Eine schöne Gelegenheit mutig und verwegen zu sein ist sicherlich, auf einem Klettersteig herum zu turnen. Zwei blödelnde Bodyguards im Schlepptau, wage ich mich erneut nach Zell. Im Herbst auf dem Collis Klettersteig, das hat schon was.

Bereits im Vorfeld hatten einige der Mitturner vom Mittelrhein Klettersteig signalisiert „Ich komme mit“. Doch wie das so im Leben ist, kommen Familienangelegenheiten, Krankheiten und die Erkenntnis: „Hui die Anfahrt ist ja viiiiel weiter als ich dachte“  immer zum falschen Zeitpunkt. Übrig bleiben Winni (später Heini genannt), Gerhard und meine „Wenigkeit“

Mit Winni und Gerhard auf dem Collis Klettersteig

Ich habe das Glück aus der Eifel anzureisen und damit eine sehr kurze Anfahrt zu haben. So steht einem pünktlichen Treffen um 10 Uhr morgens nichts im Wege. Gerhard streunt schon auf und ab wandernd am Moselufer herum und grinst bei meinem Erscheinen auf Gerhard Art.

Nicht lange und der flotte Winni stößt dazu, ohne Rucksack! Während Gerhard und ich mit unseren 24-Liter Rucksäcken klettern werden, begnügt sich der „Flotte Winni“ mit einem Hüftgurt für´s Kleingeld + Schlüssel, sowie einer kleinen Wasserflasche. Dazu lassen wir uns zu einem späteren Zeitpunkt noch aus.

Und hier sind noch ein paar Informationen

  • Start/ Ziel: Zell an der Mosel, Moselstraße
  • Streckenlänge: 12 km
  • Höhenmeter: 420 m
  • GPS Track
  • Einkehr: Eine große Auswahl an Einkehrmöglichkeiten besteht in Zell, unserem Startpunkt.
  • Meine erste Begegnung mit dem Collis hier im Blog spannender ist der Mittelrhein Klettersteig 
  • Wunderbar in eine Wanderung integriert sind die Kletterstellen auf der Traumschleife Layensteig
  • Weitere Klettermöglichkeiten für Anfänger habe ich hier zusammengefasst: Leichte Klettersteige

Alle diese Kletterstellen lassen sich umgehen. Also steht immer eine Notlösung parat.

Der Ruheplatz für ältere Herren

Kaum unterwegs, da sitzen die beiden Herren schon ein erstes Mal. Die Fotos wurden bei Facebook bereits herum gereicht und haben dort für reichlich lästerliche Kommentare gesorgt. Unter anderem vermutete man, wegen der oberhalb der Bank angebrachten Warnung vor Steinschlag, dass diese von der Deutschen Rentenversicherung gestiftet wurde. Logisch wäre es!

Ruheplatz für Männer, unterhalb Collis Klettersteig
Waldorf & Statler bzw. Gerhard & Winni

Nachdem die beiden Altmeister der Wanderwege sich von den Plätzen erhoben und die Glieder sortiert sind, schlendern wir weiter. Bloß nicht verausgaben, denn das Finale in Form der Haken, Leitern und Krampen, wird uns noch genug abverlangen.

Durch die Weinberge bergan

Es ist schon gemein das jetzt zu sehen. Die Büsche und Bäume noch im vollen Laub, die Wege trocken und die Temperatur beinahe sommerlich. Diese Wanderung liegt nun schon eineinhalb Monate zurück, die Natur hat sich des Laubs entledigt, die Temperaturen sind um ein paar grad in den Keller gerutscht.

Handy daddelnd Berg hoch

Es dauert nicht lange und die erste Leiter zeigt den Beginn unserer Kletterpartie an. Harmlos und unschuldig steht sie da herum, geduldig und zuverlässig wird sie unser Gewicht ertragen.

Nebel im Moseltal
Blick auf Zell vom Collis Klettersteig

Während der Blick zurück erste Anzeichen des Herbstes zeigt. So trocken auch die letzten Monate waren, die Mosel lässt genug Wasser verdampfen, um den Ort unter uns in einen dunstigen Nebel zu versenken.

Natürlich hätten wir uns klare Sicht gewünscht, aber der Freude am Wandern tut die unerwünschte Erscheinung keinen Abbruch.

Manchen Bildern gibt die Autorin und Fotografin erst später eine Bedeutung. Mir ist nämlich vor Ort nicht aufgefallen, dass Gerhard seinen Liebesroman mit auf die Wanderung genommen hat. Tief versunken in die Handlung, nimmt er kaum mehr die Umgebung wahr (oder war es doch sein Handy?).

Gerhard daddelt am Handy
Gerhard scheint ein spannendes Buch zu lesen.

Es wird anstrengend auf dem Collis Klettersteig

Und jetzt geht es los, klettern ist angesagt. Winni wieselt über die in den Fels gehauenen Haken als gäbe es kein Morgen mehr, während Gerhard und ich gemächlich Eisen für Eisen angehen. Nicht nur, dass wir geringfügig mehr Pfündchen auf den Hüften tragen, auch unsere mega schweren und überdimensionierten Rucksäcke hindern uns daran es Winni gleich zu tun.

Winni auf dem Klettersteig
Leichtfüßig nach oben, der Winni

Die Lasten sind unfair verteilt

Ich sag euch was, Gerhard und ich haben gleich erkannt, dass Winni auf den Inhalt unserer Rucksäcke spekulierte. Getränke, Nahrung und Notfallausrüstung schleppen wir, während der Jüngste in unserer Mitte leichtfüßig und unbelastet vor uns herum flaniert.

Bewundernswerte Eigenschaften

Zu Winnis Ehrenrettung sei gesagt, er hat im Mai am Hollenmarsch teilgenommen. Innerhalb von 20 Stunden hat er sage und schreibe 101 km wandernd zurück gelegt. DAS muss man erstmal nachmachen.

Winni mit offenen Armen
Das Modell „Entspannter Mensch“

Gleichzeitig schafft es dieser ausgeglichen daher kommende „Jüngling“ aber auch, mit uns im Vergleich unsportlichen Menschen, diese entspannten Stunden zu verbringen.

Nicht einmal hatte ich das Gefühl zu langsam zu sein, mich sputen zu müssen. Vielen Dank Winni, Du bist eine Bereicherung meines menschlichen Erfahrungsschatzes.

Wenn Beine zu kurz sind

Wie schon beim ersten Mal Collis, stellen die Menschen mit den kürzeren Beinen fest, es ist nicht leicht die Wände hoch zu gelangen. Genau das ist aber das spannende am klettern. Nicht einfach hopp hopp nach oben, sondern nachdenken und wohl bedacht die Beine einsetzen. Hin und wieder ertönt von uns älteren Herrschaften: „Wieso machen wir sowas eigentlich?“, während Winni elegant die steile Wand hinauf klettert.

Ansicht die Steilwand hinauf
Hoch hinauf, auf dem Collis Klettersteig

Über Leitern und Eisen im Fels, gelangen wir immer weiter nach oben. Eine kleine Pause gewährt uns das entspannt zu gehende Zwischenstück durch die Weinberge, mit Blick auf Zell sowie Kaimt und Briedel auf der anderen Moselseite.

Blick auf Briedel
Blick auf die Mosel und Erholungsphase bis zum nächsten Steilstück

Wir sind die Helden

Winni klettert voraus! Er eignet sich gut als Anschauungsobjekt für diese Kletterstellen. Seine langen Beine sind kein Garant für lockeres Bezwingen dieser Wand. Auf den folgenden Fotos ist gut zu sehen, sie weit die Eisen auseinander liegen.

Im Nachhinein bin ich froh die große Kamera mit genommen zu haben. Sie sitzt sicher montiert an meinem Rucksackhüftgurt, nervt allerdings gewaltig beim klettern.

Ein Schild warnt vor der Gefahr im Collis Klettersteig
Eine Tafel weist auf die Gefahren hin, die ein Klettersteig so mit sich bringt – Herbst auf dem Collis Klettersteig
Elke und Gerhard auf dem Collis
Zwei Senioren auf dem Collis Klettersteig

Wir waren doch mal zu dritt

Was ist hier geschehen?

Ihr vermisst Gerhard auf den Fotos? Ich auch, der klettert stets hinter mir und gerät immer wieder aus dem Blickfeld. Runter fotografieren tue ich nur von ausgesprochen sicheren Standorten. Der Beweis, dass es angeraten ist hier vorsichtig zu sein, lag im Gebüsch.

Eine Nylon Strumpfhose unter einem Busch zeugt von dramatischen Ereignissen an dieser Stelle, so fantasieren wir.

Schmale Pfade unterhalb des Collisturm - Herbst auf dem Collis Klettersteig
Seile sichern den Gang über die schmalen Pfade – Herbst auf dem Collis Klettersteig

Über felsige Pfade und natürlichen Felsstufen gelangen wir immer höher hinaus. Gerhard hat mich flotten Schrittes überholt, er ist also tatsächlich noch mit uns unterwegs. Übrigens hat er auch eine glaubhafte Begründung für sein „Hinter mir laufen“

Original Gerhard: Was ich zu der Runde auch noch mal erklären muss. Okay ich war oft hinter Dir, aber meine komplette Konzentration bei dem Aufstieg, war immer wieder , wie fange ich Elke auf falls sie abstürzt. Das kostet Kraft und Anstrengung und kann nur jemand verstehen der diese Anspannung auch schon erlebt hat. 

Attraktive Pfade am Fels im Collis
Gerhard und Winni voraus

So angestrengt wie wir uns an Seilen und auf Leitern den Hang hinauf kämpfen, müht sich die Sonne ab, die Nebelschwaden nieder zu ringen. Immer wenn sie die eine Nebelbank vernichtet hat, taucht die nächste auf. Es scheint, als wolle es heute nur phasenweise freundlich werden.

Pause am Collisturm

Wer nun glaubt die Anstrengungen hätten ein Ende gefunden, der täuscht sich. Die schmalen Pfade schlängeln sich, über die Aussichtsplattform bis hoch zum Collisturm. Immer wieder sind hohe Abstände zum nächsten Felsvorsprung zu überwinden. Einigermaßen trittsicher und konditionell gerüstet sollten Wanderer auf diesen Wegen sein.

Doch dann sind wir oben am 1905 erbauten Backsteinturm. Ein großartiger Blick auf die Moselorte, die sich an die ruhig dahin fließende Mosel schmiegen, wird uns geboten.

Blick vom Collisturm auf die Mosel und ganz da hinten ist auch die Sonne

Ab ins Hinterland – „Sind wir hier falsch?“

Kartenausschnitt Open Streetmap
Kartenausschnitt Open Streetmap

Eigentlich wären wir auf kurzem Weg wieder am Ausgangspunkt zurück gewesen, wenn wir nicht die Verlängerung durch den etwas von der Mosel abseits gelegenen Waldabschnitt gewandert wären.

Unter dem kritischen Blick und entsprechenden Kommentaren von Gerhard, führe ich unsere kleine Gruppe über die Wege im Hinterland. Wenn man sich den Kartenausschnitt betrachtet, ist der Einwand schon berechtigt, dass wir hier nicht mehr an der Mosel sind. Die hat sich nämlich versteckt und taucht erst später wieder auf.

Läufer auf dem Waldweg
Während wir gemächlich dahin schlendern, sind andere schneller unterwegs.

Die Waldwege sind teilweise etwas eintönig, aber wenn ich jetzt die Fotos sehe, dann stelle ich fest „Es war nicht so schlimm, wie ich es vor Ort empfunden hatte.

Die zweifelnden Blicke und Kommentare, die Gerhard immer wieder loslässt, verursachen bei mir Unsicherheiten „Sind wir wirklich richtig?“

Der Track lügt nicht, so hoffe ich.

Gerhard in Pose
Die gute Laune verlässt uns nicht

Eine der Aussichten lädt zu einer weiteren Rast ein. Blödelwinni und Albergerhard sorgen für die humorige Unterhaltung. Es kommt keine Ruhe auf, die beiden haben nur Flausen im Kopf.

Immer gut gelaunt

Wirtschaftswege müssen breit sein

Wenn Fahrzeuge über Wege fahren, brauchen sie festen Untergrund und genug Platz. Aus diesem Grund heißen sie Wirtschaftswege. Leider sind diese hier nicht nur breit und fest, sondern stellenweise auch sehr unaufgeräumt.

Tapfer über platt gemachte Wege

Intensive Forstarbeiten haben Spuren hinterlassen.

Die „Wirtschaftswege“ sind auf grausige Weise verstümmelt. Ein trauriger Anblick
Winni und Gerhard auf Wiesenwegen
Erleichtert entern wir die Hochfläche und genießen die Sonne, die jetzt endlich die Vorherrschaft gewonnen hat.
Ginster, Tanjas Lieblinge
Und noch einmal eine wunderschöne Aussicht. Wir nehmen sie alle mit

Da ist sie wieder, die geliebte Mosel

Endlich taucht sie auf, die Mosel. Sie verlässt und jetzt auch nicht mehr, bzw. anders herum, sie ist ja immer da. Von jetzt an steigt die Laune noch um ein ordentliches Pfund. Alle sind hoch zufrieden. Einigkeit herrscht in dem Gedanken „Wer an der Mosel wandert, sollte sie auch sehen können“

Rast an der Lönshöhe

Rastplatz Lönshöhe
Rast- und Grillhütte an der Lönshöhe

Wieder einmal steht eine Rast vor der Wandertür. Die Lönshöhe ist ein beeindruckender Rastplatz. Nicht nur die wunderschönen Aussichten auf die Mosel becircen das Wanderherz, sondern auch die liebevolle Gestaltung.

Hier lässt es sich prima feiern und genießen, die Moselaner haben es gut!  😉

Blick auf die Mosel

Sportliche Gesellschaft

Über ein winziges Waldstück gelangen wir eine Wanderetage tiefer. Gelegenheiten sich sportlich zu betätigen werden von den Herren gerne genommen. Auch wenn es vorher gründliche Überlegungen gab, ob sich der Aufwand wirklich lohnt für meinen Kameraeinsatz die Wanderstöcke zur Seite zu legen.

Ein Baumstamm als Reck
Turnübungen am Reck

Heini wird geboren

Wieder zurück an der Mosel lesen wir die Mär vom Riwigmännchen, das gelegentlich als Fluchgespenst sein Unwesen an den Moselufern treibt. Wer hierzu mehr erfahren möchte, der begebe sich im Rahmen einer Stadtführung, unter dem Thema „Riwigmännchen“, auf die Socken.

Herrlichre Spätsommertag – Die Erinnerungen sind noch ganz frisch

Eine Gruppe gut gelaunter Wanderer/innen schwärmen plötzlich um uns herum und starren Winni ungläubig an. Eine der Damen fasst sich ein Herz und fragt „Sind sie Heino?“

Winni: „Nö“ , die Dame „Sind sie mit ihm verwandt?“  Winni: „Nö“ Offensichtlich verwirrt strebt die Dame wieder ihrer Gruppe zu, während wir uns beinahe abrollen vor lachen.

Ab jetzt nennen wir Winni, um nicht in einen Rechtsstreit über Namensklau zu geraten. nur noch „Heini“. Heini ist erstaunlich still, normalerweise fällt ihm immer irgendetwas Schlaues ein. Die Stimmung ist auf jeden Fall gerettet. Das war sie allerdings vorher auch schon.

Zell hat uns wieder

Nur wenig später laufen wir in Zell ein und entern die nächste ansprechende Gaststätte, natürlich draußen.

Überraschender Besuch

Während wir entspannt bei unseren Getränken sitzen taucht ein mir sehr bekanntes Gesicht auf. Meine Namensvetterin Elke, die die meisten nur aus Facebook kennen, steuert zielstrebig unseren Tisch an.

Elke im Fels

Sie hatte ursprünglich nicht vor die lange Anfahrt in Kauf zu nehmen. Der spätere Entschluss es doch zu tun führte sie zunächst nach Briedel zum wandern und anschließend nach Zell, um uns zu suchen.

DAS ist ihr richtig gut gelungen. Im Anschluss an unsere Rast in Zell, hat sie sich zusammen mit Winni noch auf den Collis begeben.

Ein in der Summe wunderbarer Wandertag ist zu Ende. Dank eurer Begleitung gab es reichlich Material zum schreiben und einige Arbeit für die Bauchmuskulatur. Lachen ist ein köstlicher Begleiter, der in der Begleitung garantiert dabei ist.

 

Eine kleine Sammlung weiterer Bilder vom Collis Klettersteig

Damit die Beiträge nicht mehr so bildlastig werden, stelle ich in künftigen Blogartikeln eine Bildergalerie an den Schluss.

3 Kommentare

  1. Hallo Elke,

    den Bildern nach zu urteilen war dies eine schöne Tour in einer tollen Gegend. Was ich auf den Bildern vermisse ist die Sicherung auf dem Klettersteig. Es sieht ziemlich gefährlich aus.

    Liebe Grüße aus der Pfalz
    Harald

    1. Guten Morgen Harald

      ja das war eine unglaublich schöne Tour. Eine Möglichkeit der Sicherung gibt es auf diesen Wegen nicht. Ungefährlich ist es sicher nicht, aber auch nicht so, dass geübte Wanderer das nicht hinbekämen.Ich persönlich würde nur Erwachsene dort mit hinnehmen. Die können für sich selber entscheiden.

      Liebe Grüße aus dem trüben Leverkusen
      Elke

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