Wo Wohnmobile im Vorgarten stehen und mehr Fahrräder als Autos auf den Straßen unterwegs sind, da ist das Einzugsgebiet der Niederlande nicht weit. Einer meiner wenigen diesjährigen Ausflüge in weiter entfernte Regionen führte mich nach Wegberg/ Kreis Heinsberg. Die Tüschenbroicher Runde, mit einigen niedlichen Waypoints, lockt mich mal wieder in das attraktive Grenzgebiet Deutschland/Niederlande.

Weit wandern gelingt mir noch nicht, weit Auto fahren auch nicht. Wie fantasievoll waren meine Gedanken zur Widerherstellung meiner Wandertauglichkeit, vor und unmittelbar nach der Hüft TEP. Danach würde ich jetzt schon mindestens 8 km wandern und mal eine Stunde mit dem Auto ist doch ein Witz. Geduuuuuuuld, sagt mein in den vielen Jahren fehl belasteter Body, Geduuuuuuld. Vielleicht hat es aber auch etwas mit meinem Alter (die 70 ist ja bald voll) zu tun, zumindest die eingeschränkte Tauglichkeit beim Auto fahren? Was geht wird aber gemacht, also…..

Tüschenbroicher Runde

Ziemlich zeitig am Sonntag Morgen trudeln wir in Wegberg ein. Die Sonne gibt noch einmal alles und ich bin froh mich aufgerafft zu haben. Der Parkplatz an der Tüschenbroicher Mühle ist noch leer. Zahlreiche Schilder weisen darauf hin, dass hier Parkgebühren fällig sind. Das Tagesticket kostet 3 Euronen. Blöd für Menschen, die das Geld nicht passend haben. Scheine nimmt er nicht, Wechselgeld gibt er nicht, Karte will er nicht. OK, er frisst also vier Euro und spuckt als Dank das Ticket, sowie einen Verzehrgutschein von 1,50 € aus. Thema durch. Ich möchte jetzt die Gegend erkunden.

  • Anfahrt: Gerderhahner Str. 1, 41844 Wegberg
  • Streckenlänge: 3 km, wir gönnen uns noch den Stichweg hinter der Mühle und kommen auf 4,7 km, Höhenmeter kennen die Niederlande hier nicht. Webseite Wasser.Wander.Welt
  • Wer noch schlechter zu Fuß unterwegs ist, der kann den kleinen Ölmühlenpfad spazieren. Wer es länger mag, der baut sich eine leicht zu planende Erweiterung.
  • Eine schöne Runde (15 km) ist der „Birgeler Urwald“ oder mit (10 km) das Wilde Schaagbachtal
Tueschenbroicher-Runde
Schloss Tüschenbroich

Wie harmonisch hier alles ineinander spielt. Die landschaftliche Gestaltung rund um Schloss und Mühle ist wie eine Einheit. Natürliche Materialien überwiegen. Holz- und Korbstühle, ein wirklich erbaulicher Anblick. Passend zu dem Ensemble scheint die Sonne vom nahezu wolkenfreien Himmel.

Tueschenbroicher-Runde
Alles fügt sich passend zusammen

Ein gemütlicher Spaziergang

Tueschenbroicher-Runde

Große Informationstafeln geben Auskunft über die hier angrenzenden oder startenden Wanderwege. Wie alles hier, sind sie sauber und gepflegt. Einige schriftliche Hinweise den Müll doch bitte mit heim zu nehmen, weisen darauf hin, dass es ein Kraftakt sein muss, hier so eine angenehme, saubere Atmosphäre zu schaffen. Ein Herr Krapoll, aus der Stabsstelle Klimaschutz der Stadt Wegberg, arbeitet offenbar sehr aktiv daran.

Es ist still hier, bis auf das klingen einiger Windspiele (natürlich auch aus Holz) und dem noch munteren Gezwitscher der Singvögeln. Rechts von mir laden große Teiche zum angeln ein und es haben sich auch bereits viele dieser ruhigen Menschen hier eingefunden. Drei Seen, die mit frischem Quellwasser natürlich gespeist werden, beherbergen Forelle, Wels, Hecht, Zander, Karpfen, Aal und Stör. Ganzjährig kann hier gefischt werden. Wer selber keine Angel hat, der kann sich hier frische und geräucherte Fische kaufen.

Angelteiche Tüschenbroich
Angelteiche
Tueschenbroicher-Runde
Noch einmal das Schloss

Wenig weiter erreichen wir die Tüschenbroicher Ölmühle. Das Mühlengebäude stammt wohl aus dem 18. JH. Früher gab es einen so genannten Mühlenzwang. Die Einwohner mussten also hier mahlen lassen. Ein paar Informationen zum mit Reed gedeckten Fachwerkgebäude findet ihr hier.

Tüschenbroicher Ölmühle
Tüschenbroicher Ölmühle

Ab in den Wald

Kurz hinter der Mühle führt ein Weg links ab, dem ich folge. Er gehört nicht zur ausgeschilderten Route der Tüschenbroicher Runde. Da der kleine Spazierweg lediglich 3 km kurz ist, möchte ich eine Verlängerung einbauen, sodass ich auf ca. 5 km komme. Training ist alles. Kaum abgebogen bietet sich auch schon die Rückseite des Schlosses an, um auf meinem Kamera Chip zu landen. Also hat sich dieser Abstecher schon gelohnt.

Tüschenbroicher Runde
Da ist es wieder, das Schloss Tüschenbroich
Wurzel in Form eines Elefanten
Ich sehe links das Gesicht und den Rüssel eines Elefanten. Und ihr so?

Wenig werden wir über einen Steg geführt. Unheimlich schimmert das Grün des morastigen Wassers. Aber schööööööön. Während wir so dahin spazieren, hören wir ständig prasseln und knacken. Der Herbst tritt schon dicht an die Tür der fortschreitenden Jahreszeit und wie immer werfen die Bäume ihre Früchte herunter. Teppiche von Eicheln breiten sich zu unseren Füßen aus.

Und dann schlendern wir unter dem blauen Himmel, eine Weile ohne den Blätterschutz von Bäumen. Die Felder sind schon für die nächste Saat vorbereitet, wer weiß vielleicht ist sogar schon Saat ausgebracht. Sieht auf jeden Fall irgendwie schön aus, auch wenn wogende Getreidefelder noch attraktiver sind.

Wasserturm Uevekoven
Wasserturm Uevekoven, markant erhebt sich der Turm aus der Landschaft
Tüschenbroicher Runde
Ich mag solche Bäume

Hinter diesem Baum werden wir wieder nach rechts geführt. Wieder erwartet uns ein wenig Wald.

Wald und Brücke
Welch ein schöner Anblick- Jana schlürft hier eine Portion des klaren Wassers. Das tut sie selten, muss gut sein

Geschichten der Ulrichskapelle

Unweit des Schlosses, also kurz bevor unser kleiner Spaziergang, die Tüschenbroicher Runde endet, erblicken wir die Ulrichskapelle. Rund 350 Jahre steht sie hier, als Ersatzbau der ursprünglichen Kapelle aus dem 17. oder 18. JH und befindet sich heute im Privatbesitz. Familiäre Feierlichkeiten können hier abgehalten werden. Wie so oft, ranken sich auch um dieses Kleinod wilde Geschichten. Wer weiß, vielleicht hat sie tatsächlich jemand gebaut, der Buße tun wollte. Die erste Ulrichskapelle stand nämlich auf der heutigen Motte, einer runden Insel im Schlossweiher. Wikipedia hat da einiges an Wissenswertem zusammengetragen.

Ulrichskapelle
Ulrichskapelle

Noch ein kleines Stück fehlt von der Tüschenbroicher Runde

Da sind wir wieder, aber noch nicht am Ende. Zunächst gönnen wir uns aber einen Kaffee und für Jana gibt es noch ein Schlückchen Wasser.

Schloss Tüschenbroich
Da ist es wieder, viele Male habe ich es abgelichtet

An der Teichwirtschaft lassen wir uns auf die gemütlichen Korbstühle plumpsen und genießen die himmlische Stille.

Teichwirtschaft Tüschenbroich
Teichwirtschaft

Nach ausgiebiger Pause nehmen wir das kleine Stück Restwegstrecke unter die Füße. Eine Treppe hinter der inzwischen geschlossenen Gastronomie der Mühle führt hinauf auf einen Wiesenweg. Von hier aus kann ich auch diese ehemalige Bannmühle fotografieren. Ein wunderschönes Gebäude, das irgendwie ins sich schief wirkt. Sieht lustig aus. Auch hierzu hat Wikipedia viele Informationen.

Kornmühle Tüschenbroich
Tüschenbroicher Kornmühle

Es ist ein unspektakulärer Rest, dieser kleine Abschnitt. Das Schönste daran war dann das Treffen mit einem Herrn, der ein riesiges Objektiv auf seiner Kamera spazieren führte. Schwer sah das Teil aus, aber sehr anregend war das Gespräch mit ihm und seiner Gattin. Manchmal ist es nicht der Weg, sondern das was auf ihm geschieht, das uns in freundlicher Erinnerung bleibt.

Gemütlich den Vormittag ausklingen lassen

Eine Möglichkeit noch eine Kleinigkeit zu essen bietet sich am Minigolfplatz. Manche nutzen die Möglichkeit einer Kanufahrt auf dem See. Wir bleiben hier für einen kleinen Snack und wieder einer Tasse Kaffee. Der Verzehrgutschein musste ja auch noch untergebracht werden, mit Erfolg.

Tüschenbroicher Mühle
Ab zur nächsten Pause am Minigolfplatz
Boot fahren am Schloss Tüschenbroich
Boot Fahren ist möglich

Und jetzt noch ein paar Fotos zum Abschluss. Die Insel in der Mitte des Schloss Sees ist die Motte. Hier stand ehemals die Hauptburg Tüschenbroich und auch die Ulrichskapelle. Ein paar Mauerreste gibt es da noch, leider kann man nicht rüber. Die Burg wurde im Dreißigjährigen Krieg zerstört.

Tja, das war es dann auch für heute. Es war ein wunderbarer Ausflug, mit herrlichen Fotomotiven, wie ich finde. Irgendwann werde ich sicher wieder hier aufkreuzen. Da sind noch Wege, die ich nicht kenne.

Bis dahin grüßen euch

Elke und Jana

2 Kommentare

  1. Wieder sooooo schöne Fotos, dass man da sofort hin möchte. Hab hier schon viele wunderbare Anregungen gefunden, die ich auch mal nachgewandert bin. Danke fürˋs Mitnehmen und dass es hier wieder Neues zu schauen gibt.

    1. Hach vielen Dank 😍
      Ich freue mich auch, dass wir endlich wieder das draußen sein so genussvoll möglich ist und damit hin und wieder Blogbeiträge entstehen können.
      Liebe Grüße Elke

Ich freue mich über ein paar nette Worte....

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