Vor kurzem entdecke ich bei Facebook Fotos zu einer kleinen Wanderung zwischen Schloss Engers und tiefgrünen Baggerseen weiter den Rhein runter durch das sogenannte Engerser Feld. Neuwied muss ich hierfür ansteuern und kann kaum glauben, dass in dieser Ecke tatsächlich soviel Schönheit zu finden sein soll.

Schloss Engers und tiefgrünen Baggerseen

  • Start/ Ziel: Neuwied, Martinskirchstrasse/ Jakobstrasse
  • Streckenlänge: 10 km
  • GPS Track

Ich starte an der St. Martin Kirche, die leider aufgrund der zahlreichen Autos auf dem, Parkplatz davor kein nettes Fotomotiv abgibt. Mein Wunsch ist es, auf kurzem Weg an den Rhein zu gelangen.

Hochwassermarken Neuwied
Einmal um´s Eck und schon liegt er in seiner ganzen Breite vor mir
Schloss Engers und die Rheinpromenade Neuwied
Schloss Engers und die Rheinpromenade Neuwied

Schloss Engers

Namhafte Künstler Deutschlands haben zwischen 1758 bis 1762 dieses Rokoko Juwel geschaffen, das Trierer Kurfürsten Johann Philipp von Walderdorff in Auftrag gegeben hatte. Zeitweise in Kriegsjahren und danach wurde es als Klinik genutzt, heute ist es im Besitz der Stiftung Villa Musica

Schloss Engers

Schloss Engers Rheinfassade

Noch ein paar Eindrücke dieser eindrucksvollen Gebäude fällig? Richtig schön ist es hier, trotz der noch in den Frühjahrskinderschuhen steckenden Platanen.

Urmitzer Eisenbahnbrücke

Ehrlich gesagt war einer der schwerwiegenden Gründe hier herum zu streunen die fotografische Darstellung dieser Brücke. Im ersten Weltkrieg wurde sie unter dem Namen „Kronprinz-Wilhelm-Brücke“ gebaut und im zweiten Weltkrieg gesprengt. Seit 1954 überspannt den Rhein die heutige Brücke. Um den anrückenden amerikanischen Truppen die Rheinquerung zu vermasseln, haben deutsche Pioniere (lt. Wikipedia) die Brücke in den Morgenstunden des 09. März 1945 gesprengt. Ob und wie viele Todesopfer es dabei gab, darüber streiten sich die „Gelehrten“

Urmitzer Brücke
Urmitzer Brücke

Frühling ach Du wunderschöne Jahreszeit

Der Frühling hat so fix den Bäumen und Büschen Blätter verpasst, dass wir im Grün geradezu eingemuckelt sind. Eine unglaubliche Freude liegt in der Luft, zu hören am vielstimmigen Vogelgezwitscher, dem Brummen und Summen zahlreicher Insekten und dem taumelnden Flug der Schmetterlinge.

Rad-Fußweg

Eine Weile darf ich noch den Rhein neben mir betrachten, den großen Schiffen zusehen und durch die Büsche einen Blick auf das Umritzer Werth. Das Hochwasser hat auch hier eine Menge Holz und Müll angeschwemmt. Es wird dauern, bis all das beseitigt ist.

Bald biege ich ab auf die Felder und erblicke erstmals das stillgelegt Kernkraftwerk Mülheim-Kärlich.

Kerkraftwerk Mülheim-Kärlich am Horizont

Wasserschutzgebiet Engerser Feld

Silbersee

Bald erblicke ich ein ersten Hinweis auf den angesagtesten Baggersee hier in der Ecke, den Silbersee. Leider darf man den Bereich, so warnen Schilder, nicht einfach so betreten. Gegen Entgelt ist es möglich beim Eigner eine Fotogenehmigung und Tageskarte für den Zutritt zu erwerben. Das Grundstück zudem zum Verkauf.

Über dem stillen See scheint sich der Schwarzmilan heimisch zu fühlen. Da oben kreisen ganze Völkerscharen dieser majestätischen Greifvögel. Sein typischer Ruf schallt immer wieder durch die Lüfte. Mir stellen sich vor Wohlbehagen die Haare auf den Armen hoch. Welch eine herrliche Stimme diese Tiere doch haben.

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Weiter ziehe ich meinem GPS Track nach und lande unversehen dann doch, ohne Sperrung vermutlich am Silbersee.

Der Beschluss ist gefasst, noch vor dem Verkauf muss ich schauen, dass ich hier einen Fototermin bekomme

Die Obstblüte beginnt, hier in der Nähe startet auch der Streuobstwiesenweg. Laut Zeugenberichten sind die roten und weißen Blüten aus ihren Knospen gekrabbelt, um des Obstbauern und Wanderergemüt zu erfreuen.

Blütenpracht am Wegerand

An der südlichen Seite des Steinsee steht eine kleine Aussichtkanzel. Den Abstecher erlaube ich mir, eigentlich nur um die ungewöhnliche Perspektive, die sich für den Turm des Kraftwerkes bietet auf den Chipp zu bannen.

Eigentlich sollten hier auch die Heckrinder zu sehen sein. Die haben sich aber erfolgreich vor mir versteckt., dabei hatte ich mein Jagdgewehr daheim gelassen.

Nachdem ich feststellen durfte, dass mein Track nicht wie geplant wanderbar ist, plane ich ein klein wenig um. Dadurch verkürzt sich die Strecke auf die o.g. 10 km. Nicht schlimm, denn 1-2 Stunden wollte ich noch daheim arbeiten.

Zwischen Steinsee und Kannsee erstreckt sich ein Gebiet, dessen Nutzung ich nicht so klar erkennen kann. Ich vermute die Neuwieder werden das wissen.

Steinsee und Kannsee

Steinsee

Der Steinsee ist ein ehemaliger Baggersee im Trinkwasserschutzgebiet, der teilweise von einem Angelsportverein genutzt wird. Das Gelände drum herum ist abgesperrt und in Privatbesitz. Für Hunde absolutes Betretungsverbot.

Östlich des Steinsee wandere ich auf Feldwegen und biege rechts zum Kannsee ab, den ich auf nördlicher Seite, das Gewässer stets im Blick, bewandere.

Kannsee

Es laufen reichlich Hunde hier herum, einige wenige sind von der unangenehmen Sorte, kläffen Spaziergänger an, laufen ihnen hinterher. Eine Erfahrung, die ich ängstlichen Menschen nicht wünsche. Darauf angesprochen zeigt die Hundehalterin leider sehr wenig Verständnis.

Bevor ich mich jetzt in Rage schreibe wende ich mich lieber wieder den optischen und olfaktorischen Eindrücken zu. Der Raps steht in Blüte, neben all den Butterblumen, Wiesenschaumkraut und was weiß ich alles. Die Farbe gelb dominiert ganz klar und im Kannsee schimmert es grün. Kinners es ist ein Traum.

Und damit ich meine mit Herzblut gefertigten Fotos auch zu einem großen Teil der Öffentlichkeit zeigen kann, müsst ihr nun mit Massen zurecht kommen. Aber ihr kennt ja das Scrollrädchen 😀

Über den Deich zur Urmitzer Brücke

Nach einer Begegnung mit einem Rudel Seniorhunden und deren Leinenende, das in einem anregenden Gespräch gipfelte, ziehe ich weiter Richtung Neuwieder Deich. Wieder herrliche Aussichten, am Ende auch wieder auf den Rhein, werden mir geboten.

Rapsfelder im Frühjahr
Rapsfelder

Innenstadt Engers

Mit einigen Schlenkern strebe ich meinem Parkplatz entgegen. Laut ist die Innenstadt, vermutlich aber auch wegen der Bauarbeiten an einem der größeren historischen Gebäuden. Beschauliche Ruhe treffe ich hier heute nicht an.

Schloss Engers
Schloss Engers
Eiscafe Venezia
Eiscafe Venezia
Netter alter Herr

Was soll ich sagen, die Bilder zeigen es. Es lässt sich prima im Engerser Feld wandern. Möglich, dass ich bei Besuchen der Familie in Linz hin und wieder zurück kehre und, vor allem einen Blick auf den Silbersee werfe. Das muss sein.

Für heute Abend bleibt mir nur eines, nämlich euch ein sonniges Wochenende zu wünschen, das ihr hoffentlich draußen verbringen könnt.

5 Kommentare

  1. Hallo Elke, da hast Du ja eine zauberhafte Strecke „ausbaldowert“..:-) Ich bin neulich den Deichstadtweg immer den Schildern nach langgelaufen.. und war dort leicht enttäuscht, dass die Naturstrecke „Engerser Feld“ recht kurz gehalten ist (siehe http://www.deichstadtweg.de).
    Deine Schlenker wertschätzen die Landschaft auf sehr grüne, schöne Weise.
    Ja, Hundebesitzer und viel zu schnelle Radfahrer kreuzen.. die Stadt plant da Verbesserungen, die werden justament „andiskutiert“- ebenso wie die Baustellen 😉 Gut dass Du in Engers gestartet bist.

    1. Ich wäre bei der Streckenführung vermutlich hin und her gerissen zwischen Informationswunsch und der Enttäuschung über mangelnde Naturwege. Ich bin schon dankbar, dass ich das Grün kennen gelernt habe. Da ein Teil meiner Familie in Linz lebt, werde ich sicher noch einmal da herum kreuzen 😉

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