Dort wo der Specht seine neue Bude zimmert und die Vögel in einem munteren Konzert ihr Liedchen singen, wo der Eichelhäher als Polizist des Waldes laut rufend warnt, wenn Gefahr droht, dort ist der Weg der Artenvielfalt. Andere nennen ihn auch Gespensterwald. In Bonn Ippendorf ist er zu finden.

Vor ein paar Tagen stellte ich euch das BuchSiebengebirge und Drachenfelser Ländchen“ von Sven von Loga vor. Ich erwähnte auch, dass ich bereits Teile seiner Vorschläge erkundet habe, unter anderem eben auch diesen Weg der Artenvielfalt in Bonn. Heute stelle ich euch diese kleine Runde separat vor, inclusive ein paar Fotografien für den bildlichen Eindruck.

Weg der Artenvielfalt in Bonn

  • Start der Wanderung: Bonn-Ippendorf, An der Waldau
  • Streckenlänge: 3 km, meine Tour war knapp 6 km lang
  • Eine größere Runde fand ich bei „Ich geh wandern“
  • Einkehr: In der Waldau, im Eingangsbereich des Waldes
  • Spielplatztreff

Da ich ja manchmal nur die Hälfte lese, bin ich nicht auf diesen Waldweg abgebogen, sondern habe ihn erst auf dem Rückweg genutzt. Er hätte mir den langen Trip entlang der Waldparkplätze erspart. Aber so schlimm war es auch nicht, denn morgens um 10:00 Uhr war kaum jemand dort. Also trabe ich frohgemut Richtung Waldrestaurant.

Schicker Waldweg
Hier kann man direkt abbiegen, was ich leider verpennt habe

Waldau-Restaurant

Ich erreiche das wunderschöne Holzhaus mit dem Bauerngarten davor. Hier öffnet Ostern wieder das Waldau-Restaurant . Vier Jahre gab es keinen Betreiber, seit März 2018 kehrte das Leben wieder zurück.

Das Haus im Vordergrund ist das Haus der Natur. Passend zum Waldlehrpfad bietet es Ausstellungen zur Ökologie und Geologie des Waldes. In dem schönen Bauerngarten werden Kräuter und Zierpflanzen gezogen.

Waldau-Restaurant - Weg der Artenvielfalr
Waldau-Restaurant – Frisch renoviert und mit neuem Besitzer und das Haus der Natur mit Bauerngarten

Ein 250 Jahre alter Klangbaum

Eine wundervolle Idee diese alte Buche, die einst ein Sturm aus dem Leben riss, ein Weiterexistieren zu ermöglichen. 250 Jahre lange stand sie im Kottenforst, bot Menschen Schatten und der Tierwelt einen Unterschlupf. Genau so, wie es auf der großen Tafel steht, hat sie dabei ihr eigenes Lied gesungen. Im Herbst, wenn das trockene Laub gegeneinander raschelte, im Frühjahr wenn das leise Wehen durch die Äste klang und die Jungvögel in den Astlöchern nach Futter bettelten. Märchenhaft und doch real.

Diesen umgestürzten Baum hat man auf Tieflader gewuchtet und am Forsthaus Venne ausgehöhlt, sodass ein Erwachsener darin sitzen kann. In einem Baum diesen Ausmaßes (4m hoch und 3,60m Umfang) sitzen und der Resonanz des eigenen Körpers nachzuspüren, das muss gigantisch sein. Beim nächsten Besuch werde ich ihn testen. Bei meiner Ankunft war mir zu viel Betrieb drum herum. Eltern mit quirligen Kindern, die es kaum erwarten können auf den Spielplatz zu gelangen, bevölkern den Eingangsbereich.

Ein Klangbaum
Klangbaum – Eine 250 Jahre alte Buche

Weg der Artenvielfalt – Das Portal und der Weg

Wie auf einer Traumschleife fühle ich mich, als ich das schöne Tor durchschreite. Die Wege sind breit, also für Kinderwagen gut geeignet. Unterwegs werde ich viele Stationen vorfinden, die für Eltern mit Kindern zum spannenden Abenteuer werden kann.

Kurz etwas zu Kopfbuchen – Der Weg der Artenvielfalt

Früher hat man intensiv Holzwirtschaft betrieben. Für die Gewinnung von Brennholz z.B., hat die Bevölkerung ganze Wälder kahl geschlagen. Nur die Wurzelstöcke blieben stehen und trieben wieder aus. Nach 15 bis 20 Jahren hatte man neues Holz, wieder wurde es abgeholzt und genutzt.

Aber auch Viehwirtschaft betrieben die Menschen früher in den Wäldern, so hatten die Viehalter natürliches Futter für ihre Nutztiere, Schafe, Ziegen, Schweine und Kühe. Die fraßen jedoch auch die Jungaustriebe an den frisch geschlagenen Bäumen. Also schlugen die schlauen Bauern die Bäume nicht mehr dicht über den Wurzeln ab, sondern so hoch, dass die Tiere nicht daran kamen. Problem gelöst, Kopfbuchen fabriziert. Kopfbuchen sind die, die sich nach einer gewissen Höhe oben erst verzweigen. Deshalb sehen die auch so merkwürdig aus, aber unglaublich schön, finde ich.

Eingang zum Weg der Artenvielfalt
Eingang zum Weg der Artenvielfalt

An der Vogelbeobachtungshütte auf dem Weg der Artenvielfalt

Eine hölzerne Hütte steht am Wegesrand, mit einem Schild daneben, das ganz offensichtlich auf kindliche Bedürfnisse abgestimmt ist. Der Text ist recht lang und schildert vom Leben des Eichelhähers. Der Eichelhäher ist, das weiß ich sehr gut, ein lauter Geselle. Wenn er meine Futterstellen besucht, kündigt er sein Kommen und Dasein mit seinen krächzenden Lauten an.

Bis zu 10 Eicheln kann der riesige Schlund des Eichelhähers aufnehmen, und wie ein Eichhörnchen verbuddelt er diese als Wintervorrat. Der große Räuber klaut auch mit Vorliebe alles an Nüsschen, die im Eichhörnchenkasten versteckt sind.

Ausgerechnet heute habe ich keinen entdeckt, aber das empfinde ich auch nicht als sonderlich tragisch.

Vogelbeobachtungshütte auf dem Weg der Artenvielfalt
Vogelbeobachtungshütte

Einige weitere Stationen warten auf neugierige Besucher. Stets finde ich Tafeln mit erklärenden Texten und die ersten Kopfbuchen stehen am Wegrand. Immer wieder fasziniert mich, wie dick die Äste eines solchen Baumes sein können.

Aussichtsplattform und der Zaunkönig im Biotop

Wenig weiter laufe ich geradewegs auf eine Aussichtsplattform zu. Ein Biotop gibt es zu bewundern, aber keine Kröten oder Frösche. Kein Laut zu hören.

Biotop an der Aussichtsplattform auf dem Weg der Artenvielfalt
Biotop an der Aussichtsplattform

Dafür hopst ein Zaunkönig im Biotop herum. Nachdem er ein Schlückchen Wasser genippt und ein paar Kleinigkeiten vom Boden aufgepickt hat, fliegt er davon, noch bevor ich die Kamera zucken kann.

Ohne die Hilfe eines älteren Herrn hätte ich den winzigen Kerl nicht als Zaunkönig identifizieren können.

Aussichtsplattform
Aussichtsplattform

Ganze Teppiche Bahn Buschwindröschen breiten sich auf dem Waldboden aus und recken sich den wärmenden Sonnenstrahlen entgegen. Welch ein Zauber, das Frühjahr ist fantastisch, oder nicht?

Buschwindröschen
Buschwindröschen

Während ich so dahin schlendere höre ich voraus die Antwort eines Vaters auf eine Frage des Sohnes: „Nein, aus Schnecken werden keine Schmetterlinge.“ 😄 „Raupen werden zu Schmettlinge“ sprach der schlaue Vater zu seinem kleinen Spross. Ja so kennt man die Kleinen Zweibeiner, wie oft lache ich insgeheim über die sprachlichen Errungenschaften und den Schlussfolgerungen meiner Enkelin.

So viele Schönheiten am Boden

Der Baum links, mit den beiden Beinen, der sieht doch wirklich aus wie ein Ent, der sich gerade auf die Socken macht, oder?

Baum mit zwei Stämmen
Ein Ent auf dem Weg nach Mittelerde?

Seht ihr links und rechts unter dem Baumstamm die beiden Mäuse? Sie haben lange genug still gehalten, damit ich ein Foto machen kann. „Danke, ihr kleinen Nager“

Zwei Mäuse unter einem Baumstamm
Zwei Mäuse unter einem Baumstamm

Offensichtlich mögen nicht alle Menschen die schönen Dinge des Lebens, denn sie randalieren und zerstören sinnlos. Was treibt sie an, sind sie so unglücklich? Zwei Jugendliche, die Totholz gegen einen Baum schlugen erklärten, dass sie ihre Aggression lieber an Dingen austoben, als an Menschen. Joggen war aber keine Option für die beiden Helden.

Das Schlammbad für Ferkel

Kurze Zeit später erreiche ich das Wildgehege. Die Schwarzkittel grunzen vernehmlich und der typische Maggigeruch hängt in der Luft. Herrje müffeln die. Aus dem Futterautomaten bedienen sich die gewitzten Jugendlichen, ohne zu bezahlen und viele der restlichen Besucher füttern Brot, Nudel, Möhren und Äpfel. Sinn verfehlt, aber mit Blick auf das Ende vieler Jungtiere, die hier in den Gehege geboren werden, vielleicht verzeihbar.

Bruno ohne Geweih

Bruno, so nennt ein Pärchen den Herrn, der hinten im Schatten liegt, kaum erkennbar. Er ist eines der Alttiere und genießt, nach reichlicher Fütterung, die Ruhe im Schatten der Bäume. Sein Sohn wurde, wie viele der Frischlinge, offenbar getötet, bevor er erwachsen werden konnte.

Dammhisch
Bruno ruht sich aus

Das Pärchen, dass jeden Sonntag regelmäßig hier im Park ist berichtet, dass ein Großteil der Frischlinge und der jüngeren Damwild geschossen wurde um die Population einzudämmen. Wir unterhalten uns lange und sind traurig, dass ein Jungtier geboren wird, von den Kindern bewundert und gefüttert wird und am Ende durch einen Schuss aus dem Leben gerissen wird.

Wilde Kerle

Nachdem wir uns verabschiedet hatten, streune ich weiter. Die größte Ansammlung von Kopfbuchen wartet auf mich, wobei einige von ihnen schon entwurzelt auf der Seite liegen. Warnschilder sollen Besucher von riskanten Versuchen abhalten, auf den Bäumen herum zu klettern.

Und dann noch der Barfußpfad auf dem Weg der Artenvielfalt

Zuletzt geht es für mich noch auf den Barfußpfad mit seinen unterschiedlichen Untergründen, gut zum fühlen.

Erst einmal Kopfsteinpflaster auf dem Barfußpfad
Erst einmal Kopfsteinpflaster auf dem Barfußpfad

Einer der Wege des Eifelverein hat sich hierher verirrte, nämlich der Krönungsweg. Der führt auf seinen 140 Kilometern von Bonn nach Aachen und ist der nördlichste Ost-West-Weg des Eifelvereins. Mögt ihr mehr erfahren? Hier ist der Weg zum Eifelpfadfinder Mit diesem Bild gebe ich den Abschied. Immerhin geht es für mich jetzt noch auf die andere Rheinseite, ein wenig Rheinsteig schnuppern.

Der Krönungsweg - Ja der Eifelvereins-Weg führt hier lang
Der Krönungsweg – Ja der Eifelvereins-Weg führt hier lang

Fazit zu meinem Besuch auf dem Weg der Artenvielfalt

Ein wenig wechselvoll, weil ich so zerrissen bin mit der Methode der Tiervernichtung. Als Ausflugsziel mit Kindern finde ich dieses Waldgebiet jedoch richtig klasse. Ich konnte keine Fotos vom Spielplatz machen, weil der rappelvoll mit Kindern und Eltern war.

Die hatten so einen mega Spaß. Mit meiner Enkelin werde ich diesen Wald ganz sicher einmal durchstreifen, denn Wald und Schmutz, sowie die natürliche Umgebung reizen immer.  Einige der alten, umgefallenen Bäume dürfen als Klettergelegenheiten genutzt werden. Dieses Angebot nehmen die Kids super gerne an, vermutlich werden sie sich lange dran erinnern.

5 Kommentare

    1. Danke Dir 😊
      Ich bin gerade bei Schneegestöber auf dem Eifelsteig unterwegs gewesen. Da ist der Frühling im Moment etwas gestoppt.

  1. Und wieder eine Gegend, die in meinem neuen Buch bewandert wird. Du kennst einfach schon alles 😀.
    Das Melbtal ist auch so wunderschön. Zuletzt als ich da war, war es aber leider gesperrt. „Besitzverhältnis-Zuständigkeitsstreitigkeiten“ für die Instandhaltung einer baufälligen Treppe soll angeblich die Ursache für die Sperrung sein. Ich ärgere mich natürlich, denn ein Wanderweg aus dem Buch rund um den Venusberg führt mitten durchs Melbtal und wenn Leute das Buch kaufen und dort wandern wollen, stehen sie ohne Vorwarnung vor einer Barriere und es gibt keine Alternative, statt über diese hinweg zu klettern. Die morsche Treppe muss gar nocht betreten werden.
    Wenn mir so etwas mit einem nagelneuen Buch passieren würde, bekäme das von mir vermutlich keine durchweg positive Kritik…
    So etwas fuchst mich total!

    1. Oh ja, das kann ich soooo gut verstehen, aber das ist bei der Einschätzung eines Buches immer mit einzukalkulieren. Liegt ja immerhin nicht in der Verantwortung der Autoren.

      Ich bin so gespannt auf Dein Buch ;-)

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