Es ist gegen sechs Uhr in der Frühe, als ich ein erstaunlich munteres Vogelkonzert durch die geschlossene Balkontüre wahrnehme. Gestern zogen Kraniche über das Haus, alles deutet auf ein kommendes Frühjahr hin. Wie wird es wohl heute in der Eifel aussehen, wenn wir Wanderschnecken den Bergheidenweg wandern? 

Auf den Wegen und Pfaden dieses Wanderrundweges in Arft sind Spike und ich unzählige Male während unserer Urlaube in der Ferienwohnung Am Rassberg gelaufen. Heute ist der vierte Tag nach seinem Tod.

Der Bergheidenweg

  • Start/ Ziel: Arft, Wanderparkplatz Am Rassberg (L10)
  • Streckenlänge: 10,5 km
  • Höhenmeter: 289 m
  • Track zur Tour
  • Meine Lieblingsunterkunft: Haus Am Rassberg, Dorfstr. 27
  • Einkehr: Wabelsberger Wacholderhütte in Langscheid, Neuer Weg 16 (Hier startet das Traumpfädchen mit nur 3,4 km)
  • Wanderweg in unmittelbarer Nähe: Traumpfad Wacholderweg, der sich auch prima mit dem Traumpfad Bergheidenweg verbinden lässt. Hier ein Vorschlag dazu.
Wanderschnecken auf dem Bergheidenweg
Start Am Rassberg auf den Bergheidenweg

Überall liegen Reste des letzten Schneefalls vom vergangenen Montag, wie Erinnerungen an den Winter. Wir erreichen den geräumigen Parkplatz um 10:30 Uhr und stellen fest, es ist bereits erstaunlich warm. Die Sonne umhüllt mit ihrer erstaunlichen Kraft schon jetzt jeden erreichbaren Zipfel Leben. Wie wohltuend und wie verheißungsvoll für unser heutiges Wandervorhaben.

Ein erster Rückblick

Nur kurze Zeit später ereilt uns eine erste Erinnerung an eine Wanderung hier. Der Bergheidenweg sah uns ja nicht erstmalig hier.

Bergheidenweg im Schnee
Alex mit Momo und Volker mit Indy

Wir (Tanja und ich)  trafen Volker und seine Frau mit Indy und Momo im Februar 2017. Die wenigen Kilometer haben Spike damals bereits einiges abverlangt, aber seine Augen waren noch wach, interessiert und meistens hungrig.

Indy ging am Ende des Jahres 2017 den Weg, den Spike vor ein paar Tagen beschritt.

Elke am Sitzbaum
Wie konnte es geschehen, dass ich diesen Baum bisher übersehen habe?

Wenn der Winter mit dem Frühjahr…..

Es ist ein eklatanter Unterschied zwischen den frühlingshaften, wohltuenden Temperaturen und dem winterlich, tristen grau-braun der Bäume. Jedoch ist die Besonderheit der Wacholderheiden und der gesamten Region Arft, dass die Nadelgehölze, Ginster und Wacholder immer wieder auch Farbtupfer in der hügeligen Landschaft hinterlassen. Niemand käme auf die Idee, dass es sich um ein Winterfoto handelt, wären dort unten nicht die Schneeflächen zu sehen.

Blick in die wintergrüne LAndschaft der Wacholderheiden
Der Blick in die unendliche Tiefe der Eifel

Zusätzliche Farbkleckse zaubert Conny mit ihrem orangenen Winterpullover, der bereits nach kurzer Zeit zur Überhitzung führt. Die Wanderstöcke kommen zum Einsatz, nachdem Tanja die erste Rutschpartie auf dem steil abwärts führenden Pfad mit deutlichem Fluchen quittiert hatte.

Es ist auf dem hart gefrorenen Boden tatsächlich eine Herausforderung unfallfrei diesen einzigen deutlichen und langen Abstieg des Tages, nach Netterhöfe zu meistern.

Es geht gefühlt nur einmal bergab

Erleichtert biegen wir ab und schlendern gemächlich auf den weichen Wiesenwegen hin zur Nette, die wir nachher überqueren werden. Es geht weiterhin bergab, aber nun moderat und verträglich für Knie und Gleichgewicht.

Wiesenweg zur Nette
Auf weichen Wegen sanft bergab
Altes Wasserhäuschen in Arft - Der Bergheidenweg
Altes Wasserhäuschen

Vorbei am alten Wasserhäuschen erreichen wir bald die Nette. Sie müssen wir mittels Trittsteine überqueren, die leider nicht das ideale Mittel einer Bachquerung darstellen, da sie bei Hochwasser überspült sind und mitunter auch unvorhersehbar glitschig.

Früher gab es hier eine Holzbrücke, die jedoch eine kräftige Strömung bei Hochwasser hinweg gerissen und zerstört hat.

Leider wird nun zu Zeiten mit hohem Wasserstand der Nette, der gesamte Traumpfad gesperrt. So geschehen im Januar 2018. Schade um den Weg, finde ich. Conny tastet sich überaus vorsichtig über die Steine, ist sie doch gerade wieder die Dauerschmerzen in den Knien los.

Auf Trittsteinen durch die Nette auf dem Bergheidenweg
Auf Trittsteinen durch die Nette auf dem Traumpfad Bergheidenweg
Conny überquert die Nette
Conny tastet sich vorsichtig voran.

Es folgen schattige Wege durch das Schluchtental, parallel zum Selbach. Die Sonne steht so tief, dass ihre Strahlen den Waldboden noch nicht erreichen. Ein paar Wochen später wird das anders aussehen. Wir nehmen uns Zeit, unendlich viel Zeit, denn daheim wartet nun niemand mehr auf mich. Es ist ein ungewohntes Gefühl ohne den vielfachen Blick auf die Uhr unterwegs zu sein.

Conny auf dem Ansitz
Conny auf dem Ansitz im Schluchtental

Höhenmeter gewinnen und der erste Schweiß des Jahres

Langsam aber ausgesprochen konsequent werden wir nun wieder bergan geführt. Wir drei haben das Gefühl Blei in den Beinen zu haben, dabei sind es lediglich ein paar Kilos zusätzlich auf den Hüften, die uns so träge die Wege nehmen lassen.

Typischer Entschuldigungssatz von Tanja: „Im Winter muss man sich auch mal was gönnen und kann auch mal 10 Kilo zunehmen“ Grrrr, das hat zwar keine von uns erfüllt, aber diese Einstellung bringt eben auch immer die gut sitzenden Hüftringe an.

Ziemlich fix verschwinden die Kleiderschichten im Rucksack.

Bei Tanja, die in wenigen Tagen auf eine Insel flüchtet, steht „Anbräunen“ auf dem Programm. Todesmutig entledigt sie sich ihrer Jacke und läuft fortan im T-Shirt.  Wir beiden Frostbeulen frieren schon alleine bei dem Anblick.

Wunderschöne Wege mit Moosfelsen
Für Conny kein T-Shirt Wetter

Frühlingsdüfte wehen über das Land – Selbachhöhe

Wir verlassen den Wald und die ganze Welt scheint sich uns zu Füßen zu legen. Offen liegt die Eifellandschaft vor uns und begrüßt uns mit dem betörenden Duft der frisch ausgebrachten Gülle. Die leicht angegrünten Gesichter nach dem ersten tiefen Atemzug könnt ihr euch sicher vorstellen.

Selbachhöhen
Links von uns die Wiesen strahlen den herben Duft der Gülle aus

Für meinen Teil denke ich mir einfach Spike liefe neben mir und hätte einen fahren lassen. Die beiden Duftrichtungen tun sich gegenseitig nix. Weiter oben treffen wir auf einen der vielen Holzstapel. Viele resultieren sicher aus der Trockenheit des vergangenen Sommers. Reichlich Nadelholzflächen mussten geerntet werden, weil die Bäume unwiederbringlich kaputt gegangen, oder dem Borkenkäfer anheim gefallen sind.

Hoch gestapelte Baumstämme
Eine Menge Holz

Wanderschnecken sind immer auf der Suche nach Rastplätzen

Hier oben finden wir dann auch die lang ersehnte Bank. Leider mit dem Rücken zur Sonne, aber immerhin Sonne, lassen wir uns auf der Bank mit Blick auf Hohenleimbach nieder und genießen die mit gebrachten Speisen und Getränke.

Bank auf der Selbachhöhe - Der Bergheidenweg
Bank auf der Selbachhöhe

Als wir registrieren, dass das Paar oben an der Schutzhütte die Bank freigibt, haben wir in nullkommanichts unsere Sitzgelegenheit geräumt und schwirren ab Richtung Hütte. Hier sitzen wir noch einmal ausgiebig plaudernd. Sonne, Sonnenwärme und diese göttliche Landschaft lassen Glückshormone durch unsere Adern rauschen, immerhin war der Winter sehr ungemütlich.

Schutzhütte Selbachhöhe
Schutzhütte Selbachhöhe mit wunderbarem Blick in die Sonne

Irgendwann brechen wir erneut auf, eigentlich wollen wir gar nicht. Der Kaffeedurst lässt uns aber vorwärts streben, denn immerhin warten lecker Kaffee und Kuchen auf uns.

An gut gedüngten Feldern vorbei

Der etwas langatmige Teerweg, der wieder im Wald endet, wird versüßt durch die über uns hinweg ziehenden Kraniche. Ihr Rufen ist noch vor der Sichtung zu hören und sie verkünden das kommende Frühjahr an. Schwarm um Schwarm zieht über unsere Köpfe hinweg, lässt in uns sentimentale Vorfreude aufsteigen. So wehmütig wir Wanderer/innen den Abzug im Herbst quittieren, so erwartungsvoll und froh registrieren wir ihr Kommen im Frühjahr.

Kranichschwärme über uns auf dem Bergheidenweg
Die Kraniche kehren zurück

Wacholderheiden

Wir stellen einhellig fest, der nun folgende Streckenabschnitt ist das Highlight des Traumpfades Bergheidenweg und bildet so einen würdigen Abschluss. Die knorrigen Stämme der Wacholder und Kiefern ragen mit ihren tief grünen Ästen in den kräftig blauen Himmel.

DAS ist der typische Bergheidenweg mit seinen Wacholderheiden
Herrlicher Blick und das zu jeder Jahreszeit
Rechts der Wacholder

Es kann uns nicht langsam genug gehen. Jede sucht ihr eigenes Tempo und damit auch ein wenig Ruhe. Die Wanderwege sind weich gepolstert. Am Wegrand wachsen Heidelbeerbüsche. Ob sie wohl auch im kommenden Sommer so reichlich tragen wie im vergangenen Sommerhalbjahr?

Baumgerippe
Das Gerippe ist schon so alt – Unterwegs auf dem Bergheidenweg

Menkehöhen und unendliche Schönheiten

Wieder tauchen Erinnerungen auf, dieses Mal an den Herbsturlaub 2018. In der untergehenden Sonne haben Volker und ich hier oben den letzten ungetrübten Altweibersommerabend genossen. Viele wunderschöne Fotos, vor allem von Junghund Shaggy, sind dabei entstanden.  Aber auch bei Tageslicht und auch im Winter, ist die Stimmung hier ein Traum.

Auf der linken Seite wächst junger Ginster heran. Im vergangenen Jahr sind die Altsträucher zu einem großen Teil den Gang des irdischen gegangen. So ist es in allem. Das Alte muss gehen, das Jungvolk wächst nach. Und schwupps sind die Gedanken wieder bei Spike. Er war sehr alt mit seinen 16,5 Jahren.

Menke Park - Der Bergheidenweg
Menke Park – Der Bergheidenweg

Bevor wir die L10 überqueren um den Raßberg wieder in Augenschein zu nehmen, muss ein Foto her. Tanja im Schnee und mit T-Shirt bekleidet. Na das musste einfach sein, für die Memoiren.

 

 

Zurück Richtung Raßberg und dem Brokkoliebaum

Wir wandern gemächlich weiter, denn wir haben noch reichlich Zeit bis 15 Uhr, unsere verabredete Zeit mit Volker und Frau. Dieser schöne Weg führt an der Rodelbahn und Skipiste von Arft entlang. REchts von uns ragt der Turm am Raßberg auf.

Rechts der Raßberg - Auf dem Bergheidenweg
Rechts der Raßberg – Der Bergheidenweg

Plötzlich kommen uns über alle Gesichtszüge lachende Fahrradfahrer entgegen. Volker und Alex strahlen uns an, die ersten Begrüßungsworte werden gewechselt. Wie schön. Wir haben noch ein kleines Stück Weg und fahren dann mit dem Auto zum Haus Am Raßberg.

Die beiden radeln in einem Bogen zum gleichen Ziel.

Volker und Alex auf den Rädern Richtung Heimat - Der Bergheidenweg
Volker und Alex auf den Rädern Richtung Heimat

Wir bestaunen derweil noch den Brokkoliebaum, von dem wir nicht wissen, welcher Baumart er sich zugehörig fühlt

Brokkoliebaum, weil er wie Brokkolie aussieht
Brokkoliebaum Am Raßberg – Auf dem Bergheidenweg
Turm und Heidelandschaft Am Raßberg
Turm und Heidelandschaft Am Raßberg

Kaffee und Kuchen im Garten

Ein wunderschöner Wandertag neigt sich dem Ende zu. So kann das Frühjahr jedes Jahr eingeläutet werden, bis auf die traurige Tatsache dass ein Gefährte sein Leben verliert, natürlich!

Die kurze Strecke zur Dorstraße 27 in Arft ist schnell gefahren. Von Weitem sehe ich schon den Schäferwagen und auch das Haus Am Raßberg. Ein kleiner Besuch an der Grabstelle von Spike und wir treffen das Gastgeberehepaar am Tisch im Garten.

Bei Kaffee und Kuchen (Volker hat den meisten gegessen- ährlich)  und tausend Geschichten über unsere Hunde, geht dieser Tag zu Ende. Erfüllt mit einer unglaublichen Dankbarkeit für die Freundschaften zu den Wanderschnecken und den beiden lieben Eiflern, die uns hier so liebevoll empfangen haben, fahren wir wieder heim.

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3 Kommentare

  1. Jaaaaaaaaaaaa…..der Volker hat am meisten Kuchen gefuttert…..äääääährlich!! Da dreht man sich einmal um und schwups – liegt schon wieder ein Stück Kuchen auf dem Teller. Und meine genossene Erziehung in der Kinderstube sagt mir: „et wird jääs, wat op de Desch kütt!“ :-) :-)
    Grandiose Bilder an diesem wunderschönen Vorfrühlingstag. Auch wenn unsere Liebsten inzwischen eigene Wege gehen, so waren sie doch dabei und werden es auch immer sein <3

    1. Oh ja Volker, sie werden uns immer begleiten und sich auch ganz sicher immer wieder in Erinnerung bringen. Die Titanen der Eifel sind allgegenwärtig. Und der Kuchen, tja….ähe ich hatte auch ziemlich viel davon. Käsekuchen mag ich nämlich ziemlich jern

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