In Belgien wandern steht schon ewig auf meinem Wanderzettel und ich hoffe, dass ich einige davon noch in diesem Jahr anpacken kann. Sowohl für Winter als auch Sommer geeignete Tour ist die Wanderung an Weser und Eschbach zum Hohen Venn. Die naturbelassenen Wege verführen allerdings auch Zecken, sich zahlreich an menschlichen und tierischen Körpern fest zu setzen. 

Weser und Eschbach zum Hohen Venn
Hier geht es durch, das reinste Zeckenhotel – Hier findet ihr einen Blogbeitrag zu den kleinen Blutsaugern

An Weser und Eschbach zum Hohen Venn

  • Weserbachtalstraße 2, Raeren in Belgien
  • Streckenlänge: 16 km
  • Höhenmeter: 186 m
  • GPS Track bitte dringend mitnehmen, Beschilderung nicht mehr lückenlos vorhanden
  • Einkehrmöglichkeiten gibt es z.B. in Roetgen
  • Ein Abstecher zur Wesertalsperre bietet sich an

Im Hohen Venn ist es kühler

Im Hohen Venn sind die Temperaturen grundsätzlicher niedriger, so auch am heutigen Tag. Unter 20 Grad und ein leichter Wind streicht über meine Haut, so kühl dass es fast unangenehm ist. Ich bin gerade jetzt hierher geflüchtet, weil mein Körper nach anfänglichem Jubilieren über die hohen Temperaturen, jetzt doch eine Absage an mich erteilt. Einen so deutlichen Unterschied, auch von der Luftqualität, hätte ich allerdings nicht erwartet.

Mein Auto stelle ich am Straßenrand ab und unterhalte mich mit einer Anwohnerin, die mit einer sehr lustlos dahin schleichenden Hündin unterwegs ist. Wie ähnlich doch alte Hunde sind, wir grinsen über die typisch störrischen Aktionen unserer Senioren und trennen uns, als mein Wanderweg beginnt.

Waldbrandgefahr

Gleich am Waldrand wurde ein Zettel aufgehangen, der vor Waldbrand warnt. Die lange Trockenheit lässt momentan Gräser und Wälder wie Zunder brennen, da reicht eine Glasscherbe, auf die Sonnenlicht fällt oder eine achtlos weg geworfene Zigarette. Auch die heißen Teile am Unterboden eines Autos können Gräser entzünden, weshalb auch hier Achtsamkeit gefordert ist.

Rein ins Wandervergnügen und an der beinahe trockenen Weser entlang

Ein etwas längerer Einstieg über Straßen und Wirtschaftswege wird mir abverlangt, bevor ich inmitten von Mutter Natur lande. Ich kann nur über das satte grün der Gräser und des Farns staunen.

Ganz offensichtlich hat die Trockenheit zwar auf den Böden ihre Spuren hinterlassen, aber die Feuchte der Flussufer reicht für genug Wasser in den Wurzelbereichen.

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Nach der Weser kommt der Eschbach

Das trockene Bett des Eschbach

Der Eschbach fließt der Weser zu, leider momentan mit eher wenig Wasser im Gepäck. Das Bett des Eschbach ist beinahe gänzlich trocken gefallen. Kurz steig ich hinunter in das Bachbett, um eine Weile darin unterwegs zu sein.

Doch halt, da war eine Nachricht in den Medien, man solle in trockenen Fluss- und Bachbetten nicht wandern. Es verstecken sich kleine Lebewesen darin, für uns meist nicht sichtbar. Wir würden, gerade in Naturschutzgebieten, viel Leben zerstören.

Also stiefele ich schnellstens wieder heraus und wandere auf dem vorgegebenen Pfad.

Hin und wieder finde ich noch Wasseransammlungen, die ich natürlich fotografieren muss.
Herrliche Waldwege und die Sonne zeigt sich nun auch öfter

Wo ist der Weg?

Beinahe ausschließlich wandere ich nun auf Wegen die deutlich anzeigen, dass sie in den vergangenen Wochen kaum oder keinen menschlichen Besuch hatten.  Falls irgendwo die Schilder mit dem grünen Balken vorhanden waren, so konnte ich sie nicht sehen. Aus dem Grund rate ich dringend einen GPS Track oder gut Karte mitzunehmen.

Zugewachsene Wege

Schaut einfach mal die Fotos und macht euch ein eigenes Bild. Für mich war es ein Traum, für Zecken empfängliche Menschen dürfte es eher ein Albtraum sein.

Ein Rastplatz und eine wunderschönen Brücke

Ein Rastplatz taucht vor mir auf und die Brücke, die ich schon auf Fotos zur Tour bei Outdooraktive gesehen hatte. „Zack“ Rucksack landet auf der Bank, meine kleine Möhrenkiste wird aus dem Rucksack gekramt und dann erst einmal Platz genommen und die Stille genossen.

Kinners, es ist ein Traum hier zu sitzen. Es ist kühl, so angenehm wie seit Wochen nicht. Mein Kreislauf und Körper bedanken sich artig, indem sie auf Eskapaden wie Schwindelanfälle und Kopfschmerzen verzichten.  Hier treffen Eschbach und Steinbach aufeinander.

Die Brücke im Urwald

Aus der Distanz sieht die Brücke total Stabil, wenn auch die Form etwas an einen Walfischbauch erinnert. Bein näher kommen fällt mir auf, dass am Ende ein Teil der Brücke weg gebrochen scheint. Sicherheitshalber trete ich den Weg auf die andere Seite dann doch durch das trockene Bachbett an.

Heidelbeeren und Brombeeren

Heidelbeersträuchen dicht an dicht

Die Nahrung der Monate Juli und August besteht auf meinen Wanderungen zu einem großen Teil aus Brombeeren und in diesem Jahr, aufgrund eines geradezu üppigen Vorkommens, auch aus Heidelbeeren.

Heute kann ich mich rund und satt essen, an den süßen Früchten und die Büsche sind hoch genug, um alle Fuchsbandwurmängste unnötig erscheinen zu lassen.

Die Waldwege sind mit dicken Wurzeln durchzogen

Bäume, die auf die Wege fallen, werden allenfalls zur Seite geschoben, wenn sie denn tatsächlich nicht mit Klettereinlagen überwunden werden können. Es bleibt liegen was hinfällt, so achte ich sorgsam darauf nicht hinzufallen, denn daheim weiß wieder einmal niemand wo ich mich herum treibe.

Die Pfade sind so mit Wurzeln durchzogen, dass ich am Ende des Tages in den Füßen spüre, was ich geleistet habe. Dank flexibler, aber doch dicker Sohle an meinen Hanwag, ist es gut möglich den Weg zu spüren.

Das  Hohe Venn

Ziemlich plötzlich liegt die urwaldartige Atmosphäre hinter mir und die Landschaft öffnet sich hin zum Hohen Venn.

Das Hohe Venn/ Ternell

Riesige Schneisen liegen zwischen den Waldabschnitten. Sollen die bei Waldbränden helfen? Ich vermute es.

Breite Schneisen zwischen den Waldgebieten

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Wieder Kehrt-Marsch in den Norden

Nicht mehr viele Fotos finden den Weg auf den Kamera-Chip. Ich genieße es einfach ruhig dahin zu wandern, ohne Druck und in der angenehm temperierten Luft des Hohen Venn. Der Wind sorgt für Abkühlung ganz genau in dem Maße, wie es sich gut anfühlt.

Auf zunächst breiten Wegen schlendere ich, nach einer kurzen Rast wieder durch Wald.

Vennsiedlung  Reinartzhöfe

Der Oberhof

Ich hatte mir fest vorgenommen genau darauf zu achten wo die Ruine zum Oberhof Reinartzhof steht und wo die Stelen zu den restlichen Höfen der Siedlung.

Es ist mir gelungen und dafür bin ich dankbar. Wie oft schlendere ich an manchen Stellen vorbei und versäume es genauer hinzuschauen, vor allem wenn Wanderwege sich dem Ende zuneigen.

Die Vennsiedlung liegt im Einzugsbereich der Wesertalsperre, die der Tronkwasserversorgung diente. Aus diesem Grund wurden 1958 per Erlass die Bauern enteignet und mussten bis 1961 ihre Höfe aufgeben. Hier der Oberhof wurde abgefackelt und das Gelände mit Fichten und anderen Pflanzen versehen. So konnten die Mauern nach und nach zuwuchern.

Der Mittelhof

Nichts steht mehr von dem alten Gemäuer. Wohl sind aber einzelne Steine in den Bau der kleinen Waldkapelle eingeflossen. Die Menschen hatten ein schweres Tagwerk zu verrichten, schon die Wegstrecken zwischen den Höfen und Eupen, den Verkaufsstätten für landwirtschaftliche Produkte, forderte Mut und Ausdauer.

Gedenktafel an den Mittelhof

Die Waldkapelle und eine Rasthütte

Die Pfadfinder Raeren haben aus den Ruinen der drei Höfe die kleine Waldkapelle gebaut. Der Grundstein wurde im April 1971 gelegt. Um die 500 Gäste kamen zur Einweihung am 11. Juni 1973.

Waldkapelle Reinartzhöfe

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Unterer Hof

Gedenkstele Reinartzhöfe – Unterer Hof

Die Schönheiten nehmen kein Ende

Eine Allee führt von den Höfen und der kleinen Waldkapelle weg und ich kann mir vorstellen, wie schon zu früheren Zeiten dies hier eine Verbindung zwischen den Höfen und der „Zivilisation“ war. Wie grausam musste es für die Landwirte sein, hier weg zu müssen.

Bald erreiche ich den dritten im Bunde der Vennbäche, den Steinbach. Auch er führt wenig Wasser. Die Vegetation ist üppig und erfrischt geradezu. Streckenweise bin ich nicht mehr allein. Familien mit Kindern, Decken, Kühltaschen und Sandspielzeug bewaffnet zeihen offensichtlich zur Wesertalsperre.

Auch eine kleine Gruppe wandernder Frauen kommt mir entgegen und zu meinem Leidwesen sind sie, oder zumindest eine, stark parfümiert. Dieser Geruch schwebt nun für eine Weile auf dem Weg, bis ich erleichtert irgendwann abbiege.

Bodeguero – Der Terrier mit Herz

Es gibt viele Menschen, die sich einer Sache verschreiben, so wie es das Ehepaar, das ich auf den letzten Metern meiner heutigen Tour treffe. Sie sind Pflegeeltern und Halter einer besonderen Terrier-Rasse, den Bodeguero. Auf ihrer Seite Bodimobil könnt ihr mehr erfahren. Die muntere Schar hat etwas positiv, ermunterndes und witziges. Die Begegnung war kurz, aber sehr sehr angenehm. Danke an euch!

Eine herrliche Wanderung ist zu Ende. Ein Tag, der der körperlichen Abkühlung diente und so richtig gut tat. Eine Wiederholungswanderung wünsche ich mir an Wasser führenden Flüssen, vielleicht auch im Winter einmal.

9 Kommentare

  1. Liebe Elke,

    für mich ist es schön auf diesem Weg auch andere Wandergegenden in Deutschland und den Nachbarländern kennen zu lernen. Mir macht es den Eindruck, dass der Weg aber schlecht gepflegt ist. Fehlende Wegzeichen und zugewachsene Wege sollten nicht sein. Auf der anderen Seite haben zugewachsene Wege auch irgendwie ihre Reiz. Bei genug Wasser in den Bächen ist es bestimmt ein Erlebnis hier zu wandern.

    Liebe Grüße
    Harald

    1. Also für einen nicht premierten Weg war das echt klasse und aus meiner Sicht ist gerade der URWaldcharakter das Spannende gewesen. Es waren keine Dornen im Weg, es war tatsächlich nur Farn etc.
      Die Wegezeichen könnten zugewachsen sein und hin und wieder werden sie leider auch gestohlen. Das lese ich bei befreundeten Wegepaten immer wieder.

      Hach, ich könnte schon wieder los…. :)
      Liebe, sehr sommerlich warme Grüße aus Leverkusen
      Elke

  2. Teile deiner Wandertour bin ich auch schon gegangen. Auf dem Eifelsteig suchten wir Schutz vor dem Regen in der Huette am Reinhartshof. Bei meiner Rundwanderung um die Wesertalsperre bin ich mir so unsicher geworden ueber den Weg, dass ich mir das Wandernavi angeschafft habe ;-) Und ueberall Spuren von Wildschweinen. Faszinierende Gegend aber :-)

    1. Hi hi, das waren also Deine Anfänge mit Navi, bzw. danach. Lohnt dieser Rundweg um die Talsperre?

      1. Also, irgendwie bekomme ich keine Benachrichtigung, wenn du auf meine Reaktion antwortest. Ich sehe das hier nur zufällig. Doch, der Rundweg ist sehr schön. Einkehren und parken kann man an der Wesertalsperre.

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