Ich war schon sehr häufig zum Urlaub im Hochwald und hatte bei meinem letzten Besuch auch ein Haus direkt am See. Sechs Tage Aufenthalt sind gebucht, ungeachtet der Tatsache, dass das Wetter mit einigen Kapriolen aufwarten soll. Ich brauche dringend einen Tapetenwechsel.
Ein erstes Mal erlebe ich Urlaub im gemäßigten Tempo, auf ganz andere Art und Weise als die Jahre zuvor. Vorweg genommen, ich habe mich so entspannt, dass mich erstmals seit zwei Jahren ein Atemwegsinfekt erwischt und so eine frühere Heimreise erzwingt.
Schade war, dass ich Lore und den Zahlmeister deshalb nicht treffen konnte, die hatten sich nämlich zum gleichen Zeitraum im Seehotel eingenistet.
Das Leben verändert sich
Im Vorfeld gibt es ein paar Infos zu meinem jetzigen Leben. Wer nur Informationen zum Ferienpark lesen mag, der scrolle einfach weiter.
Leider streiken meine Gelenke so nachhaltig, dass Wanderungen schlicht unmöglich sind. Erstmals in meinem Leben werde ich damit konfrontiert, dass mein Körper störrisch wie ein alter Maulesel signalisiert, dass er die Nase voll von Anstrengungen hat. Nun ja, das ist das Ergebnis eines Lebens ohne nennenswerte Schonung. Mein Rucksack war stets gut gefüllt. Wie oft habe ich schwere Lasten geschleppt, wollte ja immer eigenständig sein. Jetzt brauche ich, mehr als mir lieb ist, die Unterstützung anderer Menschen. Hölle ist DAS schwer für Frau „Mach ich alles selber“
Der Körper vergisst nicht und so sind die Gelenke der linken Seite besonders von Arthrose betroffen. Stur bin ich und relativ erfinderisch wenn es darum geht meinen dicken Kopf durchzusetzen. Im Jahr 2019 wanderte ich den Eifelsteig, streckenweise rückwärts, weil das Knie so weniger schmerzte. Diese Taktik hat mir auch im vergangenen Jahr beim Aufstieg zu den Rheinhöhen geholfen. Es nützt nichts, die Gelenke möchten nun eine gewisse Schonung. Heißt nicht Nichtstun, aber wie noch vor einem Jahr die Rolle PVC Boden selber nach oben tragen, die Zeiten sind vorbei. Jetzt muss ich ggf. warten, bis ein Nachbar mir Einkäufe nach oben trägt. Glücklicherweise lebe ich in einer ausgesprochen sozial verträglichen Umgebung.
In der Muckibude gibt es angepasstes Krafttraining, die Ernährung habe ich schon lange auf nahezu vegetarisch und zuckerarm umgestellt (bis auf gelegentliche Fressattacken). Aus berufenem Munde hörte ich „Ist die Seele krank, schmerzt oft der Körper“ Vielleicht ist da was dran, DENN, die Erfolge meiner Bemühungen sind bisher überschaubar und nach dem mehr als moderaten Krafttraining schmerzen die Knochen Tage lang. DAS ist frustrierend.
Seelische Gesundheit
Die familiären Ereignisse der vergangenen zwei Jahre haben Spuren hinterlassen, Spuren die ich nicht fühlen wollte. Mein Plan sie einfach zu ignorieren und wie gehabt weiter zu leben, das konnte nicht funktionieren. Am 14. Juli 2022, punktgenau ein Jahr nach den furchtbaren Ereignissen durch die Flut, fällt von einem Tag zum anderen das Leben aus der gewohnten Bahn. Die Ereignisse zogen mir den Boden unter den Füßen weg.
Mein typisches Verhalten: Tapfer sein, keine oder nur wenig Schwäche zeigen, nach außen klappt das. In meinem Kopf jedoch dreht sich alles nur um die aktuellen Themen, keine Nacht durchschlafen, immer Sorgen, Angst und Selbstvorwürfe. Ich habe noch nie erlebt, dass der Körper der Psyche so folgt, in eine Art Starre und Unbeweglichkeit verfällt. Ein dreiviertel Jahr später geht mein ältester Sohn aus dem Leben.
Meine Enkelin stellte in dieser Zeit die Frage „How many smiles did you fake today“ meine Antwort „keine“ war sooooo wenig der Realität entsprechend. Wie oft habe ich gelächelt und innerlich geweint. Meine Enkelin hingegen hat immer die ehrlichen Lächeln kassiert. Das ist aber auch ungeheuer leicht.
Trauer und Trauma sind nicht an Zeit gebunden
Wer einmal durch eine solche Hölle ging wird auch erfahren haben, dass das Umfeld mit Trauer, Schmerz und dieser Hilflosigkeit oft nicht oder wenig umgehen kann. Gerade wegen dieser Menschen glaubte ich, dass ich schnell mit der Trauer fertig sein muss. „Lächeln, einfach immer lächeln“. Jemand stellte mir wenige Wochen später die Frage “ Aber du machst doch Therapie?“ Ja klar, wöchentlich eine Sitzung, aber meine Psyche ist doch kein Auto, dass sich mal eben reparieren lässt.
Sehr sehr langsam näherte ich mich dem heutigen Stand meiner Erkenntnisse. „Das eigene Tempo zählt. Das alte Leben kehrt nie mehr zurück und einige Freundschaften auch nicht.“ Loslassen steht nun an, vor allem das alte Leben. Es bleiben Menschen die auch mir wichtig sind, Menschen die einen festen Platz in meinem Herzen haben und ich habe solch einen Platz ganz offensichtlich auch, wie dieses Beispiel zeigt.

Bescheidenheit und mehr heimisches Umfeld
So sehr ich es mir auch wünsche, nach Jahren Kampf gegen mich selber muss ich einsehen, zurück ins Jahr 2019 funktioniert nicht. Meine Aufgabe ist es wieder mehr in Kontakt zu gehen, Gemeinsamkeiten finden und mit der mir eigenen Eigenbrötlerei einen Kompromiss zu finden. Allem voran gilt es einen Weg zu finden Unterstützung zuzulassen. Ganz schön kompliziert, für mich zu mindestens.
Schon der Gedanke daran als gebrechlich und schwach zu gelten, auf Gehhilfen o.ä. angewiesen zu sein, jagt mir tausend Schauer über den Rücken und Tränen in die Augen. Immer noch sehe ich mich wandernd über schmale Wege flanieren. Der Abschied davon ist so unfassbar schwer.
Darüber hinaus wäre es wunderbar, wenn ich daheim mehr mit mir selber anzufangen wüsste. Da ist noch so viel Luft nach oben. Ich kann ja nicht immer nur Brot backen oder Bilder malen.
Im Sommer, OK….. Jetzt in dieser wärmeren Jahreszeit lockt der Balkon mit seinen bunten Blüten, seinen Früchten und Kräutern. Ich bin gerne hier zu Hause, auch wegen der angenehmen Nachbarschaft. Nun ja, die Zukunft wird hoffentlich noch Ideen bringen. Ab und zu Auszeiten in vertrauten und liebgewonnenen Regionen, dann aber ohne Infekt.

Nun aber genug des SeelenStriptease. Jetzt will ich aber noch anhängen, was mir in diesen wenigen Tagen Urlaub im Hochwald gut getan hat.
Urlaub im Hochwald
Sehr spontan hatte ich wieder einmal den Landal Ferienpark Hochwald im Hunsrück gebucht. Ich mag die Häuser, die Ruhe außerhalb der Ferienzeiten und diesen unglaublich schönen Blick auf den Keller Stausee. Das Herz geht mir auf, schon wenn ich dran denke. Auch wenn ich nicht mehr so mobil bin, die Möglichkeiten dort schöne Erlebnisse zu haben sind vielfältig und für mich mal ganz entspannend, keine Treppen zur Unterkunft. Auf der Terrasse sitzen und Käffchen trinken, den Gänsen beim hüten ihrer Nachkommen zusehen und gegenüber auf dem Reiterhof Fronhof die Kids auf den Pferden betrachten, das ist so schön.

Vorweg muss ich leider feststellen, dass die Häuser in einigen Punkten Mängel aufweisen. Aus meiner Sicht nicht erheblich störend aber es zeigt, dass auch hier der Arbeitskräfte rar sind, die auch Lust auf ihren Job haben.




Urlaub im Hochwald – Das Wetter ist gnädig
Die Aussichten in Bezug auf das Hunsrückwetter waren äußerst bescheiden. Zu meiner außerordentlichen Freude gab die Sonne aber immer wieder ein Stelldichein. Selbst wenn sie hinter Wolken verschwand, der Regen bleib in Wartestellung, bis ich ein Dach über dem Kopf hatte. So boten sich immer wieder Gelegenheiten zum trockenen Unterwegssein, einmal sogar rund um den Tümpel (äh Keller Stausee).
Der Keller Stausee
Es hilft Menschen vor Ort zu kennen
Ich habe, dank einiger hilfreiche Tipps von Margot und Michaela, für meinen Urlaub im Hochwald Ausflüge gesammelt. Bisher immer auf Wanderungen unterwegs, erhalte ich vermehrt Vorschläge für Sightseeing, klitzekleine Spaziergänge, Tipps zum regionalen einkaufen und Besuch von schönen Cafe´s. Das sind so viele schöne Orte, dass ich wohl doch kurzfristig wiederkommen MUSS.
Für diesen Part gibt es separate Blogbeiträge. Hier gibt es ein paar Eindrücke aus der unmittelbaren Umgebung, sprich rund um den See, an dessen Ufer ich, konkurrenzlos zu den Nil- und Kanadagänsen, residiere. „Fotos oberhalb dieser Worte“
Kell am See ist übrigens seit 1979 als Luftkurort anerkannt. Dank dichter Wälder und verhältnismäßig wenig Autoverkehr kann das auch noch ganz lange so bleiben.

Annettes Café & Bistro Abseits und Minisoccer
Am Abfahrtstag genehmigen wir uns noch den Abstecher ins unweit gelegene Annettes Café & Bistro Abseits und Minisoccer (Adresse: Arenswiese, 54427 Kell am See) Hier lässt es sich, im Rahmen, vor oder nach einer Wanderung speisen, ausruhen und Kids können spielen und toben.
Urlaub im Hochwald – Ende
So, das zum Park, dessen vielseitige Einrichtungen ich nicht nutzte. Hallenbad, Spielparadies, Hundewaschplatz, Restaurant und Parkshop habe ich dieses Mal nur im Vorbeifahren gesehen. Ich komme sicher wieder. Erst einmal sollte aber, nach den heftigen Regenfällen, die Region erholen.

Ich kann Ihre Erfahrungen und Gefühle sehr gut nachvollziehen. Der Hochwald ist ein besonderer Ort, der eine tiefe Ruhe und Gelassenheit ausstrahlt, die in hektischen Zeiten oft verloren geht. Auch ich habe dort schon Urlaub gemacht und die wunderbare Natur und die friedliche Umgebung genossen. Es ist bedauerlich, dass gesundheitliche Probleme Ihren Aufenthalt beeinträchtigt haben.Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Kraft und hoffe, dass Ihre zukünftigen Besuche im Hochwald genauso erfüllend und erholsam sein werden.
Mit besten Grüßen.
Danke für den innigen Beitrag, ich hab mich sehr gefreut, wieder etwas zu lesen.
Es wär gelogen, würd ich sagen, ich kann nachfühlen.
Aber zumindest deckt es sich mit meinen Ängsten. Unmobil werden, nicht mehr allein zurecht kommen….
Ich hoffe, es macht ein wenig Mut, dass ich Kraft aus ihren Worten ziehe. Ich wünsche Ihnen alles erdenklich Gute!
Ist aber auch wirklich schön dort 🙂 Ich wünsche Dir nächstes Mal einen Urlaub ohne allzugroße Hindernisse 🙂