzählen. Jetzt geht es erstmal weiter, am kleinen Parkplatz für Mitarbeiter und Menschen mit Mobilitätseinschränkungen vorbei.

Müngstener Brücke und sein Brückenpark
Irgendwie ist mir nicht nach vielen Menschen und so durchqueren wir den Brückenpark relativ zügig und am Ende realisiere ich, das rostrote Gebäude habe ich nicht einmal so richtig fotografiert. Aber auch von weitem ist zu sehen, wie sich das Gebäude farblich und gestalterisch in die Umgebung einfügt. Der Brückenpark wurde im Rahmen der Regionale 2006 ausgebaut. Seit dem gilt er als einer der stärksten frequentierten Highlights in der Region, wobei schon vorher die Müngstener Brücke Besucher in den Bann zog.

Ich gebe die Bilder, die für mich am eindrucksvollsten sind, mal in eine Galerie. Faszinierend diese Konstruktion, die ich auch heute im Laufe meiner kleinen Runde von beinahe allen Seiten mal ansehen konnte.
In einem der letzten verbliebenen Gebäuden der ehemaligen Ortschaft Müngsten befindet sich die Eventschmiede. In Workshops können Interessierte das traditionelle Schmiedehandwerk kennen lernen.

Immer wieder das dunkle Wasser zu betrachten berührt mich irgendwie. Dazu im farblichen Ton in Ton die herbstliche Blätterpracht. Gut, dass ich mich heute hab raus treiben lassen.
Ab in die Botanik
Nur noch ein kleines Stück durch den Brückenpark, vorbei an ein Denkmal, dass an den Besuch des Kaiser Wilhelm II am 12. August 1899.

Schwebefähre Müngstener Brücke
Diese Fähre muss per Muskelkraft betrieben werden. Sie verbindet zwei Städte miteinander. Die eine Uferseite gehört zur Stadt Remscheid, die andere zu Solingen. Sofern sie in Betrieb ist, momentan ist sie das nämlich nicht, kann man als Fußgängern auch mit Kinderwagen, Rollstühlen, Hunden und Fahrrädern, übersetzen. Rund 10 Personen können gemeinsam mit dem Fährmann übersetzen.
Eine schwere Entscheidung
Wie viele von euch wissen, quält mich ziemlich oft Kopfkino. Dieses unerwünschte grübeln und zweifeln lässt mich oft verharren und Vorhaben nicht umsetzen. Heute laufe ich den Beginn dieser Tour mit dem festen Vorsatz an einem bestimmten, noch nicht festgelegten Punkt, umzukehren. Was mich daran hindert lässt sich mühelos erkennen, wenn ihr die folgenden Bilder seht.
Die herbstliche Atmosphäre hat mich so beseelt, dass ich mich schrittweise immer mehr einem Punkt näherte, an dem es egal war, ob ich weiter laufe oder zurück gehe, weil die Streckenlänge identisch gewesen wäre. Auf diese Weise kommen erstmals seit weit mehr als einem Jahr 8 km gelaufene Strecke zusammen, auch weil ich an der Fähre, nicht wie geplant unten weiter laufen konnte, sondern zum Abzweig zurück musste. Welch ein Wahnsinns Gefühl.
Wupper, Felsen, Herbstblätter und die Müngstener Brücke
Aus den Hängen am Fluss fließt an Regentagen immer einiges ab, damit die Wupper auch stets genug Wasser führt. Kürzlich sah ich ein Foto, da plätscherte es geradezu herunter, heute herrscht eher Trockenheit. Im folgenden gibt es reichlich Fotos und ich verrate euch sicher kein Geheimnis, dass ich hier nur eine Auswahl einstelle und es auf meiner Festplatte noch viel viel mehr davon gibt.



Und es ragen so viele alte Bäume hier auf, deren Wurzeln bizarre Formen annehmen. Und die Felsen machen es den Bäumen nach, habe ich das Gefühl.

Über die Wupper und zur Schwebefähre
Über die Brücke hinweg queren wir erneut die Wupper. Rechts herum kämen wir zur Seilbahn, die uns hoch zur Burg bringen würde. Wir aber wenden uns nach links, um am Ende wieder am Parkplatz zu landen. Der Hinweg verlief auf der Solinger Seite, der Rückweg durch Remscheider Wald. Vorher besuche wir aber noch die Schwebefähre und den Dietrichstempel.
Auf meiner Karte ist ein Weg eingezeichnet, der hinter der Fähre dicht am Wasser entlang bis fast zum Parkplatz führt. Bei meiner Ankunft an der Schwebefähre finde ich diesen Weg nicht und wir kehren wieder um. Bei der herbstlichen Stimmung tatsächlich eher schön, als ärgerlich.


Müngstener Brücke und der Dietrichstempel
Hier auf der Remscheider Seite kommen wir der Müngstener Brücke recht nah und können die Konstruktion bewundern.
Schon bald erreichen wir den Dietrichstempel, ein reizvoll platziertes Kleinod mitten in der Botanik. Leider steht da eine Familie mit etlichen Kindern. Ich bitte sie, sich kurz von der Kamera weg zu drehen, damit ich Fotos machen kann.
August Diederichs hat zwei Pavillons Ende des 19ten Jahrhunderts an der Wupper bauen lassen. Er wählte selber den Platz und verfügte, dass die beiden Tempel rund um die Uhr zugänglich sein müssen. Mehr auf Wikipedia.

Wir bleiben nicht lange hier, aber ein paar Fotos müssen noch sein. Die Müngstener Brücke und die waldreiche Umgebung müssen gebührend bewundert werden. Hier werden wir hoffentlich noch mal her kommen können und außerdem möchte ich den zweiten Pavillon auch mal besichtigen.


Der Rest vom Weg ist anspruchsvoll
Ich gebe zu, das war schon herausfordernd. Die Wege schmal, teilweise steil und irgendwie fehlt mir der früher gut vorhandene Mut und das Zutrauen. Letztendlich sind wir aber heim angekommen.




Die Wege sind ein Traum. Bei Regenwetter wäre ich sie aber nicht gegangen. Geschafft ist geschafft. Die darauf folgenden Tage war aber tatsächlich ziemlich viel Ruhe angesagt. In der Hoffnung auf weitere Tage, die uns solche Erlebnisse bescheren grüßen wir unsere Leserschaft.
Elke und Jana
Hallo Elke,
wunderschöne Bilder und ein wunderbarer Reisebericht.
Franziska
Herrliche, stimmungsvolle Bilder ! Der Herbst kann wundervoll sein, wenn’s nicht gerade stürmt oder monsunartig regnet. Schade, daß Wuppertal so weit weg ist für mich …
Ja, in diesem Jahr war die herbstliche Stimmung gefühlt, zumindestens was die positive Seite betrifft, relativ kurz. Für diese Runde bin ich besonders dankbar, ich war so lange nicht dort. 😍
Einfach nur herrlich, liebe Elke!
Liebe Grüße aus Köln
Sabine
😍😍😍😍😍