Wir, die Generation 60+, wollen alleine und selbstständig wandern und reisen. Ziel ist es auf Mehrtageswanderungen individuell unterwegs zu sein, gleichzeitig aber eine Sicherheitszone zu spüren. Was nehme ich mit, was kann daheim bleiben? Wie motiviere ich mich, wenn es mal nicht weiter gehen will.  Ich hätte da ein paar Tipps für Wandern ohne Gepäck  mit 60+

In diesem Jahr starte ich durch. Das letzte Arbeitsjahr vor der Rente ist angebrochen. Mein treuer Weggefährte Spike hat seine Heimreise angetreten. Der Schockstarre folgt erst einmal ein extremer Wunsch von zu Hause fortzukommen, der heimischen Leere zu entfliehen. Gleichzeitig gilt es aber auch, lang gehegte Wünsche zu realisieren.

Der Eifelsteig ist mein erstes großes Projekt. Ich möchte diesen Top Trail Of Germany erwandern, von Kornelimünster bis Trier, in meinem Tempo. Und dann winken da noch die Berge. Rund um die Zugspitze heißt es im August für mich und Katja. Geplant war aber auch diese Reise ursprünglich allein.

Wandern ohne Gepäck mit 60+ und als Single

Nun ist der Eifelsteig meine erste mehrtägige Streckenwanderung, die ich alleine bewältige. Die Distanzen  mancher Eifelsteig Etappen nötigen mir Respekt ab, immerhin ist mein Körper mit einem gewissen Übergewicht ausgestattet. Ich schrieb es schon in meinem Beitrag „Ich bin rund – Wandern mit Pfunden“ Im Verlauf der Wanderungen sollte ich hier auch noch einige Erfahrungen sammeln.

Ich sage es vorweg, ich bin noch nicht ganz durch mit dem Eifelsteig. Im kommenden Jahr (2020) stehen noch zwei Etappen an. Die werde ich auf jeden Fall anpacken, wenn die Tageslichtstunden für die sehr langen Distanzen genügend Raum bieten. Ein Resümee zu diesem schönen Fernwanderweg ist mir dennoch möglich, vor allem kann ich euch vielleicht ein paar Tipps geben, wie ihr gut durch längere Etappen kommt.

Grenzen überschreiten mit 60+

Mut zu haben etwas anzupacken, das mich ein wenig über die eigenen Grenzen trägt, das macht am Ende stolz. Das allein ist schon ein wichtiger Motivator auch längere Etappen zu schaffen.

Untrainiert oder 60 + auf Mehrtagestouren

Es ist erstaunlich aber wahr, nach den ersten Tagen läuft es besser, meist schon am zweiten Tag. Ich als Bürotante sitze in der Woche rd. 8-9 Stunden auf dem Po, mit nur wenigen Unterbrechungen. Folge ist, der Körper kommt gar nicht auf die Idee Reserven zu mobilisieren. Das tut er nur, wenn ich nach einem Arbeitstag noch die Energie aufbringe sportlich aktiv zu sein. Das wieder schaffe ich nicht mehr.  Es nervt mich, aber langfristig krieg ich es nicht hin genug Sport in den Alltag zu integrieren.

Bin ich auf Mehrtagestouren unterwegs kriegt mein Körper aber offensichtlich eine Art Signal „Hey, Du musst jetzt umschalten auf Leistung“ Das gelingt mir nicht am ersten Tag. Der ist dann eher von Trägheit geprägt und Anstiege sind mühselig. Nun darf ich nicht verschweigen, jedes Wochenende geht es für mich auf Wanderwege. Auch meine Urlaube sind voll mit Wanderungen, da ist selten ein Ruhetag drin. Also, restlos unsportlich bin ich nicht.

  • Tipp: Am ersten Tag einer Mehrtagestour eine moderate Etappe zum einwandern planen

Es gibt immer schnellere Wanderer/innen

Wie oft bekomme ich zu hören: „Die Strecke schaffe ich in xxx Stunden. Schon schwingt sich mein Ehrgeiz in die Höhe und tönt „Klar, schaffe ich auch“ und dann geht mir nach einer Weile des angestrengten schnell wanderns die Puste aus und das nachhaltig.

  • Tipp: Geh Dein eigenes Tempo. Falls Du Dich anderen Wanderern anschließt, achte auf Dein persönliches Wohlfühtempo. Wer schneller läuft, als der Körper es hinkriegt, läuft unrund. Folge sind Schmerzen in den Sehnen, ggf. in den Hüften.

Schwache Momente akzeptieren

Jede, aber auch jede längere Wanderung bringt mich irgendwann an einen Punkt an dem ich mir wünsche jetzt ganz schnell fertig zu sein. Ich bin eben nicht sooo jung und fidel und oft genug zwackt es auch mal hier und da. Wieso ich dann 25 km Etappen wandere? Weil ich nicht aufgeben möchte, weil ich älter bin und jede Möglichkeit fit zu bleiben mitnehmen will.

  • Tipp: Wenn die Beine nicht mehr wollen, die Puste fehlt, einen bis zwei Gang runter schalten, aber weiter gehen. Ich gehe mindestens noch einen Kilometer weiter, aber eben langsam. Niemand hetzt mich (außer im Winter die fehlenden Tageslichtstunden). Pausen für eine kluge Nahrungszufuhr nutzen und unterwegs immer genug trinken (isotonische Getränke einbauen)

Vorbereitung ist alles – Auch beim Wandern ohne Gepäck

Schon nach den ersten Tagen auf dem Eifelsteig wird klar, zusätzlich zu meinem eigenen Körpergewicht möchte ich nur wenig Gepäck mit mir herum tragen. Also werde ich, wie es im Angebot der Eifel Tourismus GmbH aber auch der Eurohike Wanderreisen enthalten ist, den Gepäcktransfer in Anspruch genommen.

Es ist erholsam am Abend die sauber gepackte Tasche im Hotel/Pension vorzufinden und nach dem Duschen die frische Kleidung anzuziehen. Duschzeug und diverse Annehmlichkeiten finden dort Platz. Tja was soll ich sagen, ein wenig verwöhnt bin ich schon.

Rucksack Gepäckliste – Wandern ohne Gepäck

In meinem Beitrag über Rucksackinhalte habe ich bereits einige Dinge aufgeführt, die mir wichtig sind. Einige Utensilien habe ich inzwischen ergänzt.

  • Tempotücher
  • Wasservorräte (Ich bevorzuge eine Wasserblase mit Thermohülle)
  • Navigationsgerät mit Ersatzbatterien
  • Kamera mit Ersatzaku (Wobei bei regelmäßigem laden der Akku auch gut in die Reisetasche kann)
  • Handy
  • Taschenlampe
  • Taschenmesser
  • Erste Hilfe Tasche mit zusätzliche Blasenpflastern und Schmerzmittel
  • In der Geldbörse ein Zettelchen mit Anschrift und Rufnummer eines Freundes oder Familienangehörigen
  • Trekkingstöcke (außen am Rucksack)
  • Meine Wanderomi muss auch mit
  • Eine anständige Lunchbox aus Metall, die ist genial.
  • Alle wasserempfindlichen Teile in Tüten. Dafür suche ich noch eine umweltverträglichere Lösung.
  • *Powerbank zum nachladen meines Handy unterwegs, für mich unverzichtbar geworden
  • Statt Papier und Stift hilft mir jetzt die App „Google Notizen“ einfach reinquatschen und das Programm schreibt.
  • Eventuell Ersatz TShirt, eine Regenjacke und Ersatzsocken
  • Für unterwegs eine himmlische Ergänzung, wenn es mal irgendwo zwackt ist Body Glide „Relief“ Es wirkt wie meine Pferdesalbe, wärmt die betroffene Stelle und sorgt so für bessere Durchblutung. Dadurch, dass das Mittel in einem Stick geliefert wird, habe ich meine Hände sauber. Das Zeug brennt nämlich in den Augen und unterwegs Hände waschen ist selten möglich.

 

Wie packe ich meinen Rucksack – Wandern ohne Gepäck

Die ersten 1-2 Kilometer trägt sich ein höheres Gewicht ungewohnt. Nichts ist nerviger, wenn der Rucksack drückt und nach hinten zieht. Aus diesem Grund gibt es einige entscheidende Tipps, um dem entgegen zu wirken. Ich habe es in der Praxis getestet und bin mit folgender Verteilung gut gefahren.

  • Schwere Dinge nahe am Rücken, da steckt meine Trinkblase (Reinigung Trinkblase)
  • Nach unten ins Bodenfach packe ich Regenschutz und Erstehilfetasche, sowie Ersatzakus und Ersatzsocken
  • In das Hauptfach kommt die Lunchbox ganz nach unten, auch wenn es umständlicher ist, diese unter Jacken und diversen leichten Teilen rauszukramen.
  • Oben ins Deckelfach, in Tüten verpackt Tempotücher z.B.
  • Wo ich Schlüssel und Smartphone vergrabe verrate ich nicht ;-)

Kleines Handgepäck für den Transfer – Wandern ohne Gepäck

Neben Kleidung, die jeder für sich selber bestimmen muss, kömmen meine Tagesmedikamente und Kosmetikartikel in die Tasche. Für meine USB Ladekabel habe ich einen Mehrfachstecker, der die Geräte wie Handy, Powerbank etc. aufnehmen kann. Für die Ladung meiner Kamera benötige ich leider ebenso ein eigenes Ladegerät, wie für das Wiederaufladen der Mignonzellen für mein Garmin.

Füße brauche Freiheiten

Ein paar flache Trailschuhe nehme ich mit, für den Fall dass mal einfache Strecken mit wenig Höhenprofil das tragen bequemer Schuhe möglich machen. Auch für abendliche, kleinere Spaziergänge oder Ruhetage sind sie für mich unabdingbar. So können die Füße wenigstens hin und wieder etwas aufatmen.

Die Sache mit den Wanderstöcken

Ich nehme sie jetzt immer mit. Die ersten Tage Eifelsteig waren geprägt von starken Schmerzen im linken Knie. Die Stöcke sind beim Berg herunter wandern eine wichtige Unterstützung, da sie eine Menge Körpergewicht abfedern. Auch beim hinauf wandern entlasten sie auf langen Strecken sehr gut. Dazu kommen orthopädische Knieschoner. Mit dieser Ausstattung fahre ich gut.

Planung der Busverbindungen

Wanderreisen wie ich sie erlebte, die eine Buchung der Unterkünfte und Gepäcktransfer beinhalten, haben viele weitere Vorteile. Frühstück und Abendessen sind nach Wunsch inkludiert, ein Lunchpaket ist ebenfalls zubuchbar. Ebenfalls im Paket enthalten sind Informationen zu den Bus- und Bahnverbindungen, falls nötig und GPX Tracks für die Sicherheit in der Streckenführung. Telefonnummern der Hotels sichern ggf. einen Abholdienst, falls die Kraft mal nicht für die gesamte Strecke reicht. Das ist für Ältere und Alleinwanderer eine echte Erleichterung.

Zuwegungen vorher ausarbeiten

Da ich bei allen Touren auch einen GPS Track auf meinem Garmin GPSMAP 64s habe, arbeite ich zusätzlich Zuwegungen in die Tracks ein. Das funktioniert hervorragend mit dem Programm „BaseCamp“. Übrigens kann ich diese Tracks auch so konvertieren, dass sie über Smartphone genutzt werden können. Alternativ kann dafür aber auch outdooractiv genutzt werden. Ich habe es, gebe ich zu, noch nicht getestet ( mache ich in Kürze aber mal)

Es erfordert aber eine für mich sehr ungewohnte Vorplanung, mich um all diese Dinge zu kümmern. Als bequeme Tagestourenwanderin bin ich sehr verwöhnt. Daheim nutze ich Fahrrad und meine Füße für innerstädtische Distanzen, für größere Einkäufe mein Auto. ÖPNV war mir immer ein Alptraum. Ich stelle jedoch fest, dass nach einigen Tagen selbstständigen Unterwegs seins, der Schrecken vor z.B. der ÖPNV- Nutzung verschwunden ist. Um so angenehmer sind die sonstigen planerischen Leistungen derjenigen, die den Rest übernehmen.

Das Wetter……

ist unkalkulierbar. Keine Veranstalter kann darauf Einfluss nehmen und gebucht ist gebucht.

Es wird Sonne angekündigt und es schneit? Die Prognose Dauerregen ändert sich in strahlenden Sonnenschein? Alles schon gehabt. Also befindet sich in meinem Gepäck immer eine Bandbreite an Kleidungsstücken, die ggf. übereinander getragen eine wärmende Schicht ergeben. Die Regenjacke, soweit vorhanden, sollte so dimensioniert sein, dass mehr drunter passt, als nur ein dünner Pulli. Für mich eine sehr praktische Angelegenheit ist eine dünne Softshelljacke deren Ärmel man abzippen kann. Natürlich, wie oben bereits geschrieben, Ersatzsocken im Gepäck.

Mein Fazit – Wandern ohne Gepäck  als Single 60+

Ich stelle fest, dass ich die jugendliche Flexibilität eingebüßt habe. In sofern sind mehrtägige Wanderung auf anspruchsvollen Fernwanderwegen eine wichtige, prägende und vor allem bereichernde Erfahrung. Diese ersten Mehrtagestouren haben mich gelehrt, dass es immer Lösungen gibt. Es ist wunderbar zu erleben wie leistungsfähig mein Körper noch ist. Da ist ein gewisser Stolz entstanden es geschafft zu haben. Wie viel ich mir in den nächsten Jahren noch zutraue wird sich zeigen.

 

9 Kommentare

  1. Danke für den sehr informativen Artikel. Mehrtageswanderungen mit und ohne Gepäck unterscheiden sich m.E. grundlegend. Vor kurzem war ich mit Gepäcktransport auf dem Malerweg unterwegs und heilfroh darüber. An manchen Stellen war es so eng, dass man sich schon mit dem Day Pack hindurchzwängen musste.
    Auf dem Münchner Jakobsweg habe ich mein Gepäck getragen. Bin auch nicht mehr die Jüngste und nicht besonders fit, aber letzendlich war der Rucksack kein Problem ( s. meine Posts). Eine sehr interessante Erfahrung ist aber, dass man gezwungen ist, die Dinge, die man mitnimmt soweit wie nur möglich zu reduzieren, weil man sie schleppen muss. Natürlich brauche ich auch orthopädische Knieschützer und Medikamente etc. Trotzdem hat mir dieser Minimalismus gut gefallen.

    1. Hi hi, Du machst mir gerade richtig Mut. Momentan schmerzt wirklich alles und ich überlege wie weit ich das mit dem weitwandern treiben möchte. Nun lese ich Deine ehrlichen Worte und wisch mir erleichtert den Schweiß ab. Ich werde mit Vollgepäck nicht mehr wandern, mein Hüftgepäck ist einfach zu hoch. Aber weiter wandern möchte ich noch sehr sehr lange.
      Vielen Dank für Deinen Kommentar und gleich hüpfe ich mal rüber zu Dir.

      Liebe Grüße
      Elke

  2. Wieder ein schön geschriebener Blog. Und toll, wie du dich in deine Leser reinversetzen kannst, indem du dabei schon Fragen beantwortest, die beim Lesen aufkommen könnten. 🙂

    TourNatur sagt mir jetzt nichts, aber vielleicht hast du ja mal Lust demnächst in einem Blog aufzuzählen, wo du dir deine Wanderungen heraussuchst.

    Viele Grüße

    1. Hui ja klar kann ich mal listen wo ich meine Wanderinspirationen herbekomme. ;-)

      Liebe Grüße
      Elke

  3. Die Tips sind klasse und ich bewundere Deinen Ergeiz. Ich musste LAG erst beibringen das ich ein anderes Tempo habe als er, aber mitlerweile hat es sich eingespielt. Aktuel sichte ich meine „Beute“ von der TourNatur und mache eine Liste der Wanderungen (ggf auch Mehrtagestouren am WE)

    1. Oha comma Tour Natur ist echt gefährlich. Da entdecke ich jedesmal so viele Sachen und dann komme ich immer ins zappeln. Noch 5 Monate dann bin ich in Rente, und dann hoffe ich noch recht viele Wanderreisen machen zu können. Hier kommt eigentlich immer nur meinen Körper in die Quere. 🙈

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