Sonnenbaden ist allgemein hin bekannt. Waldbaden ist ein Begriff, der sich gerade durch die Wanderszene bewegt. Waldbaden gilt als eine Methode auf nahezu spiritueller Art und Weise dem heilenden Grün der Bäume intensiv zu begegnen. Wem das zu fremd klingt, der genieße einfach eine Wanderung durch ein großes Waldgebiet. Ich fahre heute, an einem Dienstag, zum Waldbaden im Birgeler Urwald.

Waldbaden im Birgeler Urwald – Das muss ich wissen

  • Start/ Ziel: Naturparkweg 1, 41844 Wegberg (Nahe Haus Wildenrath)
  • Streckenlänge: 15 km
  • Höhenmeter: 176 m
  • GPS Track Birgeler Urwald
  • Besonderheiten: Biologische Station Haus Wildenrath
  • In den Naturschutzgebieten sind Hunde an der Leine zu führen
  • Einkehrmöglichkeiten: Gibt es direkt auf der Strecke nicht.
  • Weitere Wanderwege in der Region: Beiträge hier im Blog

Ein erstes Schild erinnert Wanderer daran, dass Sturmschäden für eine gewisse Unsicherheit in den Wäldern sorgen. Jeder, der sich in diese Wälder begibt, sollte Obacht geben und quer hängenden Bäumen ausweichen.

Biologische Station Haus Wildenrath

Idyllisch schmiegt sich die Biologische Station Haus Wildenrath in die Landschaft. Liebevoll wurde der alte Bauernhof saniert und hergerichtet. Überall werden für fliegende Gäste Wohnungen angeboten. Insekten und Vogelschar so nahe beieinander. Die Kleinen dienen als Futterquelle für die Großen.

Aus vielen Nistlöchern erklingen die Bettelrufe der Vogelküken. Es fällt schwer weiter zu gehen, zu schön ist diese Akustik und der Anblick der gepflegten Anlage.

Haus Wildenrath

Naturerlebnisgelände

Riesige Insektenhotels, noch mehr Bruthöhlen für die unterschiedlichsten Vogelarten können hier bewundert werden. Eine kleine Teichanlage ist ebenso gepflegt wie der gesamte Rest hier.

Schulen und Kindergärten aber auch der Spaziergängre und Wanderer haben an bestimmten Veranstaltungstagen die Möglichkeit sich hier umzuschauen. Einmal im Monat findet ein Hofcafe statt, es trifft sich eine Kräutergruppe zur Kräuterbestimmung und vieles mehr.

Ideen für Insektenunterkünfte gibt es hier reichlich

Das Waldbaden kann beginnen

Ich liebe die Sonne auf meiner Haut, doch heute lasse ich mich auf diese Waldwanderung ein und gleich bei Eintritt in den lichten Wald begegnet mir diese natürliche Brückenkonstruktion. Ein Ast als Geländer, prima!

Ein besonderes Geländer
Waldbaden im Birgeler Urwald
Ein paar Meter weiter wieder ein Stopp für diesen wunderschönen Baumstamm. Fühlen, streicheln, tief den Duft einatmen.

Ein Stück abseits des Weges liegt eine riesige Buche, deren Füße wie blitzblank gewaschen aussehen. Magisch ziehen mich solche Baumriesen an.

Das Holz ist von der Sonne gewärmt und fühlt sich weich an. Wie dicke Zehen spreizen sich die Wurzeln am Ende des Stammes ab.

Auch ein Baum legt manchmal die Füße hoch

Wenn ich so weiter trödele, werde ich für die flach verlaufenden 15 km wohl einen ganzen Tag benötigen. Egal, der Tag will genossen werden und Waldbaden im Birgeler Urwald hat in sich ja schon etwas genussvolles.

Waldbaden im Birgeler Urwald
Ich folge dem zuverlässig montierten Wegezeichen des WasserWanderWelten
Die Welt steht Kopf – Blödeln muss sein

Der Duft der Rapsfelder

Schon aus der Entfernung atme ich den Geruch der Rapsfelder ein, den ich so sehr mag. Leuchtend gelb schimmern die Felder in der Morgensonne, dekorativ umrahmt vom Grün der Büsche und Bäume. Es summt und brummt rege, offensichtlich werden die gelben Blüten intensiv von Bienchen und Co besucht.

Rapsfelder

Und schon wieder wechselt das Landschaftsbild. Ein kleines Waldgebiet lädt zum betreten ein, das weiße „W“ bedeutet mir: „Hier bin ich richtig“ Eine Birke mit einem dicken Krebsgeschwür  erregt meine Aufmerksamkeit und lässt mich meine Kamera zücken.

Birke mit Krebsgeschwür

Ortsrand naturnah

Wenn ich auf die Karte sehe, fallen mir die Orte auf, deren Ränder ich streife. Doch es bleibt naturnah, freundlich und ländlich.  Und ehe ich mich versehe, befinde ich mich auch schon wieder in einem Waldstück.

Waldbaden im Birgeler Urwald
Eine der wenigen Bänke auf dieser Wanderroute

Der Kreuzweg und die Wallfahrtskapelle „Birgelener Pützchen“

Ein Kreuzweg leitet mich zur Wallfahrtskapelle, die ich mir natürlich etwas näher ansehe. Ein Friedhof ist der Kapelle angegliedert. Dieser Ort strahlt eine unglaubliche Ruhe aus.

Auf dem Kreuzweg zur Wallfahrtskapelle

Birgeler Pützchen

Die Kapelle und der Friedhof sind richtig schön! Die Wallfahrtskapelle ist verschlossen, sodass ich sie von innen nicht besichtigen kann.

Buchenwälder sind herrlich

Die waldreiche Atmosphäre bleibt mir erhalten, Buchen- und Mischwälder wechseln sich ab. Wobei Buchen hin in der Region tatsächlich überwiegen. Es ist herrlich unter den schützenden Baumkronen durch so einen lichten Buchenwald zu schlendern.

Der Wegeverlauf berührt den Ortsrand von Birgelen, ohne lange durch Straßen zu führen. Jetzt folgen eigentlich Reste des Westwalls. Eine Weile knickt meine Aufmerksamkeit aber etwas ein. Gedanken schwirren durch meinen Kopf, sodass ich eher mechanisch die Kamera bediene.

Auffallend ist der Ginster, der inzwischen in voller Blüte steht.

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Plötzlich vernehme ich ein Gewusel auf einem der Bäume. Eine Horde Eichhörnchen rasen den Baumstamm hinauf, offensichtlich ein Familienverband mit dem Nachwuchs. Eines der Kleinsten hängt auf mittlerer Höhe fest und fiepst jämmerlich und von oben ertönen die Laute der Alten.

Eichhörnchen im Geäst

Ich gebe zu, mir entfleucht ein glucksendes Lachen, als die gesamte Rotte wieder den Baum herunter geeilt kommt, um den Nachzügler einzusammeln. In der Hektik rappelt es Tannenzapfen, die die nervösen Nager mit herunter reißen.

Dann geht es in ebenso fixem Tempo wieder hinauf in die Wipfel. Das alles mit dem keckernden Lauten der Familie Rotschwanz begleitet. Die sind so schnell, dass ich im Geäst keine Chance auf ein gescheites Foto habe. Schade, aber das Erlebnis ist in meiner Erinnerung festgetackert.

Wieder einmal ein leuchtendes Rapsfeld. Hier ist die Blüte schon beinahe vorbei.

Eine Durststrecke für die Wanderaugen, die aber auch gerne einmal ausruhen.

Spargelfelder in Serie

Links Raps, recht Spargelfelder. Die gibt es hier reichlich.

Spargelfelder
Schon abgeerntet?
Ein kleiner Pfad oberhalb der Felder
Zu meinen Füßen eine herrliche Blütenpracht

Kiefern ragen links und rechts des nun folgenden Wegabschnittes auf. Der Duft ist unbeschreiblich. Die harzigen Nadeln verströmen ihre würzigen Duftstoffe und berauschen geradezu. Dazu das Konzert der Singvögel, vor allem der Meisen, ich bin hin und weg.

An dieser Stelle wird klar, wieso es eine gewisse Gefahr darstellt durch den Wald zu wandern.

Weniger Abwechslung und doch schön

Von nun an dominieren gerade Waldwege, weniger mystisch, aber doch schön. Ich glaube bei solch einem Wetter muss ich schon sehr schlecht gelaunt sein, wenn ein Waldweg mit diesem Charakter meine Stimmung kippt. Immer wieder lasse ich bewusst das Grün der Riesen des Waldes auf mich wirken.

Eine sehr lange und beeindruckende Buchenallee zieht schnurgerade ihre Bahn. Es gibt immer etwas zu sehen und sei es nur ein Moos bedeckter Baumstumpf, aus dem der Farn seine federigen Arme streckt. An den feuchten Stellen scheinen sich die Zecken wohl zu fühlen. Ich hoffe sie vermeiden es weiterhin mich übermäßig zu traktieren. Wissenswertes über Zecken!

Links neben mir erhebt sich ein Mäusebussard, verschwindet schnell aus meinem Gesichtsfeld und das lautlos. Irgendwie immer wieder erstaunlich, dass die breiten Schwingen der Greifvögel die Äste nicht berühren, dass sie so still einfach die Wälder durchstreifen können, ohne dass Menschenohren sie vernehmen.

Buchenallee
Buchenallee

Richtung Wildenrath

Auf Stegen durchwandere ich nun das Moorgebiet am Schaagbach. Erinnerungen an das Venn steigen hoch. Zarte Gräser wachsen aus dem dunklen Boden und am Ende dieses Pfades lande ich an einer Sinnesbank. Einen Moment Rast sei mir erlaubt, ein wenig die Sonne im Gesicht spüren und den Vögeln lauschen. Den herrlichen Duft einatmen und beinahe einschlafen.

Ein älteres Haus erregt meine Aufmerksamkeit. Eine Traube Bienen schwirren um ein großes Bohrloch in der Fassade. Offensichtlich haben die findigen Tierchen hier ihr Quartier eingerichtet. Welch ein herrlicher Anblick.

Bienenstock in der Hausfassade

Wasser-reich  präsentiert sich der Rest des Weges. Das frische Laub spiegelt sich in den Wasserflächen, die Wassertiere lärmen ebenso wie die Flieger in der Luft. Vom Grundstück der Biologischen Station ertönt Hahnengeschrei. Stellt er Machtansprüche der laute Hahn? Ist Konkurrenz in Sicht oder hat er sich mit der Tageszeit vertan und ist gerade erst wach geworden?

Diese Idylle, und ich bin leider leider mit meiner Wanderung am Ende angekommen.

Haus Wildenrath
Der Teich hinter dem Haus Wildenrath
Der Teich hinter dem Haus Wildenrath
Haus Wildenrath
Haus Wildenrath

Ich spaziere wieder an der Biologischen Station vorbei, an der sich inzwischen Besucher eingefunden haben. Wieder einmal hatte ich einen fantastischen Wandertag, heute unter dem klaren Gedanken des Wald genießens. Gerne werde ich, vielleicht einmal im Herbst, wieder herkommen und die Runde erneut erkunden, das Waldbaden im Birgeler Urwald wiederholen.

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