An der Abbruchkante eines Abbaugebietes stehen und in die Tiefe schauen, ein wenig Gruseln im Genick. Wir sind unterwegs auf dem Bergbauwanderweg im Muttental. Zu unseren Füßen hunderte von Erdbienen, deren einziges Ansinnen zu sein scheint, die Sonne in die Flügel zu saugen.

Diese Bienenart ist gänzlich ungefährlich, bereichert aber unsere Insektenwelt ungemein. So haben wir auch die Erfahrung gemacht, dass sich nicht eine dieser kleinen Flieger an uns interessiert zeigte. Aber kehren wir zurück an den Anfang unserer spannenden Tour und zu den Teilnehmern.

Bergbauwanderweg im Muttental

Vor einiger Zeit kam ein Gespräch zwischen Jürgen (Wanderwegewelt), Rouven (Hike & Seek) und mir auf. Der Wunsch noch einmal mit der App von Rouven unterwegs zu sein veranlasste uns, noch einmal zusammen auf Tour zu gehen und das Muttental zu erkunden.  Ein paar Details zur Tour:

An einem Freitagnachmittag pünktlich an einem Ort am Rande des Ruhrgebiets zu erscheinen, ist kaum erfolgversprechend und doch, wir schaffen es alle drei. So können wir pünktlich 15 Uhr unsere kleine Tour starten. Vorweg sei gesagt, die beiden Herren haben sehr viel mehr Ahnung von Bergbaugeschichte. Jürgen durchstreift das in dieser Hinsicht voller Historischer Relikte gefüllte Ruhrgebiet regelmäßig, beinahe täglich. Er ist die reinste Enzyklopädie  in Sachen Revier, also ein prima Lehrmeister.

Unter munterem Geplaudere folgen wir dem Bergbauwanderweg, der zwar kein eigenes Zeichen hat aber überwiegend dem lokalen Wanderweg A3 folgt.

Bergbauwanderweg im Muttental
Diskussionsbedarf über den Ursprung dieser Kuhle, schlussendlich tippen die Herren auf eine Stellung, entstanden in Kriegszeiten

Schauen wir in den Abgrund?

Ein Abstecher ins Gelände oberhalb des Steinbruch Dünkelberg erlauben wir uns, da Rouven eine unerklärliche Erhebung in seiner App gefunden hat, deren Ursprung wir gerne erkunden möchten. Vor uns taucht ein Turm auf, dessen Funktion wir nicht erkennen können. Oben aus dem Dach wächst Gestrüpp und Baum.

Ein Turm auf dem Bergbauwanderweg im Muttental
Tädäääää, es ist ein Turm ;-) und wofür steht der dort?
Grünfläche am Turm
Freundliches Plätzchen zum Ruhe tanken
Abbruchkante Steinbruch
Abbruchkante, Überall Erdbienen

Über mehr oder weniger gut sichtbare Wege wandern wir weiter bis an die Abbruchkante des Steinbruch Dünkelberg. Dicht an der sandigen Kante wimmelt es von Erdbienen. Nur sehr vorsichtig empfiehlt es sich, sich näher an den Abgrund zu wagen. Die Gefahr hier herab zu stürzen ist sicher nicht zu unterschätzen. Die Überlebenschancen nach einem Abflug schätze ich als äußerst gering ein.

Steinbruch Dünkelberg von oben
Steinbruch Dünkelberg von oben
Deutlich sichtbar ein Kohleflöz im Steinbruch Dünkelberg
Deutlich sichtbar ein Kohleflöz im Steinbruch Dünkelberg

Zurück zum Wanderweg

Auf ähnlichem Weg stromern wir zurück zum Bergbauwanderweg. Wie damals, als ich erstmals hier unterwegs war, streifen wir das ehemalige Försterhaus. Dort biegen wir nach links ab.

Ehemaliges Försterhaus
Ehemaliges Försterhaus
Informationstafeln zum Bergbauwanderweg in Muttental
Informationsstele zum Bergbauwanderweg in Muttental

Überall am Weg stehen gut lesbare und intakte Informationsstelen, ein Umstand der sicher einer sorgfältigen Wartung zu verdanken ist. Es wird einiges an Informationen zur Geschichte des Bergbaus gegeben.

 

 

 

Bethaus

Das Bethaus aus 1830 bildete eine Versammlungsstätte für die Bergleute der umliegenden Zechen. Die Betriebskosten wurden von allen Zechen gleichermaßen getragen. Dort wurde Handwerkszeug geschmiedet und Versammlungen abgehalten. Heute bietet es neben einem kleinen Museum auch ein Gastronomieangebot in den Frühjahrs- bis Herbstmonaten.

Ehrenstein Verlorener Posten

So mancher Zechenname klingt eher traurig, wie der „Verlorene Posten“Am 28. September 1985 wurde ein Amboss als Ehrenstein hier aufgestellt. 

Abraumhalde der Zeche "Verlorener Posten"
Abraumhalde der Zeche „Verlorener Posten“

Ausstellung Herberholz

Eine frei zugängliche Ausstellung zum Thema Bergbau von der Entstehung bis zum technischen Fortschritt finden wir auf dem Ausstellungsgelände Herberholz. Initiiert und unterhalten wird die Ausstellung durch den Förderverein  Bergbauhistorischer Stätten Ruhrrevier e.V. 

In unmittelbarer Nähe  scharren und picken drei Hühner durch das Laub, fühlen sich offensichtlich pudelwohl. Ob die wohl für die leckeren Frühstückseier sorgen? Allerdings ist hier keine MEnschenseele zu sehen oder zu hören.

Verladeanlage Zeche Jupiter auf dem Bergbauwanderweg im Muttental

Eine gut durchdachte Mechanik sorgte für das bequeme Entladen der Loren auf Laster.  Die Schienen vor dem Stolleneingang enden nach einem kleinen Schwenk an einer Gerätschaft, mit der die Lore gedreht und ausgeleert wurde.

Verladeanlage Zeche Jupiter
Verladeanlage Zeche Jupiter

Muttenbach und weitere Zechen und Pingen auf dem Bergbauwanderweg im Muttental

Am Rande des Muttenbachs steht ein wunderschöner, steinalter Baum. Im Muttenbach spielen immer wieder gerne die Kinder. Heute turnt ein kleines Mädchen in einem der Bäume herum. Welch ein Spielplatz. Ideal für kleine Abenteurerinnen und Abenteurer.

Der alte Baum im Muttenbach
Der alte Baum im Muttenbach

Parallel zur ehemaligen Trasse der Muttentalbahn wandern wir weiter durch den lichten Wald.

Trasse der Muttentalbahn - Bergbauwanderweg im Muttental
Trasse der Muttentalbahn – Bergbauwanderweg im Muttental
Die App von Hike & Seek auf einem Iphone - Bergbauwanderweg im Muttental
Die App von Hike & Seek auf einem Iphone

Wir wandern weiter und schauen immer wieder auf die App, die uns interessante Punkte links und rechts des Weges aufzeigt. Manchmal sind es Pingen, oft aber auch nicht deutlich auszumachende Ursprünge. Dann wieder taucht ein Hohlweg auf, der freundlicherweise  bereits von der App vorangekündigt wird.

 

 

Bergbauwanderweg im Muttental
Wir folgen weiterhin dem A3

Immer wieder treffen wir auf Stationen der Steinkohlebergbaugeschichte. Hier zur Region Muttental gibt es eine Webseite mit reichlich interessanten Details. So habe ich einiges erfahren, das ich vorher nicht wusste, bzw. wieder vergessen hatte.

Burgruine Hardenstein mit Schattenfiguren auf dem Bergbauwanderweg

Im 14 Jahrhundert hat jemand sie errichtet und im 19. Jahrhundert aufgegeben. Die Burgruine Hardenstein ist nur noch zu einem kleinen Teil vorhanden. Jahrelang hat man sie mit einem Stützkorsett in aufrechtem Stand gehalten. Heute, nach vielen Jahren, sehe ich sie endlich ohne Gerüst. Natürlich nutze ich diese Tatsache und schieße massenhaft Fotos.

Das da oben ist nur eine kleine Auslese, es war ein Fest dort die Kamera zu benutzen.

Alles hat ein Ende

Ein Vereinigungsstollen, der für die Abfuhr von Kohleerträgen und Wasserentsorgung von vier Zechen gebaut wurde und wir kommen langsam zu einem Ende. Lediglich der Nachkriegsstollen, der noch einmal in Betrieb genommen wurde, damit die schmale Versorgung nach dem 2. Weltkrieg mit Kohle aufgepeppt werden konnte.  Aufgottgewagt verhießt nichts Gutes, obwohl dieser Name nicht in Stein gemeißelt ist.

Einmal in die Höhe schauen lohnt sich – Bergbauwanderweg im Muttental

Wenige Schritte weiter stehen wir am Steinbruch Dünkelberg. Irgendwo hier, ich hab es leider verpennt, ist hier der Kopf des Reichspräsidenten Paul von Hindenburg in Stein gemeißelt. Außerdem erkennen wir, wenn wir die Köpfe weit genug in den Nacken legen, ein Kohleflöz. Die dicke, schwarze Schicht ist prima zu erkennen. Was geschieht wohl auf lange Sicht mit dem unterbrochenen Teil im Flöz? Wird das Gestein nachgeben und dann irgendwann herunter krachen?

Deutlich sichtbar der Steinkohleflöz - Steinbruch - Bergbauwanderweg im Muttental
Deutlich sichtbar der Steinkohleflöz  Geitling
Bergbauwanderweg Muttental
Da fehlt doch etwas, am Flöz  Geitling
Hier ein Bildausschnitt des schwarzen Streifens - Bergbauwanderweg im Muttental
Hier ein Bildausschnitt des schwarzen Streifens des Flöz  Geitling – Bergbauwanderweg im Muttental

Auch die Bäume dort oben scheinen keinen dauerhaften Halt zu finden. Nicht umsonst wird vor betreten solcher Steinbrüche gewarnt. Hier ist aber alles gut abgesichert, sodass wir ungefährdet schauen können. Wann sieht man schon solche Besonderheiten in den Erdschichten?

Viel mehr zu diesem Thema gibt es in der schönen und informativen Zeche Nachtigall zu bestaunen. Leider ist sie am heutigen Tage bereits geschlossen, aber es ist ja auch ziemlich spät geworden.

Zeche Nachtigall

Ein kleiner Blick, unter dem ermahnenden Blick der Mitarbeiter des Museums, fotografieren wir ein wenig und schleichen uns als dann davon.

Gebäude an der Zeche Nachtigall
Kaputt ist irgendwie auch attraktiv, für mich
Zeche NAchtigall
Ich wäre gerne noch drüber gewandert

Das Gruben- und Feldbahnmuseum Zeche Theresia

Die letzten paar hundert Meter

führen am Gruben- und Feldbahnmuseum Zeche Theresia vorbei. Natürlich hat sie ebenfalls geschlossen und uns bleibt nur, durch die Gitter zu schauen und das ein oder andere Foto zu schießen. Bedauerlich, denn der Zaun stört sehr. Die alten, sehr verrosteten Wagen sind trotzdem spannend.

Gruben- und Feldbahnmuseum Zeche Theresia
Kein Blattgold an der Zugmaschine -Gruben- und Feldbahnmuseum Zeche Theresia
Gruben- und Feldbahnmuseum Zeche Theresia
Da würde ich gerne mal hinein

Es ist inzwischen 18:30 Uhr. Die Zeit ist wie im Fluge vergangen und sie war gefüllt mit reichlich Gehirnschmalz. Ganz entgegen meiner sonstigen Gewohnheit, blieb meine Babbelschnüss relativ unbenutzt, denn heute hatten die Herren mehr zu sagen. Mit einem schelmischen Blick zu Volker in der fernen Eifel, selber wenn Du nicht dabei bist. Für heute ist Feierabend. Nach einem letzten Plausch, ebenfalls mit Schwerpunkt bei den Männern, verabschieden wir uns.

Ich sage danke für einen spannenden Nachmittag und freue mich auf eine nächste Begegnung.

 

 

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4 Kommentare

  1. Diese Wanderung, dieser Nachmittag, diese Orte mit euch zu besuchen hat mir so viel Freude bereitet. Ich genieße es, dass alles hier Revue passieren zu lassen. Alleine dort oben auf dem Steinbruch zu stehen, wäre ausreichend gewesen diesen Tag als vollen Erfolg zu verbuchen. All die anderen Plätze, die Gespräche und Abstecher habe den Tag perfekt gemacht.

    Ganz liebe Grüße
    Jürgen

    1. Ja Jürgen absolut, es war eine herrliche Runde in perfekter Gesellschaft. Euch zuhören war klasse, da waren etliche Neuheiten für mich dabei. Ich hoffe es ergibt sich wieder einmal die Möglichkeit.
      Dir noch einen tollen Nachmittag
      liebe Grüße
      Elke

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