Ein Jahr ist es her, dass ich zuletzt über meinen alten Knuffelhund Spike schrieb. Damals war er noch beweglich, aber zunehmend lustlos. Dann folgt ein relativ langer kühler Winter und damit verlor er endgültig den Spaß an größeren Runden. Der leere Blickden ich schon seit längerem bei ihm feststelle, nimmt größere Zeiträume ein.

Der gute alte Spike – Demenz

Bis ich begriff, dass auch mein Hund senil sein könnte, hatten wir einige Auseinandersetzungen. Eine Weile bemühte ich mich, gegen seinen „sturen“ Kopf anzugehen. Heute weiß ich, zeitweise ist er für äußere Reize kaum erreichbar. Er hat vergessen, was er einst gelernt hat.

Foto Oktober 2018 im Garten der Ferienwohnung

Mehr Ängste

Ich vermute es ist Angst vor all zu lebhaften Begegnungen mit anderen Hunden, dass er losblafft, wenn er nur einen Artgenossen wahrnimmt. Davon sind auch die Hundedamen nicht ausgeschlossen. Alte Bekannte werden ebenso verbellt, wie jede neue Begegnung.

Mir fällt es schwer, ihn als unberechenbar zu bezeichnen, aber realistisch gesehen wird er es zunehmend.  Nicht weil er böse ist, sondern weil ihn Dinge erschrecken oder er sie als gefährlich einstuft. Das kann auch eine über die Straße wehende Plastiktüte sein, die er als solche nicht mehr erkennt und sicherheitshalber anraunzt.

Während er früher dicht bei mir blieb, konnte es passieren, dass er aus einer Laune heraus plötzlich los lief und einem unsichtbaren Feind folgte. Die Konsequenz aus all dem ist eine Flexileine, die im neun Meter Raum zum schnüffeln gibt, mich aber kurzfristig ermächtigt ihn zu bremsen.

In Gedanken versunken oder gedankenlos?

Unsere kurzen, selten mehr als 200-300 Meter Gassirunden verbringt er mit meditativem Schnüffeln, meist um eine kleine Fläche. Während er suchend die Nase in die Wiese steckt, lässt er sein Geschäft einfach heraus fließen. Das typische „Bein heben“ eines Rüden spart er sich meist, geschieht wohl auch zwischendurch eher reflexartig.

Was um ihn herum in dieser Zeit geschieht, nimmt er nicht wahr. Nach spätestens 10 Minuten schaut er auf, dreht um und signalisiert „Ich will heim“ oder er steht einfach und schaut mit leerem Blick in die Landschaft. Das tut er sehr häufig auch in der Wohnung. Er verbringt oft 15 Minuten oder länger irgendwo herum stehend, den Kopf unbeweglich immer in die gleiche Richtung schauend. Ich bin mir nicht sicher, ob ich ihn aus dieser inneren Starre herausmotivieren soll, oder ihm diese Zeit des „träumens“ lasse. Meist lasse ich ihn.

Was wollte ich noch hier?

Einige Erinnerungen sitzen tief

Sein Verteidigungsinstinkt ist sehr tief verwurzelt. Während unseres Urlaubs in der Eifel verschaffte er sich (aus seiner Sicht) Respekt vor den drei Hunden des Gastgebers, die vor dem Grundstückszaun auftauchten. Seine Kräfte reichten zwar nicht für eine längere Bellphase, aber sein typisches „Ich passe auf- Verhalten“ hat er erinnert.

Auch die Tatsache, dass Katzen zum jagen da sind, hat er nicht vergessen. Da geht er noch heftig an. Hasen und Eichhörnchen nimmt er zwar manchmal noch wahr, sofern er den Duft in die Nase bekommt, beschränkt sich jedoch auf ein in die Richtung gucken.

Fressen würde er zu jeder wachen Stunde, hierüber verschaffe ich ihm auch Bewegung, wenn er dem Futterbällchen hinterher schleicht. Mangels deutlichen Sehens verwechselt er meine leeren Hände zuweilen mit einem Leckerchen. Da gilt es aufzupassen, sein Sehvermögen beschränkt sich wohl eher auf Ahnungen.

Ein langer Abschied

Äußerlich würde ich niemals auf den Gedanken kommen, dass dieser ausgesprochen hübsche Rüde mit dem tief dunklen Fell bereits 16 Jahre und 2 Monate alt ist.  Er sieht gut aus, sein Fell glänzt noch immer und seine Schnauze ist nur wenig grau. Er ist alt, leidet an Arthrose und ist nicht mehr ganz richtig im Kopf, aber er genießt zuweilen sein Leben noch richtig.

Wenn er in seinem Hundebett liegt und sich nach einer wohlschmeckenden Mahlzeit räkelt und die Beine nach oben streckt, dann ist das für mich ein Zeichen von Lebensfreude.

Trotzdem habe ich nun, für den Fall der Fälle, einen Platz für seine ewige Ruhe gesucht. Weder meine Schwiegertochter, bei der er die ersten 11 Jahre seines Lebens verbrachte, noch ich könnten es ertragen ihn einfach in die Tierverwertung zu geben. Mit jedem Monat der vergeht, wurde mir das klarer.

Sein letztes Bett wird in der Eifel sein

Spike hat so ziemlich die schönsten und auch längsten Zeiten unserer Urlaube in der Eifel bei Volker verbracht. Nach unserem kurzen Erstbesuch erkannte er die Wohnung und den Garten schon in den ersten Stunden eines weiteren Aufenthaltes als seine Heimat an.

Hallo, ich bin wach….manchmal

Sein Lieblingsplatz vor dem Bett im Schlafzimmer nimmt er immer schon sehr schnell in Anspruch, Futter- und Wasserschüssel haben ihren Platz und werden von ihm auch dort aufgesucht.

Es ist für mich ein Geschenk, dass Spike dort auf dem Grundstück von Volker (natürlich nicht im Garten des Hauses Raßberg) seine letzte Schlafstätte finden wird. Dort wird Spike, seinem Wesen entsprechend, frei sein können und ich werde in meinen Urlauben dort meinem treuen Begleiter nahe sein können.

Viele sind vor ihm gegangen

Wenn ich so in die Runde schaue, dann kann ich nur dankbar sein, dass Spike sich so viel Zeit nimmt. So viele sind in den letzten Monaten voraus gegangen und alle waren sie deutlich jünger als mein Knuffel. Ich denke Indy, Erik, Carbo und Pluto werden die Pfade in den Hundehimmel schon ausgetreten haben, sodass es Spike eines Tages leicht fallen wird ihnen zu folgen.

Bis dahin werde ich seine Wärme, seinen Duft und seinen treuen Augen genießen, ebenso wie sein verträumtes herum stehen.

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Unverhofft kommt oft – Auf den Hund gekommen

Spike verändert sich

 

9 Kommentare

  1. Hallo Elke,
    eigentlich bin ich ja kein Hundeliebhaber. Aber durch Deine viele Berichte ist auch mir Spike ans Herz gewachsen. Ich finde es toll, dass Du Dich so um ihn kümmerst. Vielleicht hilft es uns auch uns mit dem Gedanken anzufreunden, dass wir alle endlich sind.
    Alles Liebe
    Winfried

    1. Oh ja Winfried, genau das ist es, das mir so deutlich wird. Wir alle können einmal so werden und nur darauf hoffen, dass wir einigermaßen geduldige Menschen um uns haben. Alt werden ist für viele Menschen sicher kein Zuckerschlecken. Hoffen wir auf das Beste 😉
      Liebe Grüße
      Elke

  2. Ihr Lieben, ich danke euch für aufbauende Worte und eure Anteilnahme. Diejenigen, die selber schon Tiere verabschieden mussten, kennen oft genug die lange Vorausschau auf das Ende. Eine meiner Katzen ist beinahe 21 Jahre alt geworden, eine andere beschloss von einem auf den anderen Tag „So, nun lasst mich in Ruhe, ich gehe“ und ist in unseren Armen auf dem Balkon, unter Vogelgezwitscher eingeschlafen.

    Spike hat gestern eine Magen/Darmverstimmung. Das erforderte dann, ihn etliche Male aus seinem Hundebett zu bekommen und dieses von all den Hinterlassenschaften zu befreien. Macht das mal bei einem Hund, der nicht weiß was man von ihm will, der da steht und nur schaut. Ich gebe zu, es ist in solchen Situationen etwas schwierig Geduld zu behalten.

    Wer aber weiß, dass der Schlafplatz für Hunde absolutes Tabu für Unreinheit ist, außer bei Welpen, der weiß wo der alte Herr innerlich gerade steht. Heute ist wieder alles gut und er holt den versäumten Schlaf nach.

    Ich glaube in der nächsten Zeit werde ich doch mal öfter über ihn schreiben.

    Liebe Grüße an euch und einen tollen Sonntag
    Elke

  3. Hallo Elke,
    ich musste mir gerade ein Tränchen wegwischen. Was uns die Tiere so ans Herz wachsen und dabei so viel Liebe schenken… Unser Kater ist auch schon 18 Jahre, vermutlich leicht taub und schaut gerne wie Spike tattrig in die Gegend, wenn er nicht gerade schläft. Die letzten Ruhestätte zu organisieren ist eine wunderschöne Idee von Dir. Unsere Lieblinge haben es verdient, dass wir sie auf Ewig in Ehren halten.
    Euch beiden noch viele unvergessliche und schöne Stunden!
    Alles Liebe, Bianca

  4. Am 24.11 ist es 5 Jahre her dass unsere Katze Freya gegangen ist und am 21.3 nächsten Jahres ist es auch bei Maria schon 4 Jahre her. Freya war schon krank als sie zu mir kam aber sie hatte noch schöne Monate statt im Tierheim leben zu müssen. Maria war bei mir seit sie 12 Wochen alt war. Aber es ist immer schwer egal wie lange sie bei einem waren.

    Ja das sind immer die Schlimmsten Zeiten mit unseren tierischen Gefährten, aber schön dass Du schon einen Platz für Spike hast, möge es noch lange dauern bis er ihn braucht.

  5. noch ist er da. Versuch jeden Tag mit ihm zu genießen.
    Ich hatte schon einige Hunde, von denen ich mich verabschieden musste.
    Das schlimmste für mich ist, die Hilflosigkeit. Man möchte dem Hund so gerne helfen, kann es leider aber nicht.
    Ich wünsche Euch alles Gute.

    1. Hallo liebe Elke,
      ich wünsche deinem Spike, dass er nicht leiden muss.
      Wenn ich deinen Text lese, schnürt es mir die Kehle zu.
      Ich weiß, wie schwer es ist, einen geliebten Freund gehen zu lassen. Unser Maxl hat uns Ende Mai 2014 verlassen müssen.
      Aber noch ist Spike da. Selbst mit den Schwierigkeiten, die er jetzt hat, ist er dir noch ein guter Kamerad.
      Euch Beiden wünsche ich alles Gute.
      Frieder

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