Eifel, na klar die geht doch immer, vor allem wenn Frau eine einsame Runde bevorzugt. In der Einsamkeit können einem aber auch schon mal Wildschweinchen recht nahe kommen. Ganz einsam stehen die Orchideen auf der großen Wiese. In den Wäldern wachsen Heidelbeerplantagen heran. Am Ende vertilge ich den Apfelstrudel im Blockhaus Schwarzer Mann. Der Moore-Pfad Schneifel bot mir Ruhe und Aufregung im Wechsel.

Moore-Pfad Schneifel

Man nennt mich schwarzer Mann, so steht es auf der Tafel geschrieben und es handelt sich nicht um einen Kinderschreck. Vielmehr glaubt man das Schwarze Gesicht der Bleialfer Bergleute darin abgebildet. .

Ich stehe hier an einem schwarzen Grenzstein, der daran erinnern soll, dass diese Region einst ein Bollwerk, ein Wall gegen Westen. Der Westwall war ein riesiges Vorhaben, gespannt zwischen Kleve und Basel. In den Jahren 1936, 1940 und 1944 wurden etwa 22.000 Betonbauwerke platziert. Viel werde ich zu dieser Geschichte nicht wahrnehmen. An den vereinzelten Stellen schwappt es in die Seele wie ein dunkler Schatten. Drum herum dominiert jedoch die typische, wunderbare Natur der Eifel.

Moore-Pfad Schneifel
Waldreich geht es heute zu

Gleich mal in den Wald spaziert

Heute kümmere ich mich auf jeden Fall eher um den schwarzen Mann denn mit fast 700 m zweithöchsten Berg der Schneifel. Der Gebirgszug Schneifel liegt im südlichen Zipfel des Naturpark Hohes Venn. Übrigens hat der Begriff „Schneifel“ nichts mit Schnee zu tun, sondern kennzeichnet eher eine „Schneise“, so habe ich es in Erinnerung.

  • Start/ Ziel: Wanderparkplatz Blockhaus Schwarzer Mann, L20, 54597 Auw
  • Streckenlänge: 16 km
  • Höhenmeter: 278 m
  • Einkehr im Blockhaus Schwarzer Mann am Start/Ziel
  • GPS Track im Original
  • Vor langer langer Zeit gingen die Wanderschnecken diesen Weg

Es ist kühl morgens um 9 Uhr in der Eifel und ich habe keine Jacke mit dabei. Hoffentlich bringt die Wanderung schnell ein wenig Temperatur in den Körper. Eine Weile wandere ich parallel zum Schneifelhohenweg (L 20) auf der ich gerade hier in das Gebiet eingefahren bin. Sehr ruhig und wenig befahren ist diese Landstraße am frühen Morgen. So schlendere ich ungestört und begeistert über den Wurzel durchzogenen Waldweg. Farne und Heidelbeeren säumen die schmalen Pfade.

Moore-Pfad Schneifel
Einer von vielen Wanderparkplätzen der Region

An diesem Rastplatz und Wanderparkplatz knickt der Moore-Pfad Schneifel dann endgültig ab in die Natur.

Die Vergangenheit taucht auf

Wenig weiter erreiche ich eine Tafel mit dem Hinweis auf einen Pfad Kunst am Westwall. Schaurig, dass in dem Moment als ich das kleine Terrain betrete, die Sonne kurzzeitig hinter den wenigen Wolken verschwindet. Ich warte bis sie wieder leuchtet und fotografieren dann.

Moore-Pfad Schneifel
Schaurige Klötze im Wald
Moore-Pfad Schneifel
Sonne macht alles freundlicher

Ich gebe zu, die augenblickliche Situation beherrscht schon einen Teil meines Denkens. Überhaupt denke ich, dass ich zu viel denke, zu viel nachdenke. Dieser Ort unterstreicht die augenblickliche Stimmung. So bin ich froh, als ich wieder auf dem geschotterten Wanderweg dahin schreiten kann. Doch wo sind die Wegezeichen? Zuversichtlich und zielstrebig bin ich den falschen Weg gegangen. Also zurück und auf einen Wiesenweg abgebogen.

Natur pur auf dem Moore-Pfad Schneifel

Richtungswechsel gibt es zunächst einmal nicht. Konsequent führt der Moore-Pfad Schneifel sanft geschlängelt und bergab führend bis zu einer Hütte. Überraschend viel Ginster blüht hier noch, offensichtlich ist die Vegetation hier etwas später dran. Hummeln versorgen sich mit dem kostbaren Nektar der Blüten, nur wenige der vielen Fotografien sind gelungen weil sie so schnell unterwegs sind.

Wiesenweg
Wiesenwege im Wald
Ginster blüht in der Schneifel
Ginster blüht in der Schneifel

An der Hütte steht eine Bank. Hier lasse ich mich kurz nieder, um ein wenig zu trinken. Von dort aus hat man einen herrlichen Blick auf Schlausenbach. Der Feldweg regt den Wunsch an dort entlang zu spazieren.

Blick auf Schlausenbach
Blick auf Schlausenbach

Wald-reich geht es weiter

Ich biege jedoch vor der Bank links ab und lande wieder im Wald. Hier gibt es jedoch eine freundliche Botschaft an die Nase. Der typisch harzige Geruch eines von der Sonne erwärmten Nadelwaldbodens steigt in mein Riechorgan. Das bleibt nun auch eine Weile so. Einige niedergeworfene Bäume legen sich mir in den Weg.

Quer liegende Bäume
Soll ich rüber oder drunter her? Ich entscheide mich für´s krabbeln
Bunkeranlage
Eingezäunte Reste einer Bunkeranlage

Neben Heidelbeerbüschen, Farn und Gräsern mischen sich auch kleinere Ginster an die Wegränder.

Himmlische Waldpfade
So herrlich hier

Ich komme nur langsam voran möchte den heutigen Wandertag genießen. immerhin bin ich für diese Wegstrecke eineinhalb Stunden mit dem Auto unterwegs gewesen. An jeder Ecke gibt es etwas zum wahrnehmen und dabei kommt auch die Nase nicht zu kurz.

Orchideenwiese

Unverhofft taucht eine große Wiese neben mir auf. Sie ist umzäunt, sodass ich sie auch auf Trampelpfaden nicht betreten kann. Orchideen wachsen jedoch auch am Wegrand und so bin ich schnell auf den Knien.

Geflecktes Knabenkraut
Geflecktes Knabenkraut
Geflecktes Knabenkraut
Ein kleines, süßes Geflecktes Knabenkraut

Merkwürdige Löcher im Wald

Kaum habe ich die große Wiese mit den vielen Orchideen hinter mir gelassen lande ich im Wald an einer mit Flatterband umzäunten Stelle. Neugierig schaue ich was es da besonderes zu sehen gibt. Irgendjemand hat rechteckige Löcher in den den Waldboden gegraben. In einem dieser Löcher steht Wasser, in dem anderen nicht. Ich vermute hier wird kontrolliert in welcher Tiefe überhaupt Wasser zu finden ist.

Hier wachsen, anders als in anderen Teilen der Eifel, saftige Farne und überhaupt wirkt die Vegetation frisch und gesund. Ich nehme an, dass diese Eindrücke täuschend sein könnten. Schon in den vergangenen Jahren konnte ich feststellen, dass in heißesten Sommern im Naturpark Hohes Venn sowohl niedrigere Temperaturen herrschen, als auch die Trockenschäden nicht so deutlich ersichtlich sind wie in anderen Landstrichen der Eifel. Ihr könnt euch vorstellen, dass ich nur schwer vorwärts komme, weil mir ständig irgend etwas interessantes in die Augen fällt.

Eine kleine Pause auf dem Moore-Pfad Schneifel

Moore-Pfad Schneifel
Frühstück

Bevor ich mich auf die Stege begebe, die die empfindlichen, kostbaren Bereiche der Natur schützen sollen, frühstücke ich erst einmal. Es ist so gemütlich hier und so genieße ich eine ganze Weile die wärmende Sonne, schließe die Augen und lasse auch den Rest von Anspannung fallen. Wenn ich da schon eine Ahnung gehabt hätte……

Ich rappele mich ziemlich unwillig auf, irgendwie ist mir plötzlich nach unendlicher Faulheit.

Moore-Pfad Schneifel - Bohlenweg
Da geht es jetzt lang

Abenteuer Wildnis

Der Wind bewegt Blätter, aber hier hört es sich merkwürdig an, so strubbelig irgendwie. Ich kann es mir nicht erklären. Ich gehe weiter auf den Bohlen und ich höre ein Stück weiter wieder dieses Rascheln, kann aber nichts entdecken. Inzwischen bin ich mir sicher, dass es nicht der Wind ist, der die Büsche so in Bewegung bringt. Ich gehe weiter, halte das Grünzeug neben mir im Blick.

Wildschweinkinder im Gebüsch

Nur ein kleines Stück weiter das gleiche Spiel und dann sehe ich sie, eine ganze Bande Frischlinge. Sie sind nur ca. 10-15 Meter noch mir entfernt, schon recht groß. Die weißen Streifen sind kaum mehr erkennbar und es sind viele. Sie haben offensichtlich Panik und rennen in verschiedenen Richtungen weg, nähere ich mich dem neuen Standort, rennen sie wieder.

Ich habe jetzt aber viel größere Panik, denn wo Frischlinge sind, ist für gewöhnlich auch eine Bache. Nirgendwo höre ich das tiefe Grunzen des Muttertieres, das irritiert mich doch sehr. Wohin, vorwärts, rückwärts, leise oder lieber laut? Während ich darüber nachdenke fällt mir auf, ich höre nichts mehr, kein rascheln, keine kleinen Schweinchen mehr. Trotzdem singe ich lautstark ein Lied mit ungeordneter Tonfolge und klopfe mit den Trekkingstöcken immer wieder auf die Bohlen. Es soll große Wildschweinies vergraulen, habe ich gelesen.

Anfang und Ende eines Bohlenweges
Anfang und Ende eines Bohlenweges

Puh, das war Herzklopfen sage ich euch. Eine wild gewordene Bache brauche ich nicht. Später mache ich mir Sorgen, dass die Mama vielleicht geschossen wurde und die armen Kids nun auf sich allein gestellt sind. Solche Gedanken kommen mir natürlich erst in sicherer Entfernung.

Helle Wege bis zum Dreiländerblick

Noch eine ganze Weile begleitet mich die Ungewissheit, wo die Bache denn abgeblieben ist. Irgendwann verliert sich dieses grummelige Gefühl und ich wandere entspannt weiter. Bis zum Eifelblick/ Dreiländerblick werde ich über Feldwege mit Weitsichten geführt, nur zwischendurch kleine Wald Abschnitte. Es ist der pure Genuss nun durch die Offenlandschaft zu wandern. Trotz des Windes wirken die rd. 16 Grad Lufttemperatur viel höher.

Am Eifelblick treffe ich auf drei Wanderer die gerade nach einem Vogel suchen den sie dort gesehen haben, vermutlich einen Gelbschnäpper. Schade, dass ich das Vöglein nicht angetroffen habe. Tierisch Glück habe ich heute mit Fotos nicht. So bleibt mir nur die Aussicht noch einmal abzulichten und die Konstruktion des Eifelblick.

Der Eifel-Blick „Dreiländerblick“ bei Buchet liegt auf einer Höhe von 615 Metern über dem Meeresspiegel und bietet nach Südwesten hin einen eindrucksvollen Fernblick über Bleialf und das Alfbachtal hinweg bis zum Islek und dem Ösling, jenseits des Ourtals. Der Blick nach Westen reicht bei klarer Sicht bis zum Hohen Venn in Belgien. Quelle

Dreiländerblick
Dreiländerblick/ Eifelblick

Ein paar Fotos weiter mache ich mich auf den Weg zum schwarzen Mann. Ich gebe zu, dieser Weg-Abschnitt mit seinen relativ geradeaus führenden Wegen, kommt etwas eintönig daher. Natürlich gibt es auch hier links und rechts immer besondere Bäume zu entdecken und auch die ersten Sommerblüher wie die Lupinen.

Steil hinauf zum Schwarzen Mann

Der Aufstieg zum Schwarzen Mann kostet Körner ist aber ein Traum. Heidelbeeren wachsen hoch und ich denke an Juli wenn sie reifen. Vielleicht kehre ich dann auf anderen Wegen noch einmal in die Region zurück? Zwischendrin verläuft ein kleiner Teil des Westwallweg. Ein Menhir steht mitten im Wald. Die Inschrift auf dem Stein lautet „Unserem Oberforstmeister Jansen 1930″ ist aber unleserlich.

Menhir ist eine aus dem Bretonischen entlehnte Bezeichnung für einen vorgeschichtlichen, hochragenden Steinblock, der auch als Hinkelstein bekannt ist. In der prähistorischen Archäologie bezeichnet das Wort einen länglichen Einzelstein, der in vorgeschichtlicher Zeit von Menschen aufrecht gestellt wurde. (Wikipedia)

Der Schwarze Mann – Moore-Pfad Schneifel

Dann erreiche ich endlich den Schwarzen Mann. Ein bisschen muss ich warten bis die Sonne auf dem Platz scheint wo der schwarze Mann steht. Der unheimliche Kerl steht auf einer ehemaligen Bunkeranlage. Bilder erzeugen schon ein grummeliges Gefühl im Magen.

Platz auf dem Gipfel Schwarzer Mann Moore-Pfad Schneifel
Da steht er
Schwarzer Mann
und rührt sich nicht

Nach einem Plausch mit einer vierköpfigen Wandergruppe aus Grevenbroich mache ich mich auf den Rest des Weges von ungefähr 1,3 km bis zum Blockhaus Schwarzer Mann.

Weg zum Blockhaus
Obwohl parallel zur Landstraße wirken die Wege sehr idyllisch
Das Zeichen des Walderweges führt mich zuverlässig
Das Zeichen des Moore-Pfad Schneifel führt mich zuverlässig
Was führte zum Klimawandel
Klimawandel, der Begriff steht heute hinter Corona leider etwas zurück

Mein erstes Mal

Auf der Außenterrasse des Blickhaus Schwarzer Mann gönne ich mir meine erste auswärtige Mahlzeit nach dem Lockdown. Der Apfelstrudel schmeckt super lecker und der Kaffee macht müde Geister wieder munter.

Apfelstrudel

Nach einer guten halben Stunde mache ich mich auf meinen eineinhalbstündigen Rückweg nach Hause.

Blockhaus Schwarzer Mann
Blockhaus Schwarzer Mann

Es geht mir gut, mein Seelenhaushalt ist im Gleichgewicht und die Fitness hat auch einen kleinen Auftrieb bekommen. Natur heilt, sie ist das Beste, was wir für unsere Gesundheit tun können.

5 Kommentare

  1. Ein fantastischer Wanderbericht über eine wunderschöne Tour. Dazu die herrlichen Fotos. „Weltklasse“ So kennt man es halt eben von Elke

    1. Oh Werner, ich freue mich total über das Lob :O Und ja, ich bin froh, dass Du mich an diese Runde erinnert hast!
      Liebe Grüße
      Elke

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