Heute bewege ich mich wieder einmal in die Eifel Richtung Mechernich. Erste Station wird das  LVR-Freilichtmuseum Kommern sein. Im Anschluss finde ich eher zufällig in eine Römische Kalkbrennerei in Iversheim. Zum Abschluss besuche ich mal wieder die Bruder- Klaus Kapelle in Wachendorf. Ein Event-tag sozusagen, bunt und voller Geschichte und Geschichten.

LVR-Freilichtmuseum Kommern

Eine Zeitreise, das können Besucher des LVR-Freilichtmuseum Kommern erleben. Immer wieder einmal zieht es mich in dieses großräumige, ausgesprochen attraktiv gestaltetes Freilichtmuseum. Unter dem Thema „ZEITBLENDE“ werden jährlich an genau 50 Jahre zurück liegende Ereignisse erinnert. Einen historischen Campingplatz, rd. 200 Oldtimer und Musik aus dem Jahr 1969 werden in diesem Jahr erwartet.

Das alles finde ich inmitten einer ohnehin schon historisch gestalteten Umgebung. In diesem Jahr stelle ich mich noch einmal dem Trubel. Ziemlich früh anreisen ist ein Garant für relativ ungestörtes flanieren und so bin ich bereits wieder weg, als es richtig voll wird.

Rund um das LVR-Freilichtmuseum Kommern

Heute ist es relativ einfach das Ziel vieler Autofahrer zu erkennen. Auf der Strecke Richtung Kommern sind heute eine Menge Oldtimer unterwegs, um genau zu sein Oldtimer die 50 Jahre alt sind.
Auf den Straßen Kommerns sind diese alten Gefährte immer häufiger anzutreffen. Durch die ländliche Region fahren, tuckern, rollen viele Käfer, Ford ist abwechslungsreich vertreten und auch Land Rover  sind dabei.

Unterhalb des LVR-Freilichtmuseum Kommern liegen schon die Röllekes aus Gras und Stroh. Andernorts grasen Kühe auf der Wiese. Unverkennbar nahe dem Museum bin ich, als die ersten menschlichen Wegweiser mit gelben Westen  auftauchen.  Ein etwa 10 jähriger Bub weist die PKWs unter Aufsicht seines älteren Begleiters ein. Er und die anderen jungen Helfer haben sichtlich Spaß an ihrer Aufgabe.

Es kann los gehen

Der Weg vom Parkplatz zum Museumseingang zieht sich etwas steiler über 400 m hinauf. Wer sich das nicht zutraut kann mit einem Shuttlebus hochfahren. Gefragt wurde ich, sehe wohl schon ziemlich alt aus. NATÜRLICH laufe ich, wenn auch, wie in letzter Zeit öfter, prustend. Stolz wie Bolle lasse ich dennoch das Jungvolk hinter mir, die offensichtlich zu einem großen Teil solche Steigungen nicht gewohnt sind.

LVR-Freilichtmuseum Kommern
Es zieht sich sanft bergan

Die Kasse ist noch relativ leicht zu passieren, die Menschenmengen tauchen sicher erst gegen Mittag auf. Ein kleine Rundgang durch den Museumsshop lässt mich hier und dort verlangend stehen bleiben. Meiner Geldbörse habe ich jedoch den Verbleib im Rucksack verordnet und so komme ich ungeschröpft ins Freie.

Nach einem weiteren kleinen Anstieg lande ich an einem Blütenmeer. Stauden für den heimischen Garten werden angeboten, aber auch hier bleibt es bei dem Kaufverbot an mich. Die nächste Station ist der Tanzsaal der Jahrhundertwende aus Pingsdorf. Davor hängen und stehen Plakate von FDP SPD und CDU, Parteiwerbung aus längst vergangenen Zeiten. Die Wahl-Versprechen sind nur anders formuliert, inhaltlich unterscheiden sie sich kaum von den heutigen. „So wählen Sie richtig.“ „Damit Sie auch morgen in Frieden leben können“……

Und stoppt schon stehe ich hier an der ersten kulinarischen Ecke an der Brot Kuchen und sonstige Leckereien verkauft werden. Auch dieses verlockende Angebot ignoriert mein kaltes Herz (keine Bange, das ändert sich noch)

Ziemlich bald erreiche ich die erste Baugruppe und tauche damit tief in die Vergangenheit ein.

Baugruppe Westerwald/Mittelrhein

Auf der Webseite des Museums finde ich reichlich Informationen sowohl zur Siedlungsform des Westerwald und in wiefern sie sich von der Eifel unterscheidet. Aber auch die einzelnen Häuser sind aufgeführt und beschrieben. So finde ich auch zum ersten Gebäude reichlich Information, die auch weit über die auf der Beschilderung hinaus gehen.

Anders als der Text auf dem Schild es vermuten lässt „Haus aus Hanf“, besteht das Haus nicht aus Hanf, sondern ist mit Lehm verputzt. Dieser „Streck-Hof“ stand einst im Ort Hanf. Ein Streckhof zeichnet sich durch die Bauweise der einzelnen Bauteile aus. Sie werden in einer Flucht aneinander gebaut. So entstand zunächst das Wohnhaus im Jahr 1688. Erst 1722 baute man Stall und Scheune an.

Haus aus Hanf - LVR Freilichtmuseum KommernHaus aus Hanf - LVR Freilichtmuseum Kommern
Haus aus Hanf – LVR Freilichtmuseum Kommern

Viele Menschen sind an den Häusern interessiert. So ist es kompliziert die Persönlichkeitsrecht wahren zu wollen, trotzdem aber Aufnahmen zu zeigen, die eventuell zum Besuch des Museums anregen. „Nein, es ist keine Werbung“ Mir gefallen die Freilichtmuseen, vor allem die landwirtschaftlich geprägten.

Nicht jedes Haus habe ich mir von innen betrachtet, hierfür suche ich mir einmal einen Tag mit weniger Puplikumsströmen aus. Gemütlich schauen und lesen, das geht außerhalb der Ferienzeiten und unter der Woche besser.

LVR Freilichtmuseum Kommern
Hobbyfotografen – Mit den Beiden hatte ich ein anregendes Gespräch zum Thema DSGVO – Danke für die kurzweilige Unterhaltung

Dorfladen im Haus aus Grossholbach

Obwohl es in diesem Haus niemals einen Laden gegeben hat, wird hier die mögliche Situation einer dörflichen Handlung gezeigt. Die neuen Dorfläden entstanden häufig in den Wohnräumen der Bauernhäuser, und deshalb wurde hier im Museum ein solcher Laden im Haus aus Großhohlbach eingerichtet. Das Warenangebot und die Ausstattung zeigen einen Laden, wie er in den 1930er Jahren ausgesehen hat. (Webseite LVR Freilichtmuseum Kommern)

Haus aus Grossholbach
Haus aus Grossholbach aus dem frühen 18. Jahrhundert

Die ersten Oldtimer tauchen auf – Zeitblende 1969

Statt groß von Dingen zu erzählen, von denen ich keine Ahnung habe, zeige ich einfach die Bilder. Schön sind die alten Gefährte allemal und deshalb bin ich hier

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Ich habe jetzt ein wenig gefuscht, dazwischen langen nämlich noch andere Eindrücke, die nichts mit der Zeitblende 1969 zu tun haben. So habe ich euch aber wenigstens meine persönliche Highlights aus der Fahrzeugsammlung in einem Stück präsentiert.

Eifelhöfe und wieder auf Anfang – LVR-Freilichtmuseum Kommern

Und damit es zu einem schnelleren Ende des Beitrages kommt, bekommt ihr auch die restlichen Bilder in einem Schwung. Die Eifel ist stark vertreten, klar immerhin sind wir in einem Eifel-Museum.

Zurück auf Anfang heißt, ich lande wieder an dem Verkaufsstand mit den leckeren Broten und Kuchen. Inzwischen haben sich die Tische gefüllt, sodass ich mich zu einem Päärchen setze, die mir dies freundlich gestatten.

Frische Backwaren und Kaffee

Ein Stück köstlich frischen Kirschstreusel + Kaffee verschwindet unter dem neidvollen Blick der herum fliegenden Wespen in meinem Magen. Eine der gefräßigen Flieger hat sich auf dem Kuchen des mir gegenübersitzenden Herrn nieder gelassen. Unbeirrt fräst sich der Kucheninhaber um die Wespe herum. Das letzte Stück ergattert er, indem es die Wespe auf seine Gabel lotst (funktionierte prächtig) und schwupps war das kostbare Gepäck in des Herren Mund verschwunden. Als die Wespe den Betrug realisiert fliegt sie noch einmal rund um den Kopf meines Gegenübers und macht sich dann auf zum Nebentisch.

Wie schön, immer wieder diese Geschichten und die daraus entstehenden Kontakte und Gespräche. Bald verabschieden sie die beiden, der Herr der Wespen und Begleiterin, sie erkunden jetzt das Museumsgelände. Mir bleibt dann nur der Abschied. Auf dem Weg zum Ausgang begegnen mir zwei aus der Szene des Sozial Media Webs, Michael und Bine. Wie schön wieder einmal real auf Menschen getroffen zu sein, die ich bisher nur über Facebook und Instagram wahrgenommen habe. Ich hoffe wir sehen uns bald mal wieder.

Eifelblick(e) vor dem LVR Freilichtmuseum Kommern

Außerhalb des LVR-Freilichtmuseum Kommern breitet sich die Eifellandschaft aus und schon beim Herkommen war klar, zum Eifelblick muss ich kurz hin. Eifelblicke sind in der gesamten Eifel verteilt und bieten im Regelfall besonders schöne Aussichten in die Region. Hier verläuft auch einer der neuen

Eifel Schleifen „Vom Mühlensee zum Eifelblick“ 

Früher ein regionaler Rundwanderweg der Stadt Mechernich, heute eine Eifel Schleife. Geblieben ist der Streckenverlauf. Einen GPS Track gibt es später.

Wanderparkplatz Staudamm „Mühlensee“ – Erholungspark Mühlental – Hostel – Eickser Busch – Waldkapelle – Wasserschloss Eicks – Parkplatz Freilichtmuseum – Kommern – „Mühlensee“ – 10,9 km

LVR-Freilichtmuseum Kommern
Auf zum Eifelblick

Keine Ahnung aber zeigen möchte ich es trotzdem, das „Historische Vermessungsgerüst“, sieht kompliziert aus, das Ding.

Historisches Vermessungsgerüst
Historisches Vermessungsgerüst
Am Eifelblick - LVR-Freilichtmuseum Kommern
Eifelblick Kommern

Nun ja und das war es dann für diesen Teil meiner Erlebnisreihe. Jetzt fahre ich zur Bruder-Klaus-Kapelle, meine ich zumindestens.

Steinbruch und  Römische Kalkbrennerei Iversheim

Auf der Suche nach der Bruder-Klaus-Kapelle lande ich an einer alten römischen Kleinbrennerei.

Anfahrt: Römische Kalkbrennerei Iversheim
Kalkarer Weg
53902 Bad Münstereifel-Iversheim
Telefon: (0049) 2253 3385

Hier ist ein ehrenamtlich tätiger, sehr auskunftsfreudiger Herr vor Ort. Nach Entrichtung des kleinen Obulus von 2 Euro schaue ich mich, unter der Führung des Herren, um. Es ist nur eine kleine Halle, jedoch mit geschichtsträchtigem Inhalt.

Römische Kalkbrennerei
Römische Kalkbrennerei

Auf dem großen Schild vor dem Eingang steht das hier wohl ein Dutzend Fabriken gewesen sein könnten, also eine größere römische Kalkindustrie angesiedelt war. Im dritten Jahrhundert nach Christus wurden römische Baustellen so mit wertvollem Kalk versorgt. Möglich war dies nur, weil Korallenriffe das Kalkhaltige Gestein hinterlassen hatten.

Die Römer und die Steine

Die Römer waren die ersten, die das Rheinland mit Bauten aus Stein bestückten. Zum verbinden der Steine brauchte es verbindende Stoffe und hierfür eignete sich hervorragend Kalk. Mein Informant hält mir einen schweren Stein entgegen und gibt mir in die andere Hand eine Tüte mit Kalk. Er erklärt mir, dass bei dem Brand des Gesteins Kohlenstoffdioxid entzogen wird, zurück bleibt Kalk. Damit verringert sich das Gewicht des Produktes ca. um die Hälfte.

Mit Wasser und Sand gemischt entsteht ein Brei, mit dem man die Steine für die Bautätigkeiten verbindet. Beim austrocknen reichert sich der klebende Brei wieder mit Kohlenstoffdioxid an und wird damit wieder zu Stein. Nur dass der Stein sich inzwischen mit dem Bausteinen verbunden hat.

So habe ich den Prozess verstanden.

Es brauchte viele Öfen

Über der Brennkammer wurde Lehrgerüst gebaut, darauf stapelte man  bis zu 25 Tonnen Gesteinsbrocken. Herrje welch ein Knochenjob.  Bei 1050 Grad Celsius wurden diese Steine über 6 – 7 Tage gebrannt, um Kalk zu gewinnen. Da stand dann Tag und Nacht Personal um dem Ofen mit Holz einzuheizen. Die Öfen konnten insgesamt nur einmal im Monat genutzt werden, da die Einrichtung, Brand und ausräumen so viel Zeit brauchten.

An diesem Ort gab es sechs Brennöfen. Drei dieser Öfen sind in dem kleinen Museum zu sehen.  Der Ofen draußen vor dem Gebäude wurde vor Jahren einmal in Betrieb genommen, um einen Brennversuch zu starten. Dieser Versuch war erfolgreich, sodass die hier beschriebene Brenntechnik wahrheitsgemäß beschreiben wurde.

Darstellung der Industieanlage Römische Kalkbrennerei
Darstellung der Industieanlage Römische Kalkbrennerei

Steinbruch nebenan

Nachdem weiterer Besuch kommt schnappe ich mir noch Informationsschriften zu dieser Anlage und weiteren Standorten im Rheinland. Der freundliche Herr weist mir den Weg zu einem nahe gelegenen Steinbruch, den ich mir noch anschauen werde. Unverhofft wieder etwas Neues entdeckt, prima.

Steinbruch nahe der Römischen Kalkbrennerei
Steinbruch nahe der Römischen Kalkbrennerei

So, jetzt aber bitte die Bruder Klaus Kapelle finden. Wieder mache ich mich auf nach Wachendorf und dieses Mal habe ich Glück. Der Parkplatz ist riesig und relativ leer. Neben mir stehen junge Leute aus den Niederlanden, die ihre Mahlzeit auspacken und mit einem Gaskocher zu Gange sind. Für mich gilt jetzt den letzten Programmpunkt anzusteuern.

Bruder-Klaus-Kapelle

Zu der besonderen Bauweise habe ich bereits in einem anderen Beitrag in diesem Blog geschrieben. Eine Wanderung mit Zwischenziel Bruder- Klaus Kapelle ist dort auch integriert. Es gibt zudem eine neue Eifelschleife mit dem Namen:

  • Stockertblick und Herkelstein, früher Regionalwanderweg Mechernich No. 5
  • Wegeverlauf: Wachendorf – Herkelstein (Fernsicht) – Röttgerhof – Bruder-Klaus-Kapelle – Wachendorf –10,8 km GPS Track

Bisher ist das Wetter trotz starkem Wind und hin und wieder bedrohlichen Wolken doch sehr gnädig mit mir gewesen nicht einen Tropfen hat es herunter geregnet. Ich hoffe nun, dass mir das Wetter gnädig gestimmt ist, denn der Weg zur Kapelle ist recht weit.

Weg zur Bruder Klaus Kapelle
Weg zur Bruder Klaus Kapelle

Bin ich tatsächlich langsamer geworden in meinem Schritt oder hat man die Wegeführung verlängert? Die zu absolierende Wegstrecke zur Feldkapelle erscheint mir viel länger als das letzte Mal. Sanft bergan geht es im Zickzack Kurs zur Kapelle.

Doch endlich steht sie vor mir, natürlich wieder mit Menschen davor und drum herum. So heißt es Geduld haben. Dieses Mal möchte ich nicht hinein (Innenfotografie ist sowieso verboten). Mein Ansinnen ist es, sie von allen Seiten rund herum abzulichten. (Solche Wege nur für Fotos, ist das blöd?)

Bruder- Klaus Kapelle
Bruder- Klaus Kapelle durch die „Blume“
Die Eingangstüre hat schon eine klasse Form
Bruder- Klaus Kapelle von hinten
Bruder- Klaus Kapelle von hinten
Gerade sind wieder Menschen drin verschwunden
Tür geht auf, gleich wird es wieder voll
Abschied – Es kommen immer mehr Besucher

Es ist unglaublich wie rege diese kleine, so abgelegene Feldkapelle besucht wird. Ziemlich flott mache ich mich wieder auf die Socken.

Eigentlich sollte es nur das LVR-Freilichtmuseum Kommern sein

Endlich fahre ich dann auch heim. Für heute habe ich genug gesehen und immer wieder stelle ich fest: „Die Eifel ist wunderschön“ Tausend Möglichkeiten bietet sie mir Tage der Wonne zu erleben.

Ich verabschiede mich nun von euch und wünsche einen tollen Sonntag im August 2019

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