Dieser Winter war besonders schlimm, ein Schatten hängt seit vielen Wochen über uns. Spike geht es immer schlechter und täglich stelle ich mir die Frage „Ist es fair ihn weiter leben zu lassen?“ Manchmal wechselt mein Eindruck minütlich, aber dann helfen die Schmerzmittel nicht mehr, der Gang zum Tierarzt wird unumgänglich. Der letzte Weg, es ist so schwer über leben und sterben zu entscheiden.

Stärkere Schmerzmittel sollen helfen seine Schmerzen zu lindern, er knickt immer wieder mit den Hinterpfoten weg und kommt dann nicht mehr hoch. Sein Blick ist meist leer und so oft scheint er gequält zu mir aufzuschauen.

Der Tierarzt stellt fest „Er könnte noch ein wenig durchhalten“ und diese Worte „hallen in mir nach. Durchhalten heißt, sich quälen. Ein paar Tage schaue ich mir das Häufchen Elend an, das ich zum Fressen mit Tricks überreden muss, der die Schmerzmittel und sein Futter erbricht und nach wie vor wie ein eingeknicktes Etwas durch die Gegend humpelt. Könnte er doch nur reden, mir sagen, was er möchte. Aber nein, die Entscheidung muss ich treffen.

Der letzte Weg

Ich habe entschieden, heute werde ich ihn auf seinem letzten Weg begleiten. Im Anschluss fahre ich in die Eifel, wo er bei Volker seinen letzten Schlafplatz finden wird. Es wird mein erstes Haustier sein, dass auf diese Weise einen letzten Schlafplatz findet und ich bin so unendlich dankbar dafür.

Haben wir das Recht Leben zu nehmen?

Meine Gedanken gehen ungefähr 30 Jahre zurück. Eine Nachbarin liegt im Krankenhaus. Sie ist schon wund gelegen und  kann schon lange nicht mehr laufen. Sie bettelt darum sterben zu dürfen, fragt mich:  „Warum lässt der Herrgott mich nicht sterben?“ Mein Sohn erzählt eine ganz ähnliche Geschichte aus seinem Arbeitsumfeld. Spike kann nicht sprechen…… Mein Handeln wird von meiner Überzeugung bestimmt, dass es eine lebenswerte Zukunft für Spike nicht mehr gibt.

Geteiltes Leid

Bevor ich zurück blicke, ein paar Worte zu diesem Sprichwort „Geteiltes Leid ist halbes Leid“ 

Die Gewissheit, dass Spike seinen letzten Weg geht verpasst mir erst einmal einen riesigen Schock. Wie eine Glocke stülpt sich ein undurchdringlicher Nebel über mich. Lange habe ich nicht mehr so viele Tränen vergossen. Mit jemandem reden ging nicht. Nur mit Volker konnte ich abklären, wann ich bei ihm eintreffe. Der Tag vergeht so schrecklich langsam, etwas tun geht nicht, nichts tun ist Quälerei und so vergeht Sekunde, für Sekunde. Erst am Abend gelingt es mir, wenigstens Tanja Bescheid zu sagen und heute früh erfahren noch einige meiner nächsten Lieben von diesem Schritt.

Es ist, als würde ich einen kleinen Teil meiner Last verteilt haben. Es tut gut, die Gedanken derer bei mir zu wissen, die diesen Tag schon länger haben kommen sehen. Ich kann es jedem nur empfehlen zu teilen, auch das Leiden. Ich teile nur mit jenen, die mir sehr nahe sind, die Spike kennen und seinen Zustand. Es sind jene, die ab und an zaghaft auf diesen letzten Schritt hingewiesen haben, im Interesse meines knuffeligen, so unglaublich lieben alten Spike.

Danke an alle, die mir für den heutigen Tag so viel Kraft gegeben haben.

Die letzten Minuten

Wer je ein Lebewesen auf seinem letzten Weg begleitet hat weiß, wie es sich anfühlt. Spike Du hast es mir in den letzten Minuten beinahe leichter gemacht, indem Du die entspannende Beruhigungsspritze, die in die Muskeln gespritzt wird und eigentlich Schmerzen verursacht, vollkommen klaglos hinnimmst und nur Sekunden später die Pfoten unter Dir nachgeben, Du weg segelst, in die Vorstufe zum endgültigen Schlaf.  Nun bist Du in einer anderen Welt und ich hoffe, dass es Dir nun gut geht.

Und wer je entschieden hat, dass ein vierbeiniger Freund gehen soll, der wird wissen, dass da trotz aller Gewissheit den richtigen Weg gegangen zu sein, ein furchtbar schlechtes Gewissen tobt.

Gute Reise mein pelziger Freund, ich werde Dich schrecklich vermissen

Ein paar Tage später erzählt mir Volker, dass dieser Song „Der Weg“ von Grönemeyer um 10:43 Uhr im Radio lief. Die Minuten in denen Spike seine letzte Reise antrat. Welch eine Begleitung.

 

 

28 Kommentare

  1. Hallo Elke,

    dieses zu lesen löst ein beklemmendes Gefühl in mir aus.
    Ich selbst habe einen lieben Vierbeinder und eine ebensolche enge Beziehung.
    Große Respekt für die Kraft ihn gehen zu lassen, ich kann das gut nachfühlen.
    Das muss so unendlich schwer sein.

    Alles Gute!

    Thomas

    1. Hallo Thomas,

      Wenn ich meinen eigenen Beitrag lese, heule ich los. Wenn mir der Augenblick seines Todes vor mein inneres Auge tritt, dann heule ich los. Ich habe mir immer wieder die Frage gestellt, ob es der richtige Zeitpunkt war, ob ich wirklich alles getan habe, damit er sich wohl fühlte. Die Antwort werde ich nie erhalten. Es ist so schwer, ein Lebewesen töten zu lassen.
      Immer wieder möchte ich in sein Fell greifen und ihm nochmal in seine braune Augen sehen. Mir fehlt das kuschelige Etwas, obwohl er schon so lange nicht mehr richtig kuscheln wollte, sich immer wieder zurück zog, in den hintersten Winkel der Wohnung. So wie es viele Tiere zum Abschied nehmen tun.
      Es war ein Abschied auf Raten, ein sehr langer Abschied.

      Huch, jetzt ist die Antwort doch sehr lang geworden.
      Auch Dir, alles Gute
      Elke

  2. Ich komme mit dem Lesen der neuen Beiträge hier nicht immer hinterher, da liegen noch einige Benachrichtigungen ungeöffnet in meinem Postfach. Hin und wieder überfliege ich mal die Überschriften und picke dann einen interessant scheinenden Beitrag heraus – oder eben einen traurigen, wie den hier.
    Ich habe es glaub schon mal in einem Kommentar erwähnt, ich mag eigentlich keine Hunde und habe auch Angst/Respekt vor ihnen, aber ich war immer froh einen Beitrag zu lesen, in dem es viele Spike-Bilder gab, weil er immer so einen goldigen Eindruck machte.
    Durch die weiteren Beiträge hier wusste ich auch, dass es nicht mehr so gut um ihn steht und er nicht mehr (mit) kann und dass es daher füher oder später soweit sein wird.
    Das Einknicken der Hinterbeine (und weitere traurige Situationen) kenne ich von unserer Familienkatze, die vor 3-4 Jahren im Alter von 20 Jahren auch eingeschläfert werden musste. Leider mussten ihr damals krankheitsbedingt noch 2 weitere Katzen unserer Familie in relativ kurzer Zeit folgen. Das Ende und den Weg zum Tierarzt habe ich zwar nur aus der Entfernung mitbekommen, weil ich woanders wohne, aber die Traurigkeit erreichte auch mich. :‘-(
    Daher kann ich das alles nachvollziehen – und hatte beim Lesen des Abschiedsbeitrages auch einen dicken Klos im Hals. Machs gut, Spike.

    Nach einem längeren „sacken lassen“ gibt es inzwischen wieder einen Familienkater, der uns innerhalb kürzester Zeit ans Herz gewachsen ist. Trotzdem spielen die anderen 3, insb. die 20jährige, immer mal wieder eine Rolle, indem man Vergleiche zieht.

    1. Ich hatte Spike ja „nur“ 5 1/2 Jahre bei mir, aber die Intensität, mit der er hier lebte, war erstaunlich. Ich bin jetzt aber froh, dass ich vorige Woche diese Entscheidung traf, denn erst in der Distanz und dem etwas neutraleren Blick wird mir klar, ihm ging es tatsächlich richtig mies. Er war nicht mehr präsent, döste beinahe nur rum und verschwand überwiegend im letzten Zimmer der Wohnung, um seine Ruhe zu haben. Wenn er irgendwo näher dran lag, dann immer mitten im Weg.
      Es tut weh, aber es täte mehr weh ihn leiden zu wissen.

      Tja, einmal Herz verloren und schon tut es weh, vor allem am Ende.
      Vielen Dank für Deine Anteilnahme und Deine Geschichten, es ist schön sie zu lesen.
      Liebe Grüße
      Elke

    1. Möchtest Du das jetzt tatsächlich mit mir diskutieren? Dafür fehlt mir nämlich die Kraft.

  3. Ich bin sprachlos. Der Schmerz, als wir unseren treuen Kater abgeben mussten, hält mich davon ab, je einen Hund zu nehmen; der Kater ist immerhin 18 Jahre alt geworden. Er tut weh, der letzte Schritt zum Tierarzt, aber sein Tier leiden zu lassen, will man auch nicht. Wünsche dir viel Kraft. Hast das Richtige getan.

    1. Puh ja, ein paar Katzen und einen Hund habe ich auch schon gehen lassen müssen. Bisher war jedoch die Bindung nie so stark, wie bei Spike. Vielleicht gerade weil er so alt und gebrechlich wurde und die eigene Sterblichkeit in den Fokus rückt. Ich hoffe der alte Kerl war zufrieden mit mir

      Liebe Grüße ins belgische Nachbarland

  4. Liebe Elke,
    mein Beileid. Ich kann den Schmerz nachempfinden. Beim Lesen kam auch die Trauer über mich.
    Spike wurde erlöst und er bleibt in guter Erinnerung durch die schöne gemeinsame Zeit.
    Viel Kraft für dich und schöne Grüße
    Hedi

  5. Liebe Elke, erst als ich deinen heutigen Artikel gesehen habe, gestern habe ich kaum ins Netz geschaut, habe ich von deinem schweren Gang erfahren. Es ist leicht zu sagen „du hast das Richtige getan“, ich weiß das. Wenn man diese Entscheidung treffen muss zerreißt es einen förmlich. Dort wo Spike jetzt ist, ist er wieder so wie er die meiste Zeit bei dir war. Glücklich, mit der Nase am Boden und mit dem Herzen bei dir.

  6. Liebe Elke,

    ich bin Dir und Deinem pelzigen Freund ja zweimal zufällig begegnet und fühle mit Dir! Ihr wart ein tolles Gespann.

    Du hast alles richtig gemacht….

    Liebe Grüße, fühl‘ Dich umarmt

    Herbert

  7. Hallo Elke…
    mein tiefstes Beileid.
    Du kannst glauben, ich kann mir nur zum Teil vorstellen, was in Dir vorgeht bzw. vorgegangen ist. Eine solche Entscheidung zu treffen ist hart und wichtig zugleich. Leider können uns die Tiere ja nicht sagen, wie es ihnen geht.
    Sicher ist, das es Spike jetzt besser geht. Ich denke das zählt.

    Liebe Grüße
    Micha

  8. Liebe Elke,
    als ich das las, öffneten sich bei mir alle Schleusen und ich habe bitterlich geweint. Ich kannte Spike nicht persönlich, doch haben ich als Jugendliche erlebt, dass unser lieber Bernersennenhund Barry mit nur 7 Jahren an Gehirntumor erkrankte, vor Schmerzen jaulte und wir ihn schließlich erlösen mussten. Damals konnte ich nicht weinen und habe meine Trauer überspielt. Doch heute kann ich nachempfinden, wie du dich fühlst.
    Möge Spike nun auf der Himmelswiese wieder fröhlich herumtollen! Und dir alles Liebe von
    Myria Aurora

    1. Danke liebe Myria, ich hoffe auch dass es dem alten Zausel jetzt so richtig gut geht. Die jetzige Situation ist so unwirklich, ich würde gerne die nächsten zwei Wochen ausblenden, um dann etwas erleichtert weiter zu machen. Aber durch das Gefühlschaos muss ich wohl durch

  9. Ich ihn auch nicht. Er hat mir in schweren Zeiten immer beigestanden und mich zum Lachen gebracht wenn ich traurig war.
    Mein geliebter Freund du hast spuren in meinem Leben und Herzen hinter lassen die so kein anderes Tier hinterlassen kann.
    Ruhe in Frieden.
    Du fehlst mir sooo schrecklich 😢aber ich weiß das du dich nicht mehr quälen musst.❤❤❤❤❤❤❤

  10. Hallo Elke,
    mir reisst es den Boden unter den Füßen weg, wenn ich das hier lese… ich kenne deinen geliebten Spike zwar nicht persönlich jedoch hast du trotzdem mein vollstes Mitgefühl, da ich mir in etwa ausmalen kann, was dieser treue Weggefährte dir bedeutet hat. Möge er im Hundehimmel für immer Frieden finden.
    Ich wünsche dir und deiner Familie viel Kraft beim Verarbeiten des Unabdingbaren.

    Mr.Pfade (Manuel Helgert)

    1. Ja Manuel, es ist ein riesiges Loch, wobei das die letzten Wochen schon fast genauso groß war, weil Spike geistig nur noch selten in der Realität war. Jetzt muss es vorwärts gehen, mit vielen Blicken zurück in eine traumhaft schöne Zeit mit diesem wunderbaren Gefährten.

  11. Hallo Liebe Elke, ich bin mir ganz sicher, dass du das Richtige, für den lieben Spike gemacht hast. Es ist immer verdammt schwer, sowas zu entscheiden, ich würde sowas auch furchtbar finden, nur du hast ihn immer im Auge gehabt, hast gesehen wie es ihm geht, und er hat dir sicher schon oft Zeichen gegeben. Mir kommen gerade auf die Tränen , ihr beide habt immer so gut zusammen gepasst, ich habe mich immer mit euch beiden mit gefreut.

    Das ist eine Wundervolle Idee, ihn hoch nach Arft zum Volker zu bringen, wo er neben Indi? Seine Ruhe finden kann. Du kannst ihn ja jederzeit besuchen, bist beim Volker mit deiner Trauer nicht alleine.

    Ich wünsche dir von Herzen ganz viel kraft

  12. Liebe Elke, in Gedanken bin ich bei dir. Ich kenne diese Gefühle, dieses Zweifeln, dieses Mitleid, dieses Haltenwollen. Und ich kenne diesen übermächtigen Wunsch, er möge doch sprechen können. Nur dieses eine einzige Mal sprechen, um mir zu sagen, ob er noch etwas bleiben möchte oder gehen möchte.

    Er hat es dir gesagt. In all den Blicken, die du richtig interpretiert hast. Du hast richtig entschieden, ihn nicht weiter zum Leben unter starken Schmerzen zu zwingen. Du hast ihn ziehen lassen in eine Welt ohne Schmerzen. Und wie schön, dass er ein solch tolles Plätzchen in seiner geliebten Eifel findet.

    Tschüss Spike, wir haben uns nie persönlich kennengelernt, aber ich mochte dich sehr gerne, weil du so ein besonderer Hund warst und deine Elke so glücklich gemacht hast.

  13. Hallo Elke,
    ich kann deine Gedanken, deine Gefühle gut nachvollziehen.
    Vor dreieinhalb Jahren standen wir vor der gleichen Entscheidung. Unserem Maxl ging es wie deinem Spike, er konnte sich nicht mehr auf den Beinen halten, der Blick so leer. Die letzten Minuten waren für uns so unendlich schwer.
    Hinterher waren wir uns einig, wir haben im Sinne unseres treuen Begleiters entschieden.
    Irgendwie ist er immer noch bei uns. Oft, wenn ich ältere Bilder anschaue, guckt er mich an.
    Lass dich mal feste drücken.
    Ich werde an deine treuen Spike denken.
    Frieder

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