Abseits der Touristenströme, im Bergischen Land, lässt es sich in dieser Zeit genussvoll wandern. Was suchen wir, wenn wir wandern gehen. Ist es die Natur, die Stille oder doch eher die Gemeinschaft beim Hobby wandern? Alte Wege im Bergischen Land geben mir das, was mir wichtig ist, Ruhe, Entspannung und wunderschöne Eindrücke. Ich hoffe diese Möglichkeit bleibt uns erhalten.

Ausnahmezustand

Heute gibt es keine Angaben zur Wanderung, keinen Startpunkt, keinen GPS Track. Damit passe ich diesen Beitrag dem vorangegangenen: Wenn Städter in die Stille fliehen an. Hier thematisiere ich zwar besonders die Eifel, doch inzwischen sind zahlreiche Wander- und Erlebnisregionen wie Elbsandsteingebirge, Eltville am Rhein, Orte an der Lahn etc. für Natur- und Erlebnissuchende gesperrt. Einheimische kämpfen dort um jeden Meter Raum zum „Frische Luft schnappen“ weil sie von Horden Gästen überspült werden.

Bewegen „ja“ – Menschenansammlungen „nein“

Also ich gehe weiter wandern oder ggf. spazieren. Das tue ich jedoch nahe meines Wohnortes, in meinem eigenen Bundesland und fernab aller Touristikströme. Bewegung ist gerade jetzt, da wir alle bewusst oder unbewusst unter den Einschränkungen leiden, ein sehr gutes Mittel um Stress abzubauen. Ich lebe alleine und werde verrückt, wenn ich nur daheim sitze und in meinem eigenen Gedankenkarussell gefangen bleibe. Also raus und das möglichst auf ruhige Wege.

Alte Wege im Bergischen Land
Alte Wege im Bergischen Land

Alte Wege im Bergischen Land

Ich starte am Ortsrand eines kleinen Dorfes nahe Lindlar. Die Straßen wirken ausgestorben und schon schleicht sich ein schlechtes Gewissen ein hier mit Rucksack und Kamera bewaffnet loszuziehen. Bin ich zu empfindlich? Mache ich mir zu viele Gedanken? Aber hier schade ich niemanden mit meiner Anwesenheit. Selbst wenn mir mal jemand entgegenkommt ist immer genug Platz zum ausweichen. Von dieser Möglichkeit mache ich auch immer großzügig Gebrauch, notfalls durch wechseln der Straßenseite.

Die ersten 1,5 km führen durch den Ort, nicht furchtbar aber auch nicht schön. Als ich endlich auf einen Feldweg abbiegen kann, schnaufe ich einmal tief durch und genieße sofort diese einzigartigen Ausblicke. Die Luft duftet regelrecht nach Frühling.

Alte Wege im Bergischen Land
Es ist so still und idyllisch hier

Hinter Einfamilienhäusern mit riesigen Gärten verläuft der bergab führende Feldweg. Ein riesiger Garten breitet sich hinter einem der Häuser aus. Im Garten wird gearbeitet. Zwei kleine Hunde begrüßen mich laut kläffend. Sie haben ja recht, ich habe mich eine Idee zu lang am Garten aufgehalten, um über diese wunderschönen Schwingungen der Landschaft innerhalb eines privaten Grundstückes zu staunen.

Alte Wege im Bergischen Land
Ein Garten mit herrlicher Geländeschwingung
Schäfe gucken durch die Bäume
Die neugierigen Weidebewohner

Auf der angrenzenden großen Weide grasen Schafe. Langsam schlendere ich an ihnen vorbei, die nicht einmal die Köpfe heben um der Wanderin Guten Tag zu sagen. Dafür betreiben sie Spionage hinter dem schützenden Zaun aus Bäumen. Sie beweisen einmal mehr, dass nicht wir Wanderer die Zuschauer sind.

Mein Weg, der bisher gemütlich den Berg hinunter führt, endet am Alemigsiefen. An einer kleinen Furt, die ohne Querungshilfen durchschritten oder übersprungen werden muss, mache ich kurz Halt. Für anständige Fotos ist die Umgebung zu wenig grün, also lasse ich es nach kurzen Versuchen. Nehmen wir doch einfach hin, dass der Frühling erst am Anfang steht.

Alemigsiefen
Eine Furt über den Alemigsiefen

Es ist Zeit für Muckitraining

Nun muss ich erstmal beweisen, dass die wintermüden Muskeln in den Beinen noch etwas stemmen können. Bislang waren meine Trekkingstöcke immer dabei, schon um Rücken und Hüfte zu schonen. Heute habe ich sie im Auto gelassen, nicht ahnend dass es doch ein paar Höhenmeter am Stück werden würden. Leider ist nach dem Aufstieg, nach einem Kilometer, auch der weiche Naturboden am Ende und ich lande wieder auf Asphalt. Da mir aufgrund der kleinen 11 km Wanderung aber Zeit bleibt, gehe ich meine Runde entspannt an. Das Geschenk folgt auf dem Fuße, denn nach kurzem Weg auf Hartbelag lande ich endgültig und für fast den gesamten Rest, auf Feld- und Waldwegen.

Zu den nächsten Wegabschnitten gibt es eine Handvoll Bilder. Ein Rotmilan schwebt über mir, stürzt sich wenig weiter hinab , um Beute zu machen. Ob er etwas erwischt hat? Ich habe es leider nicht sehen können. Doch immer wieder erfreue ich mich am Anblick dieser wunderschönen Greifvögel.

Weiche Wiesenwege hinter Engeldorf
Weiche Wege schonen Füße

Bin ich hier richtig?

Das Wegezeichen, dem ich bisher folgte, ist nach wie vor an den Bäumen. Der Weg ist aber futsch. Reichlich Baum- und Astmaterial schmückt das Waldstück. Der Hang, der mich auf den Radweg führen könnte ich so steil, dass ich beinahe auf dem Hintern herunter rutsche.

Alte Wege im Bergischen Land
Da geht es weiter, ist aber nicht der richtige Weg

Wie so oft vergesse ich beim Suchen nach dem Weg das fotografieren. Besonders stressresistent bin ich in solchen Situationen nicht mehr. Aber ihr könnt mir glauben, ich bin über manches Baumungetüm geklettert um später festzustellen, dass ich zurück muss.

Frühjahrswaldweg
Trügerisches Stück freier Weg

Urige Wege – Ein besonderes Abenteuer

Ich rutsche also am Ende der Odyssee den Hang hinunter auf den Fahrradweg. Dem folge ich eine kleine Weile und biege dann auf einen Naturweg ab, der mich steil hinauf führt.

Regenfälle haben die Hänge aufgeweicht, viele Bäume haben deshalb den Halt verloren. Sie sind unter den heftigen Frühjahrsstürmen hingefallen, haben tiefe Löcher im Waldboden hinterlassen und damit oft die schmalen Pfade noch schmaler umgebaut. Und wieder habe ich die Bilder vergessen, beim hangeln über die kritischen Stellen. Doch einer der abgebrochenen Bäume hat meinen Blick gefesselt.

Er hat Luftwurzeln gebildet. Mit diesen Wurzeln können sie Nährstoffe und Feuchtigkeit aufnehmen. Für mich faszinierend, wie die Natur mit ihren ureigensten Mitteln ein Überleben zu sichern versucht.

Luftwurzeln am Baum
Luftwurzeln am Baum – Große Wunden veranlassen Bäume zu außergewöhnlichen Reaktionen
Stamm einer Buche
Auch die Füße der Bäume erfüllen ihre Funktion

Und wieder gibt es nur ein paar Eindrücke, die sich mir besonders ins Hirn gebrannt haben, als ich das Waldstück verlasse.

Fichtenwälder der Vergangenheit

Hier stand einst ein dichter Wald. Jetzt liegen die ehemalig stolzen, schlanken Bäume in riesigen Stapeln am Wegrand. Ein Blick ins gefällte Holz zeigt, die Bäume sind schon lange tot gewesen.

Einst ein Fichtenwald
Kahlschlag

Allein auf alten Wegen im Bergischen Land

Es ist so herrlich hier draußen und bis auf eine Joggerin und einen Radfahrer habe ich niemanden getroffen. Schlendernd wandern, gemütlich nach links und rechts schauen und der erwachenden Natur Aufmerksamkeit schenken, himmlisch! Und wieder Bilder:

Alte Wege bei Offermannsheide
Wunderschöne Häuser säumen meinen Weg

Die erste Begegnung mit einer Familie löst einen ersten richtig heftigen Ärger aus. Während Mama mit Smartphone beschäftigt ist, radelt Junior direkt auf mich zu. Mama schaut auf und spricht „xxx nicht die Frau umfahren“, tja Corona, Abstand halten, wohl noch nicht bei der Smartphone-Mami angekommen. Immerhin biegt Junior leicht von der Spur ab, sodass ich Platz genug erhalte weiter weg zu kommen.

Ja ich weiß, ich könnte ganz in der Wohnung bleiben. Doch wie lange geht das gut, ganz alleine und ohne Bewegung? Ich habe täglich die Wahl mich zu entscheiden. Die Wochenenden sind tabu, da bleibe ich daheim. Unter der Woche versuche ich weiter unbeschadet am Virus vorbei zu wandern.

Am Rande von Oberhausen/ Kürten
Hier treffe ich erstmals auf Menschen in Gruppe

Leider schon zu Ende – Alte Wege im Bergischen Land

Wenig weiter endet schon meine heutige Runde, die mit einen wunderschönen Wandervormittag bescherte. Ich hoffe sehnlichst, dass uns diese Möglichkeit nicht genommen wird und wir weiter draußen sein dürfen.

Ein tolles Buch möchte ich hier empfehlen:

(Affiliate Link) Hier wird anschaulich beschrieben wie Bäume und auch Pflanzen miteinander kommunizieren. Ich liebe solche Bücher

Das geheime Band zwischen Mensch und Natur: Erstaunliche Erkenntnisse über die 7 Sinne des Menschen, den Herzschlag der Bäume und die Frage, ob Pflanzen ein Bewusstsein haben (Deutsch) Gebundenes Buch – 12. August 2019

Alte Wege im Bergischen Land

2 Kommentare

  1. Liebe Elke,
    Bitte geh weiterhin hinaus, wenn dir danach ist. Lass dich nicht vvon ignoranten Müttern und unbedarften Kindern irritieren. Geht es dir nicht auch so, dass du – einmal in der Natur angekommen – ganz in deiner Mitte bist? Das ist zurzeit das Allheilmittel gegen Angst und Sorge: ganz bei sich sein.
    Vielen Dank auch für die Buchempfehlung. Diesen Titel kenne ich noch nicht.
    Ich genieße deine wunderschönen Bilder und ich verstehe, wenn du deine Pfalzberichte noch zurückhalten willst, um nicht die Menschen jetzt in Scharen dorthin zu locken. Ich war diesbezüglich bisher nicht so aufmerksam, habe aber schon lange nichts mehr gepostet, aus Zeitgründen. Denn auch jetzt wird mir die Zeit nicht lang. Ich gehe wandern, radfahrenund spazieren 🙂
    Ganz liebe Grüße, bleib gesund!
    Myria Aurora

    1. Oh ja, raus geht es auf jeden Fall. Ich habe nur wirklich Angst vor einer Infektion und streite vor jedem Gang nach draußen mit mir, ob es wirklich sein muss. Andererseits drehe ich daheim am Rad, esse zu viel und nehme vielleicht noch mehr zu. Nicht einfach, aber eben auch nicht nur mein Problem.

      Ja, Buchempfehlungen. Die wird es jetzt von jedem Verlag geben, ich möchte ein wenig dazu beitragen, dass die Verlage nicht in Insolvenzen gehen.

      Irgendwann werden wir wieder aufatmen können, wohl aber erstmal nicht wirklich entspannt Kontakte pflegen.

      Ganz liebe Grüße und auch Du, bleibe gesund und pass auf Dich auf
      Elke

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